Positionen der Diakonie zur Armutsentwickluung

Die Situation
Nach Erhebungen des Statistischen Bundesamtes sind 10,6 Millionen Menschen in Deutschland von Armut bedroht, davon 1,7 Millionen Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren. Jede Dritte Person, die in einem Alleinerziehendenhaushalt lebt, ist armutsgefährdet. Frauen sind wesentlich stärker betroffen als Männer. Betrachtet man den Schulabschluss, so lebt jede 4. Person ohne Schulabschluss an der Armutsrisikogrenze. Den größten Anteil an sogenannter „versteckter Armut“ finden wir bei Menschen im Alter. Während Heute viele alte Menschen noch vom Ersparten leben oder eine ausreichende Rente beziehen, wird in den kommenden Jahren die Gruppe der verarmten Rentnerinnen und Rentner massiv zunehmen. Zum einen fehlen die nötigen Anwartschaftszeiten, die auch durch eine private Altersvorsorge nicht gedeckt werden konnten, zum anderen sind die Ersparnisse bereits vor erreichen der Ruhestandgrenze aufgebraucht.
Menschen an der Armutsgrenze leben in zu kleinen Wohnungen, die häufig in einem schlechten Zustand sind (Lärm, Luftverschmutzung, fechte Räume). Unerwartete Ausgaben, wie den Ersatz einer defekten Waschmaschine können sich mehr als die Hälfte der oben genannten Personen nicht leisten. Nicht selten gehen Sparmaßnahmen auf Kosten der Gesundheitsfürsorge.
Die Schere der Armutsentwicklung öffnet sich weiter. Von 1998 bis 2003 stieg die Armutsrisikogrenze von 12,1% auf 13,6% der Bevölkerung; die Zahl der überschuldeten Haushalte stieg von 1989 bis2002 um 258%. Die 10% der Reichen besitzen 46% des Bundesnettovermögens, während sich 10% der ärmsten 0,6% teilen. Derzeit ist noch keine Änderung in der Armutsentwicklung zu erkennen.
Die Aufgabe
Das Diakonische Werk in Bayern sieht die Entwicklung mit Besorgnis. Deshalb wurde die Armutsfrage zur Querschnittsaufgabe erklärt.
Die bayerische Diakonie engagiert sich vielerorts gegen die Armutsentwicklung. Die kirchliche allgemeine Sozialarbeit (KASA) setzt sich in Kooperation mit einem Netz von Beratungsstellen für eine gerechte Versorgung der Menschen an der Armutsgrenze ein. Eine Vielzahl von Projekten, wie Diakoniekaufhäuser, Tafeln, Stadtteilbüros, Kur- und Erholungsmaßnahmen, Suppenküchen oder Nachbarschaftshilfen sind sichtbare Zeichen gegen die Armut. Die bayerische Diakonie versteht sich zusammen mit anderen Trägern der sozialen Arbeit als Teil eines Bayern weiten Netzwerkes gegen die zunehmende Armut.
Das diakonische Werk Bayern wird nicht müde, die Verantwortung einer solidarisch en Gesellschaft einzufordern. Dies gilt für die vielen Aktivitäten und Hilfen im Kleinen ebenso, wie für politische Entscheidungen.
Der Weg
Auch wenn das biblische Zeugnis und darauf hinweist, dass wir „allezeit Arme unter uns haben“, so gilt gleichzeitig die unmissverständliche Aufforderung an die Begüterten, sich für die Benachteiligten einzusetzen. Dies soll nicht nur in karitativer Hilfe geschehen, sondern insbesondere im Einsatz für das Recht der Armen. Gottes Anwaltschaft für die „geringsten Brüder“ und Schwestern ist Auftrag für die Kirche und ihre Diakonie seit ihrem Bestehen.
Politische Forderung(en)
Das Diakonische Werk Bayern schließt sich den Forderungen des Nationalen Aktionsplanes zur Bekämpfung sozialer Ausgrenzung an. Die bedeutet
- Förderung der Teilnahme am Erwerbsleben. Es ist die würdigste Form der Armutsbekämpfung (z.B. Integration von Menschen in sozial schwierigen Lagen, besondere Förderung von Langzeitarbeitslosen, Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit)
- Förderung des Zugangs aller zu Ressourcen, Rechten, Gütern und Dienstleistungen (z.B. offensive Bekämpfung der versteckten Armut, Rechtssicherheit für SGB II Empfänger, gewissenhafte Information über die Rechtsansprüche nach den Sozialgesetzbüchern)
- Den Risiken der Ausgrenzung vorbeugen (z.B. verstärkte Überschuldungsprophylaxe, Verhinderung von Wohnungsverlust, Integration von Migrantinnen und Migranten, Förderung des Zugangs zu Bildung)
- Für die sozial Schwachen handeln (z.B. Menschen in sozial schwierigen Lagen, Menschen mit Behinderung, Migrantinnen und Migranten, Kinder und Jugendliche, Alleinerziehende, Menschen im Alter u.a.)
- Alle Akteure mobilisieren (Beteiligung an Armutskonferenzen, Armuts- und Reichtumsbericht, Integration der Armutsfrage in andere Sozialberichte etc.)
Mit der Diakonie können Sie rechnen – wir fordern nicht nur, wie fördern auch. Hier einige Beispiele:
- Ausbildung von jungen Menschen in der Jugendhilfe, Behinderteneinrichtungen und Diakonischen Trägern
- In 19 Arbeitslosenzentren ermöglichen wird den Zugang zu Arbeit
- Mit über 150 Mitarbeitenden hat alleine die Kirchliche Allgemeine Sozialarbeit im Jahr 2006 über 16.000 Klienten beraten
- Zur Durchsetzung ihres Rechtsanspruches können Menschen in Einzelfällen auf den Rechthilfefonds des Diakonischen Werkes zurückgreifen
- Mit Notfonds für Menschen in schwierigen Lebenslagen werden kurzfristige Notlagen überbrückt
- Mit Projekten und Initiativen zeigen die diakonischen Träger Lösungsansätze zur Verhinderung von sozialer Ausgrenzung und Linderung der Not auf (z.B. Leb-Mit-Laden, Arbeitslosentreffs, Diakoniekaufhäuser, Hausaufgabenbetreuungen, Rechtsambulanzen u. a. m.)
- Die Diakonie beteiligt sich maßgeblich an regionalen und bayerischen Armutskonferenzen; sie begleitet mit ihren kritischen Positionen die Sozialberichterstattung


