Die Diakonie in der Bundesrepublik

- Jahresthema 2006 des Diakonischen Werks Bayern: „Für Würde eintreten. Für Gerechtigkeit streiten.“
Die Entwicklung der Diakonie wird in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von der Sozialpolitik auf Bundesebene geprägt. So beschrieben das Bundessozialhilfegesetz und das Jugendwohlfahrtsgesetz im Jahr 1961 die Rolle der Träger diakonischer Einrichtungen sowie die Position der Hilfe Suchenden. Aufgrund des gesellschaftlichen Wandels, insbesondere aber wegen wachsenden Wohlstandes erfuhr die soziale Arbeit bis in die siebziger Jahre eine starke Ausweitung. Daran hatte auch die Diakonie Anteil Verbunden damit war eine immer stärkere Ausdifferenzierung diakonischer Angeboten. Der Landesverband der Diakonie in Bayern, das Diakonische Werk Bayern, zählt über 100 verschiedene Arbeitsfelder im Raum der Diakonie – von der AIDS-Beratung bis zum Zivildienst. Es gibt Beratungsdienste für Erziehungs-, Ehe-, Familien- und allgemeine Lebensfragen, Kindertagesstätten, Tagesstätten und Heime der Jugendhilfe, Schulen und Internate, Behindertenhilfe, Altenhilfe, psychosoziale Hilfen oder die Betreuung von Ausländern sowie von Asylbewerberinnen und –bewerbern.
Gleichzeitig verändert sich das Gesicht der Diakonie. Immer weniger Frauen wählen den Weg in eine diakonische Gemeinschaft; die Zahl der Diakonissen ist entsprechend seit vielen Jahren stark rückläufig. Im Raum der Diakonie entstehen neue Berufsbilder, und mit eigenen Ausbildungsstätten engagieren sich diakonische Träger für den Nachwuchs. Das Zusammenwachsen Europas, die Öffnung Ost- und Mitteleuropas und der Zerfall der Sowjetunion hat schließlich dazu geführt, dass sich viele diakonische Träger auch außerhalb Deutschlands engagieren. Sie handeln damit in der Tradition ihrer Gründer. Bereits Wilhelm Löhe hat Diakonissen nicht nur nach Amerika oder Frankreich, sondern auch nach Osteuropa entstandt.


