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Der Fachverband Suchthilfe im Diakonischen Werk Bayern

Der Evangelische Fachverband für Suchthilfe in Bayern

Der Evangelische Fachverband für Suchthilfe in Bayern wurde im Jahr 2001 gegründet. Dem Fachverband gehören derzeit 25 Mitglieder an. Es sind diakonische Werke, Träger diakonischer Einrichtungen und die Landesverbände der Selbsthilfe. Im Fachverband sind alle Aktivitäten im Bereich der diakonischen Suchthilfe in Bayern zusammen geschlossen.

 

Der Fachverband profitiert von den gegenseitigen Kompetenzen seiner Mitglieder, vertritt die Interessen der Klienten in Politik und Gesellschaft und macht öffentlich auf das Thema Sucht aufmerksam. Zusammengefasst bedeutet dies:

 

  • Wir koordinieren die fachliche Arbeit.
  • Wir vertreten gemeinsam die fachlichen Belange gegenüber öffentlichen Trägern und der freien Wohlfahrtspflege.
  • Wir verwirklichen die Konzeption des Gesamtverbandes für Suchtkrankenhilfe im Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland (GVS).
  • Wir informieren über Fortbildungsangebote.
  • Wir bieten Fortbildungsveranstaltungen an.
  • Wir setzen uns für Erhalt und Ausbau der diakonischen Suchtkrankenhilfe in Bayern ein.
  • Wir arbeiten mit der Koordinierungsstelle der bayerischen Suchthilfe (KBS) zusammen.

In Bezug auf Alkohol unterscheidet man drei Gefährdungsstufen:

 

  • Alkoholabhängig ist jemand, der Alkohol benötigt, um sich einigermaßen wohl zu fühlen.
  • Missbrauch liegt vor, wenn es zu körperlichen, seelischen und/oder sozialen Schäden kommt.
  • Riskanten Konsum betreiben Menschen, die regelmäßig Alkohol trinken, um alltägliche Anspannungen und Konflikte  besser bewältigen zu können.

(Quelle: Basisinformationen Alkohol der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen)

 

Alkohol ist nach Nikotin die am häufigsten Abhängigkeit erzeugende Droge in der Bundesrepublik. Nach Schätzung des IFTs (Institut für Therapieforschung) sind in Deutschland etwa 1,7 Millionen Menschen von Alkohol abhängig, weitere 1,7 Millionen betreiben Alkoholmissbrauch und 10, 4 Millionen trinken riskant.

Eine wichtige Ursache für diese Situation liegt in der hohen gesellschaftlichen Akzeptanz, die alkoholische Getränke in Deutschland haben. Hinzu kommt die leichte Erreichbarkeit der legalen Droge, auch schon für Kinder und Jugendliche.

Beim internationalen Vergleich der Preise für Alkohol in Bezug auf das Pro-Kopf-Einkommen erweist sich Deutschland als Land mit extrem günstigen Preisen für alkoholische Getränke. Spirituosen kosten in Deutschland nur so viel wie sieben Flaschen Bier. In Schweden dagegen kostet eine Flasche Schnaps 17-mal mehr als eine Flasche Bier. Der Bier-Cola-Indikator zeigt, dass Bier nur in wenigen Ländern so erschwinglich ist wie in Deutschland. In Bayern dürfte die Relation sich noch mehr zugunsten des Biers verschieben.

 

Die Alkoholindustrie gab 2004 526 Mill. Euro für Werbung aus. Die Werbung für Bier nahm dabei um 7,7 % zu; bei Spirituosen

(-17,8 %), Sekt (-6,3 %) und Wein (-16,7 %) war die Tendenz abnehmend.

 

Die Zahl der Todesfälle, bei denen Alkohol (oft in Kombination mit Tabak) ursächlich ist, wird inzwischen auf 74.000 geschätzt. Der größte Teil dieser Todesfälle ereignet sich dabei schon im Alter von 35 bis 64 Jahren. 25 % aller Todesfälle bei Männern gehen auf zu hohen Alkoholkonsum zurück, und bei Frauen sind es 13 %.

 

Die Einrichtungen der Diakonie bieten Informationen, Beratung, Vermittlung und ambulante Behandlung für Betroffene sowie Informationen und Beratung für Angehörige und MultiplikatorInnen.

Cannabis

 

Seit mehr als 30 Jahren ist Cannabis die häufigste illegale Droge in allen Ländern Westeuropas. Außerdem steigt die Zahl der KonsumentInnen weiterhin.

Jeder dritte Mann und jede fünfte Frau im Alter zwischen 18 und 59 Jahren haben zumindest einmal Cannabis probiert. Zwischen dem 15. und dem 23. Lebensjahr steigt die Zahl der KonsumentInnen stark an, um danach stetig abzusinken. Wer Cannabis konsumiert, raucht auch häufiger Zigaretten, pflegt auch einen problematischeren Umgang mit Alkohol und hat auch mehr Erfahrungen mit anderen illegalen Drogen als Jugendliche und junge Erwachsene gleichen Alters, die kein Cannabis rauchen. Der Anteil an der Klientel der Beratungsstellen schien sich schon 2004 bundesweit zu vergrößern, ein Trend, der offenbar bis heute anhält.

Insgesamt ist Cannabis-Konsum ein eher jugendspezifisches Verhalten. Die Mehrzahl der Jugendlichen und jungen Erwachsenen betreibt einen eher gelegentlichen Konsum und nimmt auch keine anderen illegalen Drogen zu sich.

Konsummuster

Jeder vierte Jugendliche konsumiert Cannabis fast täglich. Frauen rauchen deutlich seltener als Männer (7,3 Tage im Monat bei Frauen, 10,5 Tage bei Männern). Außer der Frequenz ist auch ein Wandel bei der Intensität des Konsums zu bemerken. Höherer Wirkstoffgehalt und „aggressivere“ Konsumformen (Topf- und Eimerrauchen) führen zu höheren THC-Konzentrationen im Körper und damit im Nervensystem. Dies hat zur Folge, dass erheblich häufiger und früher eine Abhängigkeit eintritt.

 

Welche anderen Drogen werden noch konsumiert?

Die höchste Korrelation besteht zum Rauchen (74,8 %). Wer noch nie Cannabis konsumiert hat, raucht nur zu 29,2 %. 35,6 % aller 18- bis 24-jährigen Bundesbürger weisen einen riskanten oder schädlichen Alkoholkonsum auf. Bei den CannabiskonsumentInnen sind es 55,9 %, d. h. sie trinken auch mehr Alkohol als andere.

Der Konsum weiterer illegaler Drogen ist vergleichsweise selten. 24,1 % aller Cannabis-User konsumieren andere illegale Drogen. Das Spektrum umfasst im Wesentlichen die so genannten Party-Drogen, also Amphetamine, Kokain, Ecstasy und halluzinogene Pil-ze. Konsumiert jemand nur gelegentlich Cannabis, ist die Gefahr gering, dass er/sie zu anderen Drogen greift. Kifft jemand ständig größere Mengen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er/sie auch andere Drogen aus dem legalen und illegalen Bereich missbraucht. Diese Personen sind massiv abhängkeitsgefährdet.

Wie häufig kommt es zur Abhängigkeit?

Nach neueren Untersuchungen erfüllen jeder fünfte Cannabiskonsument und jede zehnte Cannabiskonsumentin die Kriterien einer Abhängigkeit. Häufig treten in Zusammenhang mit Cannabisabhängigkeit andere psychische Störungen auf. Viele leiden unter Persönlichkeitsstörungen, Verhaltens- oder affektiven Störungen. Dabei kann Cannabisabhängigkeit sowohl Ursache als auch Folge der Störung sein.

 

Illegale Drogen

2004 kam es zu einem deutlichen Anstieg der registrierten Rauschgiftdelinquenz. Hauptursache war die starke Zunahme der Cannabis-Delikte. Es scheint so, dass Amphetamine und Cannabis zu-nehmend an Bedeutung gewinnen. Auch Ecstasy ist nach einem Rückgang im Jahr 2003 wieder im Aufwind. Gegenläufig hierzu ist der Trend bei Heroin. Insgesamt ist die Zahl der erstauffälligen Konsumenten aller „harter“ Drogen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 18 % auf 21.100 registrierte Personen angestiegen.

Im Straßenverkehr ist die Unfallursache „andere berauschende Mittel“, bei der Personen zu Schaden kamen, von 1994 - 2004 um 162% gestiegen, während im gleichen Zeitraum die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden um 14 % zurückging.

 

Drogen am Steuer werden zu einem immer größeren Problem, obwohl sich insgesamt die Verkehrssicherheit verbessert.

Vier bis fünf Prozent aller verordneten Arzneimittel besitzen ein eigenes Suchtpotential. Die stärkste Abhängigkeitsgefährdung geht dabei von den so genannten Benzodiazepinen aus. Durch Aufklärungsmaßnahmen ist deren Verschreibung seit 1993 um etwa 25 % zurückgegangen. Die verordneten Mittel reichen aber immer noch aus, um 1,1 Millionen Abhängige mit diesen Arzneimitteln zu versorgen.

 

Grundsätzlich empfiehlt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. folgende Verschreibungspraxis bei abhängig machenden Medikamenten:

  • Kleinste Packung verschreiben, in niedriger Dosierung, Rezept persönlich aushändigen
  • Therapiedauer vorher vereinbaren, Weiterbehandlungsnotwendigkeit jedes Mal sorgfältig prüfen
  • „Ausschleichen“ nach längerer Anwendung begleiten, nicht nur bei Benzodiazepinen, sondern auch bei den neueren Antidepressiva (SSRIs)
  • Unabhängige Informationen über die jeweiligen Arzneimittel beachten, Abhängigkeitsfälle melden, z.B. der Arzneimittelkommission.

Der Verbrauch an Zigaretten verringerte sich im Jahr 2004 drastisch gegenüber dem Vorjahr, und zwar um 15,8 %. Im Gegenzug erhöhte sich der Verkauf von Zigarren und Zigarillos um 17 %.

Aufgrund des Rückgangs beim Verkauf von Zigaretten sanken die Tabaksteuereinnahmen um 470 Millionen €. Seit 1992 ging der Raucheranteil bei Männern um 3,6 % zurück, stieg aber bei Frauen um 0,6 Prozentpunkte. Insgesamt gaben die Bundesbürger 23 Milliarden € für Tabakwaren aus. Die Tabaksteuereinnahmen beliefen sich in diesem Zeitraum auf 13,6 Mrd. €. Nach Einkommen-, Umsatz- und Mineralölsteuer ist die Tabaksteuer die viertwichtigste Steuereinnahme des Bundes.

Obwohl der EU-Ministerrat die Werbung für Tabakprodukte verbieten will, hat es Deutschland geschafft, die bereits bestehende Richtlinie systematisch zu unterlaufen und bisher versäumt, entsprechende Gesetze und Verordnungen zu erlassen.

Entgegen einem Werbeslogan rauchen nicht alle Raucher gern. Nur ein Fünftel will weiterrauchen. Die große Mehrheit spielt mit dem Gedanken aufzuhören, hat es aber bisher noch nicht geschafft.

In der Fachliteratur wird davon ausgegangen, dass zwei Bedingungen erfüllt sein müssen, um ein Spiel zum Glücksspiel zu machen.

 

1. Der Spieler oder die Spielerin kann in der Regel den Spielausgang nicht oder geringfügig beeinflussen. Die Wahrscheinlichkeit entscheidet über den Ausgang des Spiels.

 

2. Beim Spiel werden Geld oder Wertgegenstände auf den Ausgang des Spiels gewettet.

 

Damit wird das Glücksspiel zu einem Spiel, bei dem die Gefahr besteht, eine Abhängig-keit zu entwickeln. Je höher die Einsatzmöglichkeit und die Einsatzfrequenz im Spiel sind, desto höher ist auch das Gefahrenpotential durch das Spielen Probleme zu entwickeln oder davon abhängig zu werden. In solchen Fällen spricht die Fachwelt von pathologischem Glücksspiel.

