ÜberschuldungÜberschuldung wird massiv steigen

Die Diakonie Bayern begrüßt es sehr, dass die Bayerische Staatsregierung mit der Zusammenlegung der Schuldner- und Insolvenz-beratung ein wichtiges sozialpolitisches Vorhaben bereits zum 01.01.2019 umgesetzt hat. Seitdem erfolgt die kostenfreie gemeinnützige Schuldner- und Insolvenzberatung in Bayern aus einer Hand. Dies war auch im fachlichen und strukturellen Interesse der Beratungsstellen, da sich die Beratung kaum trennen lässt und die Übergänge fließend sind.

Bedarf gestiegen

Die leicht sinkende Schuldnerquote in Bayern von 2019 auf 2020 (S. 107) können die sozialen Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen der Diakonie in Bayern nicht bestätigen. Im Jahr 2021 nutzten insgesamt 13.400 Ratsuchende (2019: 11.221; 2020: 12.280) die soziale Schuldner- und Insolvenzberatung. Zwischen 2019 und 2021 war ein Anstieg der Ratsuchenden um 16 Prozent zu verzeichnen.

Alleinerziehende haben ein hohes Armutsrisiko

Bei den soziodemografischen Daten (S. 109) wird die Gruppe der Alleinerziehenden zahlenmäßig nicht abgebildet. Laut Statistischem Bundesamt nahmen bundesweit alleinerziehende Mütter mit knapp 14 Prozent überdurchschnittlich oft eine Schuldnerberatung in Anspruch. Im Kapitel Wohnen (S. 213) wird bei knapp 19 Prozent der Alleinerziehenden mit zwei Kindern der oder die Vermieter:in als Gläubiger:in genannt.

Neue Armutsrisiken hinzugekommen

Bundesweit gaben 32 Prozent der Beratungsstellen im ersten Quartal des Jahres 2022 eine erhöhte Nachfrage nach Beratung zu Miet- und Energieschulden an. Einen erhöhten Informations- und Aufklärungsbedarf von (Solo-)Selbstständigen gab es in 36 Prozent, von Personen in Kurzarbeit in 29 Prozent der Fälle. Die hohen Inflationsraten spüren Privathaushalte in Deutschland deutlich. Häufige Ursachen der Überschuldung sind prekäre Arbeitsverhältnisse, Niedrigeinkommen sowie steigende Miet- und Nebenkosten.
Die aktuelle Preisexplosion belastet überproportional stark einkommensschwache Haushalte. Sie geben fast zwei Drittel ihres Einkommens für Lebensmittel, Heizung und Wohnen aus.

 

Schuldnerberatung ist ein wesentlicher Bestandteil von Armutsprävention und -bekämpfung, denn Armut verursacht Schulden und Schulden machen arm. Die Beratung von überschuldeten Menschen ist seit vielen Jahren zu einer wichtigen Aufgabe der
Sozialarbeit geworden. Die ganzheitliche kostenfreie Schuldnerberatung gehört zur sozialen Daseinsfürsorge.

Die Diakonie in Bayern bietet mit 106 Schuldner- und Insolvenzberater:innen in 35 Kommunen und Landkreisen eine kostenfreie Beratung an. Der Schwerpunkt liegt dabei auf sozial benachteiligten und von Armut betroffenen Menschen.

  • soziale Schuldnerberatung bedarfsgerecht auszubauen,
    => damit überschuldete Menschen kostenfreie Unterstützung erfahren, die sie benötigen, und Wartezeiten vermieden werden

  •  präventive Hilfen zu stärken,
    => insbesondere vorbeugende Angebote sowohl im Bildungssystem, wie z. B. in Kindergarten und Schule, als auch beim Renteneintritt, wenn zukünftig weniger Einkommen verfügbar ist.

  • spezialisierte Beratungsstellen für (Solo-)Selbstständige und Kleinstgewerbetreibende zu schaffen,
    => um die Lücken im Hilfesystem zu schließen.

Der Realitätscheck zum Download: