Die Quotenverteilung allein kann das Flüchtlingsproblem nicht lösen

Dr. Tobias Mähner, Vorstandsmitglied des DWB, spricht sich für mehr Unterstützung der Erstaufnahmeländer aus.

Nürnberg, 8.9.2015 Die Europäische Kommission wird in dieser Woche einen Vorschlag für eine verpflichtende Quotenverteilung von Flüchtlingen in Europa vorlegen. „Für eine faire Lastenverteilung in Europa reicht es allerdings nicht aus, nur Aufnahmequoten festzulegen. Die Erstaufnahmeländer in Europa müssen in die Lage versetzt werden, Flüchtlinge dauerhaft aufzunehmen und deren Existenzminimum zu gewährleisten,“soDr. Tobias Mähner, Vorstandsmitglied des Diakonischen Werkes Bayern.

Die Erstaufnahmeländer Griechenland und Italien können den Zustrom an Flüchtlingen aus eigener Hilfe nicht bewältigen. In Griechenland kamen in den ersten sieben Monaten dieses Jahres über 120.000 Flüchtlinge an. Die Europäische Kommission unterstützt die Einrichtung eines einzelnen Aufnahme- und Registrierungszentrums bei Athen. Diese Maßnahme allein reicht jedoch nicht aus, um die Flüchtlinge angemessen versorgen zu können. Es fehlt an Unterkünften, Nahrungsmitteln und einer medizinischen Basisversorgung.

In Italien gibt es zu wenige Plätze in den Aufnahmezentren. Der Aufenthalt dort ist zeitlich begrenzt, so dass viele Flüchtlinge in besetzten Häusern, Zelten oder provisorischen Hütten leben. Allein in Rom wird die Zahl der obdachlosen Flüchtlinge auf mehrere tausend Personen geschätzt. Wer die Aufnahmezentren verlassen muss, ist auf sich selbst gestellt und auf die Unterstützung von kirchlichen und privaten Hilfsorganisationen angewiesen.

„Die Binnenwanderung von Flüchtlingen in Europa von Süden nach Norden wird auch nach einer Quotenverteilung nicht enden, wenn in den Ländern des Südens das Existenzminimum der Flüchtlinge nicht gewährleistet wird“, so Mähner. „Viele europäische Mitgliedsstaaten benötigen die finanzielle Unterstützung der Europäischen Kommission, um die große Zahl der Flüchtlinge angemessen und für einen längeren Zeitraum versorgen zu können. Daher sind finanzielle Hilfen insbesondere für die europäischen Erstaufnahmeländer erforderlich, damit diese die notwendige Versorgung der Flüchtlinge leisten können. Dies sollte auch für die anerkannten Flüchtlinge nach dem Asylverfahren gelten.“

Viele der neu ankommenden Flüchtlinge haben Familienangehörige und Verwandte in europäischen Ländern. Sie wollen aus nachvollziehbaren Gründen zu ihren Angehörigen. „Es würde die Integration erleichtern“, so Mähner, „wenn diejenigen, die bereits länger hier leben, den Neuankömmlingen beim Start in der neuen Umgebung helfen. Humanitäre Kriterien wie Verwandtschaftsbeziehungen sollten bei der geplanten europaweiten Quotenverteilung berücksichtigt werden.“

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Daniel Wagner Pressesprecher