 

Einige Kriterien zum path. Glücksspiel:

 

  • Die Betroffenen sind stark eingenommen vom Glücksspiel (intensive Beschäftigung, planen der nächsten Spielunternehmungen, Nachdenken über Geldbeschaffung)
  • Die Betroffenen müssen mit immer höheren Einsätzen spielen, um die gewünschte Erregung zu erreichen.
  • Die Betroffenen haben wiederholt erfolglos Versuche unternommen, das Spielen zu kontrollieren oder einzuschränken bzw. aufzugeben.
  • Die Betroffenen versuchen verlorenes Geld mit dem nächsten Glücksspiel auszugleichen.
  • Die Betroffenen belügen Familienmitglieder und Andere.
  • Die Betroffenen haben schon illegale Handlungen wie Fälschungen, Betrug, Unterschlagung begangen.
  • Sie haben wichtige Beziehungen, sowie den Arbeitsplatz verloren oder gefährdet.
  • Sie verlassen sich darauf, dass andere ihnen mit Geld weiterhelfen.

 

Die Einrichtungen der Diakonie bieten Information, Beratung, Vermittlung und ambulante Weiterbehandlung sowie Information und Beratung für Angehörige und Multiplikator/-innen.

Essstörungen sind keine Ernährungsstörungen. Eine Essstörung ist nicht alleine am jeweiligen Körpergewicht zu erkennen. Essstörungen sind ein Ausdruck von Schwierigkeiten und Konflikten mit sich und anderen und der Suche nach einer eigenen Identität. Streng kontrolliertes Essen und Diäten führen nicht selten zu einer Essstörung. Das Essen oder Nichtessen bekommt eine Bedeutung im alltäglichen Leben, die weit über die Nahrungsaufnahme hinausgeht. Der Genuss beim und am Essen geht verloren. Essen oder Nichtessen wird zum Maßstab für das eigene Gefühl für die eigene Wertigkeit und die Selbstzufriedenheit.

 

Die Ursachen können vielfältig sein. Neben Aspekten wie z.B. das heutige Schönheitsideal, die Fitness-Ideologie sowie eine geschlechtsspezifische Sozialisation können schwierige Familien- und Arbeitsverhältnisse und auch frühe problematische Kindheitserfahrungen Erklärungen für die Entwicklung einer Essstörung sein.

 

Wir unterscheiden zwischen folgenden Hauptgruppen von Essstörungen:

 

  • Magersucht (Anorexie) wird durch Nichtessen sowie extreme sportliche Betätigung ausgelöst und erhalten.
  • Bulimie ist gekennzeichnet durch Heißhungeranfälle, bei denen die Betroffenen sehr große Nahrungsmengen aufnehmen und im Anschluss daran durch Erbrechen oder Abführmittel wieder ungeschehen machen wollen.
  • Bei der Esssucht sind die Gedanken zwanghaft auf Essen, Nichtessen, Figur und Gewicht fixiert. Es gibt die latente Esssucht, die als ein strikt kontrolliertes Essverhalten oder ein lebenslanges Diäten beschrieben wird und die Esssucht mit Übergewicht oder binge eating, bei denen es zu ständigem Überessen oder zu Heißhungeranfällen ohne späteres Erbrechen kommt.

 

In sehr vielen Fällen sind Frauen von Essstörungen betroffen.

 

Die Einrichtungen der Diakonie bieten Information, Beratung und Vermittlung, ambulante Weiterbehandlung sowie Information und Beratung für Angehörige und Multiplikator/-innen.

Die Veränderung im Bereich des Konsums von Cannabis-Produkten wirkt sich auch auf die Präventionslandschaft aus. So wurde in den letzten Jahren allgemein die Notwendigkeit einer verstärkten Ausrichtung der Vorbeugung auf gefährdete oder bereits konsumierende Jugendliche erkannt. Im Unterschied zur Primärprävention, die zeitlich vor der Gefährdung durch Abhängigkeit einsetzt, spricht man in diesem Fall von Sekundärprävention.

 

Cannabis stand ja bis vor wenigen Jahren in dem Ruf, zu Unrecht als illegale Droge behandelt zu werden. Die Wirkungen auf Körper und Psyche schienen zu geringfügig, um eine derartige Stigmatisierung zu rechtfertigen. Die Entstehung einer Abhängigkeit wurde von vielen sogar grundsätzlich bezweifelt.

 

Inzwischen ist diese Position nicht mehr aufrecht zu erhalten. Die Gründe dafür sind:

 

  • Steigerung des Wirkstoffgehalts um den Faktor 8 bei aktuellen Cannabis-Züchtungen
  • Wandel zu härteren Konsummustern mit gesteigerter Aufnahme des Wirkstoffes THC
  • Konsum in jüngeren Jahren
  • Erkenntnisse aus neueren wissenschaftlichen Untersuchungen

 

Diese Entwicklungen bewirkten auch eine Veränderung bei der Zusammensetzung der Klientel im Beratungsbereich. Insgesamt nahm die Zahl der jungen Männer stark zu, die wegen Cannabis-Problemen die Beratungsstelle aufsuchten.

 

Von Februar bis September 2005 wurden insgesamt drei FreD-Kurse durchgeführt. Insgesamt konnten wir 38 Gruppenkontakte zählen. Es waren ausschließlich junge Männer zwischen 15 und 20 Jahren. Die meisten Teilnehmer kamen auf Anraten der Jugendgerichtshilfe und im Vorfeld eines zu erwartenden Jugendgerichtsprozesses. Der kleinere Teil hatte bereits in der Gerichtsverhandlung die Auflage bekommen, am FreD-Kurs teilzunehmen.

 

Im Vorfeld des Kurses hatte bis auf eine Ausnahme bereits ein so genanntes Intake-Gespräch stattgefunden. Dies ist ein Einzelgespräch mit FreD-„Anwärtern“, in dem die Motivation, die Vorgeschichte des BtmG*)-Delikts sowie familiäre und berufliche Rahmenbedingungen erfragt werden.

 

Der Kurs selbst wurde dann jeweils an einem Freitag und einem Samstag durchgeführt und dauerte insgesamt acht Stunden. Die Kursteilnehmer konnten selbst über ihre positiven und negativen Erfahrungen mit Cannabis und anderen Drogen berichten. Von Seiten der zwei sozialpädagogischen Fachkräfte kamen neue Informationen zu Fragen der Wirkungsweise von Drogen, Abhängigkeitsentstehung und rechtlicher Folgen von Verstößen gegen das BtmG. So entwickelte sich ein fruchtbarer Austausch. Anfängliche Befürchtungen, die Jugendlichen könnten den Cannabis-Konsum verklären, bestätigten sich nicht.

 

Spätestens am zweiten Kurstag war allen klar, dass sich ein regelmäßiger Cannabiskonsum mit wichtigen Lebenszielen (Berufsausbildung, Führerschein, dauerhafte Partnerbeziehung u. a.) nicht vereinbaren lässt. Insbesondere der Besitz des Führerscheins, der für männliche Jugendliche im ländlichen Raum einen besonders hohen Stellenwert hat, erwies sich als Schlüsselfaktor für eine Einstellungsänderung in Bezug auf den Drogenkonsum.

 

Insgesamt lässt sich sagen, dass das FreD-Projekt ein kleines, aber sinnvolles Element im Kontext der Prävention illegaler Drogen darstellt.

 

Für diejenigen Kursteilnehmer, die schon über einen längeren Zeitraum illegale Drogen konsumiert und dadurch eine massive Abhängigkeit aufgebaut haben, die evtl. auch noch von anderen Drogen abhängig sind, ist eine nachfolgende stationäre Therapie meist unausweichlich. Angebote, die speziell auf eine Cannabis-Abhängigkeit zielen, gibt es noch kaum. Erste Ansätze stimmen aber hoffnungsvoll. So bietet beispielsweise die Fachklinik Wigbertshöhe in Bad Hersfeld eine Therapiegruppe für Spieler mit Cannabis-Abhängigkeit an. In der Fachklinik Furth im Wald werden Alkoholsüchtige in Kombination mit Cannabis-Problemen in einer eigenen therapeutischen Gruppe behandelt.

