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Symbolbild: Pressearbeit der Diakonie Bayern

Diakonie in Bayern für die Presse

Die Medien sind wichtige Gesprächspartner für die Diakonie in Bayern, die sie kritisch und konstruktiv begleiten. Gleichzeitig ist die Diakonie im Freistaat eine wichtige Ansprechpartnerin, wenn es um fundierte sozialpolitische Positionen, aber auch um Ansprechpartner und -partnerinnen in den Einrichtungen und Diensten geht.

Die Pressestelle des Landesverbandes steht den Mitarbeitenden der Medien darum jederzeit für Anfragen zur Verfügung.

Meldungen 2018

Personalmangel größte Herausforderung in der Pflege.

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Diakonie Bayern spricht sich für Einwanderungsgesetz aus.

Nürnberg, 15. Juli 2018 „Pflege durch Angehörige, durch eine Diakoniestation oder im Heim – die Zeiten, in denen man in der Pflege nur zwischen drei Möglichkeiten wählen konnte, sind lange vorbei. Mittlerweile gibt es eine ganze Palette an maßgeschneiderten Angeboten.“ Die Tagespflege, so Diakoniepräsident Michael Bammessel, sei hier besonders wichtig. Anlässlich der heutigen Eröffnung der Tagespflege des Diakonievereins Thurnau-Hutschdorf (Oberfranken) betonte der Diakoniechef aber auch die sozialpolitischen Herausforderungen, die mit dem Thema Pflege weiterhin verbunden seien.

Zwar habe die letzte große Koalition mit  dem Pflegestärkungsgesetz 2 im vergangenen Jahr ganz wesentliche Verbesserungen für die Tagespflege erreicht. „Seitdem ist die Tagespflege für die Angehörigen leichter bezahlbar, und für die Träger ist das Risiko kleiner geworden, eine Tagespflege anzubieten.“ Dennoch müssten die diakonischen Träger schwierige Verhandlungen mit den Kassen führen, da diese keine wirklich auskömmliche Finanzierung der Tagespflegen ermöglichten.

Das größte Problem, so Bammessel, sei jedoch auch hier der Personalmangel: „Wir werden den Bedarf an Pflegekräften in unserem Land in den nächsten Jahrzehnten nur decken können, wenn wir Mitarbeitende aus anderen Ländern leichter als bisher als Pflegekräfte anwerben, schulen und in unsere Arbeit integrieren können.“ Da brauche es ein gutes, praxisgerechtes Einwanderungsgesetz.

Der Diakoniepräsident wiederholte zudem seine Forderung, frisch ausgebildete Pflegekräfte, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sein, nicht die Arbeitserlaubnis zu entziehen und sie auszuweisen. „Sie haben mit der Ausbildung zum Pflegehelfer und zu Pflegehelferin gezeigt, dass sie es wollen und dass sie es können. Wir brauchen doch dringend diese Pflegekräfte!“

Angehörige, die sich um ihre betreuungs- oder pflegebedürftigen Partner, Eltern oder Großeltern kümmern, können diese tagsüber in Einrichtungen der Tagespflege unterbringen – etwa, wenn der Besuch eines ambulanten Pflegedienstes nicht mehr ausreicht, eine (voll)stationäre Unterbringung aber noch nicht notwendig ist. In der Tagespflege werden sie durchgehend betreut und kommen abends wieder in die häusliche Umgebung zurück.

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Über 140.000 Stunden im Jahr für die Familien in Bayern.

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Fachverband Beratung wird 50

Nürnberg, 11.7.2018 Schwangerschafts-, Ehe-, Familien-, Lebens- und Erziehungsberatung - gleich mehrere Beratungsbereiche der Diakonie Bayern sind im „Fachverband Beratung“ zusammengeschlossen, der jetzt in Nürnberg sein fünfzigjähriges Bestehen feierte. „Die Familie ist mittlerweile so viel facettenreicher als noch zu den Zeiten der Gründung“, sagte Elisabeth Simon, Geschäftsführerin des Verbandes, auf der Festveranstaltung vor etwa 100 Teilnehmenden.. Der Beratungsbedarf hingegen sei nicht kleiner geworden – im Gegenteil.  „Familien sehen heute auch ganz anderen Herausforderungen gegenüber, die sie bewältigen müssen.“

1968 – im Gründungsjahr des Verbandes - brauchten Frauen noch die Einwilligung ihres Mannes, wenn sie arbeiten wollten, und Eltern, die es duldeten, dass der Freund der Tochter oder die Freundin des Sohnes bei ihnen übernachtet, riskierten bis zu fünf Jahren Haft – auf Grundlage des berüchtigten “Kuppelparagraphen“. Die Vorstellung von Ehe, Beziehung und Erziehung habe sich, so Simon weiter, seitdem kontinuierlich weiterentwickelt, so Simon. Die Themen der Beratungsarbeit sind längst andere: Trennung und Scheidung seien kein Tabu mehr, und auch Faktoren wie Mobilität, Digitalisierung, aber auch Migration hätten oftmals weitreichende Folgen für Arbeit der Beratungsstellen und diakonische Träger, die im Fachverband zusammengeschlossen sind. Simon: „Vielen Menschen machen die rapiden gesellschaftlichen Veränderungen Angst; sie fürchten, nicht mithalten zu können. Und dieser Stress belastet Familien und Beziehungen.“ So hätten allein im Jahr 2017 über 35.000 Eltern, Kinder und Jugendliche eine Erziehungsberatungsstelle der Diakonie aufgesucht; insgesamt wurden im vergangenen Jahr durch sie knapp 100.000 Beratungsstunden erbracht.

Die Geschäftsführerin des Fachverbandes wies aber auch auf die schwierige Finanzierung der diakonischen Beratungsarbeit hin: „Viele Beratungsangebote werden von den Kommunen bzw. dem Freistaat finanziert – jedoch nur, wenn die Träger einen gewissen Eigenanteil selbst finanzieren.“ Dies stelle die Träger der Beratungsstellen vor immer größere finanzielle Herausforderungen. „Die Arbeit der Beratungsstellen hat nicht selten präventiven Charakter – das sollte auch durch eine entsprechend vollständige Finanzierung anerkannt werden“, forderte Simon.

Der Evangelische Fachverband für Beratung vertritt die Interessen der Schwangerschafts-, Ehe-, Familien-, Lebens- und Erziehungsberatung. Es gibt derzeit 26 Erziehungs-, Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen (17 in diakonischer Trägerschaft, 9 in gemeinsamer Trägerschaft mit dem Caritasverband) sowie 14 Schwangerschaftsberatungsstellen (10 in diakonischer Trägerschaft und 4 in der Trägerschaft von „Frauen beraten e.V.“). 7 Beratungsstellen sind integriert, das heißt es wird mehr als einer der genannten Beratungsbereiche abgedeckt. Weitere Informationen zum Fachverband finden Sie unter www.beratung-in-bayern.de

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Für einen guten Start in die Freiheit.

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Diakonie und Evangelische Kirche in Bayern wollen mehr Übergangsmanagement für Strafentlassene

Nürnberg, 09.07.2018 Für eine intensivere Begleitung von Straffälligen in den letzten Monaten der Haft sowie in der Zeit nach der Entlassung haben sich die Diakonie Bayern und die Evang.-Luth. Kirche in Bayern ausgesprochen. „Der Übergang von der Haft in die Freiheit hat einen wesentlichen Einfluss auf eine gelingende Wiedereingliederung von haftentlassenen Menschen,“ sagte der Präsident der Diakonie Bayern, Michael Bammessel, jetzt beim Fachtag „Was wirkt im Übergangsmanagement?“ im Münchner Justizpalast. „Deshalb muss aus unserer Sicht, bereits am ersten Tag der Inhaftierung eine vielfältige Entlassungsvorbereitung beginnen.“

Der Weg für Martin (Name geändert) schien vorgezeichnet: Zehn Monate hatte er hinter Gittern verbracht. Draußen wartete niemand mehr auf ihn; seine Freundin und Mutter seines Sohnes hatte ihn schon vor dem Haftantritt verlassen. Eine Stelle, eine eigene Wohnung, kurz: Ein geregeltes Leben nach dem Knast – Fehlanzeige. Hätte es nicht den Sozialdienst in der Justizvollzugsanstalt und die Mitarbeitenden der freien Straffälligenhilfe gegeben. Schon vor der Entlassung wurden die verschiedenen „Baustellen“ bearbeitet: Die Suche nach einer Stelle und einer Wohnung, die Anbahnung des Kontaktes zum Kind. Auch zur Zimmerbesichtigung und zum Jobcenter begleitete ihn die Diakonie.

Diakoniechef Bammessel zufolge zeigt dieses Beispiel, wie intensives Übergangsmanagement gelingen kann: „Es geht um eine gezielte Entlassungsvorbereitung, gut funktionierende Netzwerke zwischen Strafvollzug und Straffälligenhilfe, effektive Kooperationen mit unterschiedlichen Akteuren und vor allem um die gelingende Koordinierung der Hilfen und Vernetzung von verschiedenen Stellen.“ Beim Übergangsmanagement gehe es, kurz gesagt, einerseits um betroffene Menschen in Haft und anderseits um die Strukturen im System des Strafvollzugs und der Straffälligenhilfe.

Der für Diakonie und gesellschaftliche Aufgaben zuständige Oberkirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Detlev Bierbaum, betonte darum: „Um wieder eine gesicherte Existenz in unserer Gesellschaft zu ermöglichen, muss ja nicht nur die Tat selbst reflektiert werden. Eine ausschlaggebende Rolle spielen die Beziehungen des Täters - zu anderen, zur Familie, zur Tat, zu sich selbst.  Auch darum kann der seelsorgerische Moment in der Straffälligenhilfe nicht hoch genug eingeschätzt werden. Es geht um ein Zusammenwirken aller Fachddienste mit der Seelsorge.“ Nicht zuletzt könne eine entsprechende Begleitung auch den gefürchteten „Drehtüreffekt“ verhindern.

Wie wichtig dies sei, beschrieb Michael Bammessel aus Sicht der Diakonie: „Unsere Mitgliedseinrichtungen berichten, dass viele Gefangene gerade in den ersten Tagen, Wochen und Monaten nach ihrer Entlassung aus der Justizvollzugsanstalt große Schwierigkeiten haben, wieder Fuß zu fassen.“ Die Suche nach Wohnung und  Arbeit sowie mangelnde tragfähige Kontakte erschweren der Diakonie zufolge die Wiedereingliederung. Der Diakoniepräsident weiter: „Zwar ist die Zahl der Strafgefangenen im Freistaat im Zehn-Jahres-Vergleich von 2007 auf 2017 deutlich gesunken. Dennoch haben wir im vergangenen Jahr wieder einen Anstieg um etwa 800 Häftlinge bzw. 0.9 Prozent zu verzeichnen gehabt.“ Der Bedarf an weiterer adäquater sozialer Beratung und entsprechenden Wohnformen steige darum an.

