Positionen der Diakonie zu Angeboten für Alleinerziehende

Ausgangslage
Lobbyarbeit für Alleinerziehende gewinnt zunehmend an Bedeutung, sowohl innerhalb von Kirche und Diakonie als auch darüber hinaus. Drohende und bereits vollzogene Kürzungen in der Arbeit mit Alleinerziehenden sowie die familien- und sozialpolitischen Entwicklungen machen eine verstärkte Lobbyarbeit erforderlich.
Allein erziehend zu sein ist heute eine von vielen Formen, Familie zu leben, die in den letzten Jahren statistisch gesehen stetig zugenommen hat. Die Lebensgeschichten und -situationen von allein erziehenden Frauen und Männern sind unterschiedlich und vielfältig. Dabei trifft der Begriff „alleinerziehend“ den Sachverhalt nur unzureichend, da er die unterschiedliche Lebenssituation von Frauen und Männern in unserer Gesellschaft nicht berücksichtigt. Präziser sind die Begriffe „Mutter-Kind-Familie“ und „Vater-Kind-Familie“.
Wie auch immer die Hintergründe für die Lebensform „Alleinerziehend“ sein mögen, eines ist allen gemeinsam: Alleinerziehende spüren die strukturelle Benachteiligung von Familien in besonderem Maße. Zudem wird eine Trennung, das Verlassenwerden oder der Tod des Partners bzw. der Partnerin auch immer als Krise und Verunsicherung erlebt. Während dieser Zeit müssen entsprechende Hilfsangebote zur Verfügung stehen, und Menschen, die sich dieser Problemlagen annehmen.
Aufgabe
Aufgabe der Arbeit mit allein erziehenden Müttern, Väter und ihren Kindern ist es, Umbrüche, Übergänge und biographische Schnittstellen zu begleiten und dabei Alleinerziehende in ihrem Wunsch nach einem gelingenden Zusammenleben mit den Kindern zu unterstützen. Ein-Eltern-Familien haben ihre ganz eigenen Stärken und Ressourcen. Diese zu entdecken, nutzen und wertschätzen zu lernen ist Ziel aller Angebote für Alleinerziehende.
Daraus ergeben sich zum einen individuelle Ziele, wie die Bewältigung von Krisensituationen, die Aufarbeitung von Trennungs- und Verlusterfahrungen und eine Neuorientierung. Dazu gehören auch die Stärkung des Selbstbewusstseins und Selbstwertgefühls. Ein ökonomisch abgesichertes Leben ist zu ermöglichen, Solidarität und Gemeinschaft sollen erlebt, Kontaktmöglichkeiten hergestellt und die Selbsthilfe verstärkt werden.
Zum anderen ergeben sich gesellschaftspolitische Ziele, wie die Vermittlung eines differenzierten Bildes von Alleinerziehenden in der Öffentlichkeit und die Anerkennung von Alleinerziehenden als gleichwertiger Familienform. Die Verbesserung der finanziellen Rahmenbedingungen ist ein weiteres gesellschaftspolitisches Ziel sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die für Ein-Eltern-Familien eine existenzielle Notwendigkeit darstellt.
Der Weg
Kirche und Diakonie nehmen für Menschen in Notlagen, besonderen Lebenssituationen, in Konflikten und Krisen eine besondere Verantwortung wahr. Im Leitbild der Diakonie heißt es: „Wir leisten Hilfe und verschaffen Gehör“. Dies gilt ausdrücklich für benachteiligte Familien, zu denen auch viele Alleinerziehende gehören.
Die Fragestellungen in der Lebensform ‘Alleinerziehend’ sind oftmals sehr vielfältig und komplex. Daher braucht es unterschiedlichste Beratungs-, Unterstützungs- und Vernetzungsangebote. Grundsätze dafür sind: Selbsthilfe und Vernetzung, Parteilichkeit, geschlechtspezifischer Ansatz und Ganzheitlichkeit.
In Kirche und Diakonie hat sich neben professionellen Beratungs- und Bildungsangeboten eine lebendige Treffpunktarbeit für Alleinerziehende etabliert. Das Angebot reicht von thematischen Informationsabenden über offene Gesprächskreise bis hin zu Freizeitangeboten. Dabei ergänzen sich professionelle Beratungs- und Bildungsangebote mit der meist ehrenamtlich begleiteten Treffpunktarbeit. Keines der Angebote ist ohne das andere denkbar. Regionale und überregionale Vernetzungen im kirchlichen und außerkirchlichen Bereich sind unabdingbar. Zugleich sind die Belange von Alleinerziehenden in allen Bereichen von Kirche und Diakonie mit zu bedenken, und es ist darauf zu achten, dass alle Angebote der Vielfalt von Familienformen gerecht werden und Alleinerziehende ausdrücklich im Blick haben.
Träger der Alleinerziehendenarbeit und ehrenamtlich Mitarbeitende haben sich in der Evang. Arbeitsgemeinschaft für allein erziehende Mütter und Väter zusammengeschlossen zur Vernetzung und konzeptionellen Weiterentwicklung der Angebote.
Die Arbeitsgemeinschaft versteht sich als Interessenvertretung Alleinerziehender mit dem Ziel der Anerkennung als gleichwertige Familienform, beschäftigt sich mit familien- und frauenpolitischen Fragen und setzt sich für eine Verbesserung der finanziellen, rechtlichen und sozialen Situation allein erziehender Mütter und Väter und deren Kinder ein.