 

(Wolfgang Pfeifenberger)



  • 18 Suchtberatungs- und Behandlungsstellen der diakonischen Werke in Bayern mit 14.000 betreuten Klient/innen in 2004 – Information, Beratung, Therapie (Ambulante Entwöhnungsbehandlung)
  • 3 Fachkliniken für alkoholabhängige Männer und Frauen mit insgesamt 150 Plätzen in Hutschdorf, Sulzberg, Weibersbrunn
  • 1 Tagesklinik in Bayreuth mit 20 Plätzen
  • Therapiezentrum Wolkersdorf, stationäre Therapie für Drogenabhängige, 22 Plätze
  • 5 Nachsorge-Einrichtungen für Suchtkranke, Betreute Wohngemeinschaften und Betreutes Einzelwohnen in Herzogsägmühle, Klingenberg, München, Nürnberg und Vilsbiburg
  • 4 Sozialtherapeutische Facheinrichtungen für chronisch mehrfachgeschädigte Alkoholkranke in Gräfenberg, Hersbruck, Herzogsägmühle und Kiefersfelden
  • 1 Pflegeheim in Klingenberg mit 34 Plätzen

 

  Selbsthilfe 

  • Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe, Landesverband Bayern, 21 Freundeskreise mit 52 Gruppen
  • Blaues Kreuz, Landesverband Bayern, 30 Vereine mit 56 Gruppen
  • Blaues Kreuz, Ortsverein München, 58 Gruppen

Die Grundlagen unseres diakonischen Handelns finden wir im alten und neuen Testament.

Diakonisches Handeln nimmt sich in Wort und Tat menschlicher Not in zeitgemäßer Weise vorbeugend, beratend und helfend an und zielt darauf, deren Ursachen zu beheben. Als Begleitung von Menschen in ihren vielfältigen Lebenssituationen und Nöten befähigt es zu einer selbständigen Lebensführung und zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben (Diakoniegesetz der ELKB).

Zu den Grundsätzen der Suchtkrankenhilfe in evangelischer Trägerschaft gehört die Achtung vor der unantastbaren Würde aller Klientinnen und Klienten. Ethnische und soziale Herkunft, Geschlecht, Religion, weltanschauliche Prägung, Nationalität, sexuelle Orientierung, Alter, körperliche, psychische und geistige Behinderung von Klientinnen und Klienten sind Teil der Person, zu ihr gehörig. Wir zeigen Respekt und Toleranz in unserer Einstellung und unserem Verhalten gegenüber allen Hilfesuchenden.

Dazu verpflichten wir uns.

Diakonische Suchtkrankenhilfe vertraut auf die Fähigkeiten jedes Menschen, sein Verhalten zu verändern und neue Perspektiven für sich zu entwickeln.

Die Mitarbeitenden in der evangelischen Suchtkrankenhilfe sind professionell ausgebildet.

Sie beraten, behandeln und begleiten Hilfesuchende in ihrer Entwicklung. Sie geben Hilfe zur Selbsthilfe und respektieren das Recht und die grundsätzlich vorhandene Fähigkeit der Klientinnen und Klienten, selbständig und eigenverantwortlich auch wichtige Lebensentscheidungen zu treffen. Zeitweilige oder teilweise Einschränkungen dieser Fähigkeit aufgrund besonderer Krisen stellen dieses Selbstbestimmungsrecht nicht in Frage.

Wir setzen uns dafür ein, dass die Gesellschaft die Probleme der Suchtkranken anerkennt und die Rahmenbedingungen für die Suchtkrankenhilfe nachhaltig verbessert werden.

 

Fachausschuss des Evangelischen Fachverbandes für Suchtkrankenhilfe in Bayern

01.08.2007

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