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Hier kommst Du an - Jahresthema der Diakonie Bayern

JAHRESTHEMA 2017/2018 - GESCHICHTEN DES ANKOMMENS BEI DER BAYERISCHEN DIAKONIE

Die Evangelische Jugendsozialarbeit (EJSA)

Für junge Menschen ist es nicht immer einfach, beruflich Fuß zu fassen. Das gilt umso mehr für Jugendliche, die sozial benachteiligt sind oder einen Migrationshintergrund haben. Ihnen hilft die Evangelische Jugendsozialarbeit (EJSA) der evangelischen Kirche und Diakonie. Unsere Geschichte erzählt von der Portugiesin Ana Henrique, die nach Deutschland kam, um hier ihre Ausbildung zu machen. Ein neues Land, eine fremde Sprache, und dann das Problem, den richtigen Praktikums- und Ausbildungsplatz zu finden – es war ein schwieriger Weg, bei der ihr die EJSA mit Rat und Tat zur Seite stand. Nun hat es Ana Henrique geschafft: Sie absolvierte im Juli 2018 erfolgreich ihre Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau.  

Portugal, meine Heimat:

Keine Arbeit,

keine Perspektive.

Meine Chance:

Ausbildung in

Deutschland.

Fremdes Land,

fremde Sprache.

Alles anders hier.

Die Ausbildung

gewechselt, 

ein schwieriger

Weg: immer

begleitet

von der EJSA.

Meine Mentorin

ist jetzt meine

Freundin.

Nun bin ich

angekommen.

Ana Henrique, geboren 1989 in Faro, Portugal, hatte in Portugal Bildende Kunst studiert. Sie fand in ihrem Land keine Arbeit und nutzte die Möglichkeit, eine Ausbildung in Deutschland zu machen. In Rothenburg ob der Tauber erhielt sie von Anfang an Unterstützung durch die EJSA. Die EJSA half ihr beim Wechsel des Praktikums und der Ausbildungsstelle und bei Konflikten mit dem Arbeitgeber. Die ehrenamtlichen Mentorinnen und Mentoren der EJSA vermittelten Ana aber auch Verständnis für die deutsche Kultur und halfen ihr bei der sozialen Integration. „Ich weiß nicht, was geworden wäre, wenn wir die Freunde der EJSA nicht gehabt hätten“, bilanziert sie ihre Erfahrungen.

Wie ich nach Deutschland kam

 

In Portugal habe ich vom Programm „Job of my life“ gehört, das die Bundesregierung gestartet hatte, um jungen Menschen, die in Europa perspektivlos und auf der Suche nach Arbeit waren, zu helfen, eine Ausbildung in Deutschland zu machen. Daraufhin habe ich mich gemeinsam mit meinem Freund für dieses Programm beworben. Noch in Portugal absolvierten wir einen Deutschkurs, hatten aber sprachlich noch sehr große Lücken. Wir sind dennoch beide genommen worden, sollten aber an unterschiedlichen Orten unsere Ausbildungen beginnen, ich im Hotelfach und mein Freund zum Koch. Zum Glück hatte ich es damals geschafft, doch in die gleiche Stadt wie mein Freund zu kommen – nach Rothenburg ob der Tauber.

 

Mein Start in Rothenburg

Angefangen hat alles mit einem Praktikum in der Gastronomie. Parallel dazu fand zweimal pro Woche ein weiterführender Deutschkurs statt. Ziel war es, zu schauen, ob der Arbeitsplatz und die Arbeit zu uns passten. Leider hat es am Praktikumsplatz nicht so gut geklappt, es gab viele Missverständnisse. Deshalb habe ich dann nochmals in ein anderes Hotel gewechselt, um dort die Ausbildung zu beginnen. Von Anfang an haben uns das Team der EJSA und die ehrenamtlichen Mentorinnen und Mentoren begleitet und uns bei all unseren Fragen und Problemen unterstützt.

Zu Beginn der Ausbildung war es ein regelrechter „Kulturschock“, ins deutsche Schulsystem einzusteigen. Ich habe im wahrsten Sinn des Wortes viele Kopfschmerzen gehabt und fühlte mich überfordert, denn mein Deutsch hatte noch lange nicht ausgereicht, um alles verstehen zu können. Dann wurde ein weiterer Deutschkurs organisiert, der wiederum das Problem hatte, dass zu viele Leute mit unterschiedlichen Niveaus in einem Klassenraum saßen. Es war ein Dilemma. In dieser Zeit waren es vor allem die ehrenamtlichen Mentorinnen und Mentoren der EJSA, die uns mit Rat und Tat und viel Geduld zur Seite standen.

Und nochmals ein Wechsel

Nach einigen Monaten der Ausbildung zur Hotelfachfrau merkte ich mehr und mehr, dass ich in diesem Beruf nicht glücklich werden würde. Meinen Mentorinnen und Mentoren habe ich mein Herz ausgeschüttet und gemeinsam haben wir nochmals nach Lösungen gesucht. Die EJSA hat mit mir dann einen Berufsorientierungstest gemacht, der bestätigte, dass ich eine andere Ausbildung machen sollte. Ich entschied mich für die Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau, die ich im Juli 2018 abgeschlossen habe. Der Weg dahin war holprig und lang, aber am Ende bin ich sehr froh, dass ich es geschafft habe, trotz aller sprachlichen und kulturellen Hürden hier in Deutschland anzukommen und eine abgeschlossene Ausbildung zu haben.

EJSA: Ana, du bist jetzt vier Jahre in Deutschland. Weißt du noch, was deine ersten Eindrücke von deinem Ankommen damals waren?

Ana: Ganz ehrlich, ich dachte, ich wäre in einem Land der 3. Welt. Vor allem die Tatsache, dass ich zuerst ganz ohne Internet auskommen musste, und dass die Geschäfte so früh zu hatten und am Wochenende gar nicht aufmachten. All das war so ganz anders als in Portugal. Ich war so überrascht, dass ich im LIDL hier nicht die selben Sachen fand wie im LIDL in Portugal.

EJSA: Was fiel dir am Anfang positiv auf?

Ana: Es war eine große Hilfe zu wissen, dass ich nicht alleine war, sondern noch mehr Leute da waren, die aus Portugal kamen und meine Sprache gesprochen haben. So konnten wir über vieles in unserer Muttersprache reden. Das tat gut. Eine große Überraschung war, dass einer der deutschen Mentoren der EJSA aus heiterem Himmel Portugiesisch sprach – auch wenn sein Akzent erst mal lustig klang.

EJSA: Inwieweit hat die EJSA dir geholfen, in Deutschland Fuß zu fassen?

Ana: Zu meiner besten deutschen Freundin wurde eine Mentorin der EJSA. Sie und das ganze Team der EJSA haben uns geholfen, eine Wohnung zu finden, soziale Kontakte über Vereine und anderes zu schließen, die Kultur und Geschichte Deutschlands und Rothenburgs besser kennenzulernen. Die EJSA half uns auch dabei, Konflikte zu lösen, die mit den Arbeitgebern oder auch unseren Vermietern entstanden, und sogar, als wir einmal versehentlich mit dem Gesetz in Konflikt gerieten und einen Anwalt brauchten. Ich weiß nicht, wie es geworden wäre, wenn wir diese Freunde der EJSA nicht gehabt hätten.

EJSA: Willst du in Rothenburg bleiben, wenn du mit deiner Ausbildung fertig bist?

Ana: Das ist eine schwierige Frage. Ich suche jetzt eine Arbeit für die Zeit nach der Ausbildung. Das muss nicht im Einzelhandel sein. Ich hatte in Portugal Bildende Kunst studiert und würde gerne in diesem Bereich arbeiten, z. B. für eine Firma, die Schilder und Lichtreklame herstellt. Da gibt es jedoch nur wenige Optionen in Rothenburg.

EJSA: Was ist mit Portugal? Vermisst du deine Heimat gar nicht?

Ana: Natürlich vermisse ich meine Heimat, besonders das Meer, den Strand und die Sonne an der Algarve. Ich möchte schon gerne mal zurück, aber es ist sehr schwer, in Portugal gutes Geld zu verdienen.   

EJSA: Was würdest du Menschen aus anderen Kulturen mit auf den Weg geben, die hier in Deutschland ankommen wollen?

Ana: Ankommen braucht Offenheit für Neues und viel Geduld, um das Neue kennenzulernen. Ich glaube, es ist wichtig positiv zu denken: Es wird schon!

Evangelische Jugendsozialarbeit tritt ein für junge Menschen, unabhängig von Herkunft, Religion, Nationalität und Geschlecht. Das Ziel ist die Verwirklichung einer würdevollen Teilhabe in der Gesellschaft, insbesondere für die jungen Menschen, deren Chancen aufgrund individueller und/oder sozialer Benachteiligungen verstellt sind. Dieser Auftrag entspricht dem biblischen Gebot, das die Gottes- und Nächstenliebe untrennbar miteinander verbindet. So wird Kirche im praktischen Tun und Eintreten für junge Menschen deutlich und greifbar.

ejsa Bayern e. V. setzt sich als evangelischer Fachverband für sozial benachteiligte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ein. Sie steht für bewährte Qualitäts-Jugendsozialarbeit im Auftrag von evangelischer Kirche und Diakonie.

Mit ihren Angeboten der Jugendsozialarbeit an Schulen, bei der Vorbereitung auf Ausbildung und Beruf, den Übergängen zwischen Schule und Beruf, der gesellschaftspolitischen Bildung und in der Integration von jungen Migrantinnen und Migranten tritt sie für mehr Chancengerechtigkeit, Integration und Partizipation dieser jungen Menschen in besonderen Lebenslagen ein.

Die Angebote der EJSA Rothenburg

Die EJSA Rothenburg möchte Jugendlichen, die durch alle Netze fallen, neue Perspektiven geben. Ihre Angebote sind vielfältig: Der Jugendmigrationsdienst berät Jugendliche in allen wichtigen Fragen, z. B. welche Ausbildung oder Arbeit in Frage kommt, wie das Einkommen gesichert werden kann  und wie persönliche Probleme gelöst werden können. In der Berufsbezogenen Jugendhilfe gibt es Ausbildungscoaching und andere berufsbezogene Projekte (z. B. MehrWert Fachkraft, näheres unter www.ejsa-rot.de).

Ausbildungscoaching – damit Berufsausbildung trotz Krisen gelingt

Ausbildungscoaching sind zielorientierte, zeitlich begrenzte Beratungsprozesse. Zwischen den Berater/-innen und den Auszubildenden entsteht ein Vertrauensverhältnis, das eine Klärung und Problemlösung im Ausbildungsprozess ermöglicht und an einer ‚Hilfe zur Selbsthilfe‘ orientiert ist. Das Coaching kann sich auf die Unterstützung einzelner Auszubildender, Ausbilder/-innen, auf eine/n Ausbildungsplatz suchende/n Jugendliche/n oder einen Betrieb beziehen. Konflikte im Betrieb, persönliche Probleme, schulische Themen, Berufsorientierung und Krisenintervention sind die Inhalte.

Ausbildungscoaching ist kostenfrei, vertraulich, freiwillig, flexibel und vernetzt. Der Coaching-Prozess startet mit Information  und Werbung, die zu einem ersten Kontakt führen. Dann findet ein Erstgespräch mit Coaching-Vereinbarung statt, aus dem sich die Lösungsschritte entwickeln und umsetzen (Zusammenarbeit mit Berufsschule, Eltern, Ausbildungsbetrieb). Am Ende des Prozesses steht die Überprüfung der Zielerreichung (ggf. Begleitung über die gesamte Ausbildungsdauer).

Das Ausbildungscoaching eröffnet neue berufliche Perspektiven, führt zu einem Rückgang der Ausbildungsabbrüche, erhöht die Chancen auf eine dauerhafte Integration in den Arbeitsmarkt und schafft mehr Fachkräfte für die Unternehmen der Region.

Ihr Ansprechpartner

 

EJSA Rothenburg

Diakon Thomas Raithel

Geschäftsführer

Kirchplatz 13

91541 Rothenburg ob der Tauber

Tel.: 09861 / 93 69 - 425

Fax: 09861 / 93 69 - 427

E-Mail: thomas.raithel@ejsa-rot.de

Ihr Kontakt

Titel
Öffentlichkeitsarbeit
Name
Dr. Leonie Krüger
Einrichtung
Diakonisches Werk Bayern e.V.
Strasse
Postfach 120320
PLZ
90332 Nürnberg Bayern
Tel.
Mobil
Fax
Web
Visitenkarte
Titel
Pressesprecher
Name
Daniel Wagner
Einrichtung
Diakonisches Werk Bayern e.V.
Strasse
Postfach 120320
PLZ
90332 Nürnberg
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