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Armut wächst auch in Bayern - die Politik darf das nicht beschönigen.

Diakonie fordert Armuts- und Reichtumsbericht für den Freistaat

Nürnberg, 11.02.2026 „Wenn in Bayern inzwischen 1,6 Millionen Menschen von Armut bedroht sind, dann ist das kein statistisches Detail, sondern ein sozialpolitischer Notfall“, erklärt Dr. Sabine Weingärtner, Präsidentin der Diakonie Bayern. „Armut wächst auch in einem reichen Bundesland – und sie wird viel zu lange kleingeredet.“ Die Diakonie Bayern fordert darum die Erstellung eines eigenständigen, regelmäßig fortgeschriebenen Armuts- und Reichtumsberichts für den Freistaat. Der von der Staatsregierung für den Herbst angekündigte „Bericht zur sozialen Lage in Bayern“ reiche in seiner bisherigen Form nicht aus. „Für passgenaue Angebote brauchen wir eine solide Datenbasis.“

Zwar liegen die bayerischen Armutsquoten unter dem bundesweiten Durchschnitt. Aber: Nach aktuellen Daten des Bayerischen Landesamts für Statistik gelten im reichen Bayern rund 1,6 Millionen Menschen als armutsgefährdet. Das entspricht 12,4 Prozent der Bevölkerung, ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 0,6 Prozent. 

„Armut bedeutet, dauerhaft unter finanziellem Druck zu stehen und auf notwendige Dinge verzichten zu müssen“, betont Weingärtner. „Wer seine Wohnung kaum noch bezahlen kann oder beim Essen sparen muss, ist faktisch von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen.“

Besonders betroffen sind Alleinlebende: Fast 28 Prozent – rund 721.000 Menschen - von ihnen leben an oder unter der Armutsgrenze. Sie liegt in diesem Fall bei einem monatlichen Nettoeinkommen von 1.446 Euro. Auch Alleinerziehende und ihre Kinder tragen ein deutlich erhöhtes Armutsrisiko. Ihre Armutsgefährdungsquote liegt bei 24 Prozent; die Schwelle für Alleinerziehende mit einem Kind unter 14 Jahren liegt bei 1879 Euro netto pro Monat.

Armut zeige sich jedoch nicht nur im Einkommen, sondern zunehmend im Alltag – beim Wohnen, bei der Ernährung, bei Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe. „Dass fast jeder dritte Alleinlebende in Bayern kaum über die Runden kommt, ist ein Alarmsignal“, so Weingärtner. „Alleinerziehende kämpfen zusätzlich mit steigenden Lebenshaltungskosten, fehlender Absicherung und strukturellen Nachteilen. Das ist kein individuelles Versagen, sondern ein politisches Versäumnis.“

Der bisherige Sozialbericht des Freistaats greift darum aus Sicht der Diakonie Bayern zu kurz. Er erscheine zu selten – der letzte stammt aus dem Jahr 2022 - , arbeite teilweise mit veralteten Daten und blende zentrale Fragen zu Vermögensverteilung, Lebenslagen und sozialer Ungleichheit aus. Ein Armuts- und Reichtumsbericht für Bayern müsse sich vielmehr am Vorbild des gleichnamigen Berichts der Bundesregierung orientieren und eine ehrliche Bestandsaufnahme liefern. Das sei die Voraussetzung für passgenaue Angebote – der Politik und der sozialen Träger im Freistaat: „Nur wer genau weiß, wo der Schuh drückt, kann gezielt und effektiv Abhilfe schaffen.“

Bayern brauche Klarheit darüber, wer zurückbleibe und wer profitiere, fordert Weingärtner auch angesichts der anhaltenden Debatten um eine Reform des Sozialstaats: „Armut ist kein Naturgesetz. Sie ist auch das Ergebnis politischer Entscheidungen.“

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Daniel Wagner Pressesprecher