Suche

Krankenhausversorgung muss erhalten bleiben

Caritas und Diakonie fordern faire Bedingungen für konfessionelle Kliniken

Nürnberg/München, 25. August 2026. „Ob ein Krankenhaus eine Zukunft hat, darf nicht davon abhängen, ob dahinter eine Kommune steht, die Defizite ausgleichen kann. Wenn ein Haus für die Versorgung gebraucht wird und denselben öffentlichen Auftrag erfüllt, muss es auch unter denselben Bedingungen arbeiten können“, sagt Sandra Schuhmann, Vorständin Soziales der Diakonie Bayern. Gemeinsam mit Landes-Caritasdirektor Dr. Andreas Magg fordert sie den Freistaat auf, bei der Stabilisierung der bayerischen Krankenhauslandschaft alle Träger gleich zu behandeln.

 

In einem gemeinsamen Schreiben an Ministerpräsident Markus Söder weisen Caritas und Diakonie darauf hin, dass sich nicht nur die wirtschaftliche Lage vieler kommunaler, sondern auch die der konfessionellen Krankenhäuser zuspitzt. Insgesamt verfügt Bayern über knapp 400 Krankenhäuser mit mehr als 73.000 vollstationären Betten; 54 Prozent der Häuser befinden sich in öffentlicher Trägerschaft. Rund 12 % der Kliniken mit rund 8.000 Betten im Freistaat befinden in freigemeinnütziger Trägerschaft. Nach dem Bayerischen Krankenhaustrend 2026 erwarten zwei von drei Kliniken im Freistaat Verluste.

 

Schuhmann und Magg betonen allerdings, dass „kommunale Träger Verluste ihrer Kliniken etwa durch Defizitausgleich, Eigenkapital oder Bürgschaften auffangen“ könnten. Freigemeinnützigen Trägern, zu denen auch die Einrichtungen der beiden konfessionellen Verbände Diakonie und Caritas gehören, stehen vergleichbare Möglichkeiten in der Regel nicht zur Verfügung. In der anstehenden Transformation der Krankenhauslandschaft droht dies nach Ansicht der beiden Verbandsspitzen zu einem strukturellen Nachteil zu werden.

 

Zwar habe der Freistaat seine Investitionen in die bayerischen Krankenhäuser um 100 Millionen Euro erhöht – von 800 Millionen Euro im Jahr 2025 auf 900 Millionen Euro im Jahr 2026. Diese Investitionsförderung löse jedoch nicht das grundlegende Problem einer vielfach unzureichenden Betriebskostenfinanzierung und daraus entstehender Defizite, die konfessionelle Träger nicht ohne Weiteres ausgleichen könnten. Schuhmann: „Dabei übernehmen unsere Häuser wichtige Aufgaben etwa in Geburtshilfe, Kinder- und Jugendmedizin, Geriatrie, Schmerzmedizin und Palliativversorgung.“ Auch solche Angebote seien für eine wohnortnahe Versorgung unverzichtbar, wirtschaftlich aber häufig schwer abzubilden.

„Trägervielfalt ist kein gesundheitspolitischer Luxus“, sagt Landes-Caritasdirektor Dr. Andreas Magg. „Die Menschen müssen sich darauf verlassen können, dass notwendige Versorgung erhalten bleibt – unabhängig davon, ob ein Krankenhaus kommunal, konfessionell oder privat getragen wird. Wer Trägervielfalt erhalten will, muss faire wirtschaftliche Bedingungen für alle schaffen.“

 

Die Verbände knüpfen an den von Ministerpräsident Söder angekündigten „Schulterschluss auf Augenhöhe“ mit Krankenhausgesellschaft, Trägern und kommunaler Seite an und fordern kurzfristig trägerneutrale Hilfen für bedarfsnotwendige Krankenhäuser in wirtschaftlicher Notlage, eine auskömmliche Betriebskostenfinanzierung durch den Bund sowie die konsequente Einbeziehung freigemeinnützig-konfessioneller Kliniken in die Umsetzung der Krankenhausreform in Bayern. „Es geht nicht um Sonderrechte für kirchliche Häuser“, betont Schuhmann. „Entscheidend muss sein, ob ein Krankenhaus gebraucht wird – nicht, wer sein Träger ist.“

 

Über die Diakonie Bayern: Das Diakonische Werk Bayern ist der soziale Spitzenverband der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Ihm gehören rund 1.220 Mitglieder mit mehr als 3.180 Einrichtungen und über 100.000 Mitarbeitenden an. In Bayern gibt es neun Allgemein- und Fachkrankenhäuser sowie zwei Kliniken für Kinder und Jugendliche in evangelischer Trägerschaft. Hinzu kommen Rehabilitationskliniken, eine Tagesklinik, eine Dialyseklinik und Medizinische Versorgungszentren.

 

Über die Caritas in Bayern: Der Deutsche Caritasverband, Landesverband Bayern, bündelt und vertritt die Interessen der katholischen Caritas in Bayern. Rund 184.000 hauptamtliche und etwa 59.000 ehrenamtliche Mitarbeitende engagieren sich in mehr als 6.000 Diensten und Einrichtungen. Dazu gehören fast 30 Krankenhäuser sowie zahlreiche weitere Einrichtungen der gesundheitlichen, pflegerischen und sozialen Versorgung.

Ihr Kontakt

Daniel Wagner Pressesprecher