Nürnberg, 10. März 2026 Fast jede zweite Frau erfährt im Laufe ihres Lebens psychische Gewalt in der Partnerschaft, bei den Männern sind es 40 Prozent. Und – über 16 Prozent aller Frauen in Deutschland sind von körperlicher Gewalt betroffen. „Gewalt in Partnerschaften geschieht nicht irgendwo, sondern mitten unter uns. Sie darf kein privates Schicksal bleiben, über das geschwiegen wird“, erklärt Dr. Sabine Weingärtner, Präsidentin der Diakonie Bayern, angesichts dieser Zahlen. Unter dem Motto „Hilfe bei häuslicher Gewalt. Für ein sicheres Zuhause“ ruft die Diakonie Bayern darum vom 16. bis 22. März 2026 zu Spenden zugunsten entsprechender Hilfs- und Beratungsangebote auf.
Wie groß das Ausmaß häuslicher Gewalt ist, zeigt die jüngst veröffentlichte bundesweite Dunkelfeldstudie „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag“ (LeSuBiA) des Bundesfamilienministeriums. Demnach bleiben bei psychischer und körperlicher Gewalt in (Ex-)Partnerschaften rund 95 Prozent der Fälle im Dunkeln; weniger als fünf Prozent werden angezeigt. Von häuslicher Gewalt besonders betroffen sind Frauen, junge Menschen, Menschen mit Migrationsgeschichte sowie queere Personen. „Die Zahlen machen deutlich, wie groß die Lücke zwischen erlebter Gewalt und öffentlicher Wahrnehmung ist“, so Weingärtner. „Wer Gewalt erlebt, braucht Schutz – und ein Umfeld, das hinsieht statt wegschaut.“
Die Diakonie Bayern bietet Betroffenen in ganz Bayern konkrete Hilfe. In Frauenhäusern finden Frauen und ihre Kinder Schutz und eine sichere Unterkunft. Fachberatungsstellen und Interventionsstellen unterstützen bei rechtlichen Fragen, begleiten zu Behörden und Gerichten und helfen dabei, neue Perspektiven zu entwickeln. „Unsere Erfahrung zeigt: Der erste Schritt ist oft der schwerste. Deshalb setzen wir auf niedrigschwellige, vertrauliche und professionelle Beratung“, betont Weingärtner.
Doch der Bedarf wächst; bundesweit fehlen tausende Schutzplätze. Das im Februar 2025 verabschiedete Gewalthilfegesetz sieht zwar einen schrittweisen Ausbau der Hilfestrukturen vor, einen Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung soll es aber erst ab 2032 geben. „Das ist spät, aber dennoch ein wichtiger Schritt. Entscheidend wird dann sein, dass die Angebote vor Ort tatsächlich gestärkt und dauerhaft finanziert werden“, so Weingärtner.
Mit dem Programm „Second Stage“ begleitet die Diakonie Bayern bereits heute betroffene Frauen und Kinder beim Übergang in ein eigenständiges Leben nach dem Aufenthalt im Frauenhaus – etwa bei der Wohnungssuche oder beim Aufbau stabiler Alltagsstrukturen. „Gewalt hinterlässt Spuren. Es geht nicht nur um Schutz für eine Nacht, sondern um langfristige Stabilität und neue Sicherheit“, sagt Weingärtner.
Mit den Erlösen der Frühjahrssammlung unterstützt die Diakonie Bayern unter anderem ihre Beratungs- und Schutzangebote im Freistaat. Die Spenden können dazu beitragen, Frauen und Kindern in akuten Krisen Schutz zu bieten und sie auf dem Weg in ein gewaltfreies Leben zu begleiten.
In Bayern hält die Diakonie dafür ein eigenes Netz an Hilfen vor: drei Frauenhäuser, dazu vier Fachberatungsstellen, eine Fachberatungsstelle für sexualisierte Gewalt, zwei Frauennotrufe sowie drei Interventionsstellen und zwei „Second-Stage“-Projekte zur Begleitung nach dem Frauenhausaufenthalt. Ergänzend kommen vier Fachstellen der Täter:innenarbeit hinzu.
Spendenkonto
Diakonisches Werk Bayern e.V.
IBAN: DE20 5206 0410 0005 2222 22
BIC: GENODEF1EK1
Stichwort: Spende Diakonie F26