Alter und PflegeRahmenbedingungen müssen verbessert werden

Demografische Entwicklung erfordert zukunftsfeste Pflege

Die Zahl der älteren Menschen und damit auch die Gruppe der Pflegebedürftigen wächst kontinuierlich. Die Ansprüche an (professionelle) Pflege und Versorgung nehmen auch durch die steigende Anzahl von Menschen mit Demenz zu. Dem steigenden Versorgungsbedarf steht bereits jetzt eine zu geringe Zahl an Pflegekräften gegenüber.
Aktuelle Prognosen zeichnen ein düsteres Bild. Durch den Personalmangel, die ungleiche Verteilung von Versorgungsformen in ländlichen und urbanen Gebieten und weitere Faktoren stehen bereits jetzt nicht ausreichende Möglichkeiten der Versorgung zur Verfügung. Die Pflege in Bayern ist zum aktuellen Zeitpunkt nicht zukunftsfest.

Ohne funktionierende Pflegeversicherung wird Pflege zum Armutsrisiko

Die Pflegeversicherung kann in ihrer aktuellen Funktionsweise Pflegebedürftige nicht mehr, wie ursprünglich angedacht, ausreichend finanziell entlasten. Pflege wird für viele Menschen zukünftig nicht mehr bezahlbar sein und somit zum Armutsrisiko.

Pflegereform sorgt kaum für Entlastung

Das „Pflegereförmchen“ wurde zwar verabschiedet, hat aber kaum positive Auswirkungen für die Pflegebedürftigen. Die Entlastungen sind zu kurz gedacht und nicht an der Realität der Pflege orientiert.

Landespflegegeld ohne Effekt

Das bayerische Landespflegegeld sorgt mit einem Betrag von jährlich maximal 1.000 Euro pro Person ab Pflegegrad 2 nur marginal für Entlastung. Aufgrund der mangelnden Bekanntheit wird es selten abgerufen. Zudem ist die Form der Auszahlung – nur einmal im Jahr im Oktober – unpraktisch.  

Fördertöpfe unzureichend

Für den Ausbau von Pflege gibt es in Bayern verschiedene Fördermöglichkeiten. Allerdings sind die Fördertöpfe bei weitem überzeichnet, vielen Anträgen kann man nicht gerecht werden, der Ausbau dringend benötigter Strukturen kann somit oft nicht erfolgen.

Corona-Pandemie belastet Altenpflege

Mitarbeitende in der Pflege sind durch die Dauerbelastung der Corona-Pandemie sehr erschöpft und haben keine Möglichkeit, sich davon zu erholen.

Auch teilweise immer noch geltende Corona-Maßnahmen sorgen für Irritation: Während Besucher:innen in stationären Einrichtungen einen tagesaktuellen negativen Test nachweisen müssen, haben Pflegebedürftige in der Häuslichkeit keine Einschränkungen mehr.

Die Regelungen entwickeln sich völlig unnachvollziehbar und fort von der vulnerablen Personengruppe hin zu vulnerablen Einrichtungsformen.

In diakonischer Trägerschaft befinden sich unterschiedlichste Einrichtungen und Angebote für ältere Menschen mit Pflegebedürftigkeit, stationäre Einrichtungen ebenso wie ambulante Pflegedienste, aber auch teilstationäre Angebote. Denn um auch im Alter in Würde leben zu können, braucht der Mensch ein gesichertes Umfeld.

Mit ihren Einrichtungen und Diensten ermöglicht es die Diakonie Menschen, möglichst lange in der eigenen Wohnung alltägliche Vorlieben und Gewohnheiten zu pflegen, Gemeinschaft zu erleben und Lebensqualität zu erfahren – trotz Pflegebedürftigkeit im Alter.

