Zum Inhalt springen
Symbolbild: Pressearbeit der Diakonie Bayern

Diakonie in Bayern für die Presse

Die Medien sind wichtige Gesprächspartner für die Diakonie in Bayern, die sie kritisch und konstruktiv begleiten. Gleichzeitig ist die Diakonie im Freistaat eine wichtige Ansprechpartnerin, wenn es um fundierte sozialpolitische Positionen, aber auch um Ansprechpartner und -partnerinnen in den Einrichtungen und Diensten geht.

Die Pressestelle des Landesverbandes steht den Mitarbeitenden der Medien darum jederzeit für Anfragen zur Verfügung.

Meldungen 2019

„Ein Streiter für die Sache der Diakonie“

Weiterlesen >

Oberkirchenrat Detlev Bierbaum geht in den Ruhestand

Nürnberg, 22.10.2019 Nach insgesamt 13 Jahren im Amt des Oberkirchenrats tritt Detlev Bierbaum am 30. November in den Ruhestand. Als Leiter der Abteilung „Gesellschaftsbezogene Dienste“ gehörte auch die Diakonie zu seinem Verantwortungsbereich. Michael Bammessel, Präsident der Diakonie Bayern würdigte ihn als „Streiter für die Sache der Diakonie – im Großen wie im Kleinen.“

Bierbaum habe die Diakonie stets als sein ureigenes Anliegen verstanden. „Ob bei der gemeinsamen Medienkampagne für eine liebevolle Pflege oder bei dem Projekt `F.I.T.‘ -  in der Zusammenarbeit mit ihm war immer spürbar:  Kirche und Diakonie gehören untrennbar zusammen“, würdigte Bammessel den scheidenden Bierbaum. Es sei für ihn immer selbstverständlich gewesen, dass eine Kirche nicht nur in Worten, sondern auch in Taten zu „ihrer Diakonie“ stehe.  Die Zusammenarbeit sei dabei immer von größtem Vertrauen geprägt gewesen. Bierbaum war seit 2006 Leiter der Abteilung D, „Gesellschaftsbezogene Dienste“ im Münchner Landeskirchenamt. In dieser Funktion war Bierbaum auch Mitglied im Diakonischen Rat des Diakonischen Werkes Bayern, dem Aufsichtsorgan des evangelischen Wohlfahrtsverbandes.

Zu seinem Nachfolger wurde der Augsburger Dekan Stefan Blumtritt berufen, der sein Amt am 1. Dezember 2019 antreten wird.

< Schliessen

Sucht im Alter

Weiterlesen >

Herbstsammlung der Diakonie Bayern startet am 14. Oktober

Nürnberg, 10. 10. 2019 Als die Mitarbeiterin der Diakoniestation die Wohnung der 92jährigen betritt, fällt ihr sofort auf: Die alte Dame schwankt, muss sich am Türrahmen festhalten, spricht nur undeutlich. Schließlich deutet sie auf eine Flasche, die sie offensichtlich ausgetrunken hat. Nach Rücksprache mit den Angehörigen wird der Rettungsdienst alarmiert und die Patientin zur Ausnüchterung und Beobachtung in ein Krankenhaus gebracht. Missbrauch von Alkohol oder Medikamenten durch alte Menschen: aus Sicht diakonischer Einrichtungen und Dienste ist dies zwar nicht die Regel, aber auch kein Einzelfall. Auch aus diesem Grund stellt die Diakonie bei ihrer diesjährigen Herbstsammlung, die vom 14. – 20. Oktober in ganz Bayern stattfindet, das Thema „Sucht im Alter“ in den Mittelpunkt.

„Etwa 400.000 der über 60jährigen in Deutschland sind von einer Alkoholabhängigkeit betroffen, hinzu kommen jene Menschen mit einem problematischen Konsumverhalten“, so Sandra Schuhmann, Fachvorständin der Diakonie in Bayern. „Allerdings werden viele Begleiterscheinungen als ‚alterstypisch‘ abgetan. Dabei können Gangunsicherheit oder Sprachschwierigkeiten auch Anzeichen von Suchtmittelmissbrauch sein“. Sucht sei darum auch selbstverständlich ein Thema der Altenhilfe. Sie fordert darum Aufbauschulungen und weiterführende Qualifizierungen für Mitarbeitende in der Pflege - „die dann aber auch von den Kostenträgern refinanziert werden müssen.“ Bislang würden einzig entsprechende Modellprojekte finanziert – wie etwa das Projekt „Sucht alter Menschen“ (SAM), das von 2016 bis 2019 durchgeführt wurde, und an dem unter anderem auch das Adolf-Hamburger-Haus in Nürnberg teilgenommen hat.

Der Leiter der Einrichtung, Wolfgang Brockhaus bestätigt, dass die Sucht im Alter ein gesamtgesellschaftliches Phänomen abbildet – und hat darauf reagiert: „Wir fragen beim Einzug neuer Bewohner und Bewohnerinnen mittlerweile standardmäßig auch das Konsumverhalten ab, um uns darauf einstellen und angemessen damit umgehen zu können.“ Dazu gehöre gegebenenfalls auch, den Konsum von Alkohol zuzulassen und die Betroffenen nicht zu bevormunden.

Sowohl Schuhmann als auch Brockhaus gehen von steigenden Fallzahlen aus. Schuhmann: „ Mit einer wachsenden Zahl von Pflegebedürftigen ist auch eine Zunahme von Suchterkrankungen verbunden. Darauf müssen wir vorbereitet sein. „ Sie schlug darum entsprechende wissenschaftliche Studien vor, insbesondere zur Personengruppe der „Babyboomer“. „Nur dann wissen wir wirklich, welche Unterstützungsangebote zukünftig notwendig sind.“

Die Diakonie in Bayern bietet unter anderem in 19 Ambulanten Suchtberatungs- und Behandlungsstellen sowie in 2 Fachkliniken für alkoholabhängige Männer und Frauen mit 120 Plätzen Hilfen für Suchtkranke an. Schuhmann: „Unsere Beratungsstellen sind natürlich auch für ältere Menschen offen. Und aus der Beratungsarbeit wissen wir, dass – entgegen der landläufigen Meinung – gerade bei älteren Menschen die Suchtberatung sehr erfolgreich sein kann."

Die Herbstsammlung der Diakonie in Bayern findet vom 14. – 20. Oktober in ganz Bayern statt. 70% der Spenden an die Kirchengemeinden bleiben im Dekanatsbezirk zur Förderung der diakonischen Arbeit. 30% der Spenden an die Kirchengemeinden werden an das Diakonische Werk Bayern für die Projektförderung in ganz Bayern weitergeleitet. Im Jahr 2017 erbrachte sie über 670.000 Euro, eine Steigerung um 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

 

Spendenkonto:

Diakonisches Werk Bayern

Evangelische Bank eG (GENODEF1EK1)

DE20 5206 0410 0005 2222 22

Stichwort: Diakoniesammlung H-2019           

 

Oder nutzen Sie unsere Spendenhotline und unterstützen Sie die Diakonie telefonisch unter 0800 700 50 80

< Schliessen

125 Jahre Hilfe am Bahnsteig

Weiterlesen >

Diakonie und Caritas gratulieren der Bahnhofsmission zum Jubiläum

Berlin/Nürnberg, 27. September 2019  Bei der heutigen Festveranstaltung der Bahnhofsmission am Berliner Ostbahnhof gratulieren die Präsidenten des Deutschen Caritasverbandes und der Diakonie Deutschland zum 125jährigen Jubiläum.

 

"Die Bahnhofsmission zeigt, wie eine offene Gesellschaft funktionieren kann. Bahnhöfe sind zentrale Knotenpunkte im Netz unserer mobilen Gesellschaft, an denen auch die sozialen Aufgaben unserer Zeit in besonderer Weise sichtbar werden. Es ist wunderbar, dass sich Helferinnen und Helfer aus ihrem Glauben heraus in den Dienst nehmen lassen, Menschen auf Reisen, in akuten Nöten und in existenziellen Notlagen zu begleiten", ehrt Pfarrer Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland, alle Engagierten. Auch Caritas-Präsident Prälat Dr. Peter Neher würdigt die Arbeit der Bahnhofsmission: "Die Bahnhofsmission rückt diejenigen Menschen in den Mittelpunkt, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Es ist ein wertvolles Gut für unsere Gesellschaft, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bahnhofsmission seit 125 Jahren einfach da sind. Sie helfen Menschen und öffnen Türen an den Umsteigeplätzen und Abstellgleisen des Lebens. Danke."

Die Bahnhofsmissionen seien ein wichtiger Teil der Arbeit von Caritas und Diakonie, weshalb sie sich auch in Zukunft der Unterstützung der kirchlichen Dachverbände sicher sein könnten, betonen die beiden Präsidenten. Der Dank von Caritas und Diakonie gehe auch an die beiden Fachverbände, den Verband der Deutschen Evangelischen Bahnhofsmission und IN VIA Deutschland, die die Arbeit der Bahnhofsmission auf Bundesebene verantworten und diese in vorbildlichem ökumenischen Miteinander gestalten.

Rund 600 Ehrengäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft feiern das Jubiläum im Festzelt am Ostbahnhof, dem Gründungsort der Bahnhofsmission 1894, der damals noch "Schlesischer Bahnhof" hieß. Eine neue Gedenktafel erinnert künftig an die Anfänge der Bahnhofsmission. Diese wird im Rahmen der Feierlichkeiten enthüllt durch Diakonie-Präsident Ulrich Lilie, Caritas-Präsident Peter Neher, Anne Dietrich-Tillmann, Vorstand von IN VIA Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit für das Erzbistum Berlin e.V. als Träger der Bahnhofsmission Ostbahnhof, sowie Sven Hantel, Vorstand DB Station und Service AG.

Die auf Initiative von Pastor Johannes Burckhardt gegründete erste Bahnhofsmission am Berliner Ostbahnhof half den zuwandernden jungen Frauen bei der Arbeitssuche und bot ihnen Unterstützung. Bereits 1910 schlossen sich evangelische und katholische Bahnhofsmission als eine der ältesten ökumenischen Initiativen zu einer Arbeitsarbeitsgemeinschaft zusammen. Rund 2.000 ehrenamtliche und 400 hauptamtliche Mitarbeitende sichern die vielfältigen Hilfen der Bahnhofsmission heute. Gerade die ehrenamtliche Arbeit war von Beginn an eine große Kraftquelle der Bahnhofsmission. Diese helfen assistenzbedürftigen Reisenden und begleiten allein reisende Kinder, damit sie wohlbehalten am Zielort ankommen. Sie helfen obdachlosen oder kranken Menschen und bieten Soforthilfe für alle, die sich in einer Notlage befinden.

Mehr zur Bahnhofsmission und ihrer Geschichte finden Sie unter www.bahnhofsmission.de/index.php

< Schliessen

Neues Gütesiegel Familienorientierung

Weiterlesen >

Diakonie Deutschland und EKD fördern Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Berlin/Nürnberg, 19.September 2019   Die Diakonie Deutschland und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) haben in einer gemeinsamen Initiative das "Evangelische Gütesiegel Familienorientierung" entwickelt. Das Gütesiegel ermutigt und unterstützt Träger, Einrichtungen und Dienste, ihre Personalpolitik familienorientiert weiterzuentwickeln und nach innen wie außen sichtbar zu machen. Damit setzen sich Kirche und Diakonie auch als Arbeitgeberinnen für Menschen mit familiären Aufgaben ein.

Dafür, dass dies gelingt, spricht die erfolgreich abgeschlossene Pilotphase: In einem Festakt in Berlin unter Teilnahme von Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey wurden heute die ersten zwölf Einrichtungen mit dem Gütesiegel zertifiziert. "Durch ihre Bereitschaft mitzumachen und Neues zu erproben, haben sie das Gütesiegel aktiv mitgestaltet und viel dazu beigetragen, dass für andere kirchliche und diakonische Einrichtungen jetzt ein praxistauglicher Baustein für ein modernes Personalmanagement zur Verfügung steht", sagte der EKD- Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, in seiner Begrüßungsrede. Noch immer sei es eine Zukunftsfrage, wie es besser gelingen kann, dass Frauen und Männer sowohl eine ambitionierte Berufstätigkeit ausüben können als auch über genügend Zeit und Flexibilität verfügen, um gleichzeitig für Kinder und Angehörige sorgen zu können. "Die Erwerbsarbeitswelt steht vor der Aufgabe, sich auf grundlegend veränderte Bedingungen einzustellen. Betriebe und Einrichtungen müssen den Blick dafür weiten, dass Menschen heute im Normalfall sowohl Erwerbs- als auch Sorgearbeit leisten und die nachteilsfreie Verbindung ermöglichen."

 

"Wichtig ist uns, uns nicht nur politisch für die Stärkung von Familien und die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf einzusetzen, sondern dies auch in unserer Rolle als Arbeitgeber umzusetzen", betont Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland. "Mit dem Evangelischen Gütesiegel Familienorientierung haben wir ein Instrument entwickelt, um Familienfreundlichkeit strategisch und strukturell in der Personalpolitik evangelischer und diakonischer Einrichtungen und Dienste zu verankern. Wir sind sicher, dass davon nicht nur die Mitarbeitenden und ihre Familien, sondern auch unsere Träger, Einrichtungen und Dienste durch qualifizierte Bewerbungen, sinkende Fehlquoten und stärkere Verbundenheit ihrer Mitarbeitenden profitieren", so Loheide.

 

Das Evangelische Gütesiegel Familienorientierung versteht sich nicht nur als Auszeichnung für familienorientierte Angebote in den Einrichtungen. Vielmehr handelt es sich um ein strategisches Managementinstrument, bei dem der Prozess im Vordergrund steht und das sich flexibel auf die unterschiedlichen Rahmenbedingungen kirchlicher und diakonischer Träger, Einrichtungen und Dienste anwenden lässt. Das Zertifizierungsverfahren wurde so konzipiert, dass es sich insbesondere für kleine und mittlere Anstellungsträger eignet, da diese in der Regel über weniger Ressourcen und KnowHow verfügen, um ihre Personalpolitik strategisch weiterzuentwickeln.

 

Nach der erfolgreichen Pilotphase wird das Evangelische Gütesiegel Familienorientierung in der nun folgenden Implementierungsphase deutlich ausgebaut und langfristig etabliert. Dies wird von 17 Landeskirchen und Diakonischen Werken unterstützt.

 

Weitere Informationen finden Sie unter: www.fa-kd.de/familienorientierung

 

Die ersten 12 Zertifikatsträger sind:

  • Diakoniewerk Simeon gGmbH, Berlin


  • Berliner Stadtmission e.V.


  • Ev. Zentralinstitut für Familienberatung (EZI), Berlin


  • Ev. Kirchenkreisverband Berlin Süd-West


  • Haus Berlin gGmbH, Graf Recke Stiftung, Neumünster


  • Diakoniestationen Harz-Heide gGmbH, Braunschweig


  • Kirchenkreisamt Ronnenberg


  • Stiftung Diakonie-Sozialwerk Lausitz, Görlitz


  • Kirchenbezirk Löbau-Zittau


  • Wirtschaftsbetrieb (WIB GmbH) des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Recklinghausen gGmbH


  • Ev. Kirchenkreis Dortmund


  • Ev. Diakonieschwesternschaft Herrenberg-Korntal e.V.
< Schliessen

Diakonie-Studie belegt: Hartz IV schließt von politischer Teilhabe aus.

Weiterlesen >

„Von politischer Teilhabe kann keine Rede sein.“

Nürnberg, 11. September 2019 Dass das Vertrauen in Demokratie sowie in politische Parteien auch von der wirtschaftlichen Lage der Wählerinnen und Wähler abhängt, wurde in Studien zwar immer wieder nachgewiesen. In einer Studie sind der Evangelische Fachverband für Arbeit und soziale Integration (EFAS) und die Diakonie nun aber den Ursachen für diese Haltung auf den Grund gegangen – und kommen zu einem erschreckenden Ergebnis. Das politische System, so die Verfasser, schließt eine nicht unbeachtliche Bevölkerungsgruppe von allen Formen sozialer, ökonomischer, kultureller und eben auch politischer Teilhabe aus.

Mehr als 70 von Langzeitarbeitslosigkeit Betroffene wurden in der Studie „Unerhört! Langzeitarbeitslose Nichtwähler melden sich zu Wort!“ befragt und liefern eine alarmierende und erschütternde Analyse der Demokratiekrise aus der Perspektive ausgegrenzter und abgehängter Menschen am Rand der Gesellschaft. „Alle Befunde, die wir aus dieser Studie herausfiltern konnten“, so Franz Schultheis, Professor für Soziologie an der Universität St. Gallen, der die Studie wissenschaftlich begleitet hat, „verweisen darauf, dass unter diesen Bedingungen von Teilhabe in jedweder Form nicht die Rede sein kann.“ Die Studie zeige´, dass die Hartz IV-Sätze wirklich nur ein Existenzminimum beinhalten, und das Leben von einer ständigen „Knappheit in allen Belangen“ geprägt sei. Die Konsequenz, so Schultheis weiter: Die Betroffenen wollen einem politischen System, das sie derartig missachte und nicht zur Kenntnis nehme, nicht noch ihre Zustimmung geben. “Es ist eine Totalverweigerung gegenüber dem politischen System, das die Menschen in dieser Lage belässt.“

Für Michael Bammessel, Präsident der Diakonie in Bayern, stellt die Studie ein Alarmsignal dar: „Eine Gesellschaft ist nur dann intakt, wenn sich möglichst viele Menschen aktiv einbringen können, statt perspektivlos am Rand bleiben zu müssen.“ Wenn eine große Gruppe in der Gesellschaft im Gang zur Wahlurne aber keinen Sinn mehr sehe, werde genau das Gegenteil dessen erreicht, was die Hartz-IV-Reformen eigentlich erreichen wollten: „Menschen sollten aktiviert werden. Stattdessen fühlen sich aber erschreckend viele Menschen durch die Regelungen gegängelt, missachtet und ihrer Chancen beraubt.“ Eine Gesellschaft, die in Schichten, Milieus und Gruppen zerfalle, führe zu Ungerechtigkeit, Unfrieden und Ausgrenzung. Bammessel: „Wir haben den Eindruck, dass die Risse und Gräben in unserem Land in den letzten Jahren besorgniserregend zugenommen haben.“

In der qualitativen Studie „Unerhört! Langzeitarbeitslose Nichtwähler melden sich zu Wort“ wurden Langzeitarbeitslose unter wissenschaftlicher Begleitung selbst zu Forschern. Sie haben in qualitativen Interviews die Motive langzeitarbeitsloser Nichtwähler erforscht und die vergessene prekäre Lebenswirklichkeit von Menschen im Hartz IV-Bezug intensiv ausgeleuchtet, und kommen unter anderem zu folgenden Ergebnissen:

-              Hartz IV-Bezieher sind zu gesellschaftlicher Nicht-Existenz verdammt. Dies betrifft nicht nur die be­grenzten materiellen Teilhabechancen im täglichen Leben. Vielmehr arbeiten Hartz IV-Empfänger aus Scham selbst am Unsichtbar-Machen ihrer Existenz mit.

-              Politisch zeichnen die Befragten ein düsteres Bild – von einer vielfach ungerechten und gespaltenen Gesellschaft. Als Gegenbild rufen sie immer wieder die als „sozial gerecht“ bezeichnete alte Bundesrepublik (Bonner Republik) auf.

-              Zentral für die Entscheidung zur Nichtwahl ist fehlendes Vertrauen, die Ignoranz der Politik gegenüber Langzeitarbeitslosen und Enttäuschung über nicht eingehaltene Wahlversprechen. Gleichzeitig schätzen die Befragten politisches und soziales Engagement und plädieren für direktdemokratische und andere Partizipationsformen.

-              Viele Langzeitarbeitslose machen Ausgrenzungserfahrungen durch Nicht-Berücksichtigung der eigenen Interessen im politischen System, Vorurteile und der geringe Spielraum bei der gesellschaftlichen Teilhabe. Dies belastet auch die Beziehungen zu Familie, Freunden und Bekannten.

Die Befragten schreiben der Politik jedoch auch ein hohes Maß an Möglichkeiten zu, ihr Leben zu verbessern, und formulieren entsprechende Forderungen: „Es muss mehr bewegt werden in die Richtung, die Leute vorwärts zu bringen. […] es müssen Wege gebaut werden, es müssen Leitern aufgestellt werden, die nach oben gehen“, so ein Betroffener in der Studie.

Die Konsequenzen, die sich aus der Studie ergeben, sind nach Ansicht der Verfasser eindeutig. Gesellschaft und Politik müssten endlich anerkennen, dass die aktuellen sozialrechtliche Bedingungen bei weitem nicht ausreichten. Schultheis: „Das, was man das Existenzminimum nennt, erlaubt in Wirklichkeit keine menschenwürdige Existenz. Menschen werden nicht integriert, sondern in Wirklichkeit sozial verwaltet und ausgrenzt – mit allen Folgen für die Demokratie und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“

 

Die Studie „Unerhört! Langzeitarbeitslose Nichtwähler melden sich zur Wort“ ist die zweite Studie, in der Langzeitarbeitslose von selbst Betroffenen befragt wurden. Bereits im Jahr 2017 erschien die Studie „Gib mir was, was ich wählen kann.“. Auch hier wurden Langzeitarbeitslose selbst zu Forschern und befragten auf Augenhöhe über 70 langzeitarbeitslose Nichtwählerinnen und –wähler zu den Motiven ihrer Nichtwahl. Der vollständige Text der aktuellen Studie steht unter www.studie-nichtwaehler.de zum kostenlosen download zur Verfügung.

 

 

Der Evangelische Fachverband Arbeit und Soziale Integration e.V. (EFAS) ist auf
Bundesebene der Zusammenschluss von evangelischen bzw. diakonischen Trägern und ihrer Einrichtungen, die Arbeitslosen, insbesondere Langzeitarbeitslosen und anderen am Arbeitsmarkt Benachteiligten Arbeit, berufliche Qualifizierung und/oder Ausbildung bieten sowie von Fach- und Landesverbänden / Arbeitsgemeinschaften auf gliedkirchlich-diakonischer Ebene. Weitere Informationen über den EFAS finden Sie unter
www.efas-web.de

 

 

Die Studie „Unerhört! Langzeitarbeitslose melden sich zu Wort“ wird von der Denkfabrik – Forum für Menschen am Rande im Sozialunternehmen Neue Arbeit Stuttgart in Kooperation mit dem Evangelischen Fachverband für Arbeit und soziale Integration (EFAS) herausgegeben. Professor Franz Schultheis von der Universität St. Gallen sowie Studenten und Studentinnen der Universität Stuttgart haben das Projekt wissenschaftlich begleitet.

< Schliessen

Gesa Will: „Wie schön!“

Weiterlesen >

Ausstellungseröffnung im Diakonischen Werk Bayern am 26.08.2019

Nürnberg, den 14.8.2019 „Wie schön!“, so lautet der Titel der Ausstellung mit neun Bildern von Gesa Will, die unseren Schönheitsbegriff kritisch hinterfragt. Schönheit ist nicht an Jugend gebunden, wie uns die Werbung suggeriert: Schönheit ist auch und gerade im Alter zu entdecken.

An der linken Wand im Foyer der Geschäftsstelle sind sechs Portraitbilder alter Frauen zu sehen, die von Weisheit, Lebenserfahrung und Würde geprägt sind. Sie stellen bedeutende Persönlichkeiten dar, die Gesa Wills Leben prägten: Die Schauspielerinnen Therese Giese und Marianne Hoppe, die Schriftstellerinnen Astrid Lindgren, Virginia Woolf und Tania Blixen sowie ihre Großmutter Bertha Will.

Gegenüber, an der rechten Wand im Foyer, zeigen drei hochformatige Bilder einen älteren Mann, ein Kind und eine alte Frau. Bei diesen Bildern von Menschen in verschiedenen Lebensaltern stellt sich ebenfalls die Frage: was ist schön, aber auch: worauf richten wir unsere Aufmerksamkeit im Leben? Welchen Weg gehen wir? Was gibt uns Sinn, Orientierung und Halt?

Gesa Will, 1945 in Schleswig-Holstein geboren, verbrachte ihre Schulzeit u. a. auf der Insel Amrum, in Frankfurt am Main, Paris und München. Von 1965 bis 1969 studierte sie Malerei und Grafik in Köln und München. 1970 eröffnete sie ein Grafikdesign-Studio in München. Seither ist sie freischaffend tätig.

Nach der Geburt ihrer drei Kinder zog Gesa Will 1987 nach Nürnberg um. Von 2008 bis 2010 erhielt sie eine Atelierförderung des Bayerischen Staates.

Durch zahlreiche Ausstellungen ist die Malerin und Autorin in der Region gut bekannt.

       

Zur Ausstellungseröffnung am Montag 26. August um 9.00 Uhr
im Foyer der Geschäftsstelle des Diakonischen Werkes Bayern,
Pirckheimerstraße 6, 90408 in Nürnberg
laden wir herzlich ein.

Der Präsident der bayerischen Diakonie Michael Bammessel wird die Ausstellung eröffnen. Anschließend wird Gesa Will eine Passage aus Ihrem Buch „Olas Himmel. Bilder einer Kindheit“ lesen und ihre Bilder vorstellen. Für Medienvertreter*innen besteht Gelegenheit zu Fotos und Interviews.

Die Bilder der Ausstellung können käuflich erworben werden.

Die Ausstellung „Wie schön!“ wird vom 26. August bis 11. Oktober 2019 im Foyer der Geschäftsstelle des Diakonischen Werkes Bayern zu sehen sein.

Die Öffnungszeiten der Ausstellung sind: Mo-Fr 9-12 Uhr und Mo-Do 13.30 bis 16 Uhr.

Am Wochenende ist die Geschäftsstelle des Diakonischen Werkes Bayern geschlossen. Besucher*innen werden gebeten, sich an der Pforte zu melden.

 

Für Rückfragen und weitere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung (Dr. Leonie Krüger, Diakonisches Werk Bayern, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: 0911 9354-207,

E-Mail: krueger(at)diakonie-bayern(dot)de).

< Schliessen

Rektor Heinrich Götz geht in Ruhestand

Weiterlesen >

Langjähriger Vorsitzender des Diakonischen Rats wird gewürdigt

Nürnberg, den 26. Juli 2019. Der Rektor der Augsburger Diakonissenanstalt Heinrich Götz wird am 27. Juli 2019 in den Ruhestand verabschiedet. „Heinrich Götz hat die Diakonie in Bayern maßgeblich geprägt. Er war die personifizierte Verbindung von Kirche und Diakonie“, sagte Michael Bammessel, Präsident der bayerischen Diakonie.

 

Heinrich Götz wurde am 5. August 1952 in Nördlingen geboren. Nach dem Abitur studierte er Theologie in Neuendettelsau, Jerusalem und München. Als Pfarrer war er in Fürstenfeldbruck, Heimenkirch (Allgäu) und von 1987 bis 2000 in Augsburg tätig. Er engagierte sich nachhaltig in der Kinder- und Jugendarbeit und gründete das Projekt „KonfiCamp“ in Augsburg mit. Götz war Senior des Augsburger Pfarrkapitels und Stellvertreter des Dekans.

Seit 1. Oktober 2000 leitete Rektor Heinrich Götz als Vorstandsvorsitzender die Diakonissenanstalt (diako) Augsburg. In den fast 20 Jahren seiner Tätigkeit entwickelte sich die ursprünglich noch stark von Diakonissen geprägte Einrichtung zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen. Die Gründung des Hotels garni im Tagungszentrum 2004, die Eröffnung des „hotels am park“ sowie die Entwicklung des traditionsreichen Diakonissenkrankenhauses zur Stadtklinik fällt in seine Amtszeit. Die Idee der Nächstenliebe und des Helfens, für die die Diakonissen stehen, wird von den Mitarbeitenden bis heute weiter getragen, auch durch die Zusatzqualifikation des „Diakonats“, das Heinrich Götz eingeführt hatte. „Unser Anliegen ist der Mensch. Den darf man nicht wirtschaftlich betrachten. Der Mensch muss immer im Mittelpunkt stehen. Das versuchen wir hier zu leben“, so Heinrich Götz.

Der Rektor war von 2002 bis 2014 Vizepräsident der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und von 2008 bis 2018 Vorsitzender des Diakonischen Rats des Diakonischen Werkes Bayern. Er ist langjähriges Mitglied der Arbeitsrechtlichen Kommission (ARK) Bayern. In dieser Zeit wurden die „Willkommenstage“ für neue Mitarbeitende in Kirche und Diakonie eingeführt. Die Öffnung der „AcK-Klausel“ (Kriterien, wann eine Kirchenmitgliedschaft die Voraussetzung für eine Anstellung ist) in ihrer jetzt gültigen Fassung geht maßgeblich auf die Arbeit des Diakonischen Rates unter seiner Leitung zurück.

„Diakonie ist Kirche und Kirche ist Diakonie“ war ein Leitwort für sein jahrelanges Engagement. „Heinrich Götz hat diese Überzeugung nicht nur mit Leidenschaft vertreten, sondern auch in seiner eigenen beruflichen Praxis konsequent umgesetzt“, bekräftigte Präsident Bammessel im Rückblick. „Er hat damit nicht nur die bayerische Diakonie in den letzten Jahren mitgeprägt, sondern auch die evangelische Landeskirche.“

Bis zum Ende der Synodalperiode im März 2020 wird Heinrich Götz berufenes Mitglied der Landessynode und Mitglied im Diakonischen Rat bleiben. 2011 wurde ihm die Bayerische Staatsmedaille für besondere Verdienste um die Gesundheit verliehen. 2012 erhielt Heinrich Götz das Goldene Kronenkreuz der Diakonie.

 

< Schliessen

Sehr gutes Ergebnis für Brot für die Welt

Weiterlesen >

Bayern erneut Spitze im bundesweiten Vergleich

Nürnberg, 25. Juli 2019 Eine leichte Steigerung und erneut der Spitzenplatz im bundesweiten Vergleich: Genau 9.375.299 Euro an Spenden hat Brot für die Welt im vergangenen Jahr in Bayern erhalten. In dieser Summe sind alle Kollekten und Spenden aus der Region enthalten. „Wir sind froh und dankbar für das große Vertrauen, das Spenderinnen und Spender Brot für die Welt auch 2018 geschenkt haben. Ihre Spenden und Kollekten sind das Fundament für die weltweiten Projekte gegen Hunger, Armut und Ungerechtigkeit“, sagte Michael Bammessel, Präsident des Diakonischen Werkes Bayern. „Allen, die dazu beigetragen haben, danke ich herzlich.“ Bundesweit haben Spender*innen die Arbeit von Brot für die Welt im vergangenen Jahr mit mehr als 63,6 Millionen Euro unterstützt. Das ist ein Plus von gut 1,8 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr (2017: 61,8 Mio. Euro).

Brot für die Welt arbeitet weltweit mit lokalen Partnerorganisationen zusammen. Bammessel: „So werden Projekte unterstützt, die unmittelbar in Kooperation mit den Menschen vor Ort, zum Beispiel mit Kleinbauern und -bäuerinnen und ihren Familien, umgesetzt werden. Solche Projekte setzen wirklich bei den Bedürfnissen der Menschen an: Keine prestigeträchtigen Großprojekte, sondern konkrete Hilfe vor Ort: die Solarzelle auf dem Haus, der holzsparende Herd in der Küche oder die ortsnahe Wasserpumpe.“

Neu bewilligt wurden im vergangenen Jahr 726 Projekte, davon mit 246 die meisten in Afrika. Im Zentrum stehen langfristige Maßnahmen, die Hunger und Mangelernährung überwinden, Bildung und Gesundheit fördern, Zugang zu sauberem Wasser schaffen, die Achtung der Menschenrechte und Demokratie stärken und den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen unterstützen.

Brot für die Welt wurde 1959 gegründet und feiert in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag. Aktuell fördert das weltweit tätige Hilfswerk der evangelischen Landes- und Freikirchen und ihrer Diakonie gemeinsam mit seinen Partnerorganisationen über 1.500 Projekte zur Überwindung von Hunger, Armut und Ungerechtigkeit in mehr als 90 Ländern. Seit der Gründung wurden allein in Bayern über 350 Millionen Euro an Spenden gesammelt.

Spendenkonto:

IBAN: DE10 1006 1006 0500 5005 00, Bank für Kirche und Diakonie

< Schliessen

Mit der Bahnhofsmission sicher unterwegs

Weiterlesen >

47 000 Mal wurde 2018 Reisenden in Bayern Hilfe geleistet

München/Nürnberg, 8.7.2019 Beim Umsteigen gehbehinderten Reisenden aus dem Zug helfen. Mit ratlosen Fahrgästen den richtigen Button am Ticketautomaten drücken. Einen Platz zum Ausruhen bieten, wenn die Reise nicht weitergeht. Auch dafür gibt es die Bahnhofsmissionen. Mehr als 47 000 Mal leisteten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der 13 bayerischen Bahnhofsmissionen im vergangenen Jahr Hilfe beim Reisen.

Auch wenn die Einrichtungen am Bahnhof vor allem als Anlaufstelle für Menschen in sozialen Notlagen bekannt sind, besteht ein wichtiger Teil ihrer Arbeit in der Unterstützung von Reisenden. So helfen die Mitarbeitenden beispielsweise Menschen mit Mobilitätseinschränkungen nach Voranmeldung beim Ein-, Aus- oder Umsteigen. An kleineren Bahnhöfen wie Ingolstadt, Kempten und Lindau sind die meist ehrenamtlichen Mitarbeitenden während der Öffnungszeiten im Bahnhof und an den Gleisen präsent und packen auch spontan an, wenn Hilfe nötig ist. „Die Unterstützung von Reisenden ist zahlenmäßig unsere Hauptaufgabe in Lindau. Sie machen fast 90 Prozent unserer Kontakte aus“, so die Leiterin der Lindauer Bahnhofsmission, Conny Schäle. Aber: „Immer wieder stranden auch verwirrte, psychisch auffällige oder wohnungslose Menschen am Bahnhof", ergänzt Schäle. "Wir geben ihnen Schutz und Ruhe bis wir eine Lösung gefunden haben, wie es für sie weitergehen kann.“ Das geschieht meist in Zusammenarbeit mit sozialen Einrichtungen in der Stadt, der Bahn oder auch der Bundespolizei. Ähnliche Bedeutung wie in Lindau hat die Hilfe für Reisende in den Bahnhofsmissionen Hof und Schweinfurt mit knapp über der Hälfte aller Kontakte.

Konkret boten die Mitarbeitenden der bayerischen Bahnhofsmissionen 2018 fast 33.000 Hilfen direkt im Reiseverkehr im Bahnhof und am Bahnsteig. 1.500-mal vermittelten sie Reisende an andere Bahnhofsmissionen. Und über 9.000-mal kontaktierten sie Dienste der Bahn, um Menschen auf Reisen weiterzuhelfen. Darüber hinaus boten sie Aufenthalt und diverse kleinere Hilfen – von einer Tasse Tee über das Aufladen eines Mobiltelefons bis zur Wickelmöglichkeit in ihren Räumen.

„Die Reisehilfen der Bahnhofsmissionen, aber auch die Unterstützung in Notlagen sind eine wertvolle Ergänzung zum Mobilitätsservice der Bahn“, so Karl Heinz Ferstl, Leiter Operations im Regionalbereich Süd der DB Station&Service AG.

 „Es ist uns wichtig, dass Menschen, die aufgrund ihres Alters, einer Krankheit oder einer Behinderung eingeschränkt sind, selbständig leben und mobil bleiben können. Das schafft Lebensqualität und ermöglicht Teilhabe, was auch angesichts des demographischen Wandels für unsere Gesellschaft von großer Bedeutung ist", sagt Hedwig Gappa-Langer (IN VIA Bayern e.V.) von der Arbeitsgemeinschaft der kirchlichen Bahnhofsmissionen in Bayern. Ihre Kollegin Heidi Ott (Diakonisches Werk Bayern e.V.) betont: "Nur durch das hohe Engagement der fast 400 ehrenamtlichen Mitarbeitenden in den bayerischen Bahnhofsmissionen ist ein derart breites Angebot überhaupt möglich."

Ein besonderer Service ist "Bahnhofsmission Mobil", für alle diejenigen, für die eine Fahrt alleine kaum (mehr) möglich ist. Bisher wird es in Schweinfurt und Nürnberg angeboten. Nach Voranmeldung begleiten ehrenamtliche Mitarbeitende die Fahrgäste kostenlos in Regionalzügen im Umkreis von 100 Kilometern bzw. maximal vier Stunden einfache Fahrtzeit. 240 Mal wurde die mobile Reisebegleitung im vergangenen Jahr gebucht.  Nähere Informationen gibt es bei den Bahnhofsmissionen Schweinfurt (Ruf 09721/85950) und Nürnberg (Ruf 0911/22996).

Bereits seit 15 Jahren ist "Kids on Tour“ erfolgreich, der Begleitdienst für allein reisende Kinder in Kooperation von Deutscher Bahn und den Bahnhofsmissionen. Jeweils freitags und sonntags begleiten ausgebildete ehrenamtliche Mitarbeitende der Bahnhofsmissionen Kinder im Alter zwischen sechs und 14 Jahren auf festgelegten Strecken im ICE-Netz. In Bayern beispielsweise auf den Strecken München – Nürnberg – Berlin sowie München – Stuttgart – Mannheim – Köln. Die Bahnhofsmission München koordiniert diese Fahrten und stellt die ehrenamtlichen Begleitenden auf den genannten Strecken. Im vergangenen Jahr konnten von München aus 1.072 Fahrten begleitet werden. „So können Kinder beispielsweise zu getrennt lebenden Elternteilen oder auch den Großeltern in gutem Kontakt bleiben. Das Angebot wird aktuell fast ausschließlich über Mittel der Träger finanziert. Dauerhaft braucht es deshalb bald eine Alternativlösung“, so Bettina Spahn und Barbara Thoma, die beiden Leitungen der Bahnhofsmission München. Weitere Informationen unter https://www.bahn.de/p/view/service/familie/kids-on-tour.shtml

In Bayern halten 13 größtenteils ökumenisch getragene Bahnhofsmissionen ihre Türen für Reisende und Menschen in Not offen. 2018 hatten die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden 285.000-mal Kontakt mit Hilfesuchenden – dies ist eine Steigerung um 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt erbrachten sie fast 570.000 Hilfeleistungen vom Aufenthalt über Notverpflegung und Vermittlung bis zu seelsorgerlichen und Krisengesprächen. Das entspricht einem Plus von 2 Prozent gegenüber 2017.

< Schliessen

„Hilfe für Notleidende alleine reicht nicht. Diakonie muss helfen, Gräben zu überwinden.“

Weiterlesen >

170 Jahre Diakonie Würzburg

Nürnberg/Würzburg, 27. Juni 2019. Alleinerziehende, die in Armut leben, Menschen, die sich keine Krankenversicherung mehr leisten können und Rentner*innen, die sich das Geld für die letzte Mietsteigerung vom Munde absparen müssen – „Wenn wir genau hinschauen, sehen wir, welche scharfen Gegensätze es in Deutschland und auch in Bayern gibt,“ so Diakoniepräsident Michael Bammessel heute in Würzburg anlässlich des 170-jährigen Bestehens der dortigen Diakonie. Und er fordert: „Notleidenden zu helfen alleine reicht nicht. Diakonie muss die Verbindung zwischen den verschiedenen Welten unserer Gesellschaft wieder herstellen.“

Die Diakonie, so Bammessel, erlebe in ihrer täglichen Arbeit die harten Gegensätze in der Gesellschaft. Die Kluft zwischen Arm und Reich aber tue sich längst nicht mehr nur zwischen Armen und Superreichen auf. „Auch Menschen, die sich der Mittelschicht zurechnen, leben oft meilenweit von den Problemen anderer entfernt.“ Welcher „gestresste Büromensch“, so Bammessel, habe schon mal mit einem Flüchtling gesprochen, der in einer Gemeinschaftsunterkunft lebe und psychisch krank werde, weil ihm die Behörden verböten zu arbeiten? Viele Menschen wüssten schlicht nicht, welchen Kampf ums Überleben andere führten. „Sie kennen den bulgarischen Wanderarbeiter nicht, der von seinem deutschen Arbeitgeber um seinen schmalen Lohn betrogen wird, und der sich nicht wehren kann, weil er so schlecht Deutsch spricht.“

Aufgabe der Diakonie sei es darum nicht nur, Notleidenden zu helfen. Sie könne sich nicht damit zufrieden geben, dass der Blick auf die schreiende Not in der Gesellschaft den Profis, und damit ihr, überlassen werde. Als Beispiel nannte Bammessel die Vesperkirchen. Hier öffneten sich Kirchen für einen bestimmten Zeitraum für alle Menschen der Umgebung und ermöglichten eine Begegnung zwischen den unterschiedlichen Gruppen der Gemeinde: „Wer da aus einer gut bürgerlichen Familie kommend am Essen teilnimmt oder gar ehrenamtlich mitarbeitet, bekommt einen scharfen Blick für die Lebenslagen, in denen sich manche Menschen befinden. Da treffen sich Welten.“

Bammessel predigte anlässlich des 170-jährigen Jubiläums der Diakonie Würzburg. Die Gründung geht zurück auf eine Predigt von Johann Hinrich Wichern im Jahr 1849 im Würzburger Stephansdom. Wichern, der als einer der Väter der modernen Diakonie gilt, gab damit den Anstoß zur Gründung der „Inneren Mission Würzburg“, aus der später das Diakonische Werk wurde. Es hat heute knapp 1.000 Mitarbeitende und ist unter anderem in der ambulanten und der stationären Altenhilfe, der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe sowie der Sozialpsychiatrie tätig. Zur Diakonie Würzburg gehört auch die Brauchbar GmbH, die sechs Sozialkaufhäuser in Würzburg sowie Ochsenfurt betreibt, und in denen täglich ca. 300 Personen einkaufen.

< Schliessen

Ihr Kontakt

Titel
Pressesprecher
Name
Daniel Wagner
Einrichtung
Diakonisches Werk Bayern e.V.
Strasse
Postfach 120320
PLZ
90332 Nürnberg
Tel.
Mobil
Fax
Web
Visitenkarte