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Symbolbild: Pressearbeit der Diakonie Bayern

Diakonie in Bayern für die Presse

Die Medien sind wichtige Gesprächspartner für die Diakonie in Bayern, die sie kritisch und konstruktiv begleiten. Gleichzeitig ist die Diakonie im Freistaat eine wichtige Ansprechpartnerin, wenn es um fundierte sozialpolitische Positionen, aber auch um Ansprechpartner und -partnerinnen in den Einrichtungen und Diensten geht.

Die Pressestelle des Landesverbandes steht den Mitarbeitenden der Medien darum jederzeit für Anfragen zur Verfügung.

Meldungen 2018

Philippinen: Hilfe für Taifun-Opfer läuft an

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Diakonie Katastrophenhilfe und Mission EineWelt rufen zu Spenden auf

Berlin/Nürnberg, 16. September 2018. Nachdem Taifun Mangkhut im Norden der Philippinen auf Land getroffen ist, haben die Diakonie Katastrophenhilfe und Mission EineWelt mit ihren lokalen Partnern begonnen, Nothilfe für die betroffene Bevölkerung zu leisten. Der Taifun führte vielerorts zu starken Regenfällen und Erdrutschen. In den kommenden Tagen müssen Verletzte geborgen und das genaue Ausmaß dieser immensen Katastrophe analysiert werden. „Die Menschen auf den Philippinen brauchen jetzt jede Hilfe. Nach einer derart verheerenden Naturkatastrophe zählt jede Stunde“, sagt Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe.

 

Pfarrer Alois Schwarz, für Mission EineWelt als Dozent am theologischen Seminar der Lutherischen Kirche in den Philippinen tätig, schreibt: „Es war furchtbar. 30 Stunden ununterbrochen heftiger Regen. Wassermassen, die ihre Spuren hinterließen. Von Freitag bis Sonntag lief nichts mehr: Busverkehr eingestellt, Stromausfall, kein WLAN, kein Trinkwasser. Der Taifun zerstörte nicht nur die Infrastruktur und Gebäude, sondern forderte viele Menschenleben. Das Ausmaß der Katastrophe habe ich heute auf der Fahrt von Baguio nach Manila gesehen.“

 

Nach dem schweren Taifun Mangkhut werden an die betroffene Bevölkerung erste Hilfssets verteilt. Darin enthalten sind je 10 Kilo Reis, Trockenfisch, Sardinen und Speiseöl sowie außerdem Hygieneartikel wie Seife, Zahnbürsten, Zahnpasta und Waschmittel, zudem Decken und Schlafmatten, einige Meter Plastikplanen zum Schutz vor der Witterung und vor allem Wasserreinigungstabletten.

 

Mangkhut, der die Philippinen am Samstagmorgen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 260 Km/h erreichte, ist der stärkste Taifun, der das Land getroffen hat. Bislang wird von bis zu 120 Todesopfern berichtet. Durch Sturzfluten, Überschwemmungen und Erdrutsche hat der Sturm im Norden der Hauptinsel Luzon schwere Schäden verursacht. In den betroffenen Regionen leben etwa sechs Millionen Menschen. Der Norden der Philippinen ist eine arme Region, in der die Menschen vor allem von der Landwirtschaft leben. Es wird befürchtet, dass Mangkhut große Teile der Ernten zerstörte. „Wir hoffen, dass sich die meisten Menschen in Sicherheit bringen konnten. Dennoch stehen Hunderttausende vor dem Nichts und brauchen dringend Hilfe“, sagt Michael Frischmuth, Kontinentalleiter Asien bei der Diakonie Katastrophenhilfe.

 

Vergangene Woche hat die philippinische Partnerorganisation der Diakonie Katastrophenhilfe Mitarbeitende in die betroffenen Regionen entsandt. Dadurch kann die Hilfe vor Ort sofort beginnen. „Wir sind bestmöglich vorbereitet. Unsere Partnerorganisation hat schon in den vergangenen Tagen freiwillige Helfer mobilisiert und Pakete mit Nahrungsmitteln und Schutzplanen gepackt“, beschreibt Frischmuth die Vorbereitungen. „Doch die anhaltenden Regenfälle erschweren den Zugang zu den betroffenen Regionen. Sobald wir sie erreichen, können erste Hilfsgüter verteilt werden“.

 

Die Diakonie Katastrophenhilfe und MissionEineWelt bitten um Spenden

 

Diakonie Katastrophenhilfe, Berlin

Stichwort: Taifun Hilfe Philippinen

IBAN: DE68 5206 0410 0000 5025 02

BIC: GENODEF1EK1 Evangelische Bank

oder online:

www.diakonie-katastrophenhilfe.de/spenden/

 

Mission EineWelt

Stichwort: Taifun Hilfe Philippinen

IBAN: DE12 5206 0410 0001 0111 11

BIC: GENODEF1EK1 Evangelische Bank

oder online:

http://www.mission-einewelt.de


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Bundesweiter Aktionstag gegen Glücksspielsucht

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Gegen eine unterschätzte Erkrankung

München, 19. September 2018. Am 26. September 2018 findet der bundesweite Aktionstag gegen Glücksspielsucht statt. Wie in den Vorjahren nimmt die Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern (LSG) gemeinsam mit Fachstellen aus ihrem Kompetenznetzwerk Glücksspielsucht in zahlreichen Städten im Freistaat wieder daran teil. Thematischer Schwerpunkt in diesem Jahr: Werbung für Glücksspiele.

