Zum Inhalt springen

Der Gender Gap und die Folgen...

... zeigt dieses kurze Video. Inspiriert von Bob Dylan, macht es deutlich, wie gravierend die Folgen des Lohnunterschiedes zwischen Mann und Frau in Deutschland sind. 21 Prozent - so groß ist die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern. Die Folge ist nicht selten Altersarmut.

Vier Frauen erzählen ihre Geschichte ...

Schildern Sie Ihren Lebensweg
Ich bin Angestellte, 56 Jahre alt, seit zwei Jahren verwitwet und kinderlos.

Ausgebildet bin ich zur Hotelfachfrau und  habe auch anfangs im Hotel- und Gaststättengewerbe gearbeitet, vorwiegend in der Rezeption. Danach war ich von kurzen Unterbrechungen, auch Arbeitslosigkeit fiel darunter, bis heute im Werkschutz tätig. Für meine  Firma arbeite ich bei einer Auftragsfirma und dort wiederum im Empfang.

Wäre ich im Hotelgewerbe geblieben, dann hätte ich mich weiterbilden und ins Ausland gehen müssen. Auch wollte ich meinem Mann zuliebe eine geregelte Arbeitszeit. Denn ich habe ihn viel unterstützt in seiner Arbeit und mit meinem Geld. So bin ich zu einem Dienstleister gegangen. An einer Karriere war ich nicht interessiert. Ich habe eine halbe Stelle und mache mit einer Kollegin Jobsharing. Diese Arbeit tue ich gerne und ich bin gerne gesehen. Die Tätigkeit ist bequem und schön. Ich gehe nach der Harmonie. Ob ich so viel verdiene wie Männer in vergleichbaren Tätigkeiten, weiß ich nicht.

 
Schildern Sie, ob Sie das Thema Altersarmut betrifft oder beunruhigt
Über die Rente denke ich am liebsten nicht nach. Mein Mann war selbständig und von ihm bekomme ich eine Witwenrente, die weniger als geringfügig ist. Ich muss mit einer kleinen Rente rechnen, deshalb gehe ich davon aus, über das Rentenalter hinaus zu arbeiten. Auch habe ich jetzt angefangen, Nebenjobs anzunehmen, um die Rente aufzustocken.

 
Falls Sie konkrete Verbesserungsvorschläge zum Thema Altersarmut haben, können Sie diese hier festhalten
Lernen!

Ausbildung, Berufswahl und Weiterbildung, das ist wichtig.

Schildern Sie Ihren Lebensweg
Ich bin eines von 12 Kindern. Nach der Grundschule habe ich im Haushalt gearbeitet und  nebenbei meine mittlere Reife gemacht. Ich wurde als Textiltechnikerin angelernt, ging dann ins Ausland und war auch dort  im Haushalt tätig. Bei einem Heimataufenthalt lernte ich meinen Mann kennen, wir heirateten und mit knapp 20 Jahren bekam ich mein erstes Kind. Solange die Tochter klein und es keine Betreuungsmöglichkeit gab, habe ich nebenbei gearbeitet, abends bedient und  am Wochenende verkauft und geputzt. Als das Kind in den Kindergarten konnte, fand ich eine  Beschäftigung in einer bekannten Lampenschirmfabrik bis zur Geburt der zweiten Tochter.  Danach  arbeitete ich mit einer halben Stelle in der Buchhaltung meines  Mannes, der selbständig war, und gleichzeitig  hatte ich noch Nebenbeschäftigungen.  Die jüngere Tochter war sechs Jahre alt war, als ich mich scheiden ließ und von der Kleinstadt in eine Großstadt zog, um bessere Anstellungsbedingungen zu finden. Anfangs arbeitslos, konnte ich bald eine  Ausbildung zur Bürokauffrau machen, wurde auch  in einer Firma angestellt, doch wegen schlechter Auftragslage nicht übernommen.  Zunächst wieder arbeitslos, fand ich schließlich eine Halbtagsstelle, in der ich bis heute –und jetzt  kurz vor der Rente –tätig bin.

Schildern Sie, ob Sie das Thema Altersarmut betrifft oder beunruhigt
Es wird knapp! Ich habe aber das Sparen gelernt.

