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Familie lebt in vielen Formen

 

Ein Blick in die Statistik zeigt: Die Zahl der allein Erziehenden – oder besser: Ein-Eltern-Familien - nimmt zu. Dazu zählen Ledige, Getrenntlebende, Geschiedene oder Verwitwete. So unterschiedlich wie die Gründe dafür sind, allein erziehend zu sein, so unterschiedlich wird auch die persönliche Situation von Müttern und Vätern erlebt. Allen ist jedoch eines gemeinsam: Allein Erziehende spüren die strukturelle Benachteiligung von Familien ganz besonders, da sie alleine die Verantwortung für ihre Kinder tragen.

 

Für die Diakonie hat die Arbeit mit allein Erziehenden darum zwei wichtige Ziele: Wir wollen die Akzeptanz von allein Erziehenden in der Gesellschaft fördern und die Anerkennung von Ein-Eltern-Familien als vollwertige Familienform erreichen. Gleichzeitig sollen Benachteiligungen abgebaut werden.

 

Unterstützt werden die Mütter, Väter und Kinder durch unsere Beratungsstellen, Seminare, Treffpunkte und Selbsthilfegruppen, die unter dem Motto "allein Erziehende helfen sich selbst - helfen sich gegenseitig" stehen.

40 Jahre Evangelische Arbeitsgemeinschaft für alleinerziehende Mütter und Väter

Auch wenn die Zahl der Ehescheidungen im vergangenen Jahr leicht gesunken ist – von den über 160.000 geschiedenen Ehen im Jahr 2016 war über die Hälfte eine Ehe mit minderjährigen Kindern. Es ist mittlerweile zwar keine Schande mehr, sich zu trennen oder scheiden zu lassen - das Motto der Arbeitsgemeinschaft, ‚Familie lebt in vielen Formen‘ spiegelt darum auch eine veränderte gesellschaftliche Realität wieder.

Die Verbesserung der Situation Alleinerziehender bleibt dennoch eine Herausforderung für Politik und Gesellschaft: So stellt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf viele Alleinerziehende immer noch vor große Herausforderungen Es fehlen nicht nur Betreuungsplätze für unter Dreijährige, sondern auch Betreuungsplätze für Schulkinder. Besonders problematisch ist dies für Alleinerziehende, die in Früh- oder Spätdiensten oder im Schichtdienst arbeiten.

Die finanzielle Situation vieler Alleinerziehender wird zudem dadurch erschwert, dass sie nach der Trennung Schulden haben, die beglichen werden müssen. Über zehn Prozent der Klienten in den deutschen Schuldnerberatungsstellen sind Alleinerziehende. Auch die Suche nach angemessenem und bezahlbarem Wohnraum wird angesichts eines angespannten Wohnungsmarktes zunehmend zur Problem für die Betroffenen.

In der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für alleinerziehende Mütter und Väter haben sich 40 Träger aus Diakonie und Kirche zusammengeschlossen. Dazu gehören Träger von  Beratungsstellen der Kirchlich allgemeinen Sozialarbeit (KASA), Erziehungsberatungsstellen, Familienbildungsstätten sowie Erwachsenenbildungs-werke. Die Arbeit ist zudem geprägt durch ein hohes ehrenamtliches Engagement.

Hier gelangen Sie zu den Anlaufstellen für Alleinerziehende.

 

 

„Alleinerziehende kommen oft an die Grenzen des Machbaren!“

Barbara Christian ist Referentin in der Diakonie Bayern für Frauenfragen und Angebote für Alleinerziehende sowie Geschäftsführerin der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für alleinerziehende Mütter und Väter.

 

Frau Christian, warum brauchen Alleinerziehende eine Lobby?

Alleinerziehende stehen vor besonderen Herausforderungen, die sich nach einer Trennung ergeben: Sie müssen die Trennungs- und Verlusterfahrungen bewältigen, den Alltag mit den Kindern neu organisieren und den Lebensunterhalt nun überwiegend alleine sichern. Das bringt sie oftmals an die Grenzen des Machbaren. Deshalb setzt sich die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für alleinerziehende Mütter und Väter  für Alleinerziehende ein. In der Arbeitsgemeinschaft haben sich kirchliche und diakonische Träger der Alleinerziehendenarbeit und ehrenamtlich Mitarbeitende zusammengeschlossen.

