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JAHRESTHEMA 2017/2018 - GESCHICHTEN DES ANKOMMENS BEI DER BAYERISCHEN DIAKONIE

Auch Kinder haben Krisen

Die Erziehungsberatung der Diakonie will Beziehungen in Familien aufbauen und verbessern. Sie begleitet Familien in Krisensituationen und unterstützt Eltern dabei, die Entwicklung ihrer Kinder positiv zu fördern. So auch im Fall des Jungen Michael, der eine Traumatisierung erlebte und dem die Diakonie helfen konnte, seine Schwierigkeiten zu überwinden.

Nicht auszuhalten war das mit Michael.

Mit acht Jahren so aggressiv, so streitsüchtig.

Ins Bett gehen: Ein Drama. Nur Stress für unsere Familie.

Jetzt haben wir wieder Ruhe.

Der Vater liest ihm die Gute-Nacht-Geschichte vor, die Oma einst erzählte.

Ihr Tod: ein Schock für ihren Enkel.

Jetzt löst sich allmählich seine Erstarrung.

Danke, Diakonie.

Fallbeispiel von Ludwig Reichl, Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut aus der Erziehungsberatungsstelle des Diakonischen Werkes Weißenburg. (http://www.diakonie-wug.de/beraten-und-unterstuetzen/eltern-und-jugendberatung/).

Eine Mutter schildert, dass ihr achtjähriger Sohn Michael (Name geändert) unkonzentriert in der Schule ist, starke Ängste beim zu Bett gehen hat, öfter aggressiv reagiert, Sachen umherschmeißt und sich häufig mit der vier Jahre jüngeren Schwester streitet. Die Mutter gibt an, dass die Schwierigkeiten schon im Kindergartenalter begannen. Die Partnerschaft sei soweit in Ordnung, Michael sei ein Wunschkind gewesen und auch die Geburt sei unkompliziert verlaufen. Er habe auch keine Unfälle, Krankenhausaufenthalte oder sonstige Traumata erlebt. Schwierig wurde es mit Michael erst ein Jahr nach der Geburt der Tochter. Neben der normalen Geschwisterrivalität zeigt sich, dass Michael mit fünf Jahren mit einer einschneidenden Veränderung in seinem Leben konfrontiert war: Die Oma, zu der er seit der Geburt seiner Schwester eine enge Beziehung hatte, starb plötzlich und völlig unerwartet.

Für ein Kind in diesem Alter ist es schwer, den Tod eines Menschen zu begreifen. Es merkt, dass alle um ihn herum traurig und schockiert sind, und wird dadurch verunsichert. Die Eltern hatten ihn und seine Schwester nicht mit zum Beerdigung genommen. In der Folge fragte Michael immer wieder, wann denn die Oma wiederkommen würde, die Eltern gaben ausweichende Antworten. Irgendwann hörte er auf zu fragen.

Hier begannen die Schwierigkeiten mit dem zu Bett gehen. Die Oma hatte des Öfteren Michael Gutenachtgeschichten vorgelesen, während die Mutter die Schwester versorgte.

Hinter dem Gefühl von Ärger und Wut versteckt sich häufig nicht gelebte Traurigkeit. Michael hat den Tod von der Oma traumatisch erlebt und konnte den Verlust nicht angemessen verarbeiten und sie betrauern. Traumatisch erleben wir Situationen dann, wenn wir in unserem Handlungsspielraum stark eingeschränkt sind. Auf extreme Situationen reagieren wir normalerweise entweder mit Flucht oder mit Kampf. Wenn beides nicht möglich ist, kann traumatische Erstarrung die Folge sein.

Bei Todesfällen nennt man dies auch steckengebliebene Trauer. In der normalen Trauerbewältigung erfolgt nach einer angemessenen Zeit eine Distanzierung von dem Ereignis. Je länger es zurückliegt, umso leichter wird die Erinnerung. auch wenn diese dennoch traurig bleibt. Es sollte jedoch dadurch keine nennenswerte Belastung übrigbleiben.

 

Aggressionen und Ängste wie bei Michael können Folgen eines traumatischen Erlebens sein, auch wenn dies schon lange zurückliegt. Mit Hilfe einer speziellen Traumatherapie Methode EMDR – die Abkürzung steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing, auf Deutsch: Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegung (siehe auch www.emdria.de)gelang es das vergangene Ereignis von Michael aufzuarbeiten. Die Symptome haben sich schon nach kurzer Zeit gebessert, Michael ist weniger aggressiv, konzentrierter in der Schule. Mit der Schwester streitet er sich immer noch, jedoch in einem angemessenen, geschwisterlichen Rahmen.

Das zu Bett gehen und Gutenachtgeschichten erzählen wurde vom Vater übernommen, was für beide eine Verbesserung ihrer Beziehung zur Folge hatte: Für den Vater war es gut, mehr Verantwortung für den Sohn zu übernehmen, und Michael half die Anwesenheit des Vaters, Sicherheit zu spüren und so zur Ruhe zu kommen.

In Bayern haben Kinder, Jugendliche, Eltern und Erziehungsberechtigte einen gesetzlichen Anspruch auf Erziehungsberatung. Erziehungsberatung ist Teil der psychosozialen Grundversorgung und der Krisenhilfe für Kinder, Jugendliche und Familien. Deshalb ist Erziehungsberatung grundsätzlich kostenfrei. Die Beraterinnen und Berater unterliegen der Schweigepflicht. Die Beratung erfolgt unabhängig von Nationalität, Religion, Geschlecht und sexueller Orientierung. Und es ist ein Angebot, das in der Regel freiwillig – ohne Antragstellung beim Jugendamt – in Anspruch genommen werden kann.

 

Was will die Erziehungsberatung?

Sie will Beziehungen in Familien aufbauen und verbessern, Familien in Krisenphasen begleiten, die Eltern dabei unterstützen, die Entwicklung ihres Kindes/ihrer Kinder positiv zu fördern und Eltern, Kindern und Jugendlichen helfen, Probleme zu erkennen und gemeinsam Lösungen zu finden. Kurz: Sie will dabei helfen, Familien in Beziehungs- und Konfliktfähigkeit zu stärken und zum Handeln zu befähigen.

 

Wobei hilft die Erziehungsberatung?

Die Erziehungsberatung unterstützt Kinder und Jugendliche u. a. bei Konflikten innerhalb der Familie oder mit Gleichaltrigen, bei Problemen mit Schulleistungen, Lehrerinnen und Lehrern, Mitschülerinnen und Mitschülern oder der Motivation, dem Selbstwertgefühl, Ängsten oder bei Suchtgefährdung. Da viele Probleme meist mehrere Ursachen haben, stehen auch die Eltern und damit das ganze Familiensystem im Blickpunkt. Ein Schwerpunkt der Arbeit ist deshalb die Beratung zu Trennung und Scheidung sowie die Beratung von hochkonflikthaften Paaren.

Zu den weiteren Angeboten gehören Gruppenangebote für Kinder, Jugendliche und Eltern, z. B. Gruppenangebote für Kinder und Jugendliche, deren Eltern an einer psychischen Krankheit leiden, sowie Gruppenangebote für Scheidungskinder. Hinzu kommen Präventionsangebote und Vorträge an Kindergärten und Schulen.

 

Wer leistet Erziehungsberatung?

An jeder Erziehungsberatungsstelle arbeitet ein multidisziplinäres Team aus qualifizierten Fachkräften aus den Bereichen Psychologie, Sozialpädagogik, Medizin und Recht, die in der Regel eine psychotherapeutische Ausbildung haben. Die Arbeit erfolgt nach (psycho-)thera-peutischen Methoden zur Förderung des Kindeswohls und der Erziehungsfähigkeit der Eltern.

 

Wie lange dauert die Beratung?

Die Dauer der Beratung ist von der jeweiligen Fragestellung abhängig. Generell gilt: Etwa 50 Prozent der Klientinnen und Klienten benötigen bis zu vier Termine, 30 Prozent fünf bis zehn Termine und 20 Prozent kommen häufiger in die Beratung.

 

Zahlen, Daten, Fakten

In Bayern gibt es 23 Erziehungsberatungsstellen unter dem Dach der Diakonie Bayern.

2016 wurden 14.033 Kinder und Jugendliche in 102.102 Beratungsstunden in diesen Beratungsstellen betreut.

 

Ihre Ansprechpartnerin im Landesverband:

Diakonisches Werk Bayern e. V.

Elisabeth Simon

Referentin für Schwangerschafts-, Ehe-, Familien-, Lebens- und Erziehungsberatung, Telefonseelsorge

Pirckheimerstraße 6

90408 Nürnberg

Tel.: 0911 9354-312

Fax: 0911 9354-309, PC-Fax: -34-312

E-Mail: simon(at)diakonie-bayern(dot)de

Ihr Kontakt

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