Boden unter den Füßen
Die Ausgangslage
Gegenwärtig verlassen zehn und mehr Prozent der Schüler eines Jahrgangs die Schule ohne einen regulären Schulabschluss. Damit verschlechtert sich die Ausgangsposition für den Start ins berufliche Leben, mit allen damit verbundenen Folgen wie Hoffnungslosigkeit, Resignation bis hin zu Suchtproblematik und delinquentem Verhalten. Zum Teil sind auch aufgrund fehlender Sozialisation die Fähigkeiten, die eine Voraussetzung für die nachhaltige Behauptung im beruflichen Leben darstellen, nicht ausreichend entwickelt.
Hier setzt das Projekt „Boden unter den Füßen“ an, bei dem jungen Menschen ein Forum geboten wird, sich entsprechende Qualifikationen zu erwerben, Mut zu entwickeln, und so den Blick frei zu machen für eine persönliche Perspektive.
Die Partner
Die Zielgruppe des Projekts umfasst Jugendliche im Alter von 14 bis 16 Jahren, die in der Regel über keine abgeschlossene Schulbildung verfügen. Konkrete Erfahrungswerte aus der Arbeitswelt fehlen meist gänzlich. Allen gemeinsam sind die erfolglosen Bemühungen um ein festes Ausbildungs- /Arbeitsverhältnis. Mit dem Unternehmen Schotten & Hansen wurde ein Partner aus der Industrie gefunden, bei dem die Projektteilnehmenden unter realen Bedingungen arbeiten und lernen. Schotten & Hansen mit Sitz in Peiting fertigt Holzböden, aber auch komplette Innenausstattungen für Küchen, Türen sowie Wohn- und Arbeitsmöbel. Projektträger ist die „i+s Pfaffenwinkel GmbH Gemeinnützige Integrations- und Servicegesellschaft zur Berufsförderung“ des diakonischen Trägers Herzogsägmühle.
Das Projekt
Die Teilnehmer des Projekts „Boden unter den Füßen“ befinden sich neun Monate in der Maßnahme. In dieser Zeit gehen sie bei dem Unternehmen Schotten & Hansen einer geregelten Produktionstätigkeit nach, in deren Rahmen auch ein Leistungsprofil der Einzelnen erstellt wird. Gleichzeitig findet eine berufliche Orientierungsphase statt, die außer der Erarbeitung theoretischer Berufsbilder für eine mögliche Ausbildung auch die praktische Überprüfung dieser Ergebnisse anhand entsprechender Praktika beinhaltet. Hierbei darf natürlich eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit Elternhaus und Schule nicht fehlen.
Das Projekt „Boden unter den Füßen“ wird in unterschiedlichen Räumen durchgeführt, die sich alle auf dem Gelände der Firma Schotten & Hansen befinden. Dazu zählen die Produktionsstätten, zwei Büros und Beratungszimmer, ein Schulungs- und Pausenraum sowie ein Raum, in dem PC Schulungen durchgeführt werden können.
Die Finanzen
Die Finanzierung der Maßnahme wird anteilig von dem Kostenträger Jobcenter Weilheim-Schongau und der Fa. Schotten & Hansen übernommen. Die gesamte Unternehmung stellt eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten dar: für die Teilnehmer, weil eine Integration in die Gesellschaft möglich wird, für das Jobcenter, weil ein Weg gefunden wurde, schwer vermittelbare Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren, für den Betrieb Schotten & Hansen, weil Produktionsspitzen und Nadelöhre in der Produktion abgefedert werden können, und für Herzogsägmühle als Maßnahmeträger und diakonisch tätige Einrichtung.
Der Erfolg
Zwar handelt es sich bei „Boden unter den Füßen“ um ein Pilotprojekt, erste Beobachtungen sowie Erfahrungen mit vergleichbaren Ansätzen zeigen, dass unter anderem die Fehlzeiten wegen Krankheiten und anderen Gründen aufgrund der stabilen Tagesstruktur abnehmen. Ist die Hürde der ersten zwei Monate in der Maßnahme erst einmal genommen, so durchlaufen die Teilnehmer die Maßnahme „Boden unter den Füßen“ gemeinhin bis zum Ende und haben in der Regel anschließend auch eine feste Arbeitsstelle oder aber einen Ausbildungsplatz. Die bisherige Vermittlungsquote beträgt knapp 70%, wobei die meisten ehemaligen Teilnehmer nach wie vor der an sie vermittelten Arbeit nachgehen.

