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Hier kommst Du an - Jahresthema der Diakonie Bayern

JAHRESTHEMA 2017/2018 - GESCHICHTEN DES ANKOMMENS BEI DER BAYERISCHEN DIAKONIE

Geschichte des Ankommens - November 2017

Fussball kann Völker verbinden ...

... und Fußball ist auch ein wichtiges Mittel zur Integration. Welche Bedeutung das Spiel für geflüchtete Menschen in Deutschland hat, zeigt das Beispiel der Fußballmannschaft der Diakonie „Herzogsägmühle International“ auf. Der Spieler Precious Aganmwonyi aus Benin – sein englischer Vorname bedeutet „wertvoll“ – schildert seine Erfahrungen. Das Fußballteam wurde beim Diakonie-Wettbewerb 2017 zur Förderung ehrenamtlicher Integrationsprojekte mit dem 1. Preis ausgezeichnet.

Wo ich herkomme

ist Precious nur ein Name

niemand ist dort wertvoll

ich will neu beginnen

ein Teil sein von hier

die Sprache lernen

arbeiten gehen

Fußball spielen

wertvoll sein

Die mir helfen

verstehen: ihre

Hilfe heißt

mir ein Leben geben.

Geschichte des Ankommens - November 2017

Warum der Name Precious?

Meine Mutter war schon älter, als ich geboren wurde, und ich war ihr einziges Kind – daher nannte sie mich Precious (engl.: kostbar, teuer, wertvoll).

Meinen Vater habe ich sehr selten gesehen, nur ein- bis zweimal im Jahr. Er war ständig unterwegs.

Meine Mutter starb, als ich sieben Jahre alt war. Ich bin dann bei meiner Großmutter aufgewachsen, die Ende 2016 verstorben ist.

 

Was war für dich wichtig in Nigeria?

Ich hatte in der Kindheit ein sehr gutes Leben. Ich hatte Freunde, ich hatte Fußball, ich ging zur Schule, ich war akzeptiert.

Wenn ich an diese Zeit in Nigeria denke, dann vermisse ich alles.

 

Was ist nicht gut, wenn du an Nigeria denkst?

Benin City, eine der ältesten Städte in Nigeria, ist geprägt von einer enorm hohen Arbeitslosigkeit, einer hohen Kriminalitätsrate und einem korrupten politischen System.

Wenn man 15 oder 16 Jahre alt ist, ist muss man Teil einer „Gang“ werden. Man wird dahin mitgenommen, vom Bruder, vom Onkel usw. 95% aller Männer in Benin City sind Teil einer solchen „Gang“, die sich dann u. a. untereinander bekriegen. Ein Überleben ohne eine solche Mitgliedschaft ist nahezu unmöglich.

Es herrscht dort eine große Hoffnungslosigkeit, wie auch im Rest des Landes. Die enorme Überbevölkerung ist ein weiteres Problem.

 

Was waren deine Ziele, als du in Europa angekommen bist?

Ein neues Leben anfangen, die Sprache lernen, zur Schule gehen, ein Teil der Gesellschaft werden, Fußball spielen … das waren meine Ziele.

 

Was sind deine Ziele heute?

Inzwischen ist mein oberstes Ziel, die Sprache zu lernen. Inzwischen weiß ich, dass dies die Basis für ein erfolgreiches Leben in Deutschland ist.

 

Bist du manchmal enttäuscht von Europa?

Ja und nein. Hier ist Frieden, aber mir fehlt auch vieles. Die Sprache zu erlernen ist sehr schwer hier, man darf nicht arbeiten. Dies führt auch dazu, dass man kaum in Kontakt zu anderen Menschen kommt. In einer großen Stadt wäre es für mich einfacher, denn dort könnte ich Hilfe von Landsleuten bekommen, die schon länger hier leben, und ich könnte auch gleichzeitig ein bisschen ein Heimatgefühl bekommen.

 

Das Interview führte John Edward Schulz im September 2017.

Alle ziehen an einem Strang und haben Spaß dabei

Fußball ist ein Mannschaftssport und fordert Teamgeist − das gilt für Profis genauso wie für Hobbykicker. Erst Recht, wenn unterschiedliche Nationen, Sprachen, kulturelle Hintergründe und persönliche Schicksale innerhalb eines Teams aufeinander prallen. Alle müssen an einem Strang ziehen, sonst funktioniert es nicht. Mit diesem Wissen startete das Trainer-Duo Sepp Bücherl und Christian Jung das Abenteuer „Herzogsägmühle International“.

Die beiden Trainer stellten Taktikschulung und Techniktraining erst einmal hinten an und widmeten sich dem Teamcoaching. Gruppenbildung, Reibereien und sprachliche Barrieren gehörten schnell der Vergangenheit an. Heute spricht die Mannschaft nur noch eine Sprache, die des Fußballs: Zusammenhalt, Willkommen sein, Akzeptanz, Lebensfreude! Ansonsten wird beim Training und während der Turniere auf Deutsch kommuniziert, sozusagen als spielerische Ergänzung des Sprachkurses.

„Die Jungs bekommen nicht genug“ erzählt Sepp Bücherl und ist beeindruckt von der Herzlichkeit seiner Spieler – trotz der oft schwierigen persönlichen Situation und teilweise unsicheren Bleibeperspektive. Er absolvierte die Ausbildung zum C-Trainer in der Sportschule Unterhaching, trainiert im Herzogsägmühler Fußballverein und engagiert sich mit großer Freude auch bei Herzogsägmühle International. Unterstützt wird er von Christian Jung, der in der Flüchtlingshilfe in Herzogsägmühle arbeitet, selber jahrelang im Verein Fußball spielte und nun mit Leidenschaft an der Seitenlinie steht.

Das Trainer-Duo ergänzt sich hervorragend. Zu zweit stellen sie die Kontinuität des Trainings- und Spielbetriebs sicher. Begeistert sind sie von der Entwicklung ihres Teams und bemerken die wachsende Anerkennung anderer Mannschaften bei den Turnieren. Die kommt von der Ballsicherheit einzelner Spieler, aber vor allem vom Teamgeist und Respekt untereinander. „Hier kommst du an“, ein Leitsatz von Herzogsägmühle International.

Stimmen einer Mannschaft – das sagen die internationalen Spieler:

Prescious Aganmwonyi (Nigeria):

„Fußball bringt uns zusammen. Herzogsägmühle International hat mir bei der Integration sehr geholfen. Fußball hilft mir, meinen Stress und meine Sorgen zu vergessen. Damit repräsentiere ich auch Herzogsägmühle.“

Ariel Etiamoto (Kongo):

„Mein Herz schlägt für Herzogsägmühle International. Es war mein erstes Fußballteam hier in Deutschland.“

Wahid Esnagh (Afghanistan):

„Herzogsägmühle International ist für mich die wichtigste Mannschaft. Dafür lasse ich alles stehen und liegen.“

Salahuddin Sajadi (Afghanistan):

„Es macht einfach Spaß, Teil des Teams zu sein. Beim Fußball kann ich vergessen.“

Der Initiator und Manager berichtet über die Anfänge und das Ziel von HERZOGSÄGMÜHLE INTERNATIONAL

Wie kamen Sie auf die Idee, HERZOGSÄGMÜHLE INTERNATIONAL ins Leben zu rufen?

John Edward Schulz: Spätestens die Ereignisse im Sommer 2015, die Flüchtlingsströme, die ich hautnah in Griechenland im Urlaub und später am Hauptbahnhof in München als Helfer miterlebte, haben mir verdeutlicht, dass hier jeder gefordert ist, zu unterstützen. Neben Unterkunft, Verpflegung und Versorgung mit den sonstigen Grundbedürfnissen war es für mich klar, dass auch andere, „kleinere“ Angebote eine wichtige Rolle spielen, um das Ankommen zu erleichtern. Was bietet sich da besser an als Fußball? Man nimmt einen Ball und kann gemeinsam loslegen. Die Sprache Fußball sprechen viele Menschen.

Welche Hürden mussten anfangs überwunden werden?

John Edward Schulz: Im Grunde genommen gab es anfangs nur eine Hürde. Ich musste mutig genug sein, einfach in die Flüchtlingsunterkünfte zu gehen und zu fragen: „Wer will mit Fußball spielen?“. Mit Unterstützung der ehrenamtlichen Helfer Isabel, Sepp und Sebastian kam dann alles schnell ins Laufen. Die Idee eines offenen Angebots wird bis heute beibehalten. Jeder kann mitmachen. Höhere Hürden, etwa durch politische Entscheidungen, sind spürbar, aber auch von diesen lassen wir uns nicht entmutigen und machen weiter.

Wie hat sich die Mitgliedschaft im Team für die Flüchtlinge ausgewirkt?

John Edward Schulz: Unser Ziel war es, Zeiträume zu schaffen, in denen die Alltagssorgen und sonstige Belastungen vergessen bzw. kurz bei Seite gelegt werden können. Dies haben wir sicherlich geschafft. Über den Fußball ist es gelungen, die Welt kleiner zu machen. Es hat uns und die Mannschaft immer stolz gemacht, dass wir mit einem Mix aus verschiedensten Nationen – Spielern aus Asien, Afrika und Europa – gemeinsam und auch noch erfolgreich zusammengespielt und trainiert haben. Wenn der Ball rollt, spielen Vorurteile und Vorbehalte keine Rolle mehr. Darüber hinaus konnten vier Spieler in einem deutschen Fußballverein integriert werden.

Welche Ziele haben Sie sich für die nächsten Jahre gesetzt?

John Edward Schulz: Unser Ziel ist es, dieses Projekt am Leben zu erhalten und trotz aller Schwierigkeiten als stabiles Angebot im Landkreis zu etablieren. Träumen tun wir jedoch auch! Zwar nicht von der Bundesliga, aber von einer Mannschaft, die am lokalen Ligabetrieb teilnimmt. Darüber hinaus werden wir weiterhin unser Fußballturnier, den Herzogsägmühler Mühlencup, jährlich durchführen, versuchen eine Hobbyliga frei nach dem Motto „Der Ball ist bunt“ zu etablieren und versuchen weiter von Sieg zu Sieg bei den Hobbyturnieren zu eilen.

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