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Symbolbild: Leben ohne Obdach

Annehmen – nicht aufgeben

Straffällige, obdachlose und wohnungslose Menschen, überschuldete Menschen, Prostituierte oder Opfer von Gewalt - kurz: Die Gefährdetenhilfe der Diakonie in Bayern ist für Menschen am Rande der Gesellschaft da.

 

Unsere Mitarbeitenden bieten verschiedene Hilfestellungen, die sich stets an der Situation der Betroffenen orientieren. So ist z. B. die Bahnhofsmission offen für jedermann und steht als Aufenthaltsort, aber auch zur aktiven Unterstützung in Problemlagen zur Verfügung. Auch unsere anderen Angebote der Gefährdetenhilfe mit ihren spezielleren Zielgruppen arbeiten mit dem Ziel, nicht nur in akuten Notsituationen zu helfen, sondern auch langfristige Unterstützung beim Weg „zurück" zu geben und die Integration in die Gesellschaft zu fördern.

Drei Fragen an Fachreferentin Heidi Ott zum Thema Wohnungslosenhilfe:

Herzogsägmühler Erklärung

Mit der gemeinsamen "Herzogsägmühler Erklärung" fordern der Evangelische Fachverband Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe sowie die Diakonie Bayern einheitliche Standards zur Hilfegewährung nach §§ 67 ff SGB XII. Dies betrifft insbesondere Menschen, die von Wohnungs- oder Obdachlosigket betroffen sind und in Bayern unterschiedliche Hilfen bekommen - je nach Bezirk.

Herzogsägmühler Erklärung (download)

Fachstellen zur Verhinderung von Obdachlosigkeit – effektiv und effizient

Dramatischer Mangel an bezahlbaren Wohnraum in Bayern

 

Angesichts der dramatischen Situation auf dem Wohnungsmarkt im Segment des preisgünstigen Wohnens wird es immer wichtiger, bestehende Mietverhältnisse zu erhalten und Obdachlosigkeit zu bekämpfen.

Fachstellen zur Verhinderung von Obdachlosigkeit (FOL) sind für dieses Ziel die richtige fachliche Antwort. Der Fachverband Evangelische Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe in Bayern (FEWS) setzt sich aus diesem Grund für den flächendeckenden Ausbau von Fachstellen zur Verhinderung von Obdachlosigkeit in Bayern ein. Er hat eine unabhängige wissenschaftliche Studie in Auftrag gegeben, um die Effektivität und Effizienz der Fachstellen zur Verhinderung von Obdachlosigkeit in Trägerschaft der Diakonie in Bayern zu analysieren. Die wissenschaftliche Studie wurde beim Institut für Praxisforschung und Evaluation der Evangelischen Hochschule Nürnberg in Auftrag gegeben.

Aufgabenschwerpunkte der Fachstellen sind die Beratung und Betreuung von Bürgerinnen und Bürgern, denen der Verlust der Wohnung und der Eintritt von Obdachlosigkeit drohen. Ziel ist die Vermeidung neu entstehender Obdachlosigkeit durch Kündigungen und Räumungen. Nur ein vernetztes Zusammenwirken von kommunaler Verwaltung, Wohnungswirtschaft, Privatvermietern, Amtsgericht, Gerichtsvollzieher, Jobcenter und Fachstelle bietet eine Chance für wegweisende Veränderungen bei Haushalten, deren Weg ansonsten in Notunterkünfte führen würde. Ein weiterer Schwerpunkt sind Umzugshilfen in alternativen Wohnraum, die dann notwendig werden, wenn ein Wohnungswechsel nicht mehr vermeidbar ist. Als Bestandteil der Nachhaltigkeit ist am Ende die nachgehende Betreuung zur Sicherung erreichter Ziele für den Erfolg ganz entscheidend.