 

Mehrere Hundert Millionen Euro gibt die Glücksspielindustrie jährlich für Werbung aus – und das allein in Deutschland. Ob auf Bussen, im Fernsehen oder im Internet – überall begegnet uns täglich eine Vielzahl raffiniert verpackter Botschaften und Eye-Catcher, die zum schnellen Spiel mit dem Glück verführen sollen. Konrad Landgraf, Geschäftsführer der Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern, sieht diese Entwicklung mit zunehmender Sorge: „Gerade Jugendliche, die per Gesetz in besonderem Maße vor den Risiken des Glücksspielens geschützt werden sollen, erreicht diese aggressive Form der Werbung sehr schnell und wirksam.“ Auch wenn sich Werbung für Glücksspiel nicht gezielt an Jugendliche wenden darf, so sind junge Menschen doch besonders anfällig für diese Botschaften. Neben der Tatsache, dass mit Werbung natürlich auch neue Kunden für das Glücksspiel gewonnen werden sollen, stellt sie aber vor allem für Personen, die bereits Probleme mit dem Glücksspielen haben, einen besonderen Anreiz zur Spielteilnahme dar.

 

Um auf die Risiken des Glücksspiels aufmerksam zu machen, veranstaltet die LSG im Rahmen des bundesweiten Aktionstags gegen Glücksspielsucht in ganz Bayern zahlreiche öffentlichkeitswirksame Aktionen. Landgraf hofft wieder auf möglichst viele Besucher, denn, so der Suchtexperte: „Mit unseren Aktionen erreichen wir die Menschen direkt, wir kommen mit ihnen ins Gespräch und können sie so verstärkt auf die Problematik aufmerksam machen und informieren. Denn Glücksspielsucht ist eine schwerwiegende Erkrankung, die noch viel stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werden muss. Dazu können unsere Aktionen einen wertvollen Beitrag leisten.“

 

Aktuell geht die LSG von rund 34.000 pathologisch Glücksspielenden und weiteren 33.000 Menschen aus, die ein problematisches Spielverhalten zeigen. Nicht zu vergessen, dass dadurch auch viele andere, etwa Angehörige, Freunde sowie Kolleginnen und Kollegen, in Mitleidenschaft gezogen werden. Und: Der Schuldenstand von Personen, die in Beratung sind, beläuft sich im Durchschnitt auf rund 24.000 Euro. Bei keiner anderen Abhängigkeitsform ist dieser Wert so hoch. Die Folgen übermäßigen Glücksspielens sind oftmals dramatisch, wie Landgraf sagt: „Häufig bedeutet Glücksspielsucht den Ruin ganzer Familien. Diese Sucht stellt eine immens hohe psychische Belastung für alle Betroffenen und deren Angehörige dar.“

 

Unsere geplanten Aktionen finden Sie unter www.lsgbayern.de

 

Die Landesstelle Glücksspielsucht koordiniert bayernweit Prävention, Forschung, Beratung und Hilfe rund um das Thema pathologisches Glücksspielen. Sie besteht seit Juni 2008 und wird vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege finanziert. Kooperationspartner sind die Bayerische Akademie für Sucht- und Gesundheitsfragen BAS Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt), der Betreiberverein der Freien Wohlfahrtspflege Landesarbeitsgemeinschaft Bayern für die Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern e.V. und das IFT Institut für Therapieforschung München. Die LSG arbeitet fachlich unabhängig und ist nicht weisungsgebunden.

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Sehr gutes Ergebnis für Brot für die Welt

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Bayern erneut Spitze im bundesweiten Vergleich

Nürnberg, 9.8.2018 Eine leichte Steigerung und erneut der Spitzenplatz im bundesweiten Vergleich: Genau 9.287.271 Euro an Spenden hat Brot für die Welt im vergangenen Jahr in Bayern erhalten. In dieser Summe sind alle Kollekten und Spenden aus der Region enthalten. „Wir freuen uns sehr, dass Spenderinnen und Spender Brot für die Welt auch 2017 ihr Vertrauen geschenkt haben. Mit ihren Spenden legen sie das Fundament dafür, dass Millionen Menschen in mehr als 90 Ländern Wege aus Armut und Not finden“, sagte Michael Bammessel, Präsident des Diakonischen Werkes Bayern. „Allen, die dazu beigetragen haben, danke ich herzlich.“ Bundesweit haben Spenderinnen und Spender die Arbeit von Brot für die Welt im vergangenen Jahr mit mehr als 61,8 Millionen Euro unterstützt. Das ist ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr (61,7 Mio. Euro).

 

Spendenergebnis auch im Dekanatsbezirk Nürnberg gesteigert

Allein durch die Kollekte am 1. Advent 2016 und durch die Adventssammlung 2016* trugen die Evangelischen Kirchengemeinden im Dekanatsbezirk Nürnberg mit 218.380,42 Euro zum guten Ergebnis bei. Dies bedeutet eine Steigerung um 6.311,73 Euro bzw. 3 % gegenüber dem Vorjahr. Brot für die Welt arbeitet weltweit mit lokalen Partnerorganisationen zusammen. Bammessel: „So werden Projekte unterstützt, die unmittelbar in Kooperation mit den Menschen vor Ort, zum Beispiel mit Kleinbauern und –bäuerinnen und ihren Familien umgesetzt werden. Solche Projekte setzen wirklich bei den Bedürfnissen der Menschen an: Keine prestigeträchtigen Großprojekte, sondern die Solarzelle auf dem Haus, der holzsparende Herd in der Küche oder die ortsnahe Wasserpumpe.“ Im vergangenen Jahr wurden 680 Projekte neu bewilligt, davon 237 Projekte in Afrika. Im Zentrum stehen langfristige Maßnahmen, die Hunger und Mangelernährung überwinden, Bildung und Gesundheit fördern, Zugang zu sauberem Wasser schaffen, die Achtung der Menschenrechte und Demokratie stärken und den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen unterstützen. Brot für die Welt wurde 1959 gegründet. Das Hilfswerk der evangelischen Landes- und Freikirchen fördert heute in mehr als 90 Ländern Projekte zur Überwindung von Hunger, Armut und Ungerechtigkeit. Seit der Gründung wurden allein in Bayern über 350 Millionen Euro an Spenden gesammelt.

 

Spendenkonto:

IBAN: DE10 1006 1006 0500 5005 00

Bank für Kirche und Diakonie

* Die im Advent eingehenden Kollekten und Spenden werden von den Kirchengemeinden stets zu Beginn des folgenden Jahres abgerechnet und weitergeleitet. Daher sind die Adventskollekte und –sammlung 2016 im Spendenergebnis 2017 enthalten.

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Ehemaliger Diakonie-Präsident Pfarrer Dr. h.c. Neukamm verstorben

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Er wurde 89 Jahre alt.

Nürnberg, 8. August 2018 Im Alter von 89 Jahren ist gestern Pfarrer Dr. h.c. Karl Heinz Neukamm verstorben. Neukamm war von 1975 bis 1984 ehrenamtlicher Präsident des Diakonischen Werkes Bayern. „Karl Heinz Neukamm hat entscheidende sozialpolitische Entwicklungen begleitet und geprägt“, sagte der Vorsitzende des Diakonischen Rates der Diakonie in Bayern, der Augsburger Rektor Heinrich Götz. „und er hat an der Diakonie bis ins in hohe Alter regen Anteil genommen.“

Der 1929 in Pegnitz geborene Neukamm war nach seinem Theologiestudium in Erlangen und Göttingen Gemeindepfarrer im mittelfränkischen Beerbach. 1962 wurde er zum Landesjugendpfarrer der bayerischen Landeskirche berufen. Von 1967 bis 1984 leitete er die Rummelsberger Anstalten, ab 1975 war er zudem ehrenamtlicher Präsident des Diakonischen Werkes Bayern. 1984 wechselte er ins Präsidentenamt des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD). 1994 ging Neukamm in den Ruhestand. In seine Amtszeit als Diakoniepräsident fiel die Wiedervereinigung der Diakonischen Werke in Ost- und Westdeutschland. Außerdem setzte er sich für die 1993 eingeführte Pflegeversicherung ein. 1991 wurde ihm für seine Verdienste um die ökumenische Diakonie die Ehrendoktorwürde der Lutherischen Theologischen Akademie in Budapest verliehen. Außerdem erhielt er das Bundesverdienstkreuz und den Verdienstorden der Republik Ungarn.

In seinem Ruhestand war Neukamm von 1994 bis 2000 Beauftragter des Rates der EKD für Fragen der Spätaussiedler und der Heimatvertriebenen. Noch im Jahr 2012 wurde er in die Rummelsberger Brüderschaft aufgenommen.

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Personalmangel größte Herausforderung in der Pflege.

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Diakonie Bayern spricht sich für Einwanderungsgesetz aus.

Nürnberg, 15. Juli 2018 „Pflege durch Angehörige, durch eine Diakoniestation oder im Heim – die Zeiten, in denen man in der Pflege nur zwischen drei Möglichkeiten wählen konnte, sind lange vorbei. Mittlerweile gibt es eine ganze Palette an maßgeschneiderten Angeboten.“ Die Tagespflege, so Diakoniepräsident Michael Bammessel, sei hier besonders wichtig. Anlässlich der heutigen Eröffnung der Tagespflege des Diakonievereins Thurnau-Hutschdorf (Oberfranken) betonte der Diakoniechef aber auch die sozialpolitischen Herausforderungen, die mit dem Thema Pflege weiterhin verbunden seien.

Zwar habe die letzte große Koalition mit  dem Pflegestärkungsgesetz 2 im vergangenen Jahr ganz wesentliche Verbesserungen für die Tagespflege erreicht. „Seitdem ist die Tagespflege für die Angehörigen leichter bezahlbar, und für die Träger ist das Risiko kleiner geworden, eine Tagespflege anzubieten.“ Dennoch müssten die diakonischen Träger schwierige Verhandlungen mit den Kassen führen, da diese keine wirklich auskömmliche Finanzierung der Tagespflegen ermöglichten.

Das größte Problem, so Bammessel, sei jedoch auch hier der Personalmangel: „Wir werden den Bedarf an Pflegekräften in unserem Land in den nächsten Jahrzehnten nur decken können, wenn wir Mitarbeitende aus anderen Ländern leichter als bisher als Pflegekräfte anwerben, schulen und in unsere Arbeit integrieren können.“ Da brauche es ein gutes, praxisgerechtes Einwanderungsgesetz.

Der Diakoniepräsident wiederholte zudem seine Forderung, frisch ausgebildete Pflegekräfte, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sein, nicht die Arbeitserlaubnis zu entziehen und sie auszuweisen. „Sie haben mit der Ausbildung zum Pflegehelfer und zu Pflegehelferin gezeigt, dass sie es wollen und dass sie es können. Wir brauchen doch dringend diese Pflegekräfte!“

Angehörige, die sich um ihre betreuungs- oder pflegebedürftigen Partner, Eltern oder Großeltern kümmern, können diese tagsüber in Einrichtungen der Tagespflege unterbringen – etwa, wenn der Besuch eines ambulanten Pflegedienstes nicht mehr ausreicht, eine (voll)stationäre Unterbringung aber noch nicht notwendig ist. In der Tagespflege werden sie durchgehend betreut und kommen abends wieder in die häusliche Umgebung zurück.

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Über 140.000 Stunden im Jahr für die Familien in Bayern.

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Fachverband Beratung wird 50

Nürnberg, 11.7.2018 Schwangerschafts-, Ehe-, Familien-, Lebens- und Erziehungsberatung - gleich mehrere Beratungsbereiche der Diakonie Bayern sind im „Fachverband Beratung“ zusammengeschlossen, der jetzt in Nürnberg sein fünfzigjähriges Bestehen feierte. „Die Familie ist mittlerweile so viel facettenreicher als noch zu den Zeiten der Gründung“, sagte Elisabeth Simon, Geschäftsführerin des Verbandes, auf der Festveranstaltung vor etwa 100 Teilnehmenden.. Der Beratungsbedarf hingegen sei nicht kleiner geworden – im Gegenteil.  „Familien sehen heute auch ganz anderen Herausforderungen gegenüber, die sie bewältigen müssen.“

1968 – im Gründungsjahr des Verbandes - brauchten Frauen noch die Einwilligung ihres Mannes, wenn sie arbeiten wollten, und Eltern, die es duldeten, dass der Freund der Tochter oder die Freundin des Sohnes bei ihnen übernachtet, riskierten bis zu fünf Jahren Haft – auf Grundlage des berüchtigten “Kuppelparagraphen“. Die Vorstellung von Ehe, Beziehung und Erziehung habe sich, so Simon weiter, seitdem kontinuierlich weiterentwickelt, so Simon. Die Themen der Beratungsarbeit sind längst andere: Trennung und Scheidung seien kein Tabu mehr, und auch Faktoren wie Mobilität, Digitalisierung, aber auch Migration hätten oftmals weitreichende Folgen für Arbeit der Beratungsstellen und diakonische Träger, die im Fachverband zusammengeschlossen sind. Simon: „Vielen Menschen machen die rapiden gesellschaftlichen Veränderungen Angst; sie fürchten, nicht mithalten zu können. Und dieser Stress belastet Familien und Beziehungen.“ So hätten allein im Jahr 2017 über 35.000 Eltern, Kinder und Jugendliche eine Erziehungsberatungsstelle der Diakonie aufgesucht; insgesamt wurden im vergangenen Jahr durch sie knapp 100.000 Beratungsstunden erbracht.

Die Geschäftsführerin des Fachverbandes wies aber auch auf die schwierige Finanzierung der diakonischen Beratungsarbeit hin: „Viele Beratungsangebote werden von den Kommunen bzw. dem Freistaat finanziert – jedoch nur, wenn die Träger einen gewissen Eigenanteil selbst finanzieren.“ Dies stelle die Träger der Beratungsstellen vor immer größere finanzielle Herausforderungen. „Die Arbeit der Beratungsstellen hat nicht selten präventiven Charakter – das sollte auch durch eine entsprechend vollständige Finanzierung anerkannt werden“, forderte Simon.

Der Evangelische Fachverband für Beratung vertritt die Interessen der Schwangerschafts-, Ehe-, Familien-, Lebens- und Erziehungsberatung. Es gibt derzeit 26 Erziehungs-, Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen (17 in diakonischer Trägerschaft, 9 in gemeinsamer Trägerschaft mit dem Caritasverband) sowie 14 Schwangerschaftsberatungsstellen (10 in diakonischer Trägerschaft und 4 in der Trägerschaft von „Frauen beraten e.V.“). 7 Beratungsstellen sind integriert, das heißt es wird mehr als einer der genannten Beratungsbereiche abgedeckt. Weitere Informationen zum Fachverband finden Sie unter www.beratung-in-bayern.de

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Für einen guten Start in die Freiheit.

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Diakonie und Evangelische Kirche in Bayern wollen mehr Übergangsmanagement für Strafentlassene

Nürnberg, 09.07.2018 Für eine intensivere Begleitung von Straffälligen in den letzten Monaten der Haft sowie in der Zeit nach der Entlassung haben sich die Diakonie Bayern und die Evang.-Luth. Kirche in Bayern ausgesprochen. „Der Übergang von der Haft in die Freiheit hat einen wesentlichen Einfluss auf eine gelingende Wiedereingliederung von haftentlassenen Menschen,“ sagte der Präsident der Diakonie Bayern, Michael Bammessel, jetzt beim Fachtag „Was wirkt im Übergangsmanagement?“ im Münchner Justizpalast. „Deshalb muss aus unserer Sicht, bereits am ersten Tag der Inhaftierung eine vielfältige Entlassungsvorbereitung beginnen.“

Der Weg für Martin (Name geändert) schien vorgezeichnet: Zehn Monate hatte er hinter Gittern verbracht. Draußen wartete niemand mehr auf ihn; seine Freundin und Mutter seines Sohnes hatte ihn schon vor dem Haftantritt verlassen. Eine Stelle, eine eigene Wohnung, kurz: Ein geregeltes Leben nach dem Knast – Fehlanzeige. Hätte es nicht den Sozialdienst in der Justizvollzugsanstalt und die Mitarbeitenden der freien Straffälligenhilfe gegeben. Schon vor der Entlassung wurden die verschiedenen „Baustellen“ bearbeitet: Die Suche nach einer Stelle und einer Wohnung, die Anbahnung des Kontaktes zum Kind. Auch zur Zimmerbesichtigung und zum Jobcenter begleitete ihn die Diakonie.

Diakoniechef Bammessel zufolge zeigt dieses Beispiel, wie intensives Übergangsmanagement gelingen kann: „Es geht um eine gezielte Entlassungsvorbereitung, gut funktionierende Netzwerke zwischen Strafvollzug und Straffälligenhilfe, effektive Kooperationen mit unterschiedlichen Akteuren und vor allem um die gelingende Koordinierung der Hilfen und Vernetzung von verschiedenen Stellen.“ Beim Übergangsmanagement gehe es, kurz gesagt, einerseits um betroffene Menschen in Haft und anderseits um die Strukturen im System des Strafvollzugs und der Straffälligenhilfe.

Der für Diakonie und gesellschaftliche Aufgaben zuständige Oberkirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Detlev Bierbaum, betonte darum: „Um wieder eine gesicherte Existenz in unserer Gesellschaft zu ermöglichen, muss ja nicht nur die Tat selbst reflektiert werden. Eine ausschlaggebende Rolle spielen die Beziehungen des Täters - zu anderen, zur Familie, zur Tat, zu sich selbst.  Auch darum kann der seelsorgerische Moment in der Straffälligenhilfe nicht hoch genug eingeschätzt werden. Es geht um ein Zusammenwirken aller Fachddienste mit der Seelsorge.“ Nicht zuletzt könne eine entsprechende Begleitung auch den gefürchteten „Drehtüreffekt“ verhindern.

Wie wichtig dies sei, beschrieb Michael Bammessel aus Sicht der Diakonie: „Unsere Mitgliedseinrichtungen berichten, dass viele Gefangene gerade in den ersten Tagen, Wochen und Monaten nach ihrer Entlassung aus der Justizvollzugsanstalt große Schwierigkeiten haben, wieder Fuß zu fassen.“ Die Suche nach Wohnung und  Arbeit sowie mangelnde tragfähige Kontakte erschweren der Diakonie zufolge die Wiedereingliederung. Der Diakoniepräsident weiter: „Zwar ist die Zahl der Strafgefangenen im Freistaat im Zehn-Jahres-Vergleich von 2007 auf 2017 deutlich gesunken. Dennoch haben wir im vergangenen Jahr wieder einen Anstieg um etwa 800 Häftlinge bzw. 0.9 Prozent zu verzeichnen gehabt.“ Der Bedarf an weiterer adäquater sozialer Beratung und entsprechenden Wohnformen steige darum an.

Wie wichtig das Übergangsmanagement sei und welchen Erfolg es haben kann, hat bereits 2016 eine bundesweite Rückfalluntersuchung gezeigt,. Die überwiegende Zahl der Rückfalltaten ereignet sich demzufolge innerhalb der ersten drei Jahre, die Hälfte sogar innerhalb des ersten Jahres nach Verurteilung oder Entlassung – also im möglichen Zeitraum eines Übergangsmanagements. Im Zeitraum zwischen drei und sechs Jahren nach der Entlassung steigt die Rückfallquote von 35 Prozent auf 44 Prozent. Im Verlauf weiterer drei Jahre hingegen steigt sie nur noch gering an - um weitere rund 3 Prozent auf 48 Prozent.

Bammessel wies allerdings auch auf die begrenzte Finanzierungs- und Planungssicherheit im  Übergangsmanagement hin.  „Wir brauchen eine auskömmliche Finanzierung der Angebote im Übergangsmanagement,  der Schuldner-  und Suchtberatung in der JVA sowie ausreichende Personalkapazitäten beim Sozialdienst im Justizvollzug.“ Das Arbeitsfeld der freien Straffälligenhilfe sei im Vergleich zu anderen sozialen Arbeitsfeldern durch große Finanzierungsunsicherheiten und einem hohen Eigenmitteleinsatz der Träger wie der Diakonie gekennzeichnet.

In den letzten Jahren habe sich der Freistaat Bammessel zufolge in diesem Bereich aber auch stark engagiert: "Im Übergangsmanagement arbeiten der Sozialdienst im Justizvollzug und die Freie Wohlfahrtspflege mittlerweile eng zusammen, und inzwischen werden auch – im begrenzten Umfang – vom Bayerischen Sozialministerium finanzielle Mittel für das Übergangsmanagement zur Verfügung gestellt.“

Martin hat mittlerweile übrigens wieder eine Stelle gefunden. Mit dem Lohnnachweis ist es ihm auch gelungen wieder eine Wohnung zu finden. Und seinen Sohn sieht er auch wieder regelmäßig.

Auf der Fachtagung „Übergangsmanagement“, in Kooperation mit dem Bayerischen Staatsministerium der Justiz, veranstaltet von der Diakonie Bayern, dem Fachverband Evangelische Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe (FEWS), der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und sowie der Evangelischen Konferenz für Gefängnisseelsorge in Bayern, tauschten sich über 100 unterschiedliche Akteure von Justizvollzug, Gefängnisseelsorge, Bewährungshilfe, der Freien Straffälligenhilfe sowie Jobcenter und Agentur für Arbeit aus. Im Mittelpunkt standen Best Practice Beispiele sowie aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen im Übergangsmanagement.

Die Diakonie in Bayern unterhält unter anderem 11 stationäre und 3 teilstationäre Einrichtungen der Straffälligenhilfe, fünf Dienste für ambulantes Wohnen, acht Fachberatungsstellen der Straffälligenhilfe sowie vier Fachstellen zur Vermittlung gemeinnütziger Arbeit („Schwitzen statt Sitzen“) sowie für Täter-Opfer-Ausgleich.

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„Aufarbeitung hält sich an kein Datum“

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Erziehungsverbände arbeiten Heimerziehung in den Jahren von 1949 bis 1975 auf

Nürnberg, 04.07.18 Brigitte Molnar lebte von 1952 bis 1975 in einem Säuglingsheim. „Ich erinnere mich an kein persönliches Wort einer Fachkraft“, sagte Molnar über die Zeit. Sie sprach bei einem Fachtag am Montag im Haus Eckstein in Nürnberg zu Vertretern aus Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe über ihre Erfahrungen. Wenn sie an die Zeit im Säuglingsheim zurückdenkt, fallen ihr Stichworte wie Isolation und Langeweile ein. „Es gab kein Spielzeug“, sagte Brigitte Molnar. „Die Erzieherinnen haben schreckliche Dinge gesagt, aber zuckersüß.“

Zu dem Fachtag hatten der Landesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen in Bayern e.V. (LVkE) und der Evangelische Erziehungsverband in Bayern e.V. (eev) eingeladen. Er stand unter dem Titel „Aus Erfahrung lernen – Konsequenzen aus der Aufarbeitung der Heimerziehung 1949 bis 1975“. Bereits 2011 veranstalteten die beiden Verbände einen Fachtag zu dem Thema und motivierten ihre Mitglieder zur Aufarbeitung der Heimerziehung.

Für Brigitte Molnar war es ein „tiefes Gefühl der Genugtuung“, als sie vor einigen Jahren erfuhr, dass die damalige Praxis der Heimerziehung ein gesellschaftliches Diskussionsthema geworden ist. 2006 sprachen Betroffene vor dem Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages über Missstände in Einrichtungen, ihr erfahrenes Leid und die Folgen. Ein „Runder Tisch“ beschäftigte sich infolgedessen mit der Heimerziehung in den 1950er- und 60er-Jahren. Der Runde Tisch regte die Einrichtung eines Fonds für Betroffene an, die in den Jahren von 1949 bis 1975 in einer stationären Einrichtung lebten und Leid oder Benachteiligung erfahren haben. Außerdem wurden regionale Anlauf- und Beratungsstellen eingerichtet.

„Wir beraten, unterstützen bei der Suche nach Unterlagen und vermitteln bei Bedarf Therapieangebote“, sagte Stefan Rösler, Leiter der regionalen Anlauf- und Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder in Bayern, beim Fachtag. Um finanzielle Leistungen aus dem Fonds „Heimerziehung West“ bzw. aus dem Fonds „Heimerziehung Ost“ zu erhalten, mussten sich Betroffene bis Ende 2014 anmelden.

Stefan Rösler nannte beim Fachtag einige Zahlen: Die Mitarbeitenden der Beratungsstelle in Bayern hätten mit über 3000 Betroffenen gesprochen, davon hatten 2600 Personen einen Anspruch auf Leistungen aus dem Fonds, der zu je einem Drittel von Bund, Ländern und Kirchen getragen wird. „Der Fonds war ein Symbol, dass die Verantwortungsträger gesehen haben, dass sie etwas tun müssen“, sagte Stefan Rösler. Für viele Betroffene seien die finanziellen Leistungen nicht entscheidend gewesen, sondern „die Erlaubnis, dass sie über ein Thema sprechen konnten, das oft tabuisiert war“, sagte Rösler. Das Angebot der Anlauf- und Beratungsstellen endet regulär mit dem Jahr 2018. Doch: „Aufarbeitung hält sich an kein Datum“, sagte Stefan Rösler. „Das Thema darf nicht wieder in der Schublade verschwinden.“

MdL Joachim Unterländer, Vorsitzender des Landtagsausschusses für Arbeit und Soziales, Jugend, Familie und Integration der CSU-Fraktion, sagte, es sei notwendig, Gespräche mit Betroffenen zu suchen. Er kündigte an, dass die regionalen Anlauf- und Beratungsstellen auch über das Jahr 2018 hinaus bestehen bleiben sollen. Das hätte der Landtag beschlossen.

Auch die beiden konfessionellen Erziehungsverbände eev und LVkE wollen an einer weiteren Aufarbeitung mitwirken. „Wir sehen uns in einer besonderen Verpflichtung, die Heimerziehung aufzuarbeiten“, sagte Sigrun Maxzin-Weigel, Vorsitzende des eev. Man müsse aus den Erfahrungen lernen und Strukturen schaffen, die Missbrauch verhindern. Michael Eibl, Vorsitzender des LVkE, sagte, dazu gehörten partizipative Strukturen und die Qualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Vieles sei schon erreicht, doch einige Rahmenbedingungen seien noch zu verbessern. So gebe es inzwischen zum Beispiel viele Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche in den Einrichtungen. Doch das reiche nicht, Partizipation müsse vor allem gelebt werden.

Wie sehr sich Strukturen und die Pädagogik in stationären Einrichtungen verändert haben, zeigten zwei Dialoggespräche zwischen „ehemaligen“ und „heutigen Heimkindern“, sowie zwischen damaligen und heutigen Fachkräften. Im Säuglingsheim von Brigitte Molnar waren seinerzeit drei Erzieherinnen für 40 Kinder zuständig. Heute sind meist nur noch acht oder neun Kinder in einer Gruppe, mit mindestens einem Erzieher oder auch deutlich mehr – je nach Art der Einrichtung. „Ich bin erstaunt und erschrocken, wie es damals lief“, sagte eine junge Frau, die aktuell in einer stationären Jugendhilfeeinrichtung lebt.

Für die Zukunft kündigten Sigrun Maxzin-Weigel und Michael Eibl an, dass die beiden Dachverbände weiter zusammen an der Aufarbeitung der Heimerziehung arbeiten und Konsequenzen daraus ziehen wollen. „Wir müssen noch viel lästiger werden, um uns für die Themen der jungen Menschen einzusetzen“, sagte Michael Eibl mit Blick auf das politische Geschehen und Gesetzgebungsverfahren.

Claudia Kestler(Die Rummelsberger)

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„Die Abschiebung von angehenden Pflegekräften ist irrwitzig.“

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Diakonie Bayern fordert bessere Chancen für Flüchtlinge in der Pflegeausbildung.

Nürnberg, 02.07.2018. Flüchtlinge, die bereits erfolgreich eine Pflegehelferausbildung durchlaufen, sollen nicht weiter von Abschiebung bedroht werden. Anlässlich der Eröffnung der „Sindersberger Pflegearche“ (Weiden), einer palliativen Einrichtung für Schwerstpflegebedürftige, forderte die Diakonie in Bayern, auch die Ausbildung zum Pflegehelfer als qualifizierte Ausbildung im Sinne des Aufenthaltsrechts anzuerkennen. Dies würde einen Schutz vor Abschiebung bedeuten. Diakoniepräsident Michael Bammessel: „Wir suchen überall händeringend nach jungen Menschen, die sich für die Altenpflege ausbilden lassen. Es grenzt an Irrsinn, wenn wir motivierte, ausgebildete Migranten des Landes verweisen, obwohl wir mancherorts aus Personalmangel keine Pflegebedürftigen mehr aufnehmen können.“

 

Ihm seien mehrere Fälle bekannt, in denen Flüchtlinge nach der einjährigen Pflegehelferausbildung von den Ausländerbehörden in Bayern keine Arbeitserlaubnis mehr bekamen und auch die Ausbildung zur vollen Pflegefachkraft verboten wurde. Stattdessen wurde diesen dringend benötigten Pflegekräften die Abschiebung angedroht. Diese bayerische Praxis widerspreche einem Beschluss der Arbeitsministerkonferenz vom Dezember 2017, so Bammessel. „Wer als Flüchtling erfolgreich die einjährige Ausbildung zum Pflegehelfer absolviert und sich bereits gute Sprachkenntnisse erworben hat, hat doch bewiesen, dass er sich bei uns integrieren kann. Einheimische Pflegebedürftige sind in der Regel sehr dankbar für ihren Dienst. Die Staatsregierung und die Behörden können sich bei dieser harten Praxis wirklich nicht auf den Willen der Bevölkerung berufen.“

 

Diakoniepräsident Michael Bammessel wirkte am Sonntag zusammen mit Dekan Wenrich Slenczka bei der Wiedereinweihung des Eleonore-Sindersberger-Seniorenheims der Diakonie in Weiden mit. Zum neuen Konzept des Hauses gehört auch eine „Pflege-Arche“, eine Einrichtung für schwerstpflegebedürftige Menschen in der letzten Lebensphase mit insgesamt 13 Plätzen. Nach Aussage der Diakonie in Weiden soll dort die „soziale und die spirituelle Ebene“ der Bewohner und Bewohnerinnen besonders beachtet werden. Dazu gehört auch, dass die Angehörigen zu jeder Zeit Zugang zur den Bewohnerinnen und Bewohnern haben.

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„Wer Pech hat – gewinnt.“

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Zehn Jahre Landesstelle Glücksspielsucht

Nürnberg/München Etwa 34.000 Menschen in Bayern weisen ein pathologisches und weitere 33.000 ein problematisches Spielverhalten auf. Hinzu kommen jeweils bis zu 20 Angehörige, die indirekt ebenfalls von der Spielsucht und ihren Folgen betroffen sind. Hilfe finden die Betroffenen in den Beratungsstellen der Wohlfahrtsverbände – und bei auf Glücksspielsucht spezialisierten Expertinnen und Experten der Landesstelle Glücksspielsucht, die vor zehn Jahren gegründet wurde.

„Das staatliche Glücksspielmonopol ist nur dann gerechtfertigt, wenn der Staat den negativen Folgen der Glücksspielsucht konsequent entgegenwirkt“ – es war diese Aussage des Bundesverfassungsgerichtes aus dem Jahr 2006, die zur Gründung der Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern führte. In der Folge beauftragte der Freistaat Bayern die wichtigsten Akteure der Suchthilfe, die „Landesstelle Glücksspielsucht“ (LSG) in Bayern zu errichten. Die Trägerschaft übernahmen die Bayerische Akademie für Suchtfragen (BAS), das Institut für Therapieforschung (ITF) und die Freie Wohlfahrtspflege Bayern. Zu den primären Aufgaben der Landesstelle gehört die Aufklärung der Öffentlichkeit sowie die Prävention, Suchthilfe und Suchtforschung bei Glücksspielsucht.

Mit mittlerweile 22 auf Glücksspielsucht spezialisierten Fachstellen, die über ganz Bayern verteilt sind, haben die Beraterinnen und Berater der LSG bereits mehr als 13.000 Betroffenen und über 3.000 Angehörigen von Menschen mit einer glücksspielbezogenen Problematik in ihrer schwierigen Situation geholfen. Denn: Glücksspielsucht hat mitunter desaströse Auswirkungen auf die Betroffenen und ihr gesamtes Umfeld. Ein Experte der Fachstelle: „Nicht selten kommt es vor, dass Betroffene ihr gesamtes Vermögen verspielen, durchschnittlich über 25.000 Euro Schulden anhäufen und damit riskieren, ihre Familie, Freunde und ihren Arbeitsplatz – im wahrsten Sinne des Wortes – aufs Spiel zu setzen und zu verlieren.“

Das häufigste Glücksspiel ist das klassische Lottospiel (knapp 60 Prozent); Automatenspiele hingegen spielen hingegen deutlich weniger Menschen (knapp ein Prozent). Eine immer größere Rolle spielen Online-Angebote wie Sportwetten oder Internetkartenspiele. Bei Jugendlichen – jeder zweite bayerische Jugendliche gab im Jahr 2012 an, bereits einmal an Glücksspielen teilgenommen zu haben – stehen Rubbel- und Aufreißlose an erster Stelle (ca. 30 Prozent), gefolgt von Karten- und Würfelspielen sowie Spielen im Internet. Nicht erfasst wurden Online-Rollenspiele wie „World of Warcraft“ und andere. 

In Deutschland ist der gesamte Glücksspielmarkt ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Auf dem legalen deutschen Glücksspielmarkt (ohne Soziallotterien) wurde 2016 ein Umsatz (=Spieleinsätze) von 45,2 Milliarden Euro erzielt. Dies entspricht gegenüber dem Vorjahreswert einem Anstieg um 6,3 Prozent. Insgesamt erreichten die Bruttospielerträge des regulierten deutschen Glücksspielmarktes ein Volumen von 12  Milliarden Euro. Dies entspricht einer Steigerung von 615 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. 

Die Anzahl der aufgestellten Automaten in der Gastronomie und in Spielhallen hat sich 2016 um 3.000 Geräte auf insgesamt 264.000 nur leicht verringert. Rund 70 Prozent der Geräte befinden sich in den 14.877 Spielhallen (Konzessionen) an 9.102 Standorten (diese Angaben beziehen sich auf Kommunen mit mehr als 10.000 Einwohnern).

Mehr über die Landesstelle Glücksspielsucht finden Sie hier.

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vkpornodepfile.com