Meine Rente mit Zusatzversorgung wird noch nicht einmal 200 € über meiner jetzigen Miete liegen, und davon bekommt mein  EX – Mann auch noch einen kleinen Anteil. Eine private Vorsorge habe ich mir nicht leisten können.  Ich habe noch nie staatliche Unterstützung in Anspruch genommen, im Gegenteil, ich habe auch die Studiengebühren und die Bildungsausgaben meiner Tochter finanziert.

Doch wenn ich in Rente komme, dann werde ich über meinen Schatten springen und die Grundsicherung in Anspruch nehmen, denn ich habe meinen Beitrag geleistet:  Ich arbeite seit dem 14. Lebensjahr, und  bin jetzt seit gut 50 Jahren erwerbstätig . Über dieses Rentensystem bin ich schwer enttäuscht!

 
Falls Sie konkrete Verbesserungsvorschläge zum Thema Altersarmut haben, können Sie diese hier festhalten.
Die Kinderbetreuungsmöglichkeiten haben sich geändert; umso mehr ist die Mütterrente für die Mütter der vor 1992 geborenen Kinder ungerecht! Solange sich an den Gesetzen nichts ändert, wird die Rentenfrage nicht gelöst. Nicht nur die Mütterrente, die Politik ist ungerecht.

Man müsste auf die Straße gehen!

Schildern Sie Ihren Lebensweg
Ich bin über 50 Jahre alt. Nach der Mittleren Reife habe ich einen Fachschulabschluss in Hauswirtschaft abgeschlossen. Dann war ich 5 Jahre Vollzeit im Büro in der untersten Gehaltsstufe tätig. Als ich aus dem Elternhaus ausgezogen bin, habe ich direkt geheiratet und auch sehr bald zwei Kindern bekommen. Ich war über ein Jahrzehnt zuhause, während mein Mann bedingt durch den technischen Fortschritt eine berufsbegleitende 2. Ausbildung machte. Nach einem Umzug war ich als arbeitssuchend gemeldet  und habe einen halbjährigen PC-Kurs über das Arbeitsamt erhalten. Nach einem unbezahltem Praktikum von 4 Wochen, begann ich auf einem Minijob zu arbeiten, den ich nun seit ca. 2 Jahrzehnten ausübe. Ehrenamtlich bin ich als Elternbeirätin und Wahlhelferin engagiert sowie in einem kirchlichen Seniorenkreis. Vor etwa 7 Jahren machte ich eine Ausbildung zur ehrenamtlichen Alltagsbegleiterin. Seitdem bin ich flexibel im Einsatz und habe dadurch unregelmäßige Einkünfte. Ich bin freiwillig gesetzlich rentenversichert und nutze die vermögenswirksamen Leistungen wie auch die Riester-Rente.

Schildern Sie, ob Sie das Thema Altersarmut betrifft oder aber beunruhigt
Noch ist mein Mann berufstätig und auch unsere Kinder mit Familien sind noch nie arbeitslos gewesen, sodass wir – sparsam lebend – Rücklagen bilden konnten. Wir sind z. B. als Familie nur zweimal per Flugzeug im Urlaub gewesen. Beunruhigt bin ich durch die Tatsache, dass staatliche Leistungen zunehmend gekürzt werden könnten. Auch der Verbraucherschutz scheint mir mangelhaft bzgl. privater Altersvorsorgemöglichkeiten. Wer nicht vorsichtig agiert wird ungestraft über den Tisch gezogen. Sollte jemand aus meiner Familie pflegebedürftig werden, ist trotz aller Versicherungen die Gefahr groß, zu verarmen (z.B. durch Medikamentenzuzahlungen).

Falls Sie konkrete Verbesserungsvorschläge zum Thema Altersarmut haben, können Sie diese hier festhalten
Frauentypische Berufe müssen sehr viel besser bezahlt werden. Generell plädiere ich für eine 32 Stunden Arbeitswoche. Familienarbeit muss entsprechend honoriert werden. Ich bin auch für das Ehegattensplitting. Auch sollten Mädchen bereits in der Schule stärker dafür sensibilisiert werden, dass die Berufswahl immense Auswirkungen auf ihre Lebensbiographie haben kann (z.B. was den Rentenanspruch oder das Gehalt betrifft). Grundsätzlich sollten Frauen sich bei den Themen Verbraucherschutz und Sozialgesetzgebung auf dem Laufenden halten.

Schildern Sie Ihren Lebensweg
Ich bin knapp 60 Jahre alt. Seit meinem 14. Lebensjahr arbeite ich in versicherungspflichtigen Berufen und habe dadurch eine stattliche Anzahl an Rentenjahren erworben. Allerdings: Ich habe 15 Jahre lang pausiert – Familienzeit. Ich habe das gerne gemacht – meine Kinder betonen heute noch, wie wichtig es ihnen war, dass ich immer zu Hause war. Allerdings war es für mich auch klar, dass ich, sobald ich die Möglichkeit habe, wieder berufstätig werde. Während meiner Familienzeit war ich „hauptberufliche“ Ehrenamtliche. Immer unterwegs. Heute denke ich: Warum habe ich während dieser Zeit nicht wenigstens Teilzeit gearbeitet? Gut, mein Mann war immer unterwegs und ich musste für unsere Kinder zu Hause bleiben. Trotzdem. Irgendwann begann ich dann, mehrere Fernstudienkurse zu belegen, um für eine evtl. Berufstätigkeit gerüstet zu sein. Ich arbeitete freiberuflich in unterschiedlichen Bereichen – und machte mir dadurch einen Namen. Seit längerer Zeit habe ich auch eine Teilzeitarbeit – doch da reicht der Verdienst hinten und vorne nicht aus. Mittlerweile lebe ich von meinem Mann getrennt. Es war ein Wagnis zu gehen. Ich wusste nicht, was auf mich zukommt. Die Angst vor dem Thema „Altersarmut“ war und ist immer wieder präsent. Wenn ich meine Rentenbescheide anschaue, weiß ich jetzt schon, dass ich so lange wie möglich arbeiten werde und muss. Nach der Trennung bekam ich – bedingt durch meine freiberufliche Tätigkeit – ein Arbeitsangebot. Einfach so. Natürlich habe ich sofort zugegriffen. Immerhin kann ich so der Altersarmut vorbeugen. Ein bisschen auf jeden Fall.

 

Schildern Sie, ob Sie das Thema Altersarmut betrifft oder aber beunruhigt
Wie schon unter Punkt 1 geschildert, beunruhigt mich dies Thema. Ich werde vermutlich davon betroffen sein. Wie ich dagegen angehe – das ist mir ein Rätsel. Auf einen Lottogewinn kann ich nicht spekulieren – ich spiele auch nicht. Sparsamkeit ist angesagt – in vielen Bereichen. Und trotzdem geht es mir noch gut. Immer wieder einmal besuche ich die Tafel in einer nahegelegenen Gemeinde um zu helfen. Ich sehe Vieles – und möchte irgendwann nicht dazugehören. Aber vielleicht bleibt mir nichts anderes übrig?

 

Falls Sie konkrete Verbesserungsvorschläge zum Thema Altersarmut haben, können Sie diese hier festhalten
Für mich war der Punkt, dass ich mich auch auf meinen Mann verlassen habe. Allerdings war es durch seine Berufstätigkeit nicht möglich, in den ersten Jahren unserer Ehe zu arbeiten. Die Kinder brauchten einen festen Bezugspunkt – und in unserem Dorf gab es definitiv nichts. Ich habe das Beste daraus gemacht. Monatlich einen festen Betrag auf die Seite gelegt – das wird mit Sicherheit eine zusätzliche Hilfe sein, wenn ich in Rente gehe. Wichtig ist es mir auch, dass Frauen sich nicht mit den sog. Minijobs zufriedengeben. Das ist eine vielleicht kurzfristige Überbrückung. Langfristig ist die Frau auf der Verliererseite.

Ihr Kontakt

Titel
Angebote für Alleinerziehende und Frauen
Name
Barbara Christian
Einrichtung
Diakonisches Werk Bayern e.V.
Strasse
Postfach 120320
PLZ
90332 Nürnberg
Tel.
Mobil
Fax
Web
Visitenkarte