WohnenEine zentrale Frage sozialer Gerechtigkeit

Die Bayerische Staatsregierung nennt gleichwertige Lebens- und Arbeitsbedingungen als Ziel (S. 186) und formuliert die Wohnungsfrage als eine der wichtigen sozialen Fragen unserer Zeit (S. 192). In den vergangenen Jahren wurden etliche Anstrengungen im Wohnungsbau unternommen. Für bestimmte Bevölkerungsgruppen droht sich die Lage am Wohnungsmarkt weiter zu verschlechtern. Zudem mussten Menschen mit niedrigem Einkommen bereits im Jahr 2018 durchschnittlich mehr als 40 Prozent ihres zur Verfügung stehenden Einkommens für Wohnen aufbringen (S. 211).

Sozialwohnungsbestand schrumpft weiterhin

Der Bestand an Sozialmietwohnungen ist im Freistaat zwischen 2011 und 2020 um 15 Prozent gesunken. Knapp 4.000 Wohnungen sind im Jahr 2020 aus der Bindung gefallen. Obwohl Neubauten dazugekommen sind, konnten damit der Bestand und der steigende Bedarf nicht kompensiert werden.

Sozialwohnungen fehlen auch in kleineren Städten und auf dem Land

Wohnungsnot muss immer in der Region angegangenen werden, in der sie auftritt, um Wohnungslosigkeit zu vermeiden.

Sozialbindungen sind nichtdauerhaft angelegt

Die Mietpreisbindung ist zeitlich befristet und nach Ablauf der Bindung können die Wohnungen wieder am Markt vermietet werden. Nach 25 Jahren – optional und auf freiwilliger Basis nach 40 Jahren – verliert eine Sozialwohnung den Status.

Zugang zu bezahlbarem Wohnraum ist erschwert

Oft dauert es viele Monate oder häufig sogar mehrere Jahre, bis eine Sozialwohnung vermittelt wird. Dazu kommt, dass für eine Sozialwohnung mindestens fünf Bewerber:innen vorgeschlagen werden.

Wohnungsverlust verhindern

Erwähnenswert sind neben den Schuldner-beratungsstellen (S. 213) auch die Fachstellen zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit im Hilfesystem der Wohnungsnotfallhilfe, die bei der Existenzsicherung unterstützen. Diese gibt es in einigen Regionen Bayerns.

 

Wohnen ist ein Menschenrecht und gehört zur Existenzsicherung. Menschenwürdig wohnen – das ist Grundlage, Gesetz und Verheißung der biblischen Erzählung.

Die Diakonie nimmt sich Menschen an, die finanziell und sozial benachteiligt sind und vor allem vom allgemeinen Wohnungsmarkt ausgegrenzt sind. Die Ausweitung des sozialen Wohnungsbaus und eine ausreichende Anzahl öffentlich geförderter Wohnungen sichern die Wohnraumversorgung von einkommensschwachen Haushalten und wirken präventiv gegen Wohnungslosigkeit.

  • Fachstellen zur Vermeidung von Wohnungserhalt flächendeckend auf- und auszubauen;
  • eine verstärkte soziale Wohnungspolitik, damit jeder Mensch den Anspruch auf eine angemessene, menschenwürdige und bezahlbare Wohnung einlösen kann;
  • Mietwohnungsbau vorrangig zu fördern gegenüber der Schaffung von Wohneigentum;
  • Förderprogramme für Wohnungen für bestimmte Bedarfsgruppen aufzulegen, um Teilhabe zu ermöglichen;
  • eine sozial gerechte Bodenpolitik und Konzeptvergabe beim Mietwohnungsbau.

Der Realitätscheck zum Download: