Zuviel Armut in einem reichen Land.

Diakoniepräsident bei „Alexandersbader Gesprächen“

Nürnberg/Bad Alexandersbad, 02.12.2016 Als „besorgniserregend“ hat der Präsident der Diakonie Bayern, Michael Bammessel, die letzten Zahlen zur Armutsentwicklung in Deutschland und im Freistaat bezeichnet. Bammessel, der am kommendem Samstag bei den Alexandersbader Gesprächen zu Gast sein wird, sagte im Vorfeld der oberfränkischen Veranstaltung: „Wir haben hohe soziale Standards, auf die wir zu Recht stolz sein können. Doch das Netz ist löchriger als viele denken, und die Armut derer, die durch die Löcher fallen, wird kaum noch wahrgenommen.“

Zwar lebten in Bayern im bundesweiten Vergleich „nur“ ein Bevölkerungsanteil von 5,2 Prozent von der Grundsicherung – bundesweit waren es laut statistischem Bundesamt knapp 10 Prozent. Besonders betroffen, so Bammessel, seien aber erneut die Kinder. Der Anteil der von Armut betroffenen Kinder wird mit bis zu 19 Prozent angegeben. Es mache ihm Sorge, dass „trotz der guten konjunkturellen Entwicklung in Deutschland die Zahl derer wächst, die auf staatliche Transferleistungen angewiesen sind.“

 

Denn wer arm sei, so Bammessel, dem fehlten nicht nur materielle Güter oder die Möglichkeit, sich ausgewogen und gesund zu ernähren. „Das größte Problem ist die fehlende Möglichkeit, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, und das Gefühl, das sich daraus ergibt, nämlich abgehängt und vergessen zu sein.“ Die politischen Folgen dieser Entwicklung seien momentan nicht nur in Deutschland deutlich spürbar.

 

Bammessel warnt zudem insbesondere vor der drohenden Altersarmut und dem „Armutsrisiko Pflege“. Eine längere Zeit der Pflegebedürftigkeit koste Geld, und dafür bräuchte es neben der Pflegeversicherung natürlich auch eine entsprechende Eigenvorsorge. „Nur – um hier vorzusorgen, muss der Lohn hoch genug sein.“ Doch wie, so Bammessel, sollten Geringverdiener privat für die Zukunft vorsorgen, wenn das Geld schon kaum für die Gegenwart reiche? Erneut fordert er darum eine „Reform der Reform“ der gesetzlichen Pflegeversicherung. „Wir haben in den letzten Jahren sicherlich einige Verbesserungen erlebt. Das Armutsrisiko, das mit einer längeren Pflegebedürftigkeit verbunden ist, besteht jedoch weiterhin.“ Die Erhöhung der Beiträge um einen halben Prozentpunkt, die Anfang des Jahres in Kraft getreten ist, reicht Bammessel zufolge gerade einmal aus, um den jetzigen Status quo in der Pflege aufrechtzuerhalten: „Von einer wirklichen Verbesserung sind wir nach wie vor weit entfernt.“

 

Das „Alexandersbader Gespräch“ mit Pfarrer Michael Bammessel, dem Präsidenten  des Diakonischen Werkes Bayern, findet statt am Samstag, 03. Dezember 2016 von 10.00 bis 13.00 Uhr, und zwar im Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum Bad Alexandersbad, Markgrafenstr. 34, 95680 Bad Alexandersbad

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Daniel Wagner Pressesprecher