Gute Pflege geht alle an - gute Pflege braucht Zeit! Augsburger Erklärung zur Pflege

Nürnberg, 19.07.2013 Gemeinsam haben die Augsburger Wohlfahrtsverbände sowie andere Aktuere der Pflege, darunter auch der Bundesverband der privaten Anbieter (bpa), heute die "Augsburger Erklärung zur Pflege" verabschiedet. Darin fordern sie den gesellschaftlichen Konsens, für die Pflege mehr Mittel zur Verfügung zu stellen: "Jeder ist gefordert sich zu entscheiden, was ihm die Pflege wert ist; und jeder ist davon heute oder später direkt oder indirekt betroffen – gute Pflege geht eben alle an!"

Im Anschluss finden Sie die Erklärung im Wortlaut.

 

Augsburger Erklärung zur Pflege

 

Gute Pflege geht alle an -

gute Pflege braucht Zeit!

 

Wir sehen mit Sorge, dass sich die Situation in der Pflege immer weiter verschärft. Der beschleunigte demographische Wandel, die stetig wachsenden Anforderungen durch die zunehmende Zahl dementiell Erkrankter und der sich zuspitzende Fachkräftemangel sind eindeutige Alarmzeichen. Bereits bis 2020 wird die Zahl von 2,5 Millionen Pflegebedürftigen auf knapp 3 Millionen ansteigen – dann fehlen voraussichtlich 200.000 Pflegekräfte!

 

Schon heute geraten die Pflegenden, sowohl pflegende Angehörige als auch Pflegende in ambulanten und stationären Einrichtungen, ständig an ihre Grenzen. Sie engagieren sich für die ihnen anvertrauten Pflegebedürftigen, bringen sich oft mit ihrer ganzen Person ein und müssen doch immer wieder feststellen, dass sie den Pflegebedürftigen nicht ausreichend gerecht werden, dass ihnen die Ressourcen und die Zeit fehlen und sie auf Dauer die unzulänglichen Bedingungen in der Pflege nicht kompensieren können.

 

Zugleich müssen wir feststellen, dass diese Situation in der Öffentlichkeit und bei den Verantwortlichen in der Politik eigentlich hinlänglich bekannt ist, weswegen man nicht müde wird, die Pflegenden für ihren Einsatz zu loben – aber außer guten Worten und einigen kosmetischen Korrekturen passiert wenig<s>!</s>

 

Die Augsburger Träger der Altenhilfe wollen nicht warten, bis dieses System kollabiert. Jeden Tag sind wir mit den Nöten der Pflegebedürftigen und der Pflegenden konfrontiert – so kann und darf es nicht weiter gehen!

 

Wir setzen uns daher gemeinsam für eine andere Prioritätensetzung in dieser Gesellschaft ein:

 

-      Wir brauchen eine Pflege, die die Würde des Menschen achtet und ihn nicht nach Zeitkorridoren bemisst.

-      Wir brauchen Raum für eine individuelle Pflege und Zuwendung anstatt Standardisierung und ständig wachsender Bürokratisierung.

-      Wir brauchen ein Verständnis von Pflegebedürftigkeit, das diese nicht als individuelles Schicksal abtut, sondern als Herausforderung an die generationenverbindende Solidarität versteht!

 

Für uns bemisst sich die Güte einer Gesellschaft daran, wie sie mit den schwächsten Mitgliedern umgeht und welche Mittel sie dafür zur Verfügung stellt!

 

Wir haben daher folgende Forderungen:

 

-      Die Definition von Pflegebedürftigkeit und in der Folge die nötigen Leistungen müssen sich an der notwendigen Unterstützung orientieren, nicht an finanziellen Vorgaben.

-      Der ständig wachsenden Bürokratie und Kontrolle muss Einhalt geboten werden, um mehr Zeit für die direkte Pflege und Zuwendung zu haben.

-      Um die Pflege attraktiver zu machen, muss die Ausbildung von finanziellen Zwängen frei gestellt und die Vergütung der Pflegenden angehoben werden.

-      Für eine würdevolle Pflege muss deutlich mehr Zeit zur Verfügung stehen - wir brauchen eine deutliche Anhebung der personellen Mittel in der ambulanten und stationären Pflege.

 

Wir brauchen den gesellschaftlichen Konsens, für die Pflege mehr Mittel zur Verfügung zu stellen. Jeder ist gefordert sich zu entscheiden, was ihm die Pflege wert ist; und jeder ist davon heute oder später direkt oder indirekt betroffen – gute Pflege geht eben alle an!

 

 

Wir fordern daher alle Augsburger Verbände, Parteien und Institutionen, aber auch alle Bürgerinnen und Bürger auf, sich unserer Initiative anzuschließen und sich für eine gute Pflege einzusetzen; damit dies keine einmalige Aktion bleibt, sondern Politik und Kostenträger dazu veranlasst, die Rahmenbedingungen für eine gute Pflege deutlich zu verbessern!

 

Augsburg, den 19.07.2013

 

 

Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Augsburg Stadt

Bayerisches Rotes Kreuz, Kreisverband Augsburg-Stadt

Caritasverband für die Diözese Augsburg e. V. und der
CAB Caritas Augsburg Betriebsträger gGmbH

Casa Reha Augsburg

Diakonisches Werk Augsburg e.V.

Evangelische Diakonissenanstalt Augsburg

Hans-Weinberger-Akademie der AWO e.V.

Paritätischer Wohlfahrtsverband, Bezirksverband Schwaben

Stadt Augsburg Eigenbetrieb Altenhilfe

bpa – Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V.
Landesgeschäftsstelle Bayern

Ihr Kontakt

Daniel Wagner Pressesprecher