AlleinerziehendefamilienAnerkennung aller Familienformen

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist für alleinerziehende Mütter besonders schwierig

Die Betrachtung der Erwerbsbeteiligung nach Familienform macht deutlich, dass alleinerziehende Mütter mit 79,6 Prozent deutlich häufiger erwerbstätig waren als Mütter in Paarfamilien (Ehe: 70,9 Prozent; Nichteheliche Lebensgemeinschaften: 69,6 Prozent; vgl. S. 255). Zudem waren sie häufiger vollzeitnah (35,0 Prozent) oder in Vollzeit (37,9 Prozent) beschäftigt, der finanziellen Notwendigkeit geschuldet, dass sie alleine einen wesentlichen Beitrag zur finanziellen Absicherung der Familie leisten müssen (vgl. S. 255). Diese Situation bringt viele Alleinerziehende an ihre körperlichen und psychischen Belastungsgrenzen, wie sich im Beratungskontext der Diakonie, beispielsweise innerhalb der Stellen der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit (KASA), tagtäglich zeigt.

Weiterer Ausbau und Flexibilisierung der Kinderbetreuung

Die Diakonie Bayern begrüßt es, dass die Bayerische Staatsregierung gezielt eine qualitativ hochwertige und bedarfsgerechte Kinderbetreuung fördert und von 2008 bis Ende 2020 insgesamt 140.588 neue Plätze bewilligt wurden. Auch im Hinblick auf die zeitliche Flexibilität der Kinderbetreuungerfolgte ein w eiterer Ausbau (S. 310).
Dennoch ist es unabdingbar, die Flexibilisierung der Kinderbetreuung, insbesondere zu den Randzeiten, stetig weiter auszubauen. Sowohl in innerstädtischen als auch verstärkt in ländlichen Gebieten entsprechen die Betreuungszeiten häufig nicht den Bedürfnissen von Alleinerziehendefamilien. Insbesondere alleinerziehende Frauen arbeiten häufig im Schichtdienst, z. B. in Pflegeberufen, und sind damit auf flexible Betreuungsangebote angewiesen.

Armutsgefährdung und Inanspruchnahme von Transferleistungen besonders hoch

Trotz des hohen Anteils alleinerziehender Frauen in vollzeitnaher oder Vollzeit-Beschäftigungen ist ihre Armutsgefährdung im
Vergleich zu anderen Haushaltstypen besonders hoch (vgl. Darstellung 6.29, S. 372). Weisen alleinerziehende Frauen ein niedriges Bildungsniveau auf, fällt die Armutsgefährdung zudem noch höher aus.

In Bayern waren 2019 fast 60 Prozent der alleinerziehenden Frauen mit einem niedrigen Bildungsniveau armutsgefährdet (vgl. Darstellung 6.31, S. 373). Die finanziell schwierige Situation alleinerziehender Frauen sieht die Diakonie zudem darin bestätigt, dass die Anteile der öffentlichen und nicht öffentlichen Transferleistungen am Gesamteinkommen bei Alleinerziehenden mit einem Kind mit 26,6 Prozent deutlich höher als bei Paarhaushalten mit Kindern (11,5 Prozent)
waren (S. 241).

 

Familie lebt in vielen Formen.

So unterschiedlich die Gründe dafür sind, alleinerziehend zu sein, so unterschiedlich wird auch die persönliche Situation von Müttern und Vätern erlebt. Ihnen allen gemeinsam ist allerdings, dass sie die strukturelle Benachteiligung von Familien ganz besonders spüren, da sie alleine die Verantwortung für ihre Kinder tragen und auch für das finanzielle Auskommen alleine Sorge tragen müssen.

Für die Diakonie hat die Arbeit mit Alleinerziehendefamilien darum zwei wichtige Ziele:

Wir wollen die Akzeptanz von Alleinerziehenden in der Gesellschaft fördern und die Anerkennung von Ein-Eltern-Familien als vollwertige Familienform erreichen. Gleichzeitig sollen Benachteiligungen abgebaut weden. Unterstützt werden die Mütter, Väter und Kinder durch unsere aktuell ca. 40 Mitgliedseinrichtungen, die vielfältige Unterstützungsangebote, wie konkrete Beratung für Alleinerziehende, Seminare, Treffpunkte und Selbsthilfegruppen, bereitstellen.

  • weitere Förderung des flächendeckenden Ausbaus von Kinderbetreuungseinrichtungen sowie Ausweitung von Randzeitenbetreuung;
  • Etablierung vorhandener und weitere Förderungen von Projekten der Teilzeit-Berufsausbildung, um Alleinerziehenden den Zugang zum ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Dies beurteilt die Diakonie als wichtigen Schritt, um perspektivisch Armutsgefährdung und Altersarmut insbesondere von Frauen entgegenzuwirken.
  • Entbürokratisierung in der Antragstellung und Bündelung von Familienleistungen weiter voranzutreiben. Alleinerziehendefamilien fehlt häufig die Kenntnis, Zeit und/oder die Energie, alle ihnen zustehenden Leistungen tatsächlich in Anspruch zu nehmen.

 

Der Realitätscheck zum Download: