Anstieg der Ratsuchenden seit Corona um mehr als 15 Prozent gestiegen.

Diakonie Bayern fordert Ausbau der Schuldnerberatung im Freistaat

Nürnberg, 08.04.2022 Mehr als 13.000 Personen haben im Jahr 2021 die Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen der Diakonie Bayern aufgesucht – im Vergleich zu der Zeit vor der Pandemie ein Anstieg um 16%. Wenig überraschend für die Experten und Expertinnen in den diakonischen Beratungsstellen. „Neben den zahlreichen gesundheitlichen und psychosozialen Folgen hat Corona auch wirtschaftliche Effekte für die privaten Haushalte – etwa aufgrund von Kurzarbeit oder gar Jobverlust“, begründet Sandra Schuhmann, zuständige Vorständin im Diakonischen Werk Bayern, den massiven Anstieg der Beratungsfälle in den vergangenen zwei Jahren. „Die Konsequenz kann nur lauten: Dieses Angebot muss massiv ausgebaut werden.“

Zwar gibt es in 35 bayerischen Kommunen und Landkreisen kostenfreie Schuldner- und Insolvenzberatung der bayerischen Diakonie. Aber: „Neben den Folgen der Pandemie - Arbeitsplatzverluste, Kurzarbeitergeld, Aufbrauchen von Ersparnissen - belasten nun die steigenden Energie- und Mietkosten sowie Lebenshaltungskosten die Menschen mit niedrigen Einkommen“, so Schuhmann. Immer häufiger seien zudem auch ältere Menschen von Überschuldung betroffen, so die Diakonie. Zwar sei Bayern mit einer Quote von 6,4 Prozent das Bundesland mit der geringsten Überschuldung der Bevölkerung. Allerdings: Diese Quote sinkt im Vergleich zu anderen Bundesländern aber am langsamsten – um 0,7 Prozentpunkte im vergangenen Jahr.

„Wir sehen mittlerweile: Die Politik hat das Problem erkannt, und versucht, dagegen zu steuern – etwa mit dem Energiekostenzuschuss für ärmere Haushalte. Doch das reicht bei weitem nicht aus.“ Schuhmann fordert daher, wie auch der Bundesverband Verbraucherzentralen, eine Erhöhung des Energiekostenzuschusses sowie einen weiteren Ausbau der Schuldner- und Insolvenzberatung. „Das ist im Koalitionsvertrag der Bundesregierung so festgehalten, nun wird es Zeit, dass den Worten auch Taten folgen.“ Denn trotz der gestiegenen Beratungsfälle in den vergangenen beiden Jahren gehen Experten davon aus, dass nur etwa zehn bis 15 Prozent der überschuldeten Haushalte überhaupt eine Beratung in Anspruch nehmen würden. „Der tatsächliche Bedarf ist also viel höher.“

Besonders schwierig ist die Situation Schuhmann zufolge für Soloselbständige und Kleinstgewerbetreibende, wie etwa in der Gastronomie, der Medienbranche und bei Künstlern und Künstlerinnen. „Aus Unkenntnis wurden etwa bestimmte Coronahilfen nicht abgerufen. Oftmals haben Selbständige die Forderungen von Gläubigern bedient und dafür Mietschulden in Kauf genommen. Hinzu kommen fehlende Kenntnisse im Steuerrecht und in der Betriebswirtschaft.“ Schuhmann verwies auf die Berliner Stadtmission. Dieser diakonische Träger bietet in der Bundeshauptstadt bereits seit 2021 spezialisierte Beratungsstellen für Soloselbständige und Kleinstgewerbetreibende an – mit großem Erfolg.

 

Über die Schuldner- und Insolvenzberatung der Diakonie in Bayern:

Im Jahr 2021 nutzten insgesamt 13.400 Ratsuchende (2019: 11.221; 2020: 12.280) die soziale Schuldner- und Insolvenzberatung der Diakonie in Bayern.

Insgesamt gibt es in 35 Kommunen und Landkreisen in Bayern106 Schuldner- und Insolvenzberater*innen der Diakonie; die kostenfreie Schuldner- und Insolvenzberatung anbieten.

Ihr Kontakt

Daniel Wagner Pressesprecher