Gemeinwesenorientierte AltenarbeitEine koordinierte Gesamtstrategie ist erforderlich

Die Analyse der Lebenslage und der Struktur der älteren Bevölkerung in Bayern zeichnet ein relativ positives Bild dieser Bevölkerungsgruppe im Vergleich zu Gesamtdeutschland.

Die Armutsgefährdungsquote 2019 für Personen ab 65 Jahren liegt in Bayern allerdings mit 17,5 Prozent über dem Bundesdurchschnitt von 15,7 Prozent (Darstellung 2.46, S. 136). Besonders betroffen von Armut sind Alleinstehende, alleinlebende Frauen und Migrant:innen. Auch bezahlbarer barrierearmer Wohnraum ist nicht ausreichend vorhanden, wobei ein relativ hoher Anteil dieser Altersgruppe Wohneigentum besitzt.

Gemeinwesenorientierte Altenarbeit (GWAA) in Diakonie und Kirche engagiert sich seit Jahrzehnten mit niedrigschwelligen Angeboten im sozialen Nahraum und verfolgt die Ziele der Prävention, der Gesundheitsförderung sowie des Erhalts und Ausbaus von Fähigkeiten und Ressourcen älterer Menschen. Darüber hinaus werden spezifische Informations- und Beratungsleistungen angeboten und freiwilliges Engagement koordiniert und unterstützt.
Dies geschieht in Kooperation mit den Kommunen und anderen lokalen Akteuren wie z. B. Wohnungsbaugesellschaften.

Es fehlt die nachhaltige Finanzierung dieser Arbeit, da sie von der Finanzkraft und dem politischen Willen der einzelnen Kommunen abhängig ist. Deshalb wird seit Jahrzehnten ein kommunales Basisbudget als Sockelfinanzierung von Altenarbeit für Kommunen gefordert, das entweder der Bundesgesetzgeber im § 71 SGB XII auf den Weg bringen kann oder länderspezifische Ausführungsgesetze zu diesem Paragrafen (wie z. B. im Land Berlin). In Bayern ist die Förderung von GWAA auf Anschubfinanzierung von Nachbarschaftshilfen oder die zeitlich befristete Finanzierung von Personalkosten von Quartiersarbeit beschränkt (SeLA-Förderung).

Der Aufbau verlässlicher Strukturen im Gemeinwesen braucht Zeit und Kontinuität und deshalb Ansprechpartner:innen, die nicht ständig mit der Suche nach neuen Fördermöglichkeiten für den eigenen Arbeitsplatz und nach Finanzierungsquellen für neue Projektideen beschäftigt sind.

Deshalb werden regelhafte Finanzierungsmöglichkeiten benötigt, die die einzelnen Förderbausteine, wie seniorengerechte
Quartierskonzepte, Städtebau- und Wohnraumförderung, Unterstützung digitaler Teilhabe etc. (S. 535ff), zu einer koordinierten Gesamtstrategie des Landes Bayern zusammenführen. So können flächendeckend nachhaltige Angebote entstehen oder zusammengeführt werden, die die wachsende Zahl älterer Menschen dabei unterstützen, möglichst lange selbstbestimmt und bedarfsorientiert in der eigenen Häuslichkeit leben zu können.

Ein Seniorenmitwirkungsgesetz, das das Rede- und Antragsrecht sowie politische Partizipation und Selbstvertretung regelt,
ist mit dem kürzlich verabschiedeten bayerischen Gesetz nicht entstanden.

  • ie nachhaltige Finanzierung von gemeinwesenorientierter Altenarbeit nach § 71 SGB XII;
  • eine koordinierte Gesamtstrategie des Landes Bayern, die die verschiedenen Förderrichtlinien und Finanzierungsmöglichkeiten verbindet;
  • politische Teilhabe der Seniorenvertretungen zu stärken.

Der Realitätscheck zum Download: