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Symbolbild: Pressearbeit der Diakonie Bayern

Diakonie in Bayern für die Presse

Die Medien sind wichtige Gesprächspartner für die Diakonie in Bayern, die sie kritisch und konstruktiv begleiten. Gleichzeitig ist die Diakonie im Freistaat eine wichtige Ansprechpartnerin, wenn es um fundierte sozialpolitische Positionen, aber auch um Ansprechpartner und -partnerinnen in den Einrichtungen und Diensten geht.

Die Pressestelle des Landesverbandes steht den Mitarbeitenden der Medien darum jederzeit für Anfragen zur Verfügung.

Meldungen 2019

Gleichstellungsatlas der Diakonie veröffentlicht

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Geschlechtergerechtigkeit darf in diakonischen Einrichtungen und Diensten kein Lippenbekenntnis bleiben

Berlin, 12. November 2019   Die Diakonie will Geschlechtergerechtigkeit und

Vielfalt in ihren Einrichtungen und Diensten stärken. Dazu hat sie eine repräsentative Erhebung unter den diakonischen Einrichtungen und Angeboten sowie Landes- und Fachverbänden durchgeführt. Mit dem Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern in der Diakonie gibt es erstmalig verlässliche Zahlen darüber, wie Frauen und Männer in Führungspositionen, Aufsichts- und Entscheidungsgremien vertreten sind. Zudem zeigt die Erhebung die Zusammensetzung der Mitarbeitenden in der Diakonie - sowohl hinsichtlich des Geschlechts als auch weiterer Vielfaltskriterien.

 

"Geschlechtergerechtigkeit darf in unseren diakonischen Einrichtungen und Diensten kein Lippenbekenntnis bleiben", sagt Diakonie-Präsident Ulrich Lilie. "Zwar sind von unseren rund 600.000 fest angestellten Mitarbeitenden mehr als drei Viertel weiblich. Auf der Führungsebene und in Gremien haben aber auch wir deutlichen Nachholbedarf."

 Bereits 2016 hatte sich die Diakonie durch ihren Corporate Governance Kodex das Ziel gesetzt, eine geschlechtergerechte Zusammensetzung von Gremien, Organen und Leitungsstellen zu erreichen. Dazu soll bis 2026 ein Mindestanteil von jeweils 40 Prozent Frauen und Männern umgesetzt sein. "Durch den Gleichstellungsatlas haben wir erstmals ein genaues Bild davon, wie Gleichstellung und Diversität innerhalb der Diakonie bereits umgesetzt sind", sagt Lilie. Der Atlas zeige auch, wo erheblicher Nachholbedarf bestehe und Bemühungen gezielt verstärkt werden müssen. "Die Ergebnisse sind eine gute Grundlage dafür, die Chancengerechtigkeit in unseren Einrichtungen und Diensten zu verbessern. Wir werden dieses Ziel nun in einer konsequenten und effektiven Strategie verankern und entsprechende Vorschläge entwickeln, welche Maßnahmen von der Diakonie Deutschland sowie den Landes- und Fachverbänden zu ergreifen sind", betont der Diakonie-Präsident.

 

Der Atlas zeigt, dass institutionalisierte Gleichstellungsarbeit und Maßnahmen zur Verankerung strukturierter familienorientierter Personalpolitik ersten Eingang in die Tätigkeit der diakonischen Organisationen gefunden haben. Deutlich werden jedoch auch geschlechtsspezifische Ungleichheiten: Frauen sind in diakonischen Aufsichts- und Entscheidungs-Gremien sowie Leitungspositionen noch unterrepräsentiert, obwohl 77 Prozent der Mitarbeitenden weiblich sind. Der durchschnittliche Frauenanteil in der obersten Leitungsebene (Vorstände, Geschäftsführungen) von Einrichtungen der Diakonie lag 2018 bei 31 Prozent, unter den Vorsitzenden dieser obersten Leitungsebene beträgt er 25 Prozent. Der durchschnittliche Frauenanteil in Aufsichtsräten von Einrichtungen der Diakonie lag 2018 bei durchschnittlich 29 Prozent.

 

Auch Voll- und Teilzeitbeschäftigung sowie Einkommen sind geschlechtsspezifisch ungleich verteilt: So sind 55 Prozent aller Mitarbeitenden der Diakonie Frauen, die in Teilzeit arbeiten. Männer sind in der obersten Gehaltsklasse am stärksten vertreten im Vergleich zu den anderen Gehaltsklassen. Insgesamt 75 Prozent der Mitarbeiterinnen der Diakonie üben Tätigkeiten aus mit den zwei niedrigsten Anforderungsniveaus - also Hilfs- und Anlerntätigkeiten sowie fachlich ausgerichtete Tätigkeiten. Bei den männlichen Mitarbeitenden sind es 63 Prozent.

 

Die repräsentative Erhebung unter diakonischen Einrichtungen und Diensten sowie Landes- und Fachverbänden wurde 2018 vom Berliner Forschungsinstitut House of Research im Auftrag der Diakonie Deutschland durchgeführt. Erhoben wurden erstmals geschlechtsdifferenzierte Daten zur Repräsentanz von Frauen und Männern in Führungspositionen, Entscheidungs- und Aufsichtsgremien und in Mitarbeitendenvertretungen in der Diakonie, zum Stand institutionalisierter Gleichstellungsarbeit und zu Maßnahmen familienorientierter Personalpolitik. Gleichzeitig enthält der Atlas auch eine Bestandsaufnahme der Beschäftigtenstruktur nach Geschlecht und anderen Diversitätskriterien.

 

Den Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern in der Diakonie 2019 finden Sie unter www.diakonie.de/gleichstellungsatlas/

 

Den Diakonischen Corporate Governance Codex finden Sie unter www.diakonie.de/diakonie-corporate-governance-kodex/

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Lesehunde helfen Kindern

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Diakonie Bayern zeichnet vorbildliche ehrenamtliche Projekte aus

Nürnberg, 7.11.2019 Der Diakonie-Wettbewerb 2019 fördert ehrenamtliche Projekte für Kinder und Jugendliche, bei denen die Ehrenamtlichen „mit Herzblut“ dabei sind und die Begegnung zwischen den Generationen „auf Augenhöhe“ geschieht. Gefördert werden sowohl junge, innovative Initiativen als auch langjähriges, bewährtes ehrenamtliches Engagement, das sich durch große Verbundenheit und Verlässlichkeit auszeichnet.  

Alle mehr als 1.300 Mitglieder des Diakonischen Werkes Bayern − z. B. diakonische Einrichtungen und Träger, Diakonievereine und Kirchengemeinden − konnten beim diesjährigen Wettbewerb mitmachen. Die Ausschreibung erfolgte zum 1. Februar 2019. Zum Einsendeschluss am 31. Mai 2019 lagen fünfzehn qualifizierte Bewerbungen vor. Die fünfköpfige Jury, die sich aus dem Kreis der Organisatoren sowie externen Expert*innen zusammensetzte, wählte die drei Preisträger für die regulären Preise aus. Sie schlug der St. Gumbertus Stiftung Ansbach, die den Wettbewerb heuer mit zwei Sonderpreisen in Höhe von jeweils 1.000 Euro unterstützt, zwei weitere Projekte vor, die vom Stiftungsvorstand für die Preisvergabe bestätigt wurden.

Folgende Preisträger wurden auf der Preisverleihung, die im Rahmen der Messe „ConSozial“ im Nürnberger Messezentrum stattfand, ausgezeichnet:

Der erste, mit 2.000 Euro dotierte Preis, gespendet vom Versicherer im Raum der Kirchen, geht an das Projekt „Lesehunde“ der Johanniter-Unfall-Hilfe e. V., Regionalverband Mittelfranken.

Die CURACON Wirtschaftsprüfungsgesellschaft spendet den zweiten Preis in Höhe von 1.500 Euro. Prämiert wird der Evangelische Verein für Gemeindediakonie Feuchtwangen e. V. für das Projekt „samstags OASE“.

Der dritte, mit 1.000 Euro dotierte Preis der Evangelischen Bank zeichnet den Arbeitskreis Ausländerkinder e. V. Gauting aus.

Das Projekt „Ausbildungsmonitoring“ der Evangelischen Jugendsozialarbeit (EJSA) Rothenburg und das Projekt „Nachbarschaftswerkstatt“ der Arche Fürth gGmbH erhalten die beiden Sonderpreise der St. Gumbertus Stiftung Ansbach in Höhe von jeweils 1.000 Euro.

Die „Lesehunde“ der Johanniter sind ausgebildete Therapiehunde, die Kindern beim Lesen lernen helfen. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass Pisa-relevante Leistungskompetenzen bei Kindern durch Heimtiere gefördert werden können. Auch bei Kindern mit Besonderheiten wie z. B. Autismus, ADHS oder Down-Syndrom bewirkt ein Therapiehund große Erfolge. 14 ehrenamtliche Teams betreuen mehr als 70 Schüler*innen der Klassen 1-6 in verschiedenen Schulen in Nürnberg und der Region.   

Bei der „samstags OASE“ des Diakonievereins Feuchtwangen begegnen sich einmal in der Woche Jung und Alt zum gemeinsamen Kochen und Mittagessen. Das Angebot richtete sich ursprünglich nur an Senior*innen mit und ohne Demenz. Dann wurde die Gruppe erweitert um Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen. Für die Ehrenamtlichen stellte die Kommunikation zwischen den verschiedenen Generationen zunächst eine besondere Herausforderung dar, die sie heute jedoch erfolgreich meistern. So lernen beispielsweise die Älteren von den Kindern, wie man das Internet nutzt, und die Jugendlichen profitieren von deren Lebenserfahrung und erweitern ihre sozialen Kompetenzen.

Der Arbeitskreis Ausländerkinder e. V. Gauting besteht schon seit über 40 Jahren. Mehr als 50 Ehrenamtliche betreuen ca. 80 Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund. Sie helfen bei den Hausaufgaben, stehen in engem Kontakt zu den Eltern und Lehrkräften und kümmern sich individuell um die jeweiligen Bedürfnisse der Kinder. So leistet der Verein einen wertvollen Beitrag zur schulischen und gesellschaftlichen Integration.

Beim „Ausbildungsmonitoring“ der Evangelischen Jugendsozialarbeit (EJSA) Rothenburg begleiten ehrenamtliche Mentoren mit langjähriger Berufserfahrung Jugendliche, die Probleme mit ihrer Ausbildung haben. Sie helfen ihnen z. B. durch Nachhilfeunterricht, Beratung und Bewerbungstraining. Die Ehrenamtlichen werden durch Austauschtreffen, Supervision und einen hauptamtlichen Ausbildungscoach in ihrer Arbeit unterstützt.

In der Nachbarschafts-Werkstatt der Arche Fürth gGmbH können Kinder und Jugendliche unter Anleitung von ehrenamtlichen Helfern ihre Fahrräder selbst reparieren. Sie erweitern ihre handwerklichen Fähigkeiten, und auch die Ehrenamtlichen profitieren von dem Austausch mit den Jüngeren. Das umweltfreundliche Projekt setzt auf Recycling und ist auch ein wertvoller Beitrag zur Armutsbekämpfung; in Fürth-Stadtmitte ist der Anteil an SGB-II-Empfänger*innen in der Bevölkerung besonders hoch.

Das ehrenamtliche Engagement der fünf Preisträger wurde während der Preisverleihung jeweils in Form einer kurzen Präsentation vorgestellt. Die Filme sind im Internet eingestellt unter www.diakonie-bayern.de/wettbewerb2019

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Zahl Betroffener in Bayern deutlich höher als bislang angenommen?

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Weiße Flächen bei der Versorgung Wohnungsloser

Weiße Flächen bei der Versorgung Wohnungsloser. Zahl Betroffener in Bayern deutlich höher als bislang angenommen?

Nürnberg/Augsburg, 25. Okt. 2019 337.000 Menschen in Deutschland waren zum Stichtag 31. Mai 2018 von Wohnungslosigkeit betroffen. Dies ist das Ergebnis einer bundesweit durchgeführten Studie, die von der Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung (GISS) durchgeführt und vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert wurde. Den aktuellen Gesamtüberblick über die Wohnungsnotfallproblematik und die Angebotsstruktur stellte die Geschäftsführerin, Jutta Henke (GISS e. V.) beim Fachtag „Frischer Wind“ – Wohnungsnotfallhilfe in Bewegung in Augsburg der Fachwelt in Bayern vor. Eine Stichtagserhebung des bayerischen Sozialministeriums aus dem Jahr 2017 nannte bislang 15.500. Nun steht für Bayern die Zahl 30.000 im Raum.

Besonders erschreckend: Der Anteil der Betroffenen mit Kindern liegt bei etwa 30%. Ein Viertel bis ein Drittel aller Betroffenen sind der Studie zufolge Frauen, sechs Prozent davon sind alleinerziehend. Der Studie zufolge nimmt die Wohnungslosen mit der Einwohnerzahl von Städten und Gemeinden zu. So sind in Gemeinden mit bis zu 20.000 Einwohnern 2,4 Personen pro 1.000 Einwohner von Wohnungslosigkeit betroffen, in Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern liegt die Quote bereits bei 8,6 Betroffenen pro 1.000 Einwohnern. „Das Problem wandert vom Land in die Stadt“, so Jutta Henke (GISS), die die Studie durchgeführt hat. „Neben der generellen Attraktivität der Ballungsräume sind auch die fehlenden Hilfen im ländlichen Raum eine Ursache dafür.“

Denn auch diese Frage wurde untersucht: In welchen Regionen gibt es welche Hilfen zur Vermeidung oder Behebung von Wohnungslosigkeit? „In vielen kreisfreien Städte und Landkreisen gibt es überhaupt kein Angebot für Wohnungslose, obwohl sie laut Gesetz eigentlich dazu verpflichtet wären. In 40 Prozent der kreisfreien Städte und in über 60 Prozent der Landkreise gibt es nur ein einziges Angebot.“ In Bayern verfüge München über ein gut ausgebautes und gebündeltes Hilfesystem mit einer zentralen Fachstelle, die übrigen Städte, Kreise und kreisangehörige Gemeinden Bayerns haben der Studie zufolge nur ein punktuell ausgebautes Hilfesystem.

Dabei zeigten andere Studien, dass Beratungsstellen der Diakonie und anderer Träger effektiv dabei helfen könnten, Wohnungslosigkeit gar nicht erst entstehen zu lassen. Henke: „Die Mehrheit der Wohnungslosen lebt zwei Jahre in sogenannter verdeckter Wohnungslosigkeit, etwa in dem sie bei Freunden oder Verwandten wohnen, und suchen erst dann die entsprechenden Hilfesysteme auf.“ Als Ursachen für die Wohnungslosigkeit benennt die Studie in erster Linie Mietschulden und Mietzahlungsschwierigkeiten, aber auch Einschnitte wie Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Verlust eines Partners. „Im Fall der von Wohnungslosigkeit betroffenen Frauen spielt aber auch häusliche Gewalt eine große Rolle.“

Erschreckend schließlich nach Ansicht der Studienverfasser auch: 80 Prozent aller befragten Dienste, Träger und Körperschaften gaben an, dass sich die Wohnraumversorgung seit 2015 deutlich verschlechtert habe. Henke: „Der Zugang zu Wohnraum für die Betroffenen wird immer schwieriger.“  Darauf hätten Dreiviertel der befragten Kommunen und 80 Prozent der Landkreise überhaupt keine Antwort; die übrigen reagieren der Studie zufolge mit Belegungsrechten, Mietausfallgarantieren und Sonderwohnformen. 

„Wir müssen die vorhandenen präventiven Angebote, wie etwa die Fachstellen zur Verhinderung von Wohnungslosigkeit, weiter ausbauen, damit die Zahlen endlich sinken“, konstatiert Andreas Kurz vom Fachverband Evangelische Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe, und verwies auf die von der Staatsregierung bereitgestellten Mittel. „Neben den Fachstellen wird es verstärkte soziale Beratung in Notunterkünften sowie spezifische Hilfen für junge wohnungslose Menschen, Frauen und Familien geben. Mit den bereitgestellten staatlichen Förderungen für Modellprojekte können wirkungsvolle Hilfen aufgebaut und verstetigt werden.“

Für die Studie „Wohnungslosigkeit vermeiden und beheben“ wurden neben anderen knapp fünfzig kreisfreie Städte, 120 Kommunen, über 200 Träger der Wohnungslosenhilf sowie knapp 100 Jobcenter im ganzen Bundesgebiet befragt. Durchgeführt wurde sie von der Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung in Bremen (GISS).

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Gemeinsam statt einsam - Diakonie Bayern auf der ConSozial 2019

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Am 6. und 7. November 2019 in Nürnberg

Nürnberg, den 1. 11. 2019 Am 6. und 7. November 2019 wird das Messezentrum Nürnberg wieder zum Treffpunkt für die Sozialbranche. Fach- und Führungskräfte, Wissenschaft, Verbände, Wirtschaft und Politik kommen auf Deutschlands größter KongressMesse für den Sozialmarkt miteinander ins Gespräch. Auch die bayerische Diakonie präsentiert sich auf der ConSozial, die heuer unter dem Motto „Gemeinsam statt einsam – sozialen Zusammenhalt stärken“ steht.

 

Das Diakonische Werk Bayern stellt gemeinsam mit der Evangelischen Jugendsozialarbeit (EJSA Bayern), der Stadtmission Nürnberg sowie der Bank für Kirche und Diakonie (KD-Bank) aus. Zu finden ist Bayern zweigrößter Wohlfahrtsverband in der Halle 3A, Stand 517; informiert wird über anderem über die Altenpflege, AIDS-Beratung und über den Jugendmigrationsdienst der Stadtmission. Das Damenschneiderei-Atelier „La Silhouette“ aus München, ein Ausbildungsbetrieb für junge Migrantinnen, lädt zu einer Mitmach-Aktion am Stand ein.

Am zweiten Messetag werden um 12.00 Uhr der Präsident der Diakonie Bayern, Michael Bammessel, Dr. Christian Lüders vom Deutschen Jugendinstitut sowie Hans Steimle, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit (BAG EJSA) die Reformvorhaben im SGB VIII (Kinder- und Jugendhilferecht) diskutieren.

Ebenfalls am zweiten Messetag werden – ab 13.15 Uhr – die Preisträger des Diakonie-Wettbewerbs 2019 auf der ConSozial Messebühne in Halle 3A ausgezeichnet, bei dem ehrenamtliche Projekte für Kinder und Jugendliche gesucht wurden. 

 

Die ConSozial ist die KongressMesse für Fach- und Führungskräfte des Sozialmarktes im deutschsprachigen Raum. Alljährlich im Herbst informieren sich mehr als 6.000 Fachbesucher*innen im Messezentrum Nürnberg an zwei Tagen über die neusten Entwicklungen und Trends der Sozialwirtschaft. Parallel findet der KITA-Kongress statt, der sich an Fach- und Führungskräfte von Kindertagesstätten wendet. Die ConSozial wird vom Bayerischen Sozialministerium veranstaltet. Partner sind die Rummelsberger Diakonie, die Caritas Bayern und die NürnbergMesse. Insgesamt stellen sich im Messebereich in den Hallen 3A und 4A mehr als 250 Unternehmen und soziale Einrichtungen auf über 4.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche mit ihren Produkten und Dienstleistungen, Konzepten, und Bildungsangeboten vor.

 

Öffnungszeiten der Messe:

Mittwoch, 6.11.2019 von 9:00 bis 17:30 Uhr

Donnerstag, 7.11.2019 von 9:00 bis 16:30 Uhr

 

Mehr zum Auftritt der Diakonie Bayern auf der ConSozial finden Sie unter www.diakonie-bayern.de/kampagnen-messen-veranstaltungen/consozial-2019.html

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„Ein Streiter für die Sache der Diakonie“

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Oberkirchenrat Detlev Bierbaum geht in den Ruhestand

Nürnberg, 22.10.2019 Nach insgesamt 13 Jahren im Amt des Oberkirchenrats tritt Detlev Bierbaum am 30. November in den Ruhestand. Als Leiter der Abteilung „Gesellschaftsbezogene Dienste“ gehörte auch die Diakonie zu seinem Verantwortungsbereich. Michael Bammessel, Präsident der Diakonie Bayern würdigte ihn als „Streiter für die Sache der Diakonie – im Großen wie im Kleinen.“

Bierbaum habe die Diakonie stets als sein ureigenes Anliegen verstanden. „Ob bei der gemeinsamen Medienkampagne für eine liebevolle Pflege oder bei dem Projekt `F.I.T.‘ -  in der Zusammenarbeit mit ihm war immer spürbar:  Kirche und Diakonie gehören untrennbar zusammen“, würdigte Bammessel den scheidenden Bierbaum. Es sei für ihn immer selbstverständlich gewesen, dass eine Kirche nicht nur in Worten, sondern auch in Taten zu „ihrer Diakonie“ stehe.  Die Zusammenarbeit sei dabei immer von größtem Vertrauen geprägt gewesen. Bierbaum war seit 2006 Leiter der Abteilung D, „Gesellschaftsbezogene Dienste“ im Münchner Landeskirchenamt. In dieser Funktion war Bierbaum auch Mitglied im Diakonischen Rat des Diakonischen Werkes Bayern, dem Aufsichtsorgan des evangelischen Wohlfahrtsverbandes.

Zu seinem Nachfolger wurde der Augsburger Dekan Stefan Blumtritt berufen, der sein Amt am 1. Dezember 2019 antreten wird.

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Sucht im Alter

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Herbstsammlung der Diakonie Bayern startet am 14. Oktober

Nürnberg, 10. 10. 2019 Als die Mitarbeiterin der Diakoniestation die Wohnung der 92jährigen betritt, fällt ihr sofort auf: Die alte Dame schwankt, muss sich am Türrahmen festhalten, spricht nur undeutlich. Schließlich deutet sie auf eine Flasche, die sie offensichtlich ausgetrunken hat. Nach Rücksprache mit den Angehörigen wird der Rettungsdienst alarmiert und die Patientin zur Ausnüchterung und Beobachtung in ein Krankenhaus gebracht. Missbrauch von Alkohol oder Medikamenten durch alte Menschen: aus Sicht diakonischer Einrichtungen und Dienste ist dies zwar nicht die Regel, aber auch kein Einzelfall. Auch aus diesem Grund stellt die Diakonie bei ihrer diesjährigen Herbstsammlung, die vom 14. – 20. Oktober in ganz Bayern stattfindet, das Thema „Sucht im Alter“ in den Mittelpunkt.

„Etwa 400.000 der über 60jährigen in Deutschland sind von einer Alkoholabhängigkeit betroffen, hinzu kommen jene Menschen mit einem problematischen Konsumverhalten“, so Sandra Schuhmann, Fachvorständin der Diakonie in Bayern. „Allerdings werden viele Begleiterscheinungen als ‚alterstypisch‘ abgetan. Dabei können Gangunsicherheit oder Sprachschwierigkeiten auch Anzeichen von Suchtmittelmissbrauch sein“. Sucht sei darum auch selbstverständlich ein Thema der Altenhilfe. Sie fordert darum Aufbauschulungen und weiterführende Qualifizierungen für Mitarbeitende in der Pflege - „die dann aber auch von den Kostenträgern refinanziert werden müssen.“ Bislang würden einzig entsprechende Modellprojekte finanziert – wie etwa das Projekt „Sucht alter Menschen“ (SAM), das von 2016 bis 2019 durchgeführt wurde, und an dem unter anderem auch das Adolf-Hamburger-Haus in Nürnberg teilgenommen hat.

Der Leiter der Einrichtung, Wolfgang Brockhaus bestätigt, dass die Sucht im Alter ein gesamtgesellschaftliches Phänomen abbildet – und hat darauf reagiert: „Wir fragen beim Einzug neuer Bewohner und Bewohnerinnen mittlerweile standardmäßig auch das Konsumverhalten ab, um uns darauf einstellen und angemessen damit umgehen zu können.“ Dazu gehöre gegebenenfalls auch, den Konsum von Alkohol zuzulassen und die Betroffenen nicht zu bevormunden.

Sowohl Schuhmann als auch Brockhaus gehen von steigenden Fallzahlen aus. Schuhmann: „ Mit einer wachsenden Zahl von Pflegebedürftigen ist auch eine Zunahme von Suchterkrankungen verbunden. Darauf müssen wir vorbereitet sein. „ Sie schlug darum entsprechende wissenschaftliche Studien vor, insbesondere zur Personengruppe der „Babyboomer“. „Nur dann wissen wir wirklich, welche Unterstützungsangebote zukünftig notwendig sind.“

Die Diakonie in Bayern bietet unter anderem in 19 Ambulanten Suchtberatungs- und Behandlungsstellen sowie in 2 Fachkliniken für alkoholabhängige Männer und Frauen mit 120 Plätzen Hilfen für Suchtkranke an. Schuhmann: „Unsere Beratungsstellen sind natürlich auch für ältere Menschen offen. Und aus der Beratungsarbeit wissen wir, dass – entgegen der landläufigen Meinung – gerade bei älteren Menschen die Suchtberatung sehr erfolgreich sein kann."

Die Herbstsammlung der Diakonie in Bayern findet vom 14. – 20. Oktober in ganz Bayern statt. 70% der Spenden an die Kirchengemeinden bleiben im Dekanatsbezirk zur Förderung der diakonischen Arbeit. 30% der Spenden an die Kirchengemeinden werden an das Diakonische Werk Bayern für die Projektförderung in ganz Bayern weitergeleitet. Im Jahr 2017 erbrachte sie über 670.000 Euro, eine Steigerung um 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

 

Spendenkonto:

Diakonisches Werk Bayern

Evangelische Bank eG (GENODEF1EK1)

DE20 5206 0410 0005 2222 22

Stichwort: Diakoniesammlung H-2019           

 

Oder nutzen Sie unsere Spendenhotline und unterstützen Sie die Diakonie telefonisch unter 0800 700 50 80

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125 Jahre Hilfe am Bahnsteig

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Diakonie und Caritas gratulieren der Bahnhofsmission zum Jubiläum

Berlin/Nürnberg, 27. September 2019  Bei der heutigen Festveranstaltung der Bahnhofsmission am Berliner Ostbahnhof gratulieren die Präsidenten des Deutschen Caritasverbandes und der Diakonie Deutschland zum 125jährigen Jubiläum.

 

"Die Bahnhofsmission zeigt, wie eine offene Gesellschaft funktionieren kann. Bahnhöfe sind zentrale Knotenpunkte im Netz unserer mobilen Gesellschaft, an denen auch die sozialen Aufgaben unserer Zeit in besonderer Weise sichtbar werden. Es ist wunderbar, dass sich Helferinnen und Helfer aus ihrem Glauben heraus in den Dienst nehmen lassen, Menschen auf Reisen, in akuten Nöten und in existenziellen Notlagen zu begleiten", ehrt Pfarrer Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland, alle Engagierten. Auch Caritas-Präsident Prälat Dr. Peter Neher würdigt die Arbeit der Bahnhofsmission: "Die Bahnhofsmission rückt diejenigen Menschen in den Mittelpunkt, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Es ist ein wertvolles Gut für unsere Gesellschaft, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bahnhofsmission seit 125 Jahren einfach da sind. Sie helfen Menschen und öffnen Türen an den Umsteigeplätzen und Abstellgleisen des Lebens. Danke."

Die Bahnhofsmissionen seien ein wichtiger Teil der Arbeit von Caritas und Diakonie, weshalb sie sich auch in Zukunft der Unterstützung der kirchlichen Dachverbände sicher sein könnten, betonen die beiden Präsidenten. Der Dank von Caritas und Diakonie gehe auch an die beiden Fachverbände, den Verband der Deutschen Evangelischen Bahnhofsmission und IN VIA Deutschland, die die Arbeit der Bahnhofsmission auf Bundesebene verantworten und diese in vorbildlichem ökumenischen Miteinander gestalten.

Rund 600 Ehrengäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft feiern das Jubiläum im Festzelt am Ostbahnhof, dem Gründungsort der Bahnhofsmission 1894, der damals noch "Schlesischer Bahnhof" hieß. Eine neue Gedenktafel erinnert künftig an die Anfänge der Bahnhofsmission. Diese wird im Rahmen der Feierlichkeiten enthüllt durch Diakonie-Präsident Ulrich Lilie, Caritas-Präsident Peter Neher, Anne Dietrich-Tillmann, Vorstand von IN VIA Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit für das Erzbistum Berlin e.V. als Träger der Bahnhofsmission Ostbahnhof, sowie Sven Hantel, Vorstand DB Station und Service AG.

Die auf Initiative von Pastor Johannes Burckhardt gegründete erste Bahnhofsmission am Berliner Ostbahnhof half den zuwandernden jungen Frauen bei der Arbeitssuche und bot ihnen Unterstützung. Bereits 1910 schlossen sich evangelische und katholische Bahnhofsmission als eine der ältesten ökumenischen Initiativen zu einer Arbeitsarbeitsgemeinschaft zusammen. Rund 2.000 ehrenamtliche und 400 hauptamtliche Mitarbeitende sichern die vielfältigen Hilfen der Bahnhofsmission heute. Gerade die ehrenamtliche Arbeit war von Beginn an eine große Kraftquelle der Bahnhofsmission. Diese helfen assistenzbedürftigen Reisenden und begleiten allein reisende Kinder, damit sie wohlbehalten am Zielort ankommen. Sie helfen obdachlosen oder kranken Menschen und bieten Soforthilfe für alle, die sich in einer Notlage befinden.

Mehr zur Bahnhofsmission und ihrer Geschichte finden Sie unter www.bahnhofsmission.de/index.php

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Neues Gütesiegel Familienorientierung

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Diakonie Deutschland und EKD fördern Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Berlin/Nürnberg, 19.September 2019   Die Diakonie Deutschland und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) haben in einer gemeinsamen Initiative das "Evangelische Gütesiegel Familienorientierung" entwickelt. Das Gütesiegel ermutigt und unterstützt Träger, Einrichtungen und Dienste, ihre Personalpolitik familienorientiert weiterzuentwickeln und nach innen wie außen sichtbar zu machen. Damit setzen sich Kirche und Diakonie auch als Arbeitgeberinnen für Menschen mit familiären Aufgaben ein.

Dafür, dass dies gelingt, spricht die erfolgreich abgeschlossene Pilotphase: In einem Festakt in Berlin unter Teilnahme von Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey wurden heute die ersten zwölf Einrichtungen mit dem Gütesiegel zertifiziert. "Durch ihre Bereitschaft mitzumachen und Neues zu erproben, haben sie das Gütesiegel aktiv mitgestaltet und viel dazu beigetragen, dass für andere kirchliche und diakonische Einrichtungen jetzt ein praxistauglicher Baustein für ein modernes Personalmanagement zur Verfügung steht", sagte der EKD- Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, in seiner Begrüßungsrede. Noch immer sei es eine Zukunftsfrage, wie es besser gelingen kann, dass Frauen und Männer sowohl eine ambitionierte Berufstätigkeit ausüben können als auch über genügend Zeit und Flexibilität verfügen, um gleichzeitig für Kinder und Angehörige sorgen zu können. "Die Erwerbsarbeitswelt steht vor der Aufgabe, sich auf grundlegend veränderte Bedingungen einzustellen. Betriebe und Einrichtungen müssen den Blick dafür weiten, dass Menschen heute im Normalfall sowohl Erwerbs- als auch Sorgearbeit leisten und die nachteilsfreie Verbindung ermöglichen."

 

"Wichtig ist uns, uns nicht nur politisch für die Stärkung von Familien und die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf einzusetzen, sondern dies auch in unserer Rolle als Arbeitgeber umzusetzen", betont Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland. "Mit dem Evangelischen Gütesiegel Familienorientierung haben wir ein Instrument entwickelt, um Familienfreundlichkeit strategisch und strukturell in der Personalpolitik evangelischer und diakonischer Einrichtungen und Dienste zu verankern. Wir sind sicher, dass davon nicht nur die Mitarbeitenden und ihre Familien, sondern auch unsere Träger, Einrichtungen und Dienste durch qualifizierte Bewerbungen, sinkende Fehlquoten und stärkere Verbundenheit ihrer Mitarbeitenden profitieren", so Loheide.

 

Das Evangelische Gütesiegel Familienorientierung versteht sich nicht nur als Auszeichnung für familienorientierte Angebote in den Einrichtungen. Vielmehr handelt es sich um ein strategisches Managementinstrument, bei dem der Prozess im Vordergrund steht und das sich flexibel auf die unterschiedlichen Rahmenbedingungen kirchlicher und diakonischer Träger, Einrichtungen und Dienste anwenden lässt. Das Zertifizierungsverfahren wurde so konzipiert, dass es sich insbesondere für kleine und mittlere Anstellungsträger eignet, da diese in der Regel über weniger Ressourcen und KnowHow verfügen, um ihre Personalpolitik strategisch weiterzuentwickeln.

 

Nach der erfolgreichen Pilotphase wird das Evangelische Gütesiegel Familienorientierung in der nun folgenden Implementierungsphase deutlich ausgebaut und langfristig etabliert. Dies wird von 17 Landeskirchen und Diakonischen Werken unterstützt.

 

Weitere Informationen finden Sie unter: www.fa-kd.de/familienorientierung

 

Die ersten 12 Zertifikatsträger sind:

  • Diakoniewerk Simeon gGmbH, Berlin


  • Berliner Stadtmission e.V.


  • Ev. Zentralinstitut für Familienberatung (EZI), Berlin


  • Ev. Kirchenkreisverband Berlin Süd-West


  • Haus Berlin gGmbH, Graf Recke Stiftung, Neumünster


  • Diakoniestationen Harz-Heide gGmbH, Braunschweig


  • Kirchenkreisamt Ronnenberg


  • Stiftung Diakonie-Sozialwerk Lausitz, Görlitz


  • Kirchenbezirk Löbau-Zittau


  • Wirtschaftsbetrieb (WIB GmbH) des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Recklinghausen gGmbH


  • Ev. Kirchenkreis Dortmund


  • Ev. Diakonieschwesternschaft Herrenberg-Korntal e.V.
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Diakonie-Studie belegt: Hartz IV schließt von politischer Teilhabe aus.

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„Von politischer Teilhabe kann keine Rede sein.“

Nürnberg, 11. September 2019 Dass das Vertrauen in Demokratie sowie in politische Parteien auch von der wirtschaftlichen Lage der Wählerinnen und Wähler abhängt, wurde in Studien zwar immer wieder nachgewiesen. In einer Studie sind der Evangelische Fachverband für Arbeit und soziale Integration (EFAS) und die Diakonie nun aber den Ursachen für diese Haltung auf den Grund gegangen – und kommen zu einem erschreckenden Ergebnis. Das politische System, so die Verfasser, schließt eine nicht unbeachtliche Bevölkerungsgruppe von allen Formen sozialer, ökonomischer, kultureller und eben auch politischer Teilhabe aus.

Mehr als 70 von Langzeitarbeitslosigkeit Betroffene wurden in der Studie „Unerhört! Langzeitarbeitslose Nichtwähler melden sich zu Wort!“ befragt und liefern eine alarmierende und erschütternde Analyse der Demokratiekrise aus der Perspektive ausgegrenzter und abgehängter Menschen am Rand der Gesellschaft. „Alle Befunde, die wir aus dieser Studie herausfiltern konnten“, so Franz Schultheis, Professor für Soziologie an der Universität St. Gallen, der die Studie wissenschaftlich begleitet hat, „verweisen darauf, dass unter diesen Bedingungen von Teilhabe in jedweder Form nicht die Rede sein kann.“ Die Studie zeige´, dass die Hartz IV-Sätze wirklich nur ein Existenzminimum beinhalten, und das Leben von einer ständigen „Knappheit in allen Belangen“ geprägt sei. Die Konsequenz, so Schultheis weiter: Die Betroffenen wollen einem politischen System, das sie derartig missachte und nicht zur Kenntnis nehme, nicht noch ihre Zustimmung geben. “Es ist eine Totalverweigerung gegenüber dem politischen System, das die Menschen in dieser Lage belässt.“

Für Michael Bammessel, Präsident der Diakonie in Bayern, stellt die Studie ein Alarmsignal dar: „Eine Gesellschaft ist nur dann intakt, wenn sich möglichst viele Menschen aktiv einbringen können, statt perspektivlos am Rand bleiben zu müssen.“ Wenn eine große Gruppe in der Gesellschaft im Gang zur Wahlurne aber keinen Sinn mehr sehe, werde genau das Gegenteil dessen erreicht, was die Hartz-IV-Reformen eigentlich erreichen wollten: „Menschen sollten aktiviert werden. Stattdessen fühlen sich aber erschreckend viele Menschen durch die Regelungen gegängelt, missachtet und ihrer Chancen beraubt.“ Eine Gesellschaft, die in Schichten, Milieus und Gruppen zerfalle, führe zu Ungerechtigkeit, Unfrieden und Ausgrenzung. Bammessel: „Wir haben den Eindruck, dass die Risse und Gräben in unserem Land in den letzten Jahren besorgniserregend zugenommen haben.“

In der qualitativen Studie „Unerhört! Langzeitarbeitslose Nichtwähler melden sich zu Wort“ wurden Langzeitarbeitslose unter wissenschaftlicher Begleitung selbst zu Forschern. Sie haben in qualitativen Interviews die Motive langzeitarbeitsloser Nichtwähler erforscht und die vergessene prekäre Lebenswirklichkeit von Menschen im Hartz IV-Bezug intensiv ausgeleuchtet, und kommen unter anderem zu folgenden Ergebnissen:

-              Hartz IV-Bezieher sind zu gesellschaftlicher Nicht-Existenz verdammt. Dies betrifft nicht nur die be­grenzten materiellen Teilhabechancen im täglichen Leben. Vielmehr arbeiten Hartz IV-Empfänger aus Scham selbst am Unsichtbar-Machen ihrer Existenz mit.

-              Politisch zeichnen die Befragten ein düsteres Bild – von einer vielfach ungerechten und gespaltenen Gesellschaft. Als Gegenbild rufen sie immer wieder die als „sozial gerecht“ bezeichnete alte Bundesrepublik (Bonner Republik) auf.

-              Zentral für die Entscheidung zur Nichtwahl ist fehlendes Vertrauen, die Ignoranz der Politik gegenüber Langzeitarbeitslosen und Enttäuschung über nicht eingehaltene Wahlversprechen. Gleichzeitig schätzen die Befragten politisches und soziales Engagement und plädieren für direktdemokratische und andere Partizipationsformen.

-              Viele Langzeitarbeitslose machen Ausgrenzungserfahrungen durch Nicht-Berücksichtigung der eigenen Interessen im politischen System, Vorurteile und der geringe Spielraum bei der gesellschaftlichen Teilhabe. Dies belastet auch die Beziehungen zu Familie, Freunden und Bekannten.

Die Befragten schreiben der Politik jedoch auch ein hohes Maß an Möglichkeiten zu, ihr Leben zu verbessern, und formulieren entsprechende Forderungen: „Es muss mehr bewegt werden in die Richtung, die Leute vorwärts zu bringen. […] es müssen Wege gebaut werden, es müssen Leitern aufgestellt werden, die nach oben gehen“, so ein Betroffener in der Studie.

Die Konsequenzen, die sich aus der Studie ergeben, sind nach Ansicht der Verfasser eindeutig. Gesellschaft und Politik müssten endlich anerkennen, dass die aktuellen sozialrechtliche Bedingungen bei weitem nicht ausreichten. Schultheis: „Das, was man das Existenzminimum nennt, erlaubt in Wirklichkeit keine menschenwürdige Existenz. Menschen werden nicht integriert, sondern in Wirklichkeit sozial verwaltet und ausgrenzt – mit allen Folgen für die Demokratie und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“

 

Die Studie „Unerhört! Langzeitarbeitslose Nichtwähler melden sich zur Wort“ ist die zweite Studie, in der Langzeitarbeitslose von selbst Betroffenen befragt wurden. Bereits im Jahr 2017 erschien die Studie „Gib mir was, was ich wählen kann.“. Auch hier wurden Langzeitarbeitslose selbst zu Forschern und befragten auf Augenhöhe über 70 langzeitarbeitslose Nichtwählerinnen und –wähler zu den Motiven ihrer Nichtwahl. Der vollständige Text der aktuellen Studie steht unter www.studie-nichtwaehler.de zum kostenlosen download zur Verfügung.

 

 

Der Evangelische Fachverband Arbeit und Soziale Integration e.V. (EFAS) ist auf
Bundesebene der Zusammenschluss von evangelischen bzw. diakonischen Trägern und ihrer Einrichtungen, die Arbeitslosen, insbesondere Langzeitarbeitslosen und anderen am Arbeitsmarkt Benachteiligten Arbeit, berufliche Qualifizierung und/oder Ausbildung bieten sowie von Fach- und Landesverbänden / Arbeitsgemeinschaften auf gliedkirchlich-diakonischer Ebene. Weitere Informationen über den EFAS finden Sie unter
www.efas-web.de

 

 

Die Studie „Unerhört! Langzeitarbeitslose melden sich zu Wort“ wird von der Denkfabrik – Forum für Menschen am Rande im Sozialunternehmen Neue Arbeit Stuttgart in Kooperation mit dem Evangelischen Fachverband für Arbeit und soziale Integration (EFAS) herausgegeben. Professor Franz Schultheis von der Universität St. Gallen sowie Studenten und Studentinnen der Universität Stuttgart haben das Projekt wissenschaftlich begleitet.

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Gesa Will: „Wie schön!“

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Ausstellungseröffnung im Diakonischen Werk Bayern am 26.08.2019

Nürnberg, den 14.8.2019 „Wie schön!“, so lautet der Titel der Ausstellung mit neun Bildern von Gesa Will, die unseren Schönheitsbegriff kritisch hinterfragt. Schönheit ist nicht an Jugend gebunden, wie uns die Werbung suggeriert: Schönheit ist auch und gerade im Alter zu entdecken.

An der linken Wand im Foyer der Geschäftsstelle sind sechs Portraitbilder alter Frauen zu sehen, die von Weisheit, Lebenserfahrung und Würde geprägt sind. Sie stellen bedeutende Persönlichkeiten dar, die Gesa Wills Leben prägten: Die Schauspielerinnen Therese Giese und Marianne Hoppe, die Schriftstellerinnen Astrid Lindgren, Virginia Woolf und Tania Blixen sowie ihre Großmutter Bertha Will.

Gegenüber, an der rechten Wand im Foyer, zeigen drei hochformatige Bilder einen älteren Mann, ein Kind und eine alte Frau. Bei diesen Bildern von Menschen in verschiedenen Lebensaltern stellt sich ebenfalls die Frage: was ist schön, aber auch: worauf richten wir unsere Aufmerksamkeit im Leben? Welchen Weg gehen wir? Was gibt uns Sinn, Orientierung und Halt?

Gesa Will, 1945 in Schleswig-Holstein geboren, verbrachte ihre Schulzeit u. a. auf der Insel Amrum, in Frankfurt am Main, Paris und München. Von 1965 bis 1969 studierte sie Malerei und Grafik in Köln und München. 1970 eröffnete sie ein Grafikdesign-Studio in München. Seither ist sie freischaffend tätig.

Nach der Geburt ihrer drei Kinder zog Gesa Will 1987 nach Nürnberg um. Von 2008 bis 2010 erhielt sie eine Atelierförderung des Bayerischen Staates.

Durch zahlreiche Ausstellungen ist die Malerin und Autorin in der Region gut bekannt.

       

Zur Ausstellungseröffnung am Montag 26. August um 9.00 Uhr
im Foyer der Geschäftsstelle des Diakonischen Werkes Bayern,
Pirckheimerstraße 6, 90408 in Nürnberg
laden wir herzlich ein.

Der Präsident der bayerischen Diakonie Michael Bammessel wird die Ausstellung eröffnen. Anschließend wird Gesa Will eine Passage aus Ihrem Buch „Olas Himmel. Bilder einer Kindheit“ lesen und ihre Bilder vorstellen. Für Medienvertreter*innen besteht Gelegenheit zu Fotos und Interviews.

Die Bilder der Ausstellung können käuflich erworben werden.

Die Ausstellung „Wie schön!“ wird vom 26. August bis 11. Oktober 2019 im Foyer der Geschäftsstelle des Diakonischen Werkes Bayern zu sehen sein.

Die Öffnungszeiten der Ausstellung sind: Mo-Fr 9-12 Uhr und Mo-Do 13.30 bis 16 Uhr.

Am Wochenende ist die Geschäftsstelle des Diakonischen Werkes Bayern geschlossen. Besucher*innen werden gebeten, sich an der Pforte zu melden.

 

Für Rückfragen und weitere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung (Dr. Leonie Krüger, Diakonisches Werk Bayern, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: 0911 9354-207,

E-Mail: krueger(at)diakonie-bayern(dot)de).

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Ihr Kontakt

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Pressesprecher
Name
Daniel Wagner
Einrichtung
Diakonisches Werk Bayern e.V.
Strasse
Postfach 120320
PLZ
90332 Nürnberg
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