Wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte MenschenWohnungslosigkeit ist vermeidbar

Die Diakonie Bayern begrüßt es sehr, dass sich die Bayerische Staatsregierung bereits im Koalitionsvertrag 2018–2023 verpflichtet hat, die Unterstützung für obdachlose und wohnungslose Menschen weiter auszubauen. Mit dem Aktionsplan „Hilfe bei Obdachlosigkeit“ und der Stiftung „Obdachlosenhilfe Bayern“ wurden wirksame Maßnahmen auf den Weg gebracht.

Fachstellen der Freien Wohlfahrtspflege Bayern nicht erwähnt

Die Fachstellen zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit werden nicht nur von Kommunen, sondern auch von der Freien Wohlfahrtspflege, wie der Diakonie, getragen.

Aktuelle Zahlen liegen weit höher

Die Stichtagserhebung in Bayern am 30.06.2020 zur Zahl der untergebrachten Personen in kreisfeien Städten bildet die reale Situation nicht ab. Am 14.07.2022 veröffentlichte das Statistische Bundesamt die bundesweite Statistik der untergebrachten wohnungslosen Personen. In Bayern waren es Ende Januar 2022 demnach 17.910 Personen. Darin sind Menschen, die bei Freunden, Bekannten oder Familienmitgliedern unterkommen, nicht enthalten – und auch keine obdachlosen Menschen, die ohne jede Unterkunft auf der Straße leben.

Immer länger in Notunterkünften

Die Dauer der Unterbringung hat sich im Vergleich zu den Zahlen aus dem Jahr 2017 fast verdoppelt. Zum Stichtag 31.01.2022 waren 6.585 Personen über einen Zeitraum von sechs Monaten bis zu zwei Jahren ordnungsrechtlich untergebracht. 6.080 Personen lebten länger als zwei Jahre in Notunterkünften.

Kein flächendeckendes Netz vorhanden

Durch den Aktionsplan konnten mittlerweile in etlichen bayerischen Regionen Modellprojekte realisiert werden, aber es gibt noch viele weiße Flecken, vor allem in Nordbayern.

Defizite der Wohnungsnotfallhilfe in Zeiten von Corona noch sichtbarer

Wohnungslose Menschen haben keinen Schutz durch den Rückzug in die eigene Wohnung, obwohl sie zur Risikogruppe aufgrund von Vorerkrankungen gehören. In Corona-Zeiten wurden viele Defizite der Wohnungsnotfallhilfe deutlich, wie z. B. keine bzw. zu kleine und personell unzureichend ausgestattete Tagesaufenthalte, hohe Konzentration von Obdachlosenunterkünften in großen Städten, Gemeinschaftseinrichtungen mit Mehrbettzimmern, niedrige bis keine Betreuung in Notunterkünften, flächendeckend keine aufsuchende Sozialarbeit in Obdachlosenunterkünften.

 

Wohnen ist mehr als ein Dach über dem Kopf. Eine der Kernaufgaben der Diakonie ist es, wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen zu beraten, zu begleiten, ihnen eine menschenwürdige Unterkunft zu geben und sie dabei zu unterstützen, wieder eine Wohnung zu finden.

Die Bayerische Verfassung garantiert in Artikel 106: „Jeder Bewohner Bayerns hat Anspruch auf eine angemessene Wohnung.“ Daran muss sich die Politik in Bayern messen lassen. Die diakonischen Einrichtungen berichten von einem stetigen Anstieg an Ratsuchenden sowie längeren Verweildauern in kommunalen Notunterkünften und Einrichtungen der Wohnungsnotfallhilfe.

Die Diakonie in Bayern konnte bisher 19 Modellprojekte mit Landesmitteln und dem Einsatz von Eigenmitteln bayernweit realisieren. Im Jahr 2021 nutzten mehr als 17.000 Menschen, die von Wohnungslosigkeit bedroht bzw. betroffen waren, die rund 150 Angebote der Diakonie Bayern.

  • ein eigenes Fachreferat Wohnungsnotfallhilfe im Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales zu etablieren;
  • Fachstellen zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit flächendeckend auf- und auszubauen;
  • angemessene Unterkünfte bereitzustellen und soziale Beratung zu sichern;
  • spezifische, bedarfsgerechte Angebote zu entwickeln und vorzuhalten;
  • Förderprogramme für neue Konzepte wie z. B. Housing First als ergänzenden Baustein aufzulegen.

 

Der Realitätscheck zum Download: