Macht Gefängnis Sinn? Diakonie Bayern für verantwortungsbewusste Kriminalpolitik

Nürnberg/Tutzing, 2. Februar 2015 Weniger Gefängnisstrafen und stattdessen gemeinnützige Tätigkeit sowie eine bessere Gestaltung des Übergangs von der Haft in die Freiheit – so lauten die Forderungen, die die Diakonie Bayern gemeinsam mit Experten heute auf einer Tagung in Tutzing formuliert hat. „Der Strafvollzug kostet den Freistaat jährlich 370 Millionen Euro. Ohne Übergangsmanagement grenzt das an Geldverschwendung“, fasst der Präsident der Diakonie Bayern, Michael Bammessel, die Ergebnisse zusammen.

Die Mittel, die in den Strafvollzug investiert werden, zahlen sich nach Ansicht der Diakonie nur dann aus, wenn bereits während der Haft der Übergang in die Freiheit und die (Re-)Integration in den sozialen Empfangsraum vorbereitet werde. Bammessel: „Ein verbessertes Übergangsmanagement würde ein Prozent der jährlichen Investitionen in den Strafvollzug kosten.“ Die Summe von 3,7 Millionen Euro würde den Aufbau eines flächendeckenden Übergangsmanagements mit Koordination und Fallmanagement während und nach der Haft in allen bayerischen Justizvollzugsanstalten bzw. an deren Standorten ermöglichen.

Kritik äußerte Bammessel auch an der hohen Zahl kurzer Freiheitsstrafen: „Obwohl es hier gesetzliche Vorgaben gibt, sitzt etwa die Hälfte aller Gefangenen im Freistaat ein Jahr oder kürzer im Gefängnis. Für die gesellschaftliche Wiedereingliederung, die ja ein Ziel des Strafvollzuges ist, kann in dieser Zeit kaum etwas getan werden. Ambulante Sanktionsformen seien hier eine sinnvolle Alternative. Bammessel plädierte insbesondere für gemeinnützige Arbeit, Schadenswiedergutmachung, oder den Täter-Opfer-Ausgleich (TOA).

Bammessel plädierte weiterhin  für eine möglichst frühzeitige Entlassung aus dem Strafvollzug. „Jeder Tag in einer Strafvollzugsanstalt verursacht nicht nur Kosten in Höhe von rund 100 Euro am Tag. Er verschlechtert auch die Aussichten für das anschließende Leben in Freiheit.“ Bammessel forderte darum, die Entlassungsvorbereitung so zu optimieren, dass der Freiheitsentzug tatsächlich nur „so kurz wie möglich“ ausfällt. Bammessel zufolge wird der hohe Wert einer möglichst frühzeitigen bedingten Entlassung gegenüber einer vollen Strafverbüßung durch empirische Untersuchungen gestützt. „Zu ihrer Realisierung bedarf es allerdings eines intelligenten Übergangsmanagements, in das die Bewährungs- und Straffälligenhilfe frühzeitig integriert werden.“

Die Tagung in Tutzing war eine gemeinsame Veranstaltung vom Fachverband Evangelische Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe in Bayern und der Evangelischen Gefängnisseelsorge in Bayern.

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Daniel Wagner Pressesprecher