Gründungen in Bayern

- das älteste Bild des Missionshauses, Hauptstraße Nr. 2, 1853
Ermutigt durch den Erfolg auf dem Wittenberger Kirchentag reist Johann Hinrich Wichern im Juni 1849 durch Bayern, nachdem er zuvor bereits andere deutsche Bundesstaaten besucht hat. Auf diese Weise will er seine Vorstellungen und Ideen über die Aufgabe der Inneren Mission bekannt machen und dafür werben. Sein Konzept sieht vor, dass die diakonische und soziale Arbeit von freiwilligen Vereinen übernommen wird, die zwar im Raum der Kirche angesiedelt sind, jedoch nicht von der jeweiligen Landeskirche getragen wurden. Vielmehr soll die Arbeit der Vereine von außen der Erneuerung der Kirche dienen. Seine Reise führt Wichern durch die wichtigsten bayerischen Städte. Aus Würzburg, Erlangen, Nürnberg, Augsburg und München berichtete er über seine Eindrücke. Noch im Juni 1849 äußert er sich euphorisch: „... ich bin hier gegenwärtig mit der Eroberung Bayerns für die Innere Mission beschäftigt. In Würzburg, Zeilitzheim, Erlangen, Nürnberg habe ich bis jetzt acht öffentliche Vorträge gehalten und die Zeilitzheimer Konferenz hat sich angeschlossen [an den Centralausschuss] ... In Erlangen ist alles für die Sache selbst gewonnen, Männer und alle Fakultäten etc. Ich hoffe daselbst ... auch die Errichtung einer Brüderanstalt [mit Rettungsanstalt] angebahnt [zu haben], dasselbe vielleicht auch in Nürnberg.“
Im Anschluss an Wicherns Werbereise werden überall in den fränkischen Gebieten verschiedene diakonische Einrichtungen gegründet. So entstehen Rettungshäuser wie das Trautberger Haus bei Castell, in Erlangen wird die Puckenhofer Brüderanstalt errichtet, die ebenfalls mit einem Rettungshaus verbunden ist, das in 1850 in Schallershof gegründet worden ist. Konzipiert wird die Brüderanstalt von dem Erlanger Stadtvikar Julius Schunck (1822-1857) nach dem Vorbild des Rauhen Hauses in Hamburg.
Über die Erfolge in Bayern berichten die „Fliegenden Blätter“ des Rauhen Hauses – eine regelmäßige, von Wichern herausgegebene Publikation für Freunde, Förderer und Spender - im Jahr 1849 über die Innere Mission in Bayern: „... herzlich freue ich mich bei dieser Gelegenheit, Ihnen einige erfreuliche Notizen aus Bayern mittheilen zu können. Sie wissen, daß unser Land für die innere Mission bisher fast eine terra incognita gewesen. Zwar fehlt es nicht an einzelnen Anstalten und Bestrebungen ... doch im Vergleiche zu unserem so gesegneten Nachbarlande Württemberg, oder dem größeren Theile Norddeutschlands dürfte obige Behauptung kaum als zu stark erfunden werden.“