Wie sieht die Hilfe der Diakonie Bayern für Alleinerziehende konkret aus?

Einige kirchliche und diakonische Beratungsangebote nehmen Alleinerziehende besonders in den Blick. Bsp. hierfür sind die landeskirchlichen Fachstellen für Alleinerziehende in München und Nürnberg, die Evang. Familienbildungsstätte in Bayreuth oder die KASA in Landshut und Augsburg. Beratung und Unterstützung finden alleinerziehende Mütter und Väter in vielen Arbeitsbereichen der Diakonie, wie z.B. in den Schwangerschafts- oder Ehe-, Familie-, Lebens- und Erziehungsberatungsstellen. Die Kirchliche Allgemeine Sozialarbeit (KASA) ist ebenfalls ein Ansprechpartner für Hilfesuchende mit sozialen, finanziellen oder wirtschaftlichen Schwierigkeiten.  Oft stecken Frauen oder Männer nach einer Trennung in der Schuldenfalle: Hier berät die kirchliche Schuldnerberatung. Das Ziel aller Angebote ist es, Hilfesuchende so zu unterstützen, dass sie ihre Lebenssituation für sich selbst und ihre Kinder zufriedenstellend gestalten können.

Neben den unterschiedlichen hauptamtlichen Hilfsangeboten haben auch die in der Regel ehrenamtlich geleiteten „Treffpunkte für Alleinerziehende“ eine wichtige Funktion: Einen Raum zu schaffen, in dem sich Alleinerziehende begegnen, ins Gespräch kommen oder auch Freizeit gemeinsam verbringen können – das sind wichtige Aspekte für eine gelungene Gestaltung des neuen Lebensalltags als Eineltern-Familie. Darüber hinaus finden in den „Treffpunkten“ auch Veranstaltungen zu spezifischen Fragestellungen statt: Hierzu werden Experten aus den unterschiedlichsten Themenbereichen wie z.B. Gesundheit, Recht, Erziehung etc. eingeladen.

An welchen Stellen braucht es dringend Verbesserungen für Alleinerziehende? Was fordern Sie ?

Alleinerziehende brauchen eine Familienpolitik, die verlässliche Rahmenbedingungen schafft. Das heißt konkret

  • wirtschaftliche Sicherheit: Ausreichende und bedarfsgerechte Leistungen, die Armut verhindern und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. 
  • eine gute Vereinbarkeit von Erwerbs- und Familienarbeit: ausreichende und bedarfsgerechte Betreuungsangebote für Kinder und Jugendliche; aber auch die Arbeitgeber sind aufgefordert, Alleinerziehende mit bedarfsgerechten familienorientierten Maßnahmen zu unterstützen.
  • ausreichende zeitliche Ressourcen für den Familienalltag: Zeit für das Miteinander mit ihren Kindern und Zeit für die eigene Erholung und Gesundheit;
  • ein familienfreundliches Wohnumfeld: bezahlbarer Wohnraum in einem familienfreundlichem Wohnumfeld;
  • eine angemessene Beratungsinfrastruktur,

und

Alleinerziehende brauchen die Wertschätzung der Gesellschaft für die Leistungen, die Alleinerziehende als Eltern erbringen.

 

Beratungsangebote und Ansprechpartner

Diakonisches Werk Landshut
Kirchl. Allgem. Sozialarbeit (KASA)
Johanna Behrens
Gabelsberger Str. 46
84034 Landshut
t 0871 609 206
www.diakonie-landshut.de

Evang. Fachstelle Alleinerziehende München
Uwe Kaupp
Landwehrstr. 15 Rgb.
80336 München
t 089 538 86 86 15
www.alleinerziehend-muenchen.de


Evang. Fachstelle Alleinerziehende
Haus eckstein
Karin Mack
Burgstr. 1-3
90403 Nürnberg
t 0911 214 21 00
www.alleinerziehende-nuernberg.de

 

Diakonisches Werk Würzburg e.V.
Angebote für Alleinerziehende
Gudrun Strehl
Friedrich-Ebert-Ring 24
97072 Würzburg
t 0931 804 87 90
www.diakonie-wuerzbug.de


Diakonisches Werk Augsburg
Kirchl.Allgem. Sozialarbeit (KASA)
Lisa Hagins
Spenglergäßchen 7a
86152 Augsburg
t 0821 3 20 4 136
www.diakonie-augsburg.de


Evang. Familien-Bildungsstätte plus
Mehrgenerationenhaus
Ute Semmelmann
Ludwigstr. 29
95444 Bayreuth
t 0921 150 44 64
www.familienbildung-bayreuth

Trennung und Scheidung:
„Es ist kein Makel, sich in belastenden Situationen Hilfe zu holen!“

Elisabeth Simon ist Referentin in der Diakonie Bayern für Schwangerschafts-, Ehe-, Familien-, Lebens-, Erziehungsberatung und für Telefonseelsorge sowie Geschäftsführerin des Evangelischen Fachverbandes für Beratung – Schwangerschaft, Ehe, Familie, Leben, Erziehung.

 

Frau Simon, nach einer Trennung/Scheidung ist das alte Familiengefüge auseinandergebrochen und das Chaos oft groß. An wen kann ich mich wenden, bevor das Leben komplett aus den Fugen gerät?

In den meisten Fällen ist die erste Anlaufstelle für Betroffene mit Kindern eine Erziehungsberatungsstelle. Und nicht zu vergessen diese Möglichkeit besteht auch für ältere Kinder und Jugendliche, die ja oft nicht unerheblich unter dieser Situation leiden. Aber natürlich kann jeder mit einer Trennungsproblematik auch zu einer Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle gehen und – das weiß fast niemand – auch zu einer Schwangerschaftsberatung. Dort wird zu allen Belangen rund um das Thema Sexualität, Partnerschaft, Schwangerschaft und Kleinkindern bis drei Jahre beraten. Auch Männer können trotz des Namens in der Schwangerschaftsberatung Hilfe und Unterstützung erhalten. Die Beratung in allen Stellen ist immer vertraulich, unabhängig von Nationalität, Weltanschauung und sexueller Orientierung, auf Wunsch anonym und bei der Erziehungs- und Schwangerschaftsberatung kostenfrei. Wichtig ist es zu wissen, dass die Berater/innen der Schweigepflicht unterliegen.
Derzeit vertrete ich die Interessen von 27 Erziehungs-, Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen sowie 14 staatlich anerkannte Schwangerschaftsberatungsstellen mit über 350 hochqualifizierten Fachkräften. Auf der Internetseite des Fachverbandes für Beratung kann man ganz einfach unter www.beratung-in-bayern.de/ oder auf Seite der Diakonie Bayern unter www.diakonie-bayern.de /Einrichtungssuche eine diakonische Beratungsstelle in der Nähe des eigenen Wohnorts finden. Außerdem muss in diesem Zusammenhang auch das Angebot der Telefonseelsorge in Bayern erwähnt werden. Hier haben Hilfesuchende die Möglichkeit in Krisensituationen rund um die Uhr, tagtäglich und kostenfrei unter der Rufnummer 080 1110111 oder 0800 1110222 „ein offenes Ohr“ für ihre Anliegen zu finden.

In vielen Fällen ist nach einer Trennung vor allem der Umgang mit den Kindern ein hochstrittiges und oft sehr langwieriges Thema. Wie kann ich als Eltern das vermeiden?

Sich so früh wie möglich Hilfe holen, bevor der ständige Streit eskaliert!

Kinder leiden am meisten unter dem dauerhaften Streit ihrer Eltern, denn sie geraten dadurch mit ihren Bedürfnissen völlig aus den Blick ihrer Eltern. Deshalb wäre es so wichtig, dass Eltern im Interesse der Kinder ihre Konflikte möglichst früh und möglichst schnell bewältigen, um gemeinsam Eltern bleiben zu können. Das muss gar nicht zwangsläufig bedeuten, dass man zu zweit in die Beratung gehen muss. Auch alleine kann man eine Beratungsstelle aufsuchen, um etwas für sich selbst zu klären. Es ist kein Makel, sich in belastenden Lebenssituationen Hilfe und Rat zu holen! Das Thema Trennung ist eben ein enormer Einschnitt in der Lebensplanung, nicht nur in finanzieller Hinsicht – Lebensentwürfe werden in Frage gestellt, Verletzungen, Enttäuschungen und Veränderungen müssen bewältigt werden. Sich in einer solch komplexen Situation an eine Beratungsstelle zu wenden ist ein guter Weg, um wieder handlungsfähig zu werden, Lebensfreude und Zuversicht wieder zu entdecken und Lösungen für sich zu finden und jahrelange Streitigkeiten (auch gerichtliche) zu verhindern.

An welchen Stellen braucht es dringend Verbesserungen? Was fordern Sie?

Da gibt es einige Punkte zu nennen: Ich denke in den nächsten Jahren wird die Nachfrage nach Beratung weiter steigen, da die Welt in der wir leben immer komplexer und vielfältiger wird. Wir brauchen hier dringend einen Ausbau unserer Angebote, auch im Hinblick auf die die Flüchtlinge, die in unseren Regelsystemen ankommen werden und eine immer älter werdende Gesellschaft (Generation 60+). Außerdem müssen wir vermehrt neue Medien in unsere Angebote einbauen, um auch hierüber einen weiteren Zugang zur jüngeren Generation zu erhalten.

 

Weiterführende Links:

http://www.beratung-in-bayern.de

http://www.diakonie-bayern.de/die-diakonie-in-bayern-die-arbeitsfelder/diakonische-einrichtungen-in-bayern/beratungsstellen-und-einrichtungen.html

http://www.krisendienst-mittelfranken.de

http://www.diakonie-bayern.de/die-diakonie-in-bayern-die-arbeitsfelder/menschen-in-not/telefonseelsorge.html

„Alleinerziehende brauchen bei der Jobsuche einen Lotsen, der eine Brückenfunktion übernimmt und dabei hilft, Vertrauen auf- und Vorurteile abzubauen!“

 

Sebastian Oehme, Bereichsleitung Erwachsenenhilfe und Bereichsleitung Altenhilfe in der Diakonie Hochfranken; Leiter des Projekts „VIOLA – Kompetenz für Alleinerziehende“, das vom 1.11.2009 bis 31.12.2012 im Rahmen des ESF-Bundesprogramms „Gute Arbeit für Alleinerziehende“ von der Diakonie Hochfranken in Kooperation mit dem Jobcenter der Stadt Hof und Hof Landkreis durchgeführt wurde.

 

Herr Oehme, das erfolgreiche Projekt VIOLA ist ja leider schon vor drei Jahren ausgelaufen: im Rückblick – was war damals der Schlüssel zum Erfolg ?

VIOLA – Kompetenz für Alleinerziehende war ein umfassendes und beständiges Begleitprogramm der Diakonie Hochfranken und den Kooperationspartnern Jobcenter Hof Stadt und Hof Landkreis. Die teilnehmenden Alleinerziehenden im SGB-II-Bezug erhielten

  • Beratung: Sie bestand darin, die Lebenssituation, die persönlichen Kompetenzen und beruflichen Qualifikationen der Teilnehmerinnen zu analysieren und anschließend vorhandene Ressourcen zu stärken und ggf. auszubauen.
  • Betreuung: Die Alleinerziehenden wurden unterstützt, Kinderbetreuungs- und Haushaltsunterstützungsangebote wahrzunehmen und auch in Anspruch zu nehmen.
  • Beschäftigung: In Kooperation mit den beteiligten Jobcentern und in Absprache mit Arbeitgebern aus der Region wurden passende Beschäftigungsverhältnisse für Alleinerziehende entwickelt, d.h. z.B. spezielle Arbeitszeitmodelle für Alleinerziehende.

Und genau in dieser Zusammenarbeit mit den verschiedenen Institutionen lag der Schlüssel zum Erfolg. Die Sensibilisierung bei den lokalen Jobcentern für die besonderen Belange von Alleinerziehenden, die individuelle soziale Betreuung und Begleitung durch die Erwachsenenhilfe der Diakonie Hochfranken sowie Gespräche mit Unternehmen in der Region wirkten sich positiv auf die Vermittlungsquote der teilnehmenden Alleinerziehenden aus. Etwa die Hälfte der Teilnehmerinnen (443) konnte in AGH-Maßnahmen, Ausbildungen, Minijobs, Teil und Vollzeitstellen vermittelt werden. (Lesen Sier hier den Abschlussbericht des Projekts.)

