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JAHRESTHEMA 2017/2018 - GESCHICHTEN DES ANKOMMENS BEI DER BAYERISCHEN DIAKONIE

Wohnungslosenhilfe in Bayern

Die Zahl der wohnungslosen Menschen in Deutschland ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Auch Frauen sind zunehmend von Wohnungslosigkeit betroffen. Wie die Diakonie Menschen hilft, die auf der Straße leben, erzählt die Geschichte von Martin Kupfer.

Kaputte Zähne, Knochen tun weh.

Jahre allein auf der Straße.

Spür nichts mehr, nur Angst.

Hab ich keine Rechte?

Bin ich keiner?

Aber heute irgendwie …

Hoffnung schlägt Scham.

Diakonie hilft.

Gott sei Dank.

Wirklich Gott sei Dank.

Ich lebe wieder.

 „Ein Sonderfall wie ich findet in unserem Sozialsystem nur schwer seinen Platz“, sagt der 34-jährige Martin Kupfer (Name geändert), der in den vergangenen Jahren durch sämtliche sozialen Netze gefallen war. Unbemerkt von allen Behörden und Ämtern lebte er seit 2009 wohnungslos, arbeitslos, mittellos und ohne Krankenversicherung im Raum Nürnberg/Fürth, bis er im März 2013 zum evangelischen Übernachtungsheim in Fürth kam. „Hier hat mir jemand zugehört, der sich für meine Geschichte interessiert und mich nicht gleich an den nächsten Sachbearbeiter weiterreicht. Das war völlig neu für mich“, berichtet Martin Kupfer von seinem ersten Gespräch im sozialtherapeutischen Übergangswohnheim und Übernachtungsheim der Evangelischen Bahnhofsmission in Fürth. Sein Gegenüber war Detlef Brem, Diakon und Geschäftsführer der Einrichtung.

Die Geschichte von Martin Kupfer lässt aber auch Brem nur verständnislos den Kopf schütteln. Über drei Jahre hinweg schien keine staatliche Hilfe bei ihm anzukommen. Da er sich stets in rechtlichen Grauzonen bewegte, fühlte sich offenbar kein Amt wirklich für ihn zuständig. Selbst hatte er einerseits immer die innere Überzeugung, es alleine schaffen zu müssen, andererseits konnte er aber auch nie die Kraft aufbringen, seine Rechte wirksam durchzusetzen.

Was war das wichtigste für Martin Kupfer, als er zur Diakonie kam? „Ich habe hier endlich wieder einen sicheren Platz zum Schlafen und brauche keinen Knüppel mehr unter dem Kissen zu haben.“ Erst im Übernachtungsheim bekam er wieder festen Boden unter die Füße. Dann konnte er im Übergangsheim aufgenommen werden. Er versucht nun, Schritt für Schritt ins Leben zurückzukehren. Er spricht darüber, wie gut ihm die sozialen Kontakte oder auch die Regelmäßigkeiten des Alltags in der Einrichtung tun, um wieder zu sich selbst und darüber zurück ins Leben zu finden. Vor allem die innere Leere sei inzwischen sehr schwach geworden, so Kupfer. „Es bewegte sich nichts mehr, es berührte mich nichts mehr, es war einfach die totale Gefühllosigkeit.“ Weil der Stress durch den täglichen Überlebenskampf auf der Straße zu groß geworden war, schaltete das Gehirn irgendwann auf Notfallmodus. „Mein Glaube und mein Gottvertrauen war ein Schutzmechanismus, der mir schon immer geholfen hat, zu überleben.“

Neben der psychischen Stabilisierung konnte ihm auch medizinisch geholfen werden: Wiederaufnahme in die Krankenversicherung, Sanierung der Zähne und Behebung der Schlaf-Apnoe durch eine Nasen-OP. Seine Schulden, die vor allem aus Mietschulden und nicht bezahlten Energierechnungen bestehen, will Marin Kupfer jetzt Schritt für Schritt zurückzahlen. Er wird sozialpädagogisch beraten und begleitet. Die Beschäftigungstherapie macht ihm Spaß, hier nimmt er gerne teil.

Wenn alles gut geht, kommt die Ablösungsphase: Wohnungssuche, Anmietung einer eigenen Wohnung und Auszug aus der stationären Einrichtung.

Fallbeispiel gekürzt; Quelle: Informationsbriefe der Evangelischen Bahnhofsmission Fürth e. V., Sozialtherapeutisches Übergangsheim und Übernachtungsheim

Nach einer Erhebung des bayerischen Sozialministeriums waren im Jahr 2014 mehr als 12.000 obdachlose Menschen von den Kommunen bzw. Einrichtungen der freien Trägern der Wohnungslosenhilfe in Bayern untergebracht. Die aktuellen Ergebnisse aus einer neuen Stichtagserhebung von 2017 werden für Ende 2018 erwartet. Neben der amtlichen Statistik gibt es auch eine hohe Dunkelziffer derer, die in prekären oder unzumutbaren Wohnverhältnissen leben.

Wohnungslosigkeit hat viele Gesichter.

Den „typischen“ Wohnungslosen gibt es nicht. Der Anteil von Frauen, Alleinerziehenden,

Menschen mit Migrationshintergrund, wohnungslosen Menschen mit einer psychischen

Erkrankung und/oder Suchterkrankung stieg in den letzten Jahren stark an.

 

Die Ursachen sind vielfältig.

Wohnungslosigkeit resultiert aus gesamtgesellschaftlichen Phänomenen und Entwicklungsprozessen wie z. B.

• fehlender bezahlbarer Wohnraum,

• Arbeitslosigkeit,

• massive Ausweitung des Niedriglohnsektors und Anstieg der prekären  Beschäftigungs-

  verhältnisse,

• steigende Mieten und Energiekosten,

• zunehmende Überschuldung von privaten Haushalten,

• erschwerter Zugang zum Bildungssystem und

• die ungenügende Ausgestaltung sozialer Sicherungsleistungen.

 

Angebote der Diakonie

Rund 90 bedarfsgerechte Angebote hält die Diakonie in Bayern für Menschen vor, die von Wohnungsverlust bedroht oder betroffen sind. Dazu gehören:

• 11 Fachstellen zur Verhinderung von Wohnungslosigkeit

• 14 Fachberatungsstellen für Menschen in Wohnungsnot

• 3   Fachberatungsstellen speziell für Frauen

• 10 Kurzzeit-Übernachtungsmöglichkeiten für wohnungslose Menschen (150 Plätze)

• 7   Dienste für Aufsuchende Straßensozialarbeit (Streetwork)

• 11 Tagesaufenthalte/Wärmestuben

• 9   ambulante Dienste für Betreutes Wohnen (280 Plätze)

• 2   teilstationäre Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe (20 Plätze)

• 11 stationäre Einrichtungen (800 Plätze)

• 8   stationäre Einrichtungen speziell für Frauen (100 Plätze)

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