 

Effektivität, Effizienz und Kooperation im Verbund

 

Die zielführende Frage der Untersuchung richtete sich auf das Maß der Effektivität und der Effizienz der Arbeit der Fachstellen sowie deren Kooperation mit anderen Hilfeangeboten. Hier die wichtigsten Ergebnisse:

 

Fachstellen arbeiten sehr effektiv: Bei mehr als zwei Drittel der Ratsuchenden konnte die drohende Obdachlosigkeit abgewendet werden.
In mindestens 68 Prozent der Fälle konnte der Eintritt von Obdachlosigkeit verhindert werden, sei es durch Wohnungserhalt (30 Prozent) oder Umzug in eine andere Wohnung (29 Prozent), zu Familie/Freunden (6 Prozent) oder nötigenfalls in eine soziale Einrichtung (3 Prozent) bei entsprechendem Hilfebedarf. Ein Umzug in eine Notunterkunft oder Obdachlosenpension musste nur in 3 Prozent der Fälle vorgenommen werden und Wohnungslosigkeit trat nur in 2 Prozent der Fälle ein. Betrachtet man nur die Fälle, deren Ausgang zum Zeitpunkt der Dateneingabe bekannt ist (77 Prozent, N=240), dann liegt der Anteil positiver Fallausgänge sogar bei rund 88 Prozent.

 

Fachstellen zur Verhinderung von Obdachlosigkeit arbeiten höchst effizient.
1 Euro Zuschuss für Fachstellen erspart bis zu 3,52 € an Unterbringungskosten in Obdachlosenunterkünften oder bis zu 9,48 € an Unterbringungskosten in Obdachlosenpensionen bei einer angenommenen Verweildauer von zwölf Monaten.
Auch für Vermieter rechnet sich die Arbeit der Fachstellen: Vermieter können in vielen Fällen die Kosten einer Zwangsräumung vermeiden (Gerichtskostenvorschuss, Anwaltskosten, Vorschuss für Gerichtsvollzieher und Spedition wurden mit 4.860 € angesetzt) sowie der Verlust durch Mietausfall (angenommen wurden 6 Monate Dauer des Räumungsverfahrens zzgl. Rückstände von zwei Monatsmieten bei einer Durchschnittsmiete von 400 € kalt und 100 € NK, das ergibt 8 x 500 € = 4.000 € Mietausfälle). Vermieter können die Kosten und Mietausfälle bei den Schuldnern einfordern, werden aber nicht selten auf den bezifferten Kosten und weiteren Kosten (z. B. für Wohnungsrenovierung, Einlagerung von Inventar) sitzen bleiben.  

 

Fachstellen erreichen viele unterschiedliche Haushaltstypen.
In 40 % der Haushalte befinden sich Kinder, in 24 Prozent der Haushalte sind Personen mit Migrationshintergrund. Die Erfolgsquote bei der Abwendung von Obdachlosigkeit in Haushalten mit Kindern ist mit rund drei Viertel der Fälle größer als bei Haushalten ohne Kinder (65,5 Prozent).

 

Präsenz vor Ort zählt: Mitarbeitende der Fachstellen gehen zu den gefährdeten Haushalten vor Ort – die Beratung ist ausgerichtet auf die besonders belastende Situation der Ratsuchenden.
Häufig ziehen sich Personen mit Mietschulden aufgrund ihrer belastenden Lebenssituation zurück, sie vermeiden den Kontakt mit Behörden und finden auch nicht den Weg zu einer Beratungsstelle. Um mit den Haushalten mit Mietproblemen und drohendem Verlust der Wohnung in Kontakt zu kommen, müssen die Mitarbeitenden der Fachstellen aufsuchend tätig werden. Bei 26 Prozent der KlientInnen kam ein Erstgespräch nur deshalb zustande, weil die Mitarbeitenden der Fachstellen die Wohnung der KlientInnen aufsuchten. Während des gesamten Beratungsprozesses fanden bei 44 Prozent der KlientInnen Gespräche mindestens einmal außerhalb der Beratungsstelle statt. Im Durchschnitt wurden diese KlientInnen vier Mal außerhalb der Räumlichkeiten der Fachstelle kontaktiert.

 

Selbsthilfepotenziale aktiviert: Ratsuchende kommen für ihre finanziellen Verbindlichkeiten häufig selbst auf.
Von den 310 untersuchten Fällen der Studie waren bei 187 Fällen Mietrückstände der entscheidende Umstand für den drohenden Verlust der Wohnung. Bei 51 Prozent dieser Klienten/innen, bei denen finanzielle Rückstände eine Rolle spielten, konnten diese während des Untersuchungszeitraumes durch die Arbeit der Fachstellen reduziert, in 20 Prozent der Fälle konnten die Mietrückstände sogar vollständig getilgt werden. Die finanziellen Ressourcen stammten zum größten Teil von den KlientInnen selbst: Bei 42% Prozent der Fälle waren sie direkt beteiligt und bei 16 Prozent konnte ihr soziales Netz zur Rückzahlung der Mietrückstände eingebunden werden. Bei 32 Prozent der KlientInnen mit Mietrückständen wurden diese durch eine Mietschuldenübernahme überwiegend des SGB II- oder selten des SGB XII-Trägers beglichen. 3 Prozent der Ratsuchenden nahmen einen Kredit zur Begleichung der Mietschulden auf. Bei 2 Prozent der Fälle konnten die Rückstände durch den Einsatz von Spendenmitteln beglichen werden.

 

Nachhaltige Stabilisierung des Wohnraums: Zukünftige Mietzahlungen können im großen Umfang gesichert werden.
Von den 187 Fällen, in denen finanzielle Rückstände eine Rolle spielten, konnten in 52 Prozent der Fälle zum Zeitpunkt der Dateneingabe zukünftige Mietzahlungen sichergestellt werden. Unter den Aspekten, die halfen, Mietzahlungen zu sichern, wurde das Einleiten von Leistungen nach SGB II oder XII am häufigsten genannt - gefolgt von Fällen, in denen die Hilfesuchenden inzwischen wieder über ausreichend Einkommen verfügten.

 

Fachstellen haben eine äußerst hilfreiche moderierende Rolle im Fallprozess.
Im Rahmen von Experteninterviews gaben die Befragten an, dass die Rolle der Fachstellen gegenüber den KlientInnen sehr hilfreich sei: Akteure wie beispielsweise Vermieter, Sozialamt oder Jobcenter, von denen Forderungen, ablehnende Bescheide und Sanktionen ausgehen, werden laut ExpertInnenmeinungen immer wieder von den KlientInnen als „Feinde“ wahrgenommen. Demgegenüber sei es den Fachstellen in ihrer von Eigeninteressen weitgehend freien ModeratorInnenrolle möglich, ein Vertrauensverhältnis zu den KlientInnen aufzubauen.

 

Zahlen aus acht Fachstellen der Diakonie.
Die an der Studie beteiligten Fachstellen zur Verhinderung von Obdachlosigkeit sind zuständig für Stadt und Landkreis Rosenheim, Landkreis Neu-Ulm, Stadt Penzberg, Landkreis Freising, Landkreis Ebersberg, Landkreis Ostallgäu und Landkreis Weilheim-Schongau. Träger der Fachstellen sind Herzogsägmühle, Diakonie Rosenheim, Diakonie Neu-Ulm und Diakonie Freising.

Das muss sich ändern: Sechs-Punkte-Plan

 1. Fachstellen flächendeckend ausbauen und kostendeckend finanzieren!
Wir brauchen in Bayern in allen Landkreisen Fachstellen zur Vermeidung von Obdachlosigkeit. Diese müssen eine kostendeckende Finanzierung erhalten. Bedenke – jeder eingesetzte Euro zahlt sich drei- bis neunmal zurück!

 

2. Fachstellen in eine überregionale Finanzierung einbinden!
Für effektive Arbeit und für eine Entlastung der Gemeinden und Städte muss die Finanzierung der Fachstellen durch Kreistagsbeschlüsse über die Kreisumlagen auf Kreisebene delegiert werden. Die ordnungsrechtliche Zuständigkeit im Falle der Unterbringung darf dabei kein Hinderungsgrund sein.

 

3. Das Richtige tun und freie Träger mit dem Betrieb von Fachstellen beauftragen!
Ein entscheidendes Erfolgsmerkmal ist die aufsuchende Arbeit. Behörden und deren Mitarbeiter können so entlastet werden und für die Verhinderung von Obdachlosigkeit werden die Kräfte der Subsidiarität genutzt.

 

4. Zur Vernetzung verpflichten!
Fachstellen sind gut und effizient durch ihre Vernetzung mit allen an drohender Obdachlosigkeit beteiligten Akteuren. Dies muss unterstützt werden durch geeignete Maßnahmen zur Steigerung des Bekanntheitsgrades bei Behörden und Gerichten, bei Bürgerinnen und Bürgern sowie bei Vermietern.

 

5. Das vorhandene Hilfesystem effektiver nutzen!
Schon durch die sachgerechte Anwendung vorhandener rechtlicher Grundlagen lassen sich Obdachlosigkeit und deren Folgekosten oftmals vermeiden. Ein wirksames Hilfesystem kann so zur Wirksamkeit gebracht werden.

 

6. Das vorhandene oder zu entwickelnde Wohnangebot effizienter nutzen!
Sozialen Wohnungsbau und soziale Wohnraumvermittlung stützen und ausbauen durch enge Kooperationen mit öffentlichen und privaten Vermietern. Einbindung des Fachwissens von Fachstellen und deren einschlägige Verbände.

Kontaktadressen:

Fachstelle zur Verhinderung von Obdachlosigkeit Ebersberg
Floßmannstraße 2
85560 Ebersberg
t 08092 23210 - 25
fol-Ebersberg(at)diakonie-rosenheim(dot)de

Fachstelle zur Verhinderung von Obdachlosigkeit für den Landkreis Freising
Johannisstraße 6
85354 Freising
t 08161 144857
fol(at)diakonie-freising(dot)de

Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit im Landkreis Weilheim-Schongau
Sonnenstraße 50
82380 Peißenberg
t 08803 63 90 99 9
fol.wmsog(at)herzogsaegmuehle(dot)de

Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit für die Stadt Penzberg
Im Thal 13
82377 Penzberg
t 08856 804 29 99
fachstelle.penzberg(at)herzogsaegmuehle(dot)de

Fachstelle zur Verhinderung von Obdachlosigkeit für den Landkreis Rosenheim
Innstraße 72
83026 Rosenheim
t 08031 3009 - 1039
fol-land(at)diakonie-rosenheim(dot)de

Fachstelle zur Verhinderung von Obdachlosigkeit für die Stad tRosenheim
Austraße 34
83022 Rosenheim
t 08031 400 75 90
fol-stadt(at)diakonie-rosenheim(dot)de

Ökumenische Präventionsstelle für Wohnraumerhaltung für Stadt Neu-Ulm und
im Landkreis Neu-Ulm
Eckstraße 25
89231 Neu-Ulm
t 0731 704 78 21
s.deininger(at)diakonie-neu-ulm(dot)de

Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit im Landkreis Weilheim-Schongau
Dominikus-Zimmermann-Straße 1
86956 Schongau
t 08861 90 84 70
fachberatung.schongau(at)herzogsaegmuehle(dot)de

Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit im LandkreisWeilheim-Schongau
Herzog-Christoph-Straße 1
82362 Weilheim
t 0881 92 45 20 261
fol.wmsog(at)herzogsaegmuehle(dot)de

Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit im Landkreis Ostallgäu
Marktplatz 4
87616 Marktoberdorf
t 08342 89 570 741
fachstelle.ostallgaeu(at)herzogsaegmuehle(dot)de 

Mehr zum Thema?

Das Dossier 1/2015 der Diakonie Bayern zu Wohnungsnot im Freistaat

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Titel
Wohnungslosenhilfe, Straffälligenhilfe, Schuldnerberatung, Bahnhofsmission
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Heidi Ott
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