 

Welche Probleme / Stolpersteine bei der Arbeitsvermittlung traten damals auf und welche Lehren konnte man daraus ziehen?

Als größte Stolpersteine für eine erfolgreiche Vermittlung in den Arbeitsmarkt stellten sich die Betreuung der Kinder während Krankheit und Schulferien sowie unflexible Öffnungszeiten der Kindertagesstätten heraus. Hier gibt es bei Arbeitgebern immer noch die größten Vorbehalte gegenüber Alleinerziehenden. Gerade in der Pflege und im Verkauf, Berufe mit Schichtarbeit, ist Flexibilität gefordert, die Alleinerziehende aber nicht vorweisen können. Gespräche mit Arbeitgebern in der Region zum Thema Familienfreundlichkeit wurden zwar angestoßen und führten durchaus auch zu positiven Resonanzen bzw. zu einer größeren Sensibilität dem Thema gegenüber. Allerdings erzählten einige auch, dass Sonderarbeitszeitmodelle für Sie persönlich sehr gut vorstellbar sind, sie jedoch die Konfrontation mit den übrigen Mitarbeitern fürchten, die sich dann ungerecht behandelt fühlen. Alleinerziehend zu sein ist auf dem Arbeitsmarkt immer noch ein richtiges Stigma, sowohl bei Arbeitgebern als auch bei vielen Angestellten. Hier hilft nach unserer Ansicht tatsächlich nur das Gespräch– Alleinerziehende brauchen einen Lotsen, der so eine Art Brückenfunktion zu potentiellen Arbeitgebern übernimmt und dabei hilft, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen und Vorurteile abzubauen. Und natürlich ein Betreuungssystem, das flexibler genutzt werden kann – auch und gerade in der Ferienzeit.

 

Gibt es Nachfolgeprojekte heute und wenn ja welche?

Nein, leider hat sich daraus kein Folge-Projekt ergeben. Das scheiterte an den finanziellen Mitteln. Dementsprechend sank nach Beendigung des Projekts beim Jobcenter Hof Stadt die Vermittlungsquote bei der Gruppe der Alleinerziehenden rasant. Es gibt zwar dort weiterhin einen Mitarbeiter, der Ansprechpartner für Alleinerziehende ist, allerdings fehlen sowohl die personellen als auch finanziellen Mittel, um Alleinerziehende umfassend zu beraten und zu begleiten.

Aber – aus dem Projekt heraus ist eine Selbsthilfegruppe entstanden, die ehrenamtlich von einer ehemaligen Projektleiterin aus dem „VIOLA“-Team geleitet wird. Hier können Alleinerziehende ins Gespräch kommen, sich gegenseitig stärken und von den Erfahrungen anderer profitieren. (www.diakonie-hochfranken.de/beratung-hilfe/selbsthilfekontaktstelle.html)

 

An welchen Stellen braucht es dringend Verbesserungen? Was fordern Sie?

Die Liste mit Verbesserungsvorschlägen ist lang – aber am wichtigsten ist sicherlich die umfassende Begleitung und Unterstützung arbeitsloser Alleinerziehender auf mehreren Ebenen: Zum einen eine gesicherte Finanzierung der Kinderbetreuung und das entsprechend dazugehörige flexible Betreuungsangebot, um überhaupt eine Ausbildung, Weiterbildungsmaßnahme oder einen Beruf ausüben zu können. Außerdem halten wir es für dringend erforderlich, Angebote an Ausbildungs- und Weiterbildungsmaßnahmen in Teilzeit auszuweiten und die kontinuierliche finanzielle Absicherung in diesem Zeitraum zu gewährleisten. Zum anderen brauchen sie einen Ansprechpartner für die speziellen Problemlagen Alleinerziehender – einen wie oben schon erwähnten Lotsen, der in schwierigen Lebenssituationen auch über arbeitsmarkttechnische Fragen hinaus helfen und beraten kann. Das bedeutet alles, dass viel mehr als bisher in die professionelle Begleitung arbeitsloser Alleinerziehender investiert werden müsste. Denn so, wie die Situation jetzt ist, haben Ein-Eltern-Familien ganz schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt: Das Stigma der unflexiblen Verfügbarkeit für den Arbeitgeber haftet hartnäckig an ihnen. Hier müsste v.a. die Arbeitswelt umdenken und Prozesse entwickeln, die es ermöglicht, andere Zeitmodelle zu entwerfen und gleichzeitig betriebliche Betreuungsmöglichkeiten zu installieren.

 

Weiterführende Links:

 

http://www.gute-arbeit-alleinerziehende.de/

http://www.diakonie-hochfranken.de/beratung-hilfe/selbsthilfekontaktstelle.html

https://www.arbeitsagentur.de/web/content/DE/dienststellen/rdbb/potsdam/Agentur/Detail/index.htm?dfContentId=L6019022DSTBAI516220

http://www.perspektive-wiedereinstieg.de/Navigation/DE/Service/Wiedereinstiegskarte/Bundeslaender/Bayern/WEKarteBL_Node.html

„ElternBleibe“ – Vermittlung von kostenfreien Übernachtungsmöglichkeiten an Eltern, die nach Trennung oder Scheidung unterschiedliche Wohnorte haben

Uwe Kaupp, Dipl. Religionspädagoge in der EFA, Evangelischen Fachstelle Alleinerziehende Frauen und Männer in München; Leiter des Projekts „ElternBleibe“.

Herr Kaupp, seit wann gibt es das Projekt „Elternbleibe“?

Kinder brauchen stabile Beziehungen und die Gewissheit, dass sie nach der Trennung der Eltern weiterhin die Beziehung zu beiden Elternteilen aufrecht erhalten können, auch wenn Mutter oder Vater nun weit weg wohnt. Mit dem Projekt „ElternBleibe“ haben wir uns dieses Problems angenommen, das für viele Eltern mit weit auseinanderliegenden Wohnorten bisher oft nur schwierige Lösungen bot. Zur ohnehin schwierigen Trennungssituation kommen oft hohe finanzielle Belastungen, denn Fahrtkosten plus Hotelpreise sind auf Dauer für die meisten nicht erschwinglich. So vermittelt die Evangelische Fachstelle seit 2009 kostenfreie Übernachtungsmöglichkeiten bayernweit an Eltern, die nach Trennung oder Scheidung unterschiedliche Wohnorte haben.

Wie funktioniert die Vermittlung der kostenfreien Übernachtungsmöglichkeiten an Eltern?

Wenn der alleinlebende Elternteil sein Kind in einer anderen Stadt besuchen möchte, dann nimmt er mit uns Kontakt auf, entweder telefonisch oder er registriert sich gleich über unser Online-Formular (http://www.alleinerziehend-evangelisch.de/content/als-vater-anmelden oder http://www.alleinerziehend-evangelisch.de/content/als-mutter-anmelden). Darüber hinaus benötigen wir eine aktuelle Meldebestätigung sowie eine amtlich beglaubigte Kopie des Personalausweises/Passes. Sobald wir diese Unterlagen erhalten haben, nehmen wir Verbindung mit einem geeigneten Gastgeber auf. Per Mail erhält der Unterkunftsuchende dann die Kontaktdaten der potentiellen Gastgeber am Wohnort des Kindes. Das weitere Vorgehen organisieren dann Gastgeber und Gast eigenständig. Die Bearbeitungszeit einer Unterkunftssuche nimmt alles in allem etwa eineinhalb bis zwei Wochen in Anspruch.

Wenn man sich als Gastgeber registrieren lassen möchte, kann man dies auch über ein Online-Formular machen oder bei Fragen uns telefonisch kontaktieren. Derzeit haben sich bei uns etwa 260 Gastgeber registriert. Der überwiegende Teil davon hat selbst familiäre Trennungserfahrung. Oft sind es auch ältere Menschen, die nach dem Auszug der eigenen Kinder Platz im Haus haben. Andere wiederum haben die Trennung ihrer Kinder miterlebt und können daher ihren Gästen als Zuhörer und Berater zur Seite stehen. Uns erreichen immer wieder Briefe und E-Mails von Vätern, die sich bedanken und das herzliche Verhältnis zu ihren Gastgebern beschreiben. Die Elternbleibe ist daher mehr als nur kostenloses Wohnen auf Zeit – es ist im wahrsten Sinne des Wortes für viele ein zweites Zuhause.

Wer nutzt das Angebot?

Derzeit nutzen das Angebot ca. 50 Väter. Oft sind es Väter, die in der Erstphase nach einer Trennung erstmal in eine finanzielle Knappheit geraten und deshalb auf unser Angebot zurückgreifen. Nach einiger Zeit haben sich aber die meisten davon wieder selbst gut organisiert und nehmen deshalb die kostenfreie Übernachtungsmöglichkeit nicht mehr in Anspruch. Ein Großteil der Väter allerdings lebt schon länger in prekären finanziellen Verhältnissen, ist arbeitslos oder bezieht ALG II und ist deshalb auf eine kostenfreie Unterkunft dringend angewiesen, um den Kontakt zu den Kindern aufrecht erhalten zu können.

In München bieten Sie darüber hinaus auch ein Spielzimmer kostenfrei zur Verfügung. 

Ja, in den Räumen unserer Fachstelle können Alleinerziehende nach vorheriger Anmeldung kostenfrei ein Spielzimmer nutzen. Dieses beinhaltet einen Spielraum mit viel Spielzeug, Büchern, einem Kicker, Turnmatte, eine Kinderwerkstatt mit Werkzeug, Hobelbank etc. sowie einen ruhigen Innenhof zum Roller und Dreirad fahren. Anmelden kann man sich im Sekretariat der Evangelischen Sonderseelsorge- und Beratungseinrichtungen per E-Mail (Catrin.Klatt(at)elkb(dot)de) oder auch telefonisch unter (089) 538 8686-10, -15, -16. Hier können Alleinerziehende in aller Ruhe eine schöne Zeit mit ihren Kindern verbringen. Auch Kindergeburtstage können hier beispielsweise gefeiert werden. Gerade in den Wintermonaten ist es wichtig, so einen Rückzugsraum für Alleinerziehende und ihre Kinder bereit zu stellen, denn dann sind die Möglichkeiten im Freien Zeit miteinander zu verbringen eher begrenzt.

 

Weiterführende Links:

http://www.alleinerziehend-evangelisch.de

http://www.alleinerziehend-evangelisch.de/elternbleibe

http://www.alleinerziehend-evangelisch.de/spielraum

Vater auf Zeit – Wie kann man Väter nach der Trennung unterstützen, die Beziehung zum Kind nicht zu verlieren?

Karin Mack, Leiterin der Evangelischen Fachstelle Alleinerziehende in Nürnberg, Diplom-Religionspädagogin(FH) und Systemische Beraterin (DGSF);
Bernhard Köppel, Systemischer Berater, leitet in der Fachstelle den Workshop/Seminar „Vater auf Zeit“;

 

Herr Köppel, Sie leiten in der Evangelischen Fachstelle Alleinerziehende Gesprächskreise für Väter, die ihre Kinder aufgrund einer Trennung nur zeitweise sehen. Was sind für die Väter, die sich dort anmelden, die wichtigsten Themen?

Immer wieder tauchen Fragen zur rechtlichen Situation auf. Aber diese Fragen möchte ich ganz bewusst draußen halten. Dafür gibt es andere Fachleute. Im Gesprächskreis stehen diese Themen im Vordergrund: Wie verbringe ich die Zeit mit meinem Kind/meinen Kindern? Wie gestalte ich die Übergabe, das Ankommen und das Abschiednehmen? Wie gehe ich mit den Gefühlen wie z.B. der Trauer um – sowohl mit meiner Trauer als Vater, als auch mit der Trauer des Kindes/der Kinder, wenn sie die Mutter vermissen? Elemente der systemischen Beratung wie z. B. Skulpturarbeit, können hier hilfreich sein, sich ein Bild einer bestimmten Situation zu machen, um mal von außen ‚drauf‘ zu schauen. Ich bin sehr erstaunt darüber, wie gut sich die Väter darauf einlassen.

