Das 19. Jahrhundert: Europa verändert sich
Die Diakonische Arbeit, wie wir sie heute kennen, hat ihren Ursprung im frühen 19. Jahrhundert. Vielfältige Umbrüche kennzeichnen diesen Abschnitt der deutschen und europäischen Geschichte. Der Untergang des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation im Jahre 1806, die Auswirkungen der Napoleonischen Kriege und der Reichsdeputationshauptschluss von 1803 hat die politische Staatenwelt grundlegend verändert. In England beginnt die Industrialisierung, und in Deutschland führen verschiedene Reformen – wie etwa die Stein-Hardenberg’schen Reformen in Preußen - zu grundlegenden Veränderungen des Gesellschaftssystems, das bis dahin durch die Ständeordnung geprägt gewesen ist. Nun tritt das Bürgertum in den Vordergrund.
Das Bevölkerungswachstum einerseits und steigende Arbeitslosigkeit als Folge der Industrialisierung führen zum Phänomen des „Pauperismus“, einer Massenarmut, die in den ländlichen Gegenden vor allem die Kleinbauern und Tagelöhner und in den Städten die arbeitslosen Handwerker trifft.
Hier liegen die wichtigsten Wurzeln diakonischer Arbeit. Von ihrem christlichen Glauben und Gewissen getragen und angerührt vom Elend und Armut sowohl auf dem Land als auch in den Städten, initiieren evangelische Geistliche, aber auch Frauen und Männer aus den Bürgertum Einrichtungen und Vereine, die sich um die Linderung sozialer Missstände bemühten. Aus den Aktivitäten Einzelner entwickelt sich im Lauf des 19. Jahrhunderts die sogenannte „Liebesthätigkeit“ der „Inneren Mission“ – Vorläuferin der heutigen Diakonie.


