Bayern ist ein Zufluchtsland. Diakonie Bayern plädiert für Neuorientierung in der Flüchtlingspolitik

Nürnberg, 15. Oktober 2014 Für eine Neuorientierung in der Flüchtlingspolitik hat jetzt die Mitgliederversammlung der Diakonie Bayern in Nürnberg plädiert. Sie nimmt damit Stellung zu den akuten Problemen im Freistaat und formuliert klare Erwartungen sowohl an die Politik als auch an die Gesellschaft. „Die aktuelle Situation ist von politischer Hilflosigkeit einerseits, aber auch von großem bürgerschaftlichem Engagement andererseits geprägt. Neben schnellen Lösungen für die kommenden Wochen und Monate brauchen wir jedoch auch langfristige Handlungsoptionen“, so Michael Bammessel, Präsident der Diakonie Bayern.

Die Diakonie erlebe einerseits eine große Welle der Hilfsbereitschaft und der Solidarität mit den Flüchtlingen. „Viele Menschen haben nicht vergessen, dass sie einst selbst als Flüchtlinge im Freistaat Zuflucht gefunden haben, und dass Solidarität mit Flüchtlingen eine Gesellschaft auszeichnet.“

 

Gleichzeitig aber seit das politische Handeln von Hilflosigkeit und taktischen Manövern geprägt. „Auf Ebene der Staatsregierung haben wir in den letzten Wochen und Monaten eine Politik der großen Ankündigungen, aber der fehlenden Umsetzungskraft erlebt.“ Hinzu kämen mancherorts Lokalpolitiker, die mit fadenscheinigen Begründungen verhindern würden, dass in ihrem jeweiligen Orte Flüchtlinge untergebracht würden.

 

In dem von den Mitgliedern der Diakonie Bayern einstimmig verabschiedeten Papier fordert der zweitgrößte bayerische Wohlfahrtsverband darum jetzt, den Freistaat endlich als Zufluchtsland anzuerkennen. Im Papier heißt es unter anderem; „Bayern kann keine isolierte Insel sein, die sich die Probleme anderer Völker so weit wie möglich vom Leib hält und nur notgedrungen ein humanitäres Pflichtsoll erfüllt.“ Es nütze nichts, die Augen vor der Dimension der Herausforderung zu verschließen, nur halbherzig und kurzfristig auf die jeweils dringendsten Notlagen zu reagieren oder sich der Illusion hinzugeben, die Lage würde sich bald ändern. „Bayern und seine zivilgesellschaftlichen Kräfte haben genügend Ressourcen und Ideen, um auch einer größeren Zahl von Neuankömmlingen einen guten Start und eine gelingende Integration zu ermöglichen.“

 

Besonders auf lange Sicht bräuchte es eine neue Haltung gegenüber Flüchtlingen. In ihrem Plädoyer fordern die Mitglieder der Diakonie Bayern, Flüchtlinge zugleich als Hoffnungsträger zu sehen, nämlich „als Menschen mit Fähigkeiten und dem Erfahrungsschatz anderer Kulturen, die das Leben in unserem Land bereichern und ihren Beitrag für die Gesellschaft von morgen, für einen ausgewogenen Altersaufbau und gegen den drohenden Fachkräftemangel leisten können.“ Dies erfordere von der Politik vorausschauendes Handeln und auch erhebliche Finanzmittel in vielen Bereichen – von den Kindertagesstätten bis zur Berufsausbildung, von der Gesundheitsversorgung bis zum Wohnungsmarkt. Weiter heißt es: „Diese Mittel sind zugleich Investitionen in die Zukunft unseres Landes.“

 

Die Mitgliederversammlung der Diakonie Bayern kommt einmal jährlich in Nürnberg zusammen. Sie vertritt über 1.300 Mitglieder mit über 83.000 Mitarbeitenden im ganzen Freistaat.

 

­Das vollständige Papier finden Sie hier.

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Daniel Wagner Pressesprecher