 

Frau Mack, ebenso gibt es dieses Gesprächsangebot auch für Mütter, deren Kinder beim Vater leben. Lassen sich konkrete Unterschiede in den Fragestellungen/Problemen feststellen und wenn ja, welche?

Viele Themen sind ganz ähnlich. Auch in dieser Runde berichten die Mütter, wie es Ihnen geht in den kurzen Zeiten mit dem Kind/den Kindern und wie sie versuchen, damit positiv umzugehen. Manchmal geht es um Trauer, Schuldgefühle oder auch um den Groll, weil alles anders gelaufen ist, als sie es geträumt haben. Ein entscheidender Unterschied ist jedoch die Auseinandersetzung mit der  Rolle als Mutter und Frau. Unsere Gesellschaft reagiert sehr skeptisch auf Mütter, deren Kinder beim Vater leben. Die wenigsten Menschen fragen nach dem Hintergrund. Die Frauen müssen sich mit den vielen Bildern einer „guten Mutter“ auseinandersetzen und ihren eigenen Weg damit finden.

 

Herr Köppel, was würden Sie aufgrund ihrer Erfahrungen aus den Gesprächskreisen Vätern raten, die getrennt sind und nun Angst haben, nicht mehr so wichtig für ihre Kinder zu sein oder auch den Kontakt zu ihren Kindern zu verlieren?

Das ist DAS Thema überhaupt, weil ja meistens die Väter weniger Zeit mit ihrem Kind/ihren Kindern zur Verfügung haben. Wir stellen immer wieder fest, dass nicht die Quantität, sondern die Qualität der Zeit wichtig ist. Oft ist es ehrlicherweise ja so, dass auch vor der Trennung nicht wirklich viel Zeit mit dem Kind/den Kindern verbracht wurde. Der Unterschied nach der Trennung ist, dass die gemeinsame Zeit mit dem Kind/den Kindern nur an bestimmten Tagen/zu bestimmten Stunden ist, und daher alles etwas gekünstelt ist. Wenn Konflikte auftreten, bevor das Kind/die Kinder wieder zur Mutter gehen, hängt das vielen Vätern verständlicherweise lange nach. Hier versuche ich, das Normalitätsprinzip wirksam werden zu lassen. Das gehört auch dazu.  Umso wichtiger ist es, die Zeit ‚einfach schön‘ zu gestalten! Die Energie, die für Streitigkeiten mit dem Expartner aufgebracht werden (müssen), können gut positiv umgelenkt werden in den Kontakt zu den Kindern. Dass ein Vater nach der Trennung nicht mehr so wichtig für sein Kind/seine Kinder ist, kommt nur sehr selten vor: Jedes Kind mag seine Mutter und seinen Vater, wenn er es wertschätzt, sich mit ihm beschäftigt und auseinandersetzt!

 

Frau Mack, an welchen Stellen braucht es dringend Verbesserungen? Was fordern bzw. wünschen Sie sich?

Eltern, die sich trennen oder getrennt haben, brauchen das Verständnis, dass sie sich zwar als Paar trennen, aber als Mutter und Vater weiterhin kooperieren müssen. Das ist ein hoher Anspruch und gerade in der Trennungsphase nicht so leicht umzusetzen. Jugendamt und (Erziehungs-)Beratungsstellen benötigen dringend mehr Kapazitäten zur Unterstützung, Mediation und Beratung von Trennungsfamilien. Dies kommt direkt den Kindern zugute. Andere Forderungen wie ausreichende Grundsicherung alleinerziehender Familien, bezahlbarer Wohnraum und familientaugliche Arbeitszeiten sind an anderer Stelle bereits beschrieben worden. Weniger finanzieller Stress setzt Energien frei für die Zuwendung zu den Kindern.

 

Weiterführende Links:

http://www.alleinerziehende-nuernberg.de/

http://www.alleinerziehende-nuernberg.de/et_veranstalter

http://www.beratung-in-bayern.de/

http://www.diakonie-bayern.de/die-diakonie-in-bayern-die-arbeitsfelder/diakonische-einrichtungen-in-bayern/beratungsstellen-und-einrichtungen.html

http://www.vamv-bayern.de/

http://www.alleinerziehend-evangelisch.de/

 

 

Ihr Kontakt

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