Für die Pflege, Betreuung und Versorgung alter und kranker Menschen hat die Diakonie ein einheitliches Qualitätsprofil entwickelt und mit einem Prüfsiegel kenntlich gemacht.
Zu den wichtigsten Merkmalen diakonischer Pflege gehört der würdeorientierte Umgang mit den Betroffenen und ihren Angehörigen. Die ganzheitliche Betrachtung der uns anvertrauten Menschen sowie ihren An- und Zugehörigen steht dabei im Zentrum des diakonischen Handelns.

 

=> Selbstständigkeit im Alter zu fördern

Der Wunsch eines Menschen nach einem möglichst selbstbestimmten Leben auch im Alter muss respektiert werden. Das bedeutet auch, dass Pflegesettings sich der jeweiligen Lebenssituation des pflegebedürftigen Menschen anpassen müssen. Hierzu braucht es unterschiedliche Pflege-, Betreuungs- und Wohnformen. Ein Ausbau von Angeboten wie Tages-, Kurzzeit- und Nachtpflege ist deshalb notwendig.

=> (Gute) Pflege muss bezahlbar sein

Die Inanspruchnahme von Pflege darf nicht zum Armutsrisiko werden. Die Pflegeversicherung übernimmt nur einen geringen Anteil der pflegebedingten Aufwendungen. Ein Sockel-Spitze-Tausch, bei dem der oder die Pflegebedürftige einen Sockelbetrag übernimmt und die Pflegeversicherung den jeweils individuellen Bedarf trägt und finanziert, ist lange überfällig.

=> pflegende Angehörige zu unterstützen

Pflegende An- und Zugehörige müssen psychosozial unterstützt und ausreichend entlastet werden. Hierzu gehört beispielsweise der dringende Erhalt und Ausbau von Fachstellen für pflegende Angehörige und der Ausbau von Angeboten zur Unterstützung im Alltag. Darüber hinaus geht die Pflege Angehöriger auch häufig mit finanziellen Einbußen einher. Die Pflegezeiten in der Rentenversicherung anzuerkennen, kann nur ein erster Schritt sein. Weiterführend sollte es Maßnahmen wie ein Pflegegeld analog zum Erziehungsgeld geben.

=> Rahmenbedingungen für professionelle Pflege zu verbessern

Die Rahmenbedingungen für die professionelle Pflege müssen verbessert werden. Die Diakonie Bayern hat dafür z. B. mit der Evangelischen Landeskirche Bayern in den letzten drei Jahren innovative Konzepte entwickelt und in der Praxis erprobt. Erfolgreiche Modellprojekte müssen in eine Nachhaltigkeit übertragen werden, um die Rahmenbedingungen in der Pflege zu verbessern. Nur so kann der Pflegenotstand aufgehalten werden.

=> Stärkung der Ausbildung

Der Kapazitätsausbau von Fachschulen für Pflegekräfte ist ein zentraler Punkt gegen den Pflegenotstand. Für die Ausbildung neuer Pflegefach- und -hilfskräfte fehlen bereits jetzt Schulplätze und vor allem Lehrpersonen.

=> Akademisierung der Pflege

Die zunehmend komplexeren Pflegesituationen erfordern auch den Einsatz akademisch ausgebildeter Pflegekräfte. Diese sind bereits in geringer Zahl vorhanden, werden allerdings in der Versorgung kaum mitgedacht. Auch die Finanzierung der Ausbildung und der Praxiseinsätze ist diesbezüglich zu überdenken.

=> Fachkraftabbau zu verhindern

Der drohende Fachkraftabbau durch das mit der Pflegereform verankerte neue Personalbemessungsinstrument in der stationären Altenpflege muss verhindert werden. Dazu befindet sich die Diakonie Bayern bereits gemeinsam mit anderen Verbänden in Verhandlungen mit den Kostenträgern.

=> Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Die verschiedenen Akteur:innen in der Pflege müssen sich auf Augenhöhe begegnen und gemeinsam Lösungen erarbeiten, um eine gute Versorgung pflegebedürftiger Menschen in Bayern zu gewährleisten.

 

Der Realitätscheck zum Download: