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JAHRESTHEMA 2017/2018 - GESCHICHTEN DES ANKOMMENS BEI DER BAYERISCHEN DIAKONIE

Geschichte des Ankommen Oktober 2017

Am Ende des Weges...

Mit dem Themen Lebensende, Sterben und Tod beschäftigen sich immer mehr Menschen und wünschen sich überwiegend, bei sich zu Hause sterben zu können.  Die Diakonie Bayern steht für ein Sterben in Würde. Sie setzt sich – auch und gerade auf politischer Ebene – dafür ein.

Die Herbstsammlung der bayerischen Diakonie vom 9. bis 15. Oktober 2017 stellt das Thema Hospiz in den Mittelpunkt.

 Vom 9.10. bis 30.11.2017 zeigt die Geschäftsstelle des Diakonischen Werkes Bayern die Hospiz-Ausstellung „Hier kann ich gehen. Bilder vom Lebensende in Einrichtungen der Diakonie Bayern“ mit 24 Fotografien von Wolfgang Noack.

Das Ende würdigen,

dem Sterbenden

sagen können:

Du gehst ohne Schmerzen und Angst

Du bist nicht allein

in diesen Tagen des Abschieds.

Ob du jung bist oder alt

deinem Leben, da es vergeht

schenke ich Begleitung und Freundschaft,

wir sind einander Mitmensch

bis zuletzt.

Hospizarbeit ist die Begleitung und Versorgung sterbender Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Ziel ist es, den Menschen ihre letzte Lebensphase so lebenswert wie möglich zu machen. Hospizarbeit umfasst psychosoziale Unterstützung, auch für Angehörige, im Sterbe- und Trauerprozess, jedoch keine medizinische Behandlung.

Die vier Schwerpunkte der Hospizarbeit

Palliativmedizin und Palliativpflege behandeln quälende Beschwerden in der letzten Lebensphase (Symptomkontrolle).

Die psychische und psychologische Begleitung umfasst die emotionale und ggf. psychotherapeutische Unterstützung der Sterbenden und ihrer Angehörigen.

Die soziale Begleitung umfasst die soziale und ggf. sozialarbeiterische oder sozialpädagogische Unterstützung der Sterbenden, ihrer Angehörigen und ggf. des gesamten Familiensystems.

Die spirituelle Begleitung geht auf die seelsorgerischen Bedürfnisse der Betroffenen ein.

Hospizidee und Hospizbewegung

Aus der ehrenamtlich getragenen Hospizbewegung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ein umfassendes und multiprofessionelles Versorgungs- und Begleitungssystem für schwerstkranke und sterbende Menschen entwickelt.

Hospizidee und Hospizbewegung bzw. in deren Folge Hospizarbeit und Palliative Care stehen für eine Gegenbewegung zu einem allein kurativ (heilend) auf körperliche Aspekte ausgelegten System: Damit ein Mensch auf dem Weg des Sterbens nicht alleingelassen wird und körperlich-geistig-seelisch-sozial „friert“, soll ein Mantel (= lateinisch pallium) um ihn gebreitet werden. Er soll in seiner letzten Lebensphase so selbstbestimmt und so gut wie möglich leben und schließlich auch einfühlsam begleitet sterben können.

Die Weltgesundheitsorganisation erstellte 1990 eine Definition für ein ganzheitliches Betreuungskonzept zur Begleitung von Menschen in der letzten Lebensphase. Unter „Palliative Care“ versteht man demnach die aktive und umfassende Behandlung, Pflege und Begleitung von Patienten von dem Zeitpunkt an, da ihre Krankheit nicht mehr durch kurative (d.h. heilungsorientierte) Behandlung anspricht. Denn ab diesem Zeitpunkt kommt der Schmerzbehandlung und der Beherrschung der Begleitsymptome sowie der Linderung psychischer, sozialer und spiritueller Probleme eine überragende Bedeutung zu.

2005 hat das Diakonische Werk Bayern die „Initiative Hospizarbeit und Palliative Care“ (jetzt: Initiative „End-Of-Life-Care“) gegründet.

Die Themen einer End-Of-Life-Care (als umfassendes Konzept zur Sorge um die letzte Lebensphase) richten den Blick über Hospizarbeit und Palliativversorgung hinaus. Die Begleitung von hochbetagten Menschen mit Demenz, Fragen ethischer Entscheidungen und der Organisation einer angemessenen Entscheidungskultur erweitern das Spektrum ebenso wie die Wahrnehmung spiritueller Bedürfnisse und die Themen existenzieller Kommunikation in der Pflege. Alte Menschen in Einrichtungen der Behindertenhilfe geraten zunehmend in den Blick.

Die Initiative des Diakonischen Werkes Bayern passt ihre Schwerpunkte an.

Seit Juni 2010 unterstützt das Diakonische Werk Bayern das Bayerische Hospiz- und Palliativbündnis (BHPB). Das BHPB fördert den Ausbau einer landesweiten trägerneutralen Beratungsstruktur für die Belange der allgemeinen und spezialisierten ambulanten und stationären Hospiz- und Palliativversorgung in Bayern. Seine Mitgliedsverbände setzen sich nachhaltig für die weitere Verbreitung der Hospizidee ein.

Seit 2008 ist das Diakonische Werk Bayern Mitglied im Bayerischen Hospiz- und Palliativverband.

Am 5. November 2015 wurde das Hospiz- und Palliativgesetz (HPG) im Bundestag verabschiedet. Mit dem HPG, das zum 8. Dezember 2015 in Kraft trat, liegt nun eine gesetzliche Grundlage für die Hospizarbeit vor.

Durch die Entwicklung und Formulierung des Hospiz- und Palliativgesetzes in 2015 und der parallel dazu verlaufenden Diskussion zum assistierten Suizid wurde das Thema „Sterben“ ein gesellschaftlich relevantes Thema, das breit, durch alle gesellschaftlichen Schichten, kontrovers diskutiert wurde.

1992: erstes stationäres Hospiz der Diakonie in Nürnberg-Mögeldorf

1999: Gründung Hospizverein Rummelsberg

 

Hospizeinrichtungen in Bayern

5          stationäre Hospize

11        ambulante Hospizdienste

9          ambulante Hospizdienste in verschiedenen Kooperationen

1960er

Die moderne Hospizbewegung entwickelt sich aus einer Bürgerbewegung heraus. Der Ursprung liegt in Großbritannien. Dort gründet Dr. Cicely Saunders 1967 das St. Christopher's Hospice in London.

 

1980er

In Deutschland werden die ersten hospizlichen und palliativen Einrichtungen gegründet – viele davon maßgeblich durch das Engagement Ehrenamtlicher getragen.

 

1990

Die Weltgesundheitsorganisation erstellt eine Definition für ein ganzheitliches Betreuungskonzept zur Begleitung von Menschen in der letzten Lebensphase („Palliative Care“).

 

1997

Gesetzliche Regelungen zur stationären Hospizarbeit treten in Kraft (§ 39a Abs. 1 SGB V).

 

2001

Gesetzliche Regelungen zur ambulanten Hospizarbeit treten in Kraft (§ 39a Abs. 2 SGB V).

 

2007

Ein Leistungsanspruch der Versicherten auf „Spezialisierte ambulante Palliativversorgung“ (kurz SAPV) wird in der Sozialgesetzgebung festgeschrieben (§ 37b SGB V, 2007). Seither hat sich die Rechtslage mehrfach verändert.

 

2015

Hospiz- und Palliativgesetz (HPG)

Am 5. November 2015 wurde das Hospiz- und Palliativgesetz (HPG) im Bundestag verabschiedet. Mit dem HPG, das zum 8. Dezember 2015 in Kraft trat, liegt nun eine gesetzliche Grundlage für die Hospizarbeit vor.

Elke Franz‘* Krebserkrankung ist zurück: unheilbar. Vor zwei Monaten noch übte die 53-jährige mit Freude und großer Leidenschaft ihren Beruf als Reisejournalistin aus. Sie war in der Welt unterwegs, traf auf fremde Kulturen und verbrachte viel Zeit mit Menschen, von denen sie Neues lernen konnte.

Zum Beispiel, dem Leben gerade dann einen Sinn zu geben, wenn man glaubt, es sei vorbei.

Jetzt gibt sie auf, stellt den Kampf ein. Das Phantom, das sie glaubte besiegt zu haben, ist zurück. Die Metastasen haben sich so ausgebreitet, dass man nicht mehr operieren kann und eine Bestrahlung zwecklos wäre. Drei Monate noch, vielleicht etwas länger, sie weiß es nicht.

Elke Franz verabredet einen Beratungstermin mit dem ambulanten Hospiz- und palliativen Beratungsdienst in Mögeldorf und bespricht mit den Palliative Care-Krankenschwestern, wie es nun weiter geht.

Als sie von ihrem Leben spricht, leuchten die Augen einer ruhigen, mutigen Frau: „Ich habe Angst …aber mein Leben war schön!“ Elke Franz ist dankbar, auf Menschen zu treffen, die wissen, was jetzt auf sie zukommt. Die ihr sagen, du bist nicht allein – wir sind für dich da.

Sie ist dankbar um eine Palliativmedizin zu wissen, die Hoffnung gibt, ihr Leiden ertragen zu können.In ihrer größten Not findet Elke Franz  − auch ohne eigene Familie − im Hospiz der Diakonie Menschen, die ihr liebevoll zuhören und sie unterstützen.

Die für sie da sind, wenn sie sie braucht.

 

(* Name geändert)

 

Evang. Gemeindeverein Nürnberg-Mögeldorf e. V.

Ziegenstaße 30

90482 Nürnberg

www.diakonie-moegeldorf.de

Telefon: 0911 99 541- 0

Telefax: 0911 99 541- 15

info(at)diakonie-moegeldorf(dot)de

Freunde wissen von meinem ehrenamtlichen Engagement. Wenn wir in netter Runde beisammen sitzen, bekomme ich oft zu hören: „ … toll, was du dir für deinen Ruhestand vorgenommen hast!  Du musst dich doch immer wieder mit der Endlichkeit des Lebens auseinander setzen. Ich könnte das nicht“…  Reaktionen, die mir in Gesprächen immer wieder begegnen.

Meine Freunde möchten wissen, wie es mir mit meinem Ehrenamt geht. Wie ich für mich sorge, um mich nicht zu sehr zu belasten, wenn ich Menschen begleite, die nur noch wenige Tage leben können. Wie es sich auf mein Lebensgefühl auswirkt, wie es meinen Alltag beeinflusst. Wie stark es mich deprimiert, Menschen sterben zu sehen. Menschen gehen zu lassen, zu denen ich doch gerade erst eine Beziehung aufgebaut habe.

Geschmeichelt von Bewunderung und Anerkennung versuche ich nahezubringen warum ich gerade dieses Ehrenamt ausübe. Vor zehn Jahren erkrankte einer meiner guten Freunde plötzlich schwer. Auch er verbrachte seine letzten Tag im Hospiz in Mögeldorf und ich kann mich erinnern, dass es mir zu dieser Zeit nicht möglich war, ihn im Hospiz zu besuchen. Irgendetwas in mir sperrte sich. Nachdem mein Freund beerdigt worden war, ging ich noch einmal ins Hospiz, um meinen Dank und meine Anerkennung auszusprechen und erfuhr so von der Ausbildung zum Hospizbegleiter. Da ich damals nur wenige Monate vor meinem Eintritt in den Ruhestand stand, entschied ich mich für Ausbildung zum „Ehrenamtlichen Hospizbegleiter“.

Einer der Gründe für diese Entscheidung war sicherlich mein Wunsch, mich mit Themen wie Leben, Sterben und Tod und dem Verrinnen der Zeit auseinanderzusetzen.

Gespräche mit meinen Freunden, mit Bekannten und mit Menschen, die sich für die Hospizarbeit interessieren, sind ausgesprochen hilfreich für mich. Sie stärken mich in meiner Entscheidung, gerade dieses Ehrenamt ausgewählt zu haben. Wenn man nicht mehr im Berufsleben steht, hat man einen verstärkten Blick auf die „Restlebenszeit“. Was war gut in meinem Leben, was passt heute nicht mehr für mich. Ich war mein Leben lang in der Druckindustrie beschäftigt und das Bild von meterdicken Papierrollen ist mir vertraut. Während meiner letzten Arbeitsjahre fiel mir plötzlich auf, dass die Papierrollen, wenn sie an Durchmesser verlieren, immer schneller rotieren – obwohl die Menge an Papier, das in die Druckmaschine läuft, sich nicht verändert. Für mich ein bedeutsames Bild für das Verrinnen der Zeit. 

Sterben ist wie die Geburt ein Teil des Lebens und unserer vollen Aufmerksamkeit würdig. Dass wir alle einmal sterben werden müssen ist sicher. Über das WIE lohnt es sich nachzudenken. Würdevoll soll die letzte Lebenszeit bereitet werden ─ und angstfrei. Im Hospiz im Mathilden-Haus in Mögeldorf leben die Hauptamtlichen und die Ehrenamtlichen gleichermaßen das Leitmotiv „Leben bis zuletzt in Würde“. Zusätzlich in Palliativpflege ausgebildete Krankenschwestern und Pfleger umsorgen und pflegen die todkranken Menschen – sie unterstützen und begleiten auch die Seele des dem Tode geweihten Menschen. Im Hospiz verfügen wir dafür über die notwendige Zeit. Auch wenn wir keine  Wunder geschehen lassen können, unsere Gäste nicht mehr heilen können – aber gerade in der letzten Phase des Lebens können wir für den Menschen noch sehr viel Gutes tun. 

Wenn Menschen im Hospiz ankommen, haben sie meist eine dramatische Odyssee durch Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen hinter sich. Eine große Angst steht über dem letzten Lebenskapitel. Angst vor Schmerzen und Einsamkeit. Angst, unerledigte Dinge nicht mehr richten zu können. Meist gelingt es uns, diese Gedanken und Sorgen umzuformen. Der Wunsch, aus einer tiefen Verzweiflung geboren, selbst dem ganzen Jammer ein Ende zu bereiten, kommt nicht auf. An dessen Stelle tritt oftmals, dank der vielen hauptamtlichen und ehrenamtlichen Menschen, die dem schwerkranken Gast beistehen, eine Gelassenheit, die sogar Platz für ein Lächeln lässt.

Auf drei Gäste kommt eine Palliativkrankenschwester. Wir Ehrenamtlichen werden nach Bedarf eingesetzt. In Pflege und Betreuung, tagsüber und auch nachts. Unsere ehrenamtlichen Einsätze sind sowohl stationär als auch ambulant – bei den Menschen daheim. Besonders die Angehörigen brauchen Beistand und Hilfe. Sie wollen so gerne stark sein – Mut und Hoffnung verbreiten. Gerade auch die Angehörigen brauchen unsere Zuwendung und unseren Beistand. Daheim ebenso wie im Hospiz. Ein riesiges Betätigungsfeld!

Die Sterbenden sind unsere Lehrer. Sie zeigen uns, wie vielgestaltig und facettenreich das Leben sein kann. Aus diesen Lehren können wir Schlüsse für unser eigenes Restleben ziehen. Wir lernen wieder aufmerksamer zuzuhören und hinzuschauen, aus Situationen heraus ─ ohne Worte ─ zu verstehen. Wir werden alter Tugenden erinnert. Menschen Annehmlichkeiten bereiten, ein Lächeln bekommen, ein Lächeln verschenken – Dinge, die auch in unserem Alltag wichtig und bedeutsam sind, aber doch oft in den Hintergrund rücken.

Als ehrenamtlicher Hospizbegleiter bekomme ich unendlich viel geschenkt: Dankbare Blicke, einen Händedruck, ehrliche Fragen, offene  Antworten, ein Lächeln.  Den meisten Hospizbegleitern geht es so wie mir. Unabhängig davon, wo wir uns für die Begleitung von schwerkranken Menschen engagieren. Mit der Sicht auf die Dinge sind wir Hospizbegleiter nicht allein. Zu den Themen Leben, Sterben und Tod gibt es unzählige Bücher. Viele sind mir einen Bestätigung, weil sich meine Erfahrungen mit den Schilderungen decken. Für mich eine erfreuliche und ermutigende Feststellung, die mich hoffen lässt, dass sich die Hospizidee weiter ausbreiten wird und immer weniger Menschen sagen: Ich bewundere dich für dein Engagement in der Hospizarbeit! Aber ich könnte das nicht!      

Um ehrenamtlicher Hospizbegleiter zu werden, braucht es eine dreimonatige Ausbildung. Die Kurse finden jährlich statt.

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Öffentlichkeitsarbeit
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Dr. Leonie Krüger
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Daniel Wagner
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