Spielen und Lernen
Der Ausgangspunkt
Bereits bei der Konzeption des Tageszentrums Burghausen-Neuötting wurde ein Ladenprojekt als Bestandteil des Zentrums vorgesehen. Ziel sollte sein, eine Öffnung der Einrichtung nach außen, zum Lebensraum hin zu ermöglichen und nicht nur interne Angebote zu platzieren. Der Grundgedanke lautete: „Über die Schwelle treten in beide Richtungen“. Die Idee eines Spielzeugladens überzeugte, da Spielwaren nicht verderben, sie zeitlos sind - insbesondere, wenn es denn historisch bekannte Spiele sind -, und das Angebot zur Altstadt des Ortes passt. Zudem handelt es dabei um Produkte, die kaum oder nur in geringem Maße beratungsintensiv sind. Und schließlich entsteht für die Betroffenen durch den Kontakt mit Kindern und Familien eine Normalität außerhalb der Einrichtung. Und – ist Gesundheit nicht ansteckend? Mit diesem Konzept war der Weg zu neuen Kooperationspartnern geebnet. Dazu zählten Wirtschaftsförderung, Werbering, Geschäftspartner und andere.
Die Partner
Die Zielgruppen sind einerseits die Kundinnen und Kunden am Markt, also Kinder und deren Angehörige sowie andererseits die Mitarbeitenden, die über die Tätigkeit im Geschäft, die damit verbundene Verantwortung und durch den Kontakt mit den Kundinnen und Kunden Befähigung erfahren. Gleichzeitig wird ihnen so Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht.
Das Projekt
Vor Beginn mussten selbstverständlich verschiedene Hürden überwunden und Fragen geklärt werden. Etwa, ob und wie ein solcher Geschäftsbetrieb in die Satzung der Einrichtung passt. Denn Aufgabe der Tagesstätten ist es, Teilhabe und Eingliederung zu ermöglichen. Über das Medium „Arbeit im Zweckbetrieb“ ist dies allerdings vorzüglich möglich, denn die Klienten werden zeitweilig von kranken Menschen zu Verkäufern und Mitarbeitenden im Ladenteam. Hinzu kamen steuerrechtliche, organisatorische und andere Fragen
Eine weitere Herausforderung, mit denen sich die Einrichtung konfrontiert sah, war die veränderte Perspektive sozialer Arbeit - weg von der umfassenden Fürsorge hin zur Befähigung zur Selbstständigkeit durch das Medium Arbeit mit Echtheitsanspruch und dem Normalitätsprinzip folgend. Der Laden funktioniert, wenn er als ein professionell geführter Spielwarenladen ernst- und wahrgenommen wird und nicht als Betreuungsprojekt. Interessanterweise funktioniert die Betreuung erfahrungsgemäß erst dann, wenn vorher die Rollen ganz klar definiert worden sind.
Die Finanzen
Selbstverständlich werden die Zweckbetriebsteile und der Laden nach wirtschaftlichen Gesichtpunkten geführt, die Zuverdienste und entstehende Kosten müssen erwirtschaftet werden. Damit gelten das wirtschaftliche Prinzip und die kaufmännischen Regeln. Mittlerweile denkt man über ein Franchisangebot für externe Interessierte nach. Die Lieferpartner sind bereit, die Expansion des Projektes zu begleiten.
Der Erfolg
Der Erfolg ist für die psychisch belasteten Mitarbeitenden der gelungene Rollenwechsel hin zum fachkundigen Verkäufer. Zudem ermöglicht das Projekt einen kleinen Zuverdienst. Die Mitarbeitenden erfahren Bestätigung und Motivation und erhalten eine Tagesstruktur, die einer geregelten Arbeit nahekommt. Viele gewinnen neue Perspektiven und suchen daraufhin neue Herausforderungen.
Die Einrichtung ihrerseits wird als Teil der Altstadtbelebung wahrgenommen, als gestaltender Partner im sozialen Nahraum. Kurz - „die tun was.“ Sie etabliert sich als Ansprechpartnerin für Lösungen auch für andere Menschen im Umfeld, die aktive Hilfe benötigen – etwa bei Umzügen, Altpapierentsorgung, und anderem.
Durch das unternehmerische Handeln wurde die Einrichtung nicht mehr als nehmende, also subventionierte und teure Einrichtung wahrgenommen, sondern als Partner im Geschäftsfeld, im Lebensraum und somit als agierende und tätige Einrichtung zum Wohle der Gemeinde. Mit dem Laden begann - neben anderen Arbeitsaufträgen, die von uns akquiriert wurden - die aktive Beteiligung im Lebensraum und die Schaffung von „WIN-WIN Situationen“.


