Diakonie gegen Pflege-Pläne der EU

Nürnberg, 15. Januar 2012 Gegen eine Verschärfung der Zugangsvoraussetzungen für eine Ausbildung in der Pflege hat sich jetzt die Diakonie in Bayern ausgesprochen. Im Rahmen eines Festaktes zum hundertjährigen Jubiläum des Diakonievereins St. Jobst in Nürnberg erteilte der bayerische Diakoniepräsident Michael Bammessel entsprechenden EU-Plänen eine Absage.

„Im Gegensatz zur EU-Kommission ist die Diakonie der Auffassung¬¬, dass der Zugang zu qualifizierten Pflegeberufen weiterhin auch mit einem Real- oder Mittel- bzw. Hauptschulabschluss möglich sein sollte. Eine zwölfjährige Schulausbildung zur Voraussetzung zu machen ist kein Garant für Qualität – dafür aber ein Garant für die Verschärfung einer ohnehin kritischen Ausbildungssituation.“ In der Pflege würden in den kommenden Jahren zehntausende von Mitarbeitenden benötigt werden. Ihnen dürfe der Zugang zu einer Pflegeausbildung nicht durch zu hohe Anforderungen erschwert werden. „Die Qualität der Pflege hängt nicht primär vom Schulabschluss ab.“ Neben den persönlichen Fähigkeiten der Betreffenden komme es insbesondere auf die Qualität der Ausbildung selbst sowie der Rahmenbedingungen an.

 

„Es gibt zu Recht die unterschiedlichsten Zugangswege zu den Pflegeberufen – je nach Neigung und persönlicher Voraussetzung. Bereits heute ist es möglich, mit dem Abitur eine Ausbildung in der Pflege zu machen oder auch ein entsprechendes Studium zu absolvieren.“ Die Diakonie trete darum dafür ein, dass alle geeigneten Bewerber auch in Zukunft einen Zugang zu den pflegerischen Berufen bekommen.

Die EU-Kommission hat die veränderte Berufsanerkennungsrichtlinie zum Jahreswechsel dem Europäischen Parlament vorgelegt. Nach bisheriger Planung soll sie noch im Laufe des Jahres 2012 beschlossen werden. Die Kommission begründet die geplanten Änderungen mit einer europaweiten Angleichung der Zugangsvoraussetzung zu Pflegeberufen. 24 Länder in der Europäischen Union setzen mittlerweile das Abitur oder einen gleichwertigen Schulabschluss für eine Ausbildung in einem Pflegeberuf voraus.

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Daniel Wagner Pressesprecher