Damals wars ...

75 Jahre Diakonie in Bayern - ein fotografischer Rückblick

Vor 75 Jahren ging aus dem Evangelischen Hilfswerk und der Inneren Mission der „Landesverband für Innere Mission“ hervor, und damit der Vorläufer des Diakonischen Werks Bayern hervor - der zweitgrößte bayerische Wohlfahrtsverband hat heuer also was zu feiern. Darum gibt es jeden Donnerstag nix Neues auf unserem Facebook- und Instagram-Kanal, sondern was Altes - den Damals-Donnerstag: Bildschätzchen aus dem Archiv der Diakonie Bayern, die einen Einblick in 75 Jahre soziale Arbeit gewähren.

Diese Seite wächst also von Woche zu Woche, denn wir stellen die Bilder von jedem Damals-Donnerstag hier zur Verfügung.

Gerne können Sie die Bilder auch kostenfrei herunterladen und für Ihre Arbeit verwenden -  versehen mit ©DiakonieBayern und einem Link auf unsere Homepage. Wir freuen uns auch, wenn Sie uns einen kurzen Hinweis/Link zum entsprechenden "Einsatzort" zukommen lassen.

Alles "Langehaarige Drückeberger"!

„Langhaariger Drückeberger“ gehörte wahrscheinlich noch zum Freundlichsten, was sich die ersten Zivis 1961 (verweigert werden konnte übrigens strenggenommen schon seit 1947) anhören mussten. Erst im Laufe der Jahre gewöhnten sich viele an die jungen Männer, die statt Dienst in der Bundeswehr zu tun, lieber in sozialen Einrichtungen arbeiteten – und so auch einen wesentlichen Teil für ein gelingendes gesellschaftliches Zusammenleben beitrugen. Ausgesetzt wurde der Zivildienst im Jahr 2011, an seine Stelle traten verschiedene Freiwilligendienste, die es zum Teil auch schon lange gab. Wie beispielsweise das Freiwillige Soziale Jahr, und das wiederum ist eine diakonische Erfindung aus Bayern. Dass angesichts hoher Bedarfe und hoher Nachfrage – nix Drückeberger:innen! - ausgerechnet auch diese Angebote von finanziellen Kürzungen durch die Bundesregierung bedroht sind, ist alarmierend.

Rüber!

Auch wenn der Anlass, der kommende Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober, wirklich Grund genug ist, an diesen eher unbekannten Abschnitt der Diakoniegeschichte zu erinnern - wir haben nur ein Foto. Tatsächlich unterhielt die Diakonie im Westen nämlich enge Kontakte zu den Brüdern und Schwestern in der damaligen DDR und hat nicht nur, wie auf diesem Aufruf von 1956 zu sehen, für sie gesammelt, sondern war auch in den späteren Jahren aktiv am Freikauf von politischen Gefangenen beteiligt.

Mit Haube und Schaufel

Die Jahre nach dem Krieg – eine Zeit, in der die Hilfe der Diakonie besonders notwendig war – waren vor allem auch geprägt vom Wiederaufbau. Das galt auch für diakonische Einrichtungen, die zum Teil ebenfalls zerstört oder beschädigt waren. Angepackt hat damals jeder und jede – in diesem Fall Diakonissen der Diakonissenanstalt Martha-Maria, die hier Mutterhaus und Krankenhaus neu aufbauen. Beides existiert – in veränderter Form – noch heute.

Auf's In-Sein kommts an!

Diakoninnen, die nicht zu verwechseln sind mit den Diakonissen, begleiten uns seit dem Tag, an dem der "DamalsDonnerstag" startete - waren sie doch zentral für die Diakoniegeschichte. Wir wurden aber darauf aufmerksam gemacht, dass es neben den Diakonissen seit den 70er Jahren auch Diakoninnen gab. Was im Blätterwald und wohl auch in der Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern selbst für einige Irritationen sorgte. Ausbildung und Aufgaben gleichen dabei im wesentlichen denen der Diakone. Entnommen sind die Abbildungen nicht dem Archiv der Diakonie Bayern, sondern dem Buch „Wachsen wie ein Baum“, erhältlich bei der Rummelsberger Diakonie. Herzlichen Dank dafür!

Partyyyyy!

Auch wenn es auf den ersten Blick ein bisschen so aussieht - es handelt sich nicht um den Kirchentag. Das „Landesfest der Inneren Mission“ war bis in die sechziger Jahre hinein so etwas wie ein „Diakonietag“, der stets an unterschiedlichen Orten (auf unseren Bildern zu sehen: Regensburg 1951 und Nürnberg offensichtlich in den 60ern) stattfand, und der sichtbar Tausende von Menschen anzog. Warum er abgeschafft wurde, darüber geben unsere Archive allerdings leider keine Auskunft.

Bitte recht freundlich!

Bis heute prägen Diakone (und inzwischen auch Diakoninnen) das Gesicht der Diakonie Bayern an vielen Orten und in vielen unterschiedlichen Arbeitsfeldern. 1951 wurden die Neuankömmlinge per Handschlag vom Rektor begrüßt, und zeigten wenig später, dass die Diakonie technologisch schon immer ganz weit vorn war. Detail am Rande: Heiratswillige Diakone stellten damals ihre Bräute auch der Frau des Rektors vor...

Mit der Diakonie auf Reisen

Weil wir so schöne Bilder in unserem Archiv gefunden haben, gibt es heute nochmal Motive zur Bahnhofsmission aus den 50er und 60er Jahren. Sie machen außerdem deutlich, dass die Kolleginnen und Kollegen wirklich bei jedem Wind und Wetter im Dienst waren – und sind. Auch wenn nicht mehr alle Einsatzstellen existieren - dennoch zählt die Bahnhofsmission nach wie vor zu den bekanntesten Angeboten der Diakonie.

Melken im Namen des Herrn

Die Hensoltshöhe in Gunzenhausen, vielleicht immer ein wenig im Schatten der Mutterhäuser in Augsburg und Neuendettelsau, war eines der großen Diakonissenmutterhäuser in Bayern. Gegründet 1899 (und damit älter als die Diakonie Bayern), wurden Hensholtshöher Diakonissen sogar bis nach China entsandt – ein Entsendungsfest ist auf einem unserer Bilder zu sehen. Dass es in den 50er und 60er Jahren auch andere, auf den ersten Blick vielleicht undiakonische Tätigkeiten zu erledigen gab, wissen wir jetzt aber auch. Im Jahr 2017 schließlich wurde aus den verschiedenen geistlichen Angeboten das „Geistliche Zentrum Hensoltshöhe“.

 

75 Jahre - und kein bisschen klüger?

Wussten Sie, dass die Diakonie Bayern schon häufiger ihr Jubiläum gefeiert hat? Kein Wunder bei einer so vielfältigen Verbandsgeschichte: Im Jahr 1986 feierten wir unseren hundertsten Geburtstag – und schon 12 Jahre später den 150., aber das ist eine andere Geschichte.

1986 gab es noch eine Zeitschrift für die Kollegen und Kolleginnen in Kirche und Diakonie. Sie hieß „Unser Auftrag“, und in der Jubiläumsausgabe schrieb der bekannte Autor und Zeichner Werner „Tiki“ Küstenmacher der Diakonie Bayern so einiges ins Stammbuch. Einiges davon kommt Ihnen bekannt vor?  Manche Themen haben eben – leider – eine lange Halbwertszeit.

Kirchentag! Ökumenisch und in bunt.

Anlässlich des Kirchentags 2023 in Nürnberg haben wir in unserem Archiv Bilder vom Ökumenischen Kirchentag 2010 in München entdeckt. Wie die – vielleicht vor Begeisterung – leicht unscharfen Bilder zeigen, waren wir damals gemeinsam mit der Landeskirche auf einem, wie man sieht, recht bescheidenen Stand. Dafür aber schon damals mit viel Digitalisierung und mit prominenten Besuchern.

Hoch hinaus auf der Hallerwiese

Nürnberg - nahe der Burg: 1899 wurde dort die Klinik Hallerwiese eingeweiht – heute heißt sie Hallerwiese - Cnopfsche Kinderklinik. Dabei hat die Krankenpflege in Nürnberg eine noch längere Tradition: Schon 1856, zwei Jahre nach der Gründung der Diakonissenanstalt, übernahmen Schwestern aus Neuendettelsau diese Aufgabe.

Ende der sechziger Jahre wurde die Klinik ausgebaut. Und schon damals waren „People staring at things“ ein beliebtes Motiv. Oder sollten wir sagen „Sisters…“?

Totentanz in Rummelsberg

Wir wissen nicht genau, was genau damals in Rummelsberg gespielt wurde, und die Beschriftung der Bilder hilft – bis auf einen Hinweis: „Totentanz“ – auch nicht weiter. Einzig das Jahr und Anlass stehen fest: Es war das Jahresfest 1950, und damit muss die Aufführung der Brüderschaft wohl an Himmelfahrt dieses Jahres stattgefunden haben. Das Jahresfest der Rummelsberger gibt es übrigens heute noch; auf Verkleidungen wird aber mittlerweile verzichtet.