Wie wichtig das Übergangsmanagement sei und welchen Erfolg es haben kann, hat bereits 2016 eine bundesweite Rückfalluntersuchung gezeigt,. Die überwiegende Zahl der Rückfalltaten ereignet sich demzufolge innerhalb der ersten drei Jahre, die Hälfte sogar innerhalb des ersten Jahres nach Verurteilung oder Entlassung – also im möglichen Zeitraum eines Übergangsmanagements. Im Zeitraum zwischen drei und sechs Jahren nach der Entlassung steigt die Rückfallquote von 35 Prozent auf 44 Prozent. Im Verlauf weiterer drei Jahre hingegen steigt sie nur noch gering an - um weitere rund 3 Prozent auf 48 Prozent.

Bammessel wies allerdings auch auf die begrenzte Finanzierungs- und Planungssicherheit im  Übergangsmanagement hin.  „Wir brauchen eine auskömmliche Finanzierung der Angebote im Übergangsmanagement,  der Schuldner-  und Suchtberatung in der JVA sowie ausreichende Personalkapazitäten beim Sozialdienst im Justizvollzug.“ Das Arbeitsfeld der freien Straffälligenhilfe sei im Vergleich zu anderen sozialen Arbeitsfeldern durch große Finanzierungsunsicherheiten und einem hohen Eigenmitteleinsatz der Träger wie der Diakonie gekennzeichnet.

In den letzten Jahren habe sich der Freistaat Bammessel zufolge in diesem Bereich aber auch stark engagiert: "Im Übergangsmanagement arbeiten der Sozialdienst im Justizvollzug und die Freie Wohlfahrtspflege mittlerweile eng zusammen, und inzwischen werden auch – im begrenzten Umfang – vom Bayerischen Sozialministerium finanzielle Mittel für das Übergangsmanagement zur Verfügung gestellt.“

Martin hat mittlerweile übrigens wieder eine Stelle gefunden. Mit dem Lohnnachweis ist es ihm auch gelungen wieder eine Wohnung zu finden. Und seinen Sohn sieht er auch wieder regelmäßig.

Auf der Fachtagung „Übergangsmanagement“, in Kooperation mit dem Bayerischen Staatsministerium der Justiz, veranstaltet von der Diakonie Bayern, dem Fachverband Evangelische Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe (FEWS), der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und sowie der Evangelischen Konferenz für Gefängnisseelsorge in Bayern, tauschten sich über 100 unterschiedliche Akteure von Justizvollzug, Gefängnisseelsorge, Bewährungshilfe, der Freien Straffälligenhilfe sowie Jobcenter und Agentur für Arbeit aus. Im Mittelpunkt standen Best Practice Beispiele sowie aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen im Übergangsmanagement.

Die Diakonie in Bayern unterhält unter anderem 11 stationäre und 3 teilstationäre Einrichtungen der Straffälligenhilfe, fünf Dienste für ambulantes Wohnen, acht Fachberatungsstellen der Straffälligenhilfe sowie vier Fachstellen zur Vermittlung gemeinnütziger Arbeit („Schwitzen statt Sitzen“) sowie für Täter-Opfer-Ausgleich.

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„Aufarbeitung hält sich an kein Datum“

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Erziehungsverbände arbeiten Heimerziehung in den Jahren von 1949 bis 1975 auf

Nürnberg, 04.07.18 Brigitte Molnar lebte von 1952 bis 1975 in einem Säuglingsheim. „Ich erinnere mich an kein persönliches Wort einer Fachkraft“, sagte Molnar über die Zeit. Sie sprach bei einem Fachtag am Montag im Haus Eckstein in Nürnberg zu Vertretern aus Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe über ihre Erfahrungen. Wenn sie an die Zeit im Säuglingsheim zurückdenkt, fallen ihr Stichworte wie Isolation und Langeweile ein. „Es gab kein Spielzeug“, sagte Brigitte Molnar. „Die Erzieherinnen haben schreckliche Dinge gesagt, aber zuckersüß.“

Zu dem Fachtag hatten der Landesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen in Bayern e.V. (LVkE) und der Evangelische Erziehungsverband in Bayern e.V. (eev) eingeladen. Er stand unter dem Titel „Aus Erfahrung lernen – Konsequenzen aus der Aufarbeitung der Heimerziehung 1949 bis 1975“. Bereits 2011 veranstalteten die beiden Verbände einen Fachtag zu dem Thema und motivierten ihre Mitglieder zur Aufarbeitung der Heimerziehung.

Für Brigitte Molnar war es ein „tiefes Gefühl der Genugtuung“, als sie vor einigen Jahren erfuhr, dass die damalige Praxis der Heimerziehung ein gesellschaftliches Diskussionsthema geworden ist. 2006 sprachen Betroffene vor dem Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages über Missstände in Einrichtungen, ihr erfahrenes Leid und die Folgen. Ein „Runder Tisch“ beschäftigte sich infolgedessen mit der Heimerziehung in den 1950er- und 60er-Jahren. Der Runde Tisch regte die Einrichtung eines Fonds für Betroffene an, die in den Jahren von 1949 bis 1975 in einer stationären Einrichtung lebten und Leid oder Benachteiligung erfahren haben. Außerdem wurden regionale Anlauf- und Beratungsstellen eingerichtet.

„Wir beraten, unterstützen bei der Suche nach Unterlagen und vermitteln bei Bedarf Therapieangebote“, sagte Stefan Rösler, Leiter der regionalen Anlauf- und Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder in Bayern, beim Fachtag. Um finanzielle Leistungen aus dem Fonds „Heimerziehung West“ bzw. aus dem Fonds „Heimerziehung Ost“ zu erhalten, mussten sich Betroffene bis Ende 2014 anmelden.

