Suche

„Wohnen ist ein Menschenrecht – Armut sichtbar machen.“

Diakoniespitzen besuchen Wärmestube in Nürnberg

Nürnberg, 21.07.25 Im Rahmen seiner Sommerreise unter dem Motto „Armut sichtbar machen“ hat Rüdiger Schuch, Präsident der Diakonie Deutschland, heute gemeinsam mit Dr. Sabine Weingärtner, Präsidentin der Diakonie Bayern, die ökumenische Wärmestube in Nürnberg besucht. Die Einrichtung bietet nicht nur eine warme Mahlzeit und einen geschützten Ort, sondern auch Perspektiven für Menschen in besonders schwierigen Lebenslagen.

„Armut in Bayern – das klingt für viele wie ein Widerspruch“, so Rüdiger Schuch. „Doch auch im wirtschaftlich starken Freistaat ist Armut bittere Realität, gerade für Alleinerziehende, junge Erwachsene und Rentnerinnen. Besonders in den Städten steigen Mieten und Lebenshaltungskosten schneller als Einkommen und Sozialleistungen. Wer heute seine Wohnung verliert, steht schnell am Rand der Gesellschaft.“ Für Schuch ist klar: „Wohnen ist längst zu einer der zentralen sozialen Fragen unserer Zeit geworden. Die Wärmestube in Nürnberg zeigt beispielhaft, wie niederschwellige Hilfe gelingen kann.“

Auch Dr. Sabine Weingärtner, Präsidentin der Diakonie Bayern, machte nach ihrem Besuch deutlich, wie groß die Herausforderung auch im Freistaat sind: „Mehr als 45.000 Menschen in Bayern leben aktuell in Notunterkünften oder Übergangswohnheimen, viele davon sind Familien mit Kindern. Das sind nicht mehr nur die sprichwörtlich ‚Abgehängten‘ – es trifft zunehmend auch Menschen aus der Mitte der Gesellschaft.“

Ein Viertel der Betroffenen sei minderjährig, betont Weingärtner – eine, wie sie sagte, „stille Katastrophe“. „Es ist nicht hinnehmbar, dass in einem reichen Land wie Bayern über 10.000 Kinder ohne stabiles Zuhause aufwachsen. Sie verlieren nicht nur ihr Kinderzimmer, sondern oft auch ihre Bildungs- und Teilhabechancen.“

Die Diakonie sieht die Politik darum in der Pflicht, strukturelle Antworten zu geben, und mahnt die Politik, neben den beiden viel diskutierten Säulen innere sowie äußere Sicherheit, die dritte Säule „Soziale Sicherheit“ nicht zu vergessen. Rüdiger Schuch: „Wir brauchen dringend eine soziale Infrastruktur, die Armut wirksam bekämpft – dazu zählen gezielte Unterstützungsangebote und eine soziale Wohnungsbauoffensive. Soziale Sicherheit ist kein Luxus, sondern Grundvoraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt.“ Es dürfe – etwa im Zusammenhang mit dem Bürgergeld – keine Diskussionen geben, in denen Menschen abgewertet und stigmatisiert würden. „Gerade Menschen in prekären Lebenssituationen brauchen Vertrauen in die Gesellschaft.“

Diakoniepräsidentin Weingärtner fordert ein entschiedenes Umdenken in der Wohnungspolitik: „Es gibt in Bayern mehr Wohnungslose als die Stadt Passau Einwohner hat.“ Der Markt alleine werde dies nicht lösen. Weingärtner: „Wir brauchen mehr öffentlich geförderten Wohnungsbau, aber auch neue Konzepte wie Housing First, die auf stabile Wohnverhältnisse als Grundlage für alle weiteren Hilfen setzen. Bayern braucht eine flächendeckende, soziale Wohnungspolitik – und keine Notlösungen auf Dauer.“

Beide betonen, dass Wohnen ein Menschenrecht sei und dessen Durchsetzung eine politische Aufgabe ersten Ranges. „Was Menschen in Einrichtungen wie der Wärmestube suchen, ist nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern ein Platz in der Gesellschaft“, so Schuch. Und Weingärtner ergänzt: „Wohnen bedeutet mehr als vier Wände. Es ist Voraussetzung für Würde, Teilhabe und Zukunft – und damit auch für eine funktionierende Demokratie.“

Ihr Kontakt

Daniel Wagner Pressesprecher