Geschäftig unterm Kronenkreuz

75 Jahre Diakonie Bayern – das bedeutet (mehr oder weniger) auch 75 Jahre Geschäftsstelle des Landesverbandes. Die befindet sich bis heute in Nürnberg in der Pirckheimerstraße, und hat in den letzten Jahrzehnten natürlich die eine oder andere bauliche Veränderung erfahren. Auch wenn es die Poststelle heute nicht mehr gibt und das Schild mit dem Kronenkreuz mittlerweile im Archiv lagert: Die Gebäude stehen nach wie vor. Einzig der Fuhrpark hat sich mittlerweile etwas verändert.

Voller Bauch studiert gerner - Studentenspeisungen nach dem Krieg

Der Lutheran World Relief, die Lutherische Welthilfe, wandte sich nach dem Krieg auch einzelnen Bevölkerungsgruppen in Deutschland zu. In diesem Fall den Studierenden, die im Rahmen der Studenten-Speisung nicht nur mit Kartoffeln (zum Selberschippen und -schälen), sondern auch mit Schuhwerk versorgt wurden. Die Verteilung übernahm das Evangelische Hilfswerk, aus dem die heutige Diakonie hervorgegangen ist.

Land unter in Bayern

Sommer 1954 - die Folgen des Hochwassers in Bayern sind verheerend: Etwa 70 bis 90 Stunden fiel ohne größere Pausen Niederschlag auf Böden, die bereits durch eine vorangegangene Regenperiode ab dem 27. Juni gesättigt waren. Insgesamt wurden dabei ca. 150.000 ha Land überschwemmt. Besonders betroffen von dem Hochwasser waren die Donau und der Inn. Die Überschwemmungen forderten insgesamt 12 Todesopfer und über 9.000 Menschen mussten evakuiert werden. Insgesamt verursachte die Hochwasserkatastrophe wirtschaftliche Schäden von fast 60 Mio Euro. Unsere Bilder zeigen die Ausmaße des Hochwassers 1954 und die Hilfsangebote von Kirche und Diakonie in jenem Sommer.

Das Elend nach dem Krieg

Das Elend in den Jahren nach dem Krieg ist aus heutiger Sicht kaum noch vorstellbar. Wir sehen hier Momentaufnahmen aus dem zerstörten Nürnberg. Die Bilder der „Evangelischen Bilderkammer“ sind folgendermaßen beschriftet: „So müssen auch heute noch Flüchtlinge hausen“. Und über den Herrn, der auf seinem Bett die Zeitung liest, heißt es: „Primitivenunterkunft eines ausgebombten ehemaligen Millionärs, in seinem Pferdestall wohnend.“ Aufnahmen, die die Schrecken der Kriegsfolgen deutlich machen. Unabhängig von Zeit und Ort.

Eine Fahrt ins Blaue?

Die diakonischen Freizeitangebote waren in den Jahren nach dem Krieg – bis in die späten sechziger Jahre – für viele Familien eine Gelegenheit, Kindern und Jugendlichen für einige Wochen eine Auszeit in einer anderen Umgebung zu ermöglichen. Zur Wahrheit gehört aber leider auch, dass bis heute Teilnehmende von damals berichten, dass aus der Fahrt ins Blaue ein Horrortrip wurde, unter dessen Folgen die Betroffenen immer noch leiden. Die Aufarbeitung dauert bis heute an.

Sylt - ehemals Insel für Kriegsgeflüchtete

Sylt - immer noch ein Synonym für die "Reichen und Schönen". Dass das mal ganz anders war, wissen die wenigsten. Wir gehen ins Jahr 1949: In den Jahren nach dem Krieg mussten dort tausende von Kriegsgeflüchteten ausharren - ohne Arbeit und ohne Aussichten für die Zukunft. Auf einem der Bilder steht u. a. folgendes: „12.000 Flüchtlinge leben noch immer auf der Insel Sylt … Seit mehr als drei Jahren leben die Menschen in der Sandwüste. Sie haben nicht ein Stückchen Garten, nicht ein bisschen Grabeland, sondern nur Dünen. ... Sylt blieb deswegen die Insel des Flüchtlingselends. ..."

 

Bamberg nach dem Krieg: Hilfe möglich machen.

Wir schauen nach Bamberg - ins Jahr 1949. Und es geht erneut um Care-Pakete, denn die Verteilung von Hilfsgütern nach dem Krieg gehörte zu den wichtigsten Aufgaben des Evangelischen Hilfswerkes, der späteren Diakonie. Die Spenden – Decken, Weizen, Konserven (inkl. der berühmten Campbell-Suppen) – stammen in diesem Fall von der Organisation Lutheran World Relief, einer Hilfsorganisation, die 1945 gegründet wurde und bis heute aktiv ist. Ein Fünftel aller Lutheraner weltweit, so der Hintergrund der Organisation, war durch den Krieg obdachlos geworden. Hier wollte man helfen und tut es bis heute, unabhängig von Religion und Bekenntnis der Hilfebedürftigen. In Bayern erfolgte die Zuweisung der Spenden an die regionalen Diakonischen Werke über das Hauptbüro der Inneren Mission in Nürnberg; sie wurden dann vor Ort verteilt.

Sammeln? Gabs schon immer.

Wir gehen zurück ins Jahr 1948, als zur Einhundertjahrfeier der "Inneren Mission" - dem Vorläufer der heutigen Diakonie Bayern - im kriegsgezeichneten Nürnberg gesammelt wurde.

Mit Schirm, Charme und Häubchen

Heute ist das Diakoneo eines der größten Sozialunternehmen in Deutschland. Begonnen hat die Geschichte der Diakonie Neuendettelsau, wie sie bis vor wenigen Jahren hieß, u.a. als Diakonissenanstalt - mit einer eigenen Volksschule, Angeboten für Menschen mit Beeinträchtigungen, der Paramentik und - hier werden Verbindungen nach Übersee sicht- und hörbar - einem Muschelchor. Den gibt es nicht mehr, wohingegen die Paramentik bis heute existiert und weit über die Grenzen Bayerns hinaus ihre Dienste anbietet.

Tischtennis in Tutzing

Damals wars ... in Tutzing 1949. Viele Kriegsheimkehrer fanden hier eine erste Unterkunft. Heute gehört die Evangelische Akademie für Politische Bildung Tutzing zu den renommiertesten und bekanntesten Einrichtungen des Protestantismus in Deutschland.

Von "Brüdern der Landstraße" - Herzogsägmühle 1949

Im Jahr 1949, als diese Bilder in Herzogsägmühle entstanden, gab es die Herzogsägmühle bereits seit 55 Jahren; heute ist sie eine der größten Anbieter sozialer Hilfen in Oberbayern (80km südwestlich von München). Im Vordergrund in den Jahren nach dem Krieg stand der Wiederaufbau, zum Teil mit internationaler Hilfe und die Betreuung von Kriegsheimkehrern, sogenannten „Versehrten“. Und natürlich der „Brüder der Landstraße“.

Personalakquise in den 1940ern

Schon damals war Personalrecruiting ein Thema bei der Diakonie - für unseren Rückblick auf 75 Jahre Diakonie Bayern gehen wir ins Jahr 1949: Auf der "Bauausstellung" in Nürnberg stellte die "Versehrtenwerkstatt" aus Rothenburg o. d. Tauber - ein Vorläufer der heutigen Werkstätten für Menschen mit einer Behinderung - aus und zeigten Ausbildungswege ganz praktisch.

Orangen aus Spanien - Tausende Nürnberger freuen sich über die Spende aus dem Süden

Vitamine waren knapp in der Nachkriegszeit – um so größer war die Freude bei Kindern in Nürnberger Kirchengemeinden, als dort gespendete Orangen aus Spanien verteilt wurden. Eines der Bilder trägt die Beschriftung „Freudig erwarten die Kinder des Flüchtlingslagers Schafhof die Orangenspende.“ Auf einem anderen steht: „Tausende Nürnberger Buben und Mädel erhielten im Februar 49 die Orangen-Spende des Spanischen Volkes.“

Care-Pakete auf vier Beinen aus Amerika - Kuhverlosung 1954

Die hier abgebildeten Tiere hatten einen sehr langen Weg hinter sich - sie kamen aus Amerika und waren eine Spende im Rahmen des Heifer-Projekts. Dessen Gründer Dan West, ein Farmer aus Ohio, erkannte bereits 1944, dass arme Menschen keine Milch, sondern eine Kuh brauchen. Bis heute ist dies Grundlage vieler entwicklungspolitischer Aktivitäten.

In Bayern wurden die Kühe - unter Beteiligung von Kirche und Hilfswerk, der späteren Diakonie - zum Teil unter sogenannten Flüchtlingsbauern verlost, die so beim Aufbau ihrer eigenen Landwirtschaft unterstützt wurden.