Stefan Rösler nannte beim Fachtag einige Zahlen: Die Mitarbeitenden der Beratungsstelle in Bayern hätten mit über 3000 Betroffenen gesprochen, davon hatten 2600 Personen einen Anspruch auf Leistungen aus dem Fonds, der zu je einem Drittel von Bund, Ländern und Kirchen getragen wird. „Der Fonds war ein Symbol, dass die Verantwortungsträger gesehen haben, dass sie etwas tun müssen“, sagte Stefan Rösler. Für viele Betroffene seien die finanziellen Leistungen nicht entscheidend gewesen, sondern „die Erlaubnis, dass sie über ein Thema sprechen konnten, das oft tabuisiert war“, sagte Rösler. Das Angebot der Anlauf- und Beratungsstellen endet regulär mit dem Jahr 2018. Doch: „Aufarbeitung hält sich an kein Datum“, sagte Stefan Rösler. „Das Thema darf nicht wieder in der Schublade verschwinden.“

MdL Joachim Unterländer, Vorsitzender des Landtagsausschusses für Arbeit und Soziales, Jugend, Familie und Integration der CSU-Fraktion, sagte, es sei notwendig, Gespräche mit Betroffenen zu suchen. Er kündigte an, dass die regionalen Anlauf- und Beratungsstellen auch über das Jahr 2018 hinaus bestehen bleiben sollen. Das hätte der Landtag beschlossen.

Auch die beiden konfessionellen Erziehungsverbände eev und LVkE wollen an einer weiteren Aufarbeitung mitwirken. „Wir sehen uns in einer besonderen Verpflichtung, die Heimerziehung aufzuarbeiten“, sagte Sigrun Maxzin-Weigel, Vorsitzende des eev. Man müsse aus den Erfahrungen lernen und Strukturen schaffen, die Missbrauch verhindern. Michael Eibl, Vorsitzender des LVkE, sagte, dazu gehörten partizipative Strukturen und die Qualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Vieles sei schon erreicht, doch einige Rahmenbedingungen seien noch zu verbessern. So gebe es inzwischen zum Beispiel viele Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche in den Einrichtungen. Doch das reiche nicht, Partizipation müsse vor allem gelebt werden.

Wie sehr sich Strukturen und die Pädagogik in stationären Einrichtungen verändert haben, zeigten zwei Dialoggespräche zwischen „ehemaligen“ und „heutigen Heimkindern“, sowie zwischen damaligen und heutigen Fachkräften. Im Säuglingsheim von Brigitte Molnar waren seinerzeit drei Erzieherinnen für 40 Kinder zuständig. Heute sind meist nur noch acht oder neun Kinder in einer Gruppe, mit mindestens einem Erzieher oder auch deutlich mehr – je nach Art der Einrichtung. „Ich bin erstaunt und erschrocken, wie es damals lief“, sagte eine junge Frau, die aktuell in einer stationären Jugendhilfeeinrichtung lebt.

Für die Zukunft kündigten Sigrun Maxzin-Weigel und Michael Eibl an, dass die beiden Dachverbände weiter zusammen an der Aufarbeitung der Heimerziehung arbeiten und Konsequenzen daraus ziehen wollen. „Wir müssen noch viel lästiger werden, um uns für die Themen der jungen Menschen einzusetzen“, sagte Michael Eibl mit Blick auf das politische Geschehen und Gesetzgebungsverfahren.

Claudia Kestler(Die Rummelsberger)

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„Die Abschiebung von angehenden Pflegekräften ist irrwitzig.“

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Diakonie Bayern fordert bessere Chancen für Flüchtlinge in der Pflegeausbildung.

Nürnberg, 02.07.2018. Flüchtlinge, die bereits erfolgreich eine Pflegehelferausbildung durchlaufen, sollen nicht weiter von Abschiebung bedroht werden. Anlässlich der Eröffnung der „Sindersberger Pflegearche“ (Weiden), einer palliativen Einrichtung für Schwerstpflegebedürftige, forderte die Diakonie in Bayern, auch die Ausbildung zum Pflegehelfer als qualifizierte Ausbildung im Sinne des Aufenthaltsrechts anzuerkennen. Dies würde einen Schutz vor Abschiebung bedeuten. Diakoniepräsident Michael Bammessel: „Wir suchen überall händeringend nach jungen Menschen, die sich für die Altenpflege ausbilden lassen. Es grenzt an Irrsinn, wenn wir motivierte, ausgebildete Migranten des Landes verweisen, obwohl wir mancherorts aus Personalmangel keine Pflegebedürftigen mehr aufnehmen können.“

 

Ihm seien mehrere Fälle bekannt, in denen Flüchtlinge nach der einjährigen Pflegehelferausbildung von den Ausländerbehörden in Bayern keine Arbeitserlaubnis mehr bekamen und auch die Ausbildung zur vollen Pflegefachkraft verboten wurde. Stattdessen wurde diesen dringend benötigten Pflegekräften die Abschiebung angedroht. Diese bayerische Praxis widerspreche einem Beschluss der Arbeitsministerkonferenz vom Dezember 2017, so Bammessel. „Wer als Flüchtling erfolgreich die einjährige Ausbildung zum Pflegehelfer absolviert und sich bereits gute Sprachkenntnisse erworben hat, hat doch bewiesen, dass er sich bei uns integrieren kann. Einheimische Pflegebedürftige sind in der Regel sehr dankbar für ihren Dienst. Die Staatsregierung und die Behörden können sich bei dieser harten Praxis wirklich nicht auf den Willen der Bevölkerung berufen.“

 

Diakoniepräsident Michael Bammessel wirkte am Sonntag zusammen mit Dekan Wenrich Slenczka bei der Wiedereinweihung des Eleonore-Sindersberger-Seniorenheims der Diakonie in Weiden mit. Zum neuen Konzept des Hauses gehört auch eine „Pflege-Arche“, eine Einrichtung für schwerstpflegebedürftige Menschen in der letzten Lebensphase mit insgesamt 13 Plätzen. Nach Aussage der Diakonie in Weiden soll dort die „soziale und die spirituelle Ebene“ der Bewohner und Bewohnerinnen besonders beachtet werden. Dazu gehört auch, dass die Angehörigen zu jeder Zeit Zugang zur den Bewohnerinnen und Bewohnern haben.

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„Wer Pech hat – gewinnt.“

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Zehn Jahre Landesstelle Glücksspielsucht

Nürnberg/München Etwa 34.000 Menschen in Bayern weisen ein pathologisches und weitere 33.000 ein problematisches Spielverhalten auf. Hinzu kommen jeweils bis zu 20 Angehörige, die indirekt ebenfalls von der Spielsucht und ihren Folgen betroffen sind. Hilfe finden die Betroffenen in den Beratungsstellen der Wohlfahrtsverbände – und bei auf Glücksspielsucht spezialisierten Expertinnen und Experten der Landesstelle Glücksspielsucht, die vor zehn Jahren gegründet wurde.

„Das staatliche Glücksspielmonopol ist nur dann gerechtfertigt, wenn der Staat den negativen Folgen der Glücksspielsucht konsequent entgegenwirkt“ – es war diese Aussage des Bundesverfassungsgerichtes aus dem Jahr 2006, die zur Gründung der Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern führte. In der Folge beauftragte der Freistaat Bayern die wichtigsten Akteure der Suchthilfe, die „Landesstelle Glücksspielsucht“ (LSG) in Bayern zu errichten. Die Trägerschaft übernahmen die Bayerische Akademie für Suchtfragen (BAS), das Institut für Therapieforschung (ITF) und die Freie Wohlfahrtspflege Bayern. Zu den primären Aufgaben der Landesstelle gehört die Aufklärung der Öffentlichkeit sowie die Prävention, Suchthilfe und Suchtforschung bei Glücksspielsucht.

Mit mittlerweile 22 auf Glücksspielsucht spezialisierten Fachstellen, die über ganz Bayern verteilt sind, haben die Beraterinnen und Berater der LSG bereits mehr als 13.000 Betroffenen und über 3.000 Angehörigen von Menschen mit einer glücksspielbezogenen Problematik in ihrer schwierigen Situation geholfen. Denn: Glücksspielsucht hat mitunter desaströse Auswirkungen auf die Betroffenen und ihr gesamtes Umfeld. Ein Experte der Fachstelle: „Nicht selten kommt es vor, dass Betroffene ihr gesamtes Vermögen verspielen, durchschnittlich über 25.000 Euro Schulden anhäufen und damit riskieren, ihre Familie, Freunde und ihren Arbeitsplatz – im wahrsten Sinne des Wortes – aufs Spiel zu setzen und zu verlieren.“

Das häufigste Glücksspiel ist das klassische Lottospiel (knapp 60 Prozent); Automatenspiele hingegen spielen hingegen deutlich weniger Menschen (knapp ein Prozent). Eine immer größere Rolle spielen Online-Angebote wie Sportwetten oder Internetkartenspiele. Bei Jugendlichen – jeder zweite bayerische Jugendliche gab im Jahr 2012 an, bereits einmal an Glücksspielen teilgenommen zu haben – stehen Rubbel- und Aufreißlose an erster Stelle (ca. 30 Prozent), gefolgt von Karten- und Würfelspielen sowie Spielen im Internet. Nicht erfasst wurden Online-Rollenspiele wie „World of Warcraft“ und andere. 

In Deutschland ist der gesamte Glücksspielmarkt ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Auf dem legalen deutschen Glücksspielmarkt (ohne Soziallotterien) wurde 2016 ein Umsatz (=Spieleinsätze) von 45,2 Milliarden Euro erzielt. Dies entspricht gegenüber dem Vorjahreswert einem Anstieg um 6,3 Prozent. Insgesamt erreichten die Bruttospielerträge des regulierten deutschen Glücksspielmarktes ein Volumen von 12  Milliarden Euro. Dies entspricht einer Steigerung von 615 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. 

Die Anzahl der aufgestellten Automaten in der Gastronomie und in Spielhallen hat sich 2016 um 3.000 Geräte auf insgesamt 264.000 nur leicht verringert. Rund 70 Prozent der Geräte befinden sich in den 14.877 Spielhallen (Konzessionen) an 9.102 Standorten (diese Angaben beziehen sich auf Kommunen mit mehr als 10.000 Einwohnern).

Mehr über die Landesstelle Glücksspielsucht finden Sie hier.

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Weltflüchtlingstag

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Wohlfahrtsverbände fordern menschenwürdigen Umgang mit Asylsuchenden

Nürnberg, 19. Juni 2018 Anlässlich des morgigen Weltflüchtlingstags haben die bayerischen Wohlfahrtsverbände einen menschenwürdigen Umgang mit Asylsuchenden in Deutschland gefordert. „Die Menschenwürde muss immer im Vordergrund stehen – auch bei der Anwendung rechtsstaatlicher Prinzipien“, sagte der Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege, Diakoniepräsident Michael Bammessel, heute in Nürnberg. Dies gelte insbesondere dann, wenn die Betroffenen - etwa aufgrund ihrer Fluchtgeschichte – zudem psychisch belastet seien.

Zu einer angemessenen Unterbringung zählt den Wohlfahrtverbänden zufolge angemessene Räumlichkeiten insbesondere für Kinder und Frauen sowie die Möglichkeit des geregelten Schulbesuchs und der Kinderbetreuung. „Dies fordert nicht zuletzt die UN-Kinderrechtskonvention, die auch von Deutschland unterzeichnet wurde.“ Knapp die Hälfte aller Geflüchteten, die in Deutschland Schutz suchen, ist den Verbänden zufolge minderjährig. „Sie benötigen besonderen Schutz, und dem muss eine Asylpolitik, die humanitären Mindeststandards verpflichtet sein will, Rechnung tragen.“ Eine besondere Aufmerksamkeit müsse den Jugendlichen und jungen Männern unter den Geflüchteten gelten. „Sie empfinden das Leben in Massenunterkünften als besonders belastend.“ Nicht zuletzt darum müsse der Zugang von Ehrenamtlichen ebenso einfach möglich sein wie die Nutzung von Beratungsangeboten durch die Betroffenen. Die Diskussion um die geplanten Ankerzentren aber  lasse befürchten, dass dies nicht der Fall sein werde.

Zwar begrüßen die Verbände das Ziel, Asylverfahren möglichst zügig und an einem Ort durchzuführen. Dann müsse aber auch sichergestellt sein, dass die Verweildauer in den Unterkünften nicht länger dauere als unbedingt notwendig. Die angekündigte Aufenthaltsdauer von bis zu 24 Monaten in den geplanten Ankerzentren sei auf jeden Fall zu lang. „Sie muss insbesondere für Familien mit Kindern, aber auch andere, besonders vulnerable Gruppen auf maximal drei Monate beschränkt werden.“

„Wenn eine große Zahl von Menschen auf engstem Raum kaserniert wird, und dies ohne klare Tagesstruktur und sinnvolle Beschäftigung sowie mit unsicherer Perspektive geschieht, muss das zwangsläufig zu Konflikten führen“, ergänzt der der stellvertretende Vorsitzende der Freien Wohlfahrt, Prof. Dr. Thomas Beyer (AWO). Er forderte darum auch eine Abkehr vom geplanten ausschließlichen Sachleistungsprinzip. „Wir sollten die Betroffenen nicht entmündigen. Seinem Kind im Sommer ein Eis kaufen zu können – auch das ist kann ein Ausdruck der Menschenwürde sein.“

Angesichts des Asylstreits in der großen Koalition forderten die bayerischen Wohlfahrtsverbände von den Beteiligten außerdem eine Versachlichung der Debatte. „Begriffe wie ‚Asyltourismus‘ und ‚Asylgehalt‘ sind nicht nur sachlich falsch,“ so Bammessel, „sie fachen zudem eine ohnehin emotionalisierte Debatte zusätzlich an. – niemand begibt sich freiwillig auf die Flucht, und die Überquerung des Mittelmeers in einem Schlauchboot ist auch keine Kreuzfahrt.“

Die in der Freien Wohlfahrtspflege Bayern zusammengeschlossenen Verbände sind die Arbeiterwohlfahrt, das Bayerische Rote Kreuz, die Caritas, das Diakonische Werk Bayern, der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden und der Paritätische Wohlfahrtsverband. In Bayern unterhalten die Wohlfahrtsverbände und ihre angeschlossenen Organisationen rund 14.500 Facheinrichtungen und Projekte im gesamten sozialen Bereich. Sie beschäftigen etwa 190.000 hauptberufliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zusätzlich engagieren sich im Raum der Freien Wohlfahrtspflege Bayern etwa 250.000 Menschen ehrenamtlich – zum Beispiel in Verbandseinrichtungen oder Kirchengemeinden.

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Vergessene Jugend?

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Konfessionelle Jugendhilfeverbände Bayerns präsentieren Forderungen zur Landtagswahl

München 15. Juni 2018 – Die konfessionellen Jugendhilfeverbände in Bayern fordern für die nächste Legislaturperiode endlich nachhaltige Antworten auf jugendpolitische Themen. Die Vorsitzenden der Evangelischen Jugendsozialarbeit Bayern (ejsa), des Landesverbands katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen (LVkE), des evangelische Erziehungsverbands in Bayern (eev) und der Katholischen Jugendsozialarbeit Bayern (KJS) haben deshalb folgende Forderungen erhoben. Eine zunehmende Zahl junger Menschen in Bayern verliert den Anschluss und das obwohl Jugendpolitik Zukunftspolitik ist.

„Jeder Bewohner Bayerns hat Anspruch auf eine angemessene Wohnung“, erläutert Michael Eibl, Vorsitzender des Landesverbands katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen in Bayern e.V, „so steht es im Art. 106 der Bayerischen Verfassung. Und trotzdem ist bezahlbarer Wohnraum für viele junge Menschen nicht gewährleistet.“ Gerade in der Lebensphase zwischen Jugend- und Erwachsenenalter ist das Risiko, in Armut und Obdachlosigkeit zu geraten enorm. Deshalb fordern die Verbände, dass die Beendigung von Jugendhilfemaßnahmen und zugleich fehlender Wohnraum nicht dazu führen, dass junge Menschen in die Obdachlosigkeit geraten und gesetzlich verbindliche Wohnformen im Rahmen der Jugendhilfe.

Da Armut immer vielfältiger wird, braucht es auch einen besonderen Blick für die Armutsgefährdung von jungen Menschen. „Förderung junger Menschen bringt die größte persönliche und gesellschaftliche Rendite“, so Axel Möller, Vorsitzender der Katholischen Jugendsozialarbeit. Deswegen fordern die Verbände, dass die harten Sanktionen im SGB II für Jugendliche unter 25 Jahren beendet werden. „20.000 Jugendliche haben im Jahr 2017 bundesweit keinen Euro mehr bekommen!“, so Möller weiter. Sanktionen führen nur dazu, dass der Anschluss an das soziale Sicherungssystem verloren geht. Auch im reichen Bayern ist Armut eine Realität und in der Regel nicht von den Jugendlichen absichtlich verursacht.

Chancengerechte Bildung ist unerlässlicher Baustein für eine zukunftsfähige Jugendpolitik. „Jeder 17. Jugendliche verlässt die Schule ohne Abschluss, das sind in jeder Klasse zwei Jugendliche“, verdeutlicht Deane Heumann von der Evangelischen Jugendsozialarbeit Bayern. Deshalb braucht es schon früh Unterstützung für junge Menschen durch Ganztagsangebote und Jugendsozialarbeit an Schulen. Die drastischen Sparmaßnahmen führen zu einem Sterben der Jugendwerkstätten, außerdem gibt es zu wenig Jugendmigrationsdienste für neu zugewanderte.

Dass Familien der bayerischen Staatsregierung besonders am Herzen liegen, freut die Vertreterinnen und Vertreter der Verbände. Dies muss allerdings auch für Familien gelten, die sich derzeit in den Flüchtlingseinrichtungen des Freistaats befinden. „Die geplanten Ankerzentrenten gefährden das Kindeswohl“, bekräftigt Sigrun Maxzin-Weigel, Landesvorsitzende des Evangelischen Erzieherverbandes „auch hier gilt die UN Kinderrechtskonvention!“ Zusammen fordern die konfessionellen Verbände, dass solche Zentren in Bayern nicht eingerichtet werden. Kinder und Jugendliche brauchen den Schutz der Jugendhilfe.

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Schuldnerberatung der Diakonie fordert Maßnahmenbündel gegen Verschuldung privater Haushalte

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Aktionswoche Schuldnerberatung 2018

Nürnberg, 1. Juni 2018 „Weg mit den Schulden!“ lautet der Titel der Aktionswoche Schuldnerberatung 2018, mit der vom 4. bis 8 Juni Beratungsstellen in ganz Deutschland auf ihre Arbeit aufmerksam machen wollen. „Damit Menschen aber auch aus den Schulden herauskommen, ist ein ganzes Maßnahmenbündel notwendig. Neben der persönlichen Anstrengung des Schuldners ist auch der Staat gefordert“, so Michael Bammessel, Präsident der Diakonie Bayern. „In Bayern gelten knapp 800.000 Menschen als überschuldet - und trotz der guten Wirtschaftslage ist die Zahl im vergangenen Jahr erneut gestiegen.“ Schulden seien darum kein Randphänomen von einigen wenigen. „Aus dem schnellen Kredit kann plötzlich eine ausweglose Situation werden.“

 

Hier kann die Schuldnerberatung ansetzen, die nach Auffassung der Diakonie als „Soziale Schuldnerberatung“ zukünftig allen offen stehen soll. Denn bislang ist der kostenfreie Zugang zur Schuldnerberatung einzig Personen möglich, die Leistungen nach dem SGB II („Hartz IV“) beziehen. Darum werden nach Schätzungen der Diakonie auch nur etwa 15% aller  Betroffenen von diesem Angebot erreicht. Die Diakonie hält es daher für erforderlich, dass die Politik im Gesetz einen Rechtsanspruch auf Schuldnerberatung unabhängig vom Erwerbsstatus und Einkommen der Betroffenen verankert. Damit wäre allen der Zugang zur Schuldnerberatung möglich. „Es geht immerhin um 6,9 Millionen Menschen in Deutschland, die von Überschuldung betroffen sind oder nachhaltige Zahlungsprobleme haben“. Die positiven Wirkungen der Schuldnerberatung sind mittlerweile in zahlreichen Studien nachgewiesen worden.

 

Bammessel begrüßte darum auch die geplante Zusammenlegung der Schuldner- und Insolvenzberatung in Bayern. Bislang wurde die Schuldnerberatung von den Kommunen, die Insolvenzberatung hingegen vom Freistaat finanziert. Durch die Zusammenlegung, die zum 1. Januar 2019 in Kraft  treten soll, verbessere sich Bammessel zufolge die Situation der Schuldnerberatung deutlich. „Die Beratung kann zukünftig übergangslos und aus einer Hand erfolgen.“ Doch das allein reicht nach Auffassung der Diakonie Bayern nicht aus. „Die Schuldnerberatung muss auch bedarfsgerecht ausgebaut werden, damit der Bedarf in der Stadt und im ländlichen Raum gedeckt, lange Wartezeiten vermieden und die Prävention verstärkt werden können. Zudem muss für die Beratungsstellen eine angemessene personelle und materielle Ausstattung gewährleistet werden.“

 

Die Überschuldungsquote in der Bundesrepublik lag nach Auskunft der Creditreform im Oktober bei 10,0%, in Bayern bei 7,47%. In Bayern leben die meisten überschuldeten Menschen in den Städten Hof, Nürnberg, Fürth, Weiden in der Oberpfalz, Straubing, Augsburg, Straubing, Aschaffenburg und Kaufbeuren.


Die Diakonie Bayern mit ihren spezialisierten Schuldnerberatungsstellen bietet an 30 Standorten fachkundige Beratung und Unterstützung für verschuldete und überschuldete Menschen an. Das Beratungsangebot ist für Ratsuchende kostenfrei. Ziel der sozialen Beratung ist es, die Ratsuchenden zur Stabilisierung ihrer wirtschaftlichen Situation zu unterstützen und ihr Selbsthilfepotential zu fördern. Im Vordergrund stehen die Sicherung der Existenz der Ratsuchenden und eine mögliche Schuldenregulierung.

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Verbesserungen bei der Pflege nur im Schulterschluss möglich.

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Diakonie Bayern und Pflegebeauftragter sind sich einig.

Nürnberg, 30.05.2018 Eine positive Bilanz der Zusammenarbeit haben der Patienten- und Pflegebeauftragte der bayerischen Staatsregierung, Hermann Imhof (CSU), und der Vorstand der Diakonie Bayern jetzt in Nürnberg gezogen. „Ob am Pflegetruck der konfessionellen Verbände vor einigen Jahren oder beim Einsatz für eine Verbesserung der Kurzzeitpflege – das gemeinsame Engagement für eine gute Pflege in Bayern hat stets hat unsere Zusammenarbeit geprägt“, betonte der Präsident der Diakonie Bayern, Michael Bammessel. Dafür sei die Diakonie sehr dankbar. „Nur durch ein entschiedenes, gemeinsames Handeln aller Akteure können die weiter dringend notwendigen Verbesserungen in der Pflege erreicht werden.“

Es sei in den vergangenen Jahren viel für die Pflege erreicht worden, erklärten Imhof, Bammessel und Diakonie-Fachvorständin Sandra Schuhmann übereinstimmend. Die Situation vieler Pflegebedürftiger sei durch Gesetzesänderungen auf Bundesebene – wie etwa den Pflegestärkungsgesetzen – deutlich verbessert worden. Imhof: „Die aktuelle Diskussion um möglicherweise steigende Versicherungsbeiträge zeigt aber: Gute Pflege gibt es nicht umsonst.“ Auch in Zukunft müsse sich die Politik für verbesserte Rahmenbedingungen in der Pflege einsetzen. Ihre Finanzierung, so Imhof, dürfe allerdings nicht den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen allein überlassen werden. „Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“

Um den Pflegeberuf für junge Leute attraktiv zu machen, müsse auch ein gutes Lohnniveau gesichert werden. „Wir unterstützen darum die Initiative von Hermann Imhof, bei der Ausbildungsvergütung einen Einstieg in verbindliche Lohnuntergrenzen zu schaffen. Ein Schulterschluss zwischen den kirchlichen Vergütungssystemen und den Tarifen anderer Verbände ist unserer Überzeugung nach machbar“, bekräftigten die Diakonievorstände.

Bammessel und Schuhmann forderten darum auch, dass die im Koalitionsvertrag angekündigte „konzertierte Aktion“ für die Pflege schnellstmöglich umgesetzt werden müsse. Bammessel: „Die Politik muss sich dafür einsetzen, dass die öffentliche Wahrnehmung der Pflege verbessert wird. Dazu gehören nicht nur Imagekampagnen, sondern auch eine aufrichtige Diskussion darüber, wie unsere Gesellschaft mit ihren älteren Menschen umgehen möchte, und was ihr dieser Umgang wert ist.“ Die Ankündigung des Bundesgesundheitsministers, 13.000 neue Stellen zu schaffen, zeige zwar, dass die Pflege auf der politischen Agenda stehe. Sie werde die Situation aber kaum verbessern. Schuhmann: „Rein rechnerisch kommen auf 100 offene Stellen 21 Bewerber bzw. Bewerberinnen. An den Stellen alleine kann es also nicht liegen.“

Als wichtigen Schritt bezeichneten die Diakonievertreter darum die geplante generalistische Pflegeausbildung, die ab 2020 starten soll. „Für die betriebliche Ausbildung brauchen wir allerdings auch eine angemessene Anschubfinanzierung,“ sagte Schuhmann. Die Umstellung einer Ausbildung sei stets mit Kosten verbunden. „Wir gehen nicht davon aus, dass die Mittel aus dem geplanten Landesausbildungsfonds dafür ausreichen werden.“

Auf lange Sicht, so Bammessel und Schuhmann weiter, müsse auch das System der Pflegeversicherung umgestellt werden: „Die Pflegebedürftigen müssen von den Kosten für den pflegerischen Aufwand entlastet werden.“ Das bisherige System führe insbesondere nicht nur zu hohen Eigenanteilen in der stationären Pflege. „Ambulant versorgte Menschen können weitaus mehr Pflegeleistungen in Anspruch nehmen – und auch finanzieren – als stationär untergebrachte.“ Dieser Leistungsunterschied müsse endlich abgeschafft werden.

Als Patienten- und Pflegebeauftragter der bayerischen Staatsregierung war Imhof Ansprechpartner für rund 13 Mio. Patienten, ca. 350.000 Pflegebedürftige, etwa 135.000 professionelle Pflegekräfte sowie 240.000 pflegende Angehörige. Geschaffen wurde das Amt 2014. Imhof gibt das Amt auf, nachdem er 2018 nicht mehr für den Landtag kandidieren wird.

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