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Symbolbild: Pressearbeit der Diakonie Bayern

Diakonie in Bayern für die Presse

Die Medien sind wichtige Gesprächspartner für die Diakonie in Bayern, die sie kritisch und konstruktiv begleiten. Gleichzeitig ist die Diakonie im Freistaat eine wichtige Ansprechpartnerin, wenn es um fundierte sozialpolitische Positionen, aber auch um Ansprechpartner und -partnerinnen in den Einrichtungen und Diensten geht.

Die Pressestelle des Landesverbandes steht den Mitarbeitenden der Medien darum jederzeit für Anfragen zur Verfügung.

Meldungen 2016

„Gleiches Recht für alle – Ja! Aber nicht so!“

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Diakonie Bayern lehnt Reformentwurf des SGB VIII ab

Nürnberg, 19.09.2016 Mit strikter Ablehnung hat die Diakonie Bayern auf den vorgelegten Arbeitsentwurf zur Reform des 8. Sozialgesetzbuches (Kinder- und Jugendhilfegesetz, SGB VIII) reagiert. Anlässlich des Weltkindertages sagte die zuständige Fachvorständin im Diakonischen Werk Bayern, Birgit Löwe: „Wir unterstützen die Überführung der Kinder und Jugendlichen mit Behinderung, die sogenannte ‚Inklusive Lösung‘, in das Kinder- und Jugendhilfegesetz. Der vorgelegte Entwurf geht allerdings in die völlig falsche Richtung. Eine solche Reform – nicht mit uns.“

Erhalten bislang nur Kinder und Jugendliche mit einer seelischen Behinderung Leistungen aus dem SGB VIII, alle Kinder und Jugendliche mit einer anderen Behinderung hingegen aus dem SGB XII (Sozialhilfe), soll dies zukünftig vereinfacht werden: Alle Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung sollen – wie geplant - zukünftig Leistungen aus dem Kinder- und Jugendhilfegesetz erhalten. Dieses Vorhaben erfüllt nun endlich eine jahrelange Forderung der Diakonie Bayern. Allerdings gibt der nun vorliegende Arbeitsentwurf keinerlei konkrete Klarheit bei der Umsetzung des sogenannten inklusiven Vorhabens, außer dass eine Übergangsfrist bis 2023 vorgesehen ist.

Dem vorliegenden Arbeitsentwurf zufolge sollen Kinder und Jugendliche zusätzlich einen individuellen Rechtsanspruch auf Unterstützung und Beratung, aber auch Teilhabeleistungen haben. „Dieser Rechtsanspruch geht zukünftig von den Erziehungsberechtigten auf die Kinder und Jugendlichen über. Dies wird die Rechte der Kinder und Jugendlichen stärken. Und das ist zu begrüßen.“ Allerdings sollen die Entscheidung, wer letztlich welche Leistungen erhält, laut Entwurf die Jugendämter treffen – und hier sollen dann stärker als bislang auch Kostenfaktoren eine Rolle spielen. Löwe: „Geld darf nicht der einzige Maßstab sein, wenn es um angemessene und notwendige Leistungen für Kinder und Jugendliche ohne und mit Behinderung geht.“

Ein reformiertes SGB VIII muss der Fachvorständin der Diakonie Bayern zufolge zudem die Interessen aller Beteiligten angemessen berücksichtigen. Es dürfe nicht sein, dass ein neues Gesetz Kinder und Jugendliche in erster Linie als „hilfe- und therapiebedürftige Klienten“ verstehe. „Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten erkannt, welche Rolle beispielsweise die Familie oder das soziale Umfeld bei der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen spielen, und wie sie selbst beteiligt werden müssen.“ Dies habe sich sowohl in der Gesetzgebung als auch in der Praxis der Kinder- und Jugendhilfe widergespiegelt.

„Die Kinder- und Jugendhilfe geht darum heute davon aus, dass bei allen Maßnahmen auch die Umgebung der Betroffenen und das System, in dem sie leben,  aber auch ihre eigen Mitbestimmung berücksichtigt werden muss.“ Hinter diese Entwicklung dürfe ein neues SGB VIII nicht zurücktreten. „Kinder und Jugendliche sind nicht nur Gegenstände von Therapien. Sie haben Rechte und Ansprüche an die Gesellschaft, in der sie leben. Egal, ob sie eine Behinderung haben oder nicht.“ So lange ein Gesetz die Gleichrangigkeit von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung nicht ausreichend anerkenne, werde die Diakonie es ablehnen.

Löwe fordert das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf, einen neuen Entwurf für die geplante SGB-VIII-Reform vorzulegen, an dem die Diakonie und die fachliche Expertise zu beteiligen sind. „Die Diakonie und ihre Fachverbände haben bereits vor längerem ihre Erwartungen an eine Reform des SGB VIII formuliert. Wir bringen sie gerne auch weiterhin in die Diskussion ein.“ Das BMFSFJ selbst sieht in der Reform einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen und des Ziels der Inklusion.

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„Politik muss in die Zukunft investieren.“

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Diakonie fordert Ausbau der Beratungsdienste für Flüchtlinge.

Nürnberg, 9 September 2016 Das Urteil der Diakonie Bayern ist eindeutig: Die Politik reagiert zu langsam auf die Entwicklungen der Flüchtlingszahlen in Deutschland. „Sie läuft Gefahr, mitten im Laufen stehen zu bleiben“ sagte der Präsident der Diakonie Bayern, Michael Bammessel, heute in Nürnberg. Zwar werde durch eine starke Aufstockung der Kapazitäten im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nun der riesige Stapel an unerledigten Asylanträgen abgearbeitet. Vor dem nächsten Schritt aber scheue sich die Politik: „Anerkannte Flüchtlinge brauchen Unterstützung, um bei uns zurechtzukommen, Wohnung, Ausbildung und Arbeit zu finden und zu lernen, wie man in unserer komplizierten Gesellschaft auf eigenen Füßen steht.“

Die Diakonie bietet für diese Fälle die Migrationsberatung für Erwachsene (MBE) sowie die Jugendmigrationsberatung (JMD) an. Bis zu 600 Personen werden von einem Mitarbeitenden beraten – ein Personalschlüssel, bei dem nach Ansicht der Diakonie-Verantwortlichen keine Beratung in angemessener Qualität mehr möglich ist. „Wir bräuchten einen Schlüssel von 1:150 – davon sind wir weit entfernt“, so der verantwortliche Fachvorstand der Diakonie, Dr. Tobias Mähner.

Der Wohlfahrtsverband fordert darum nun von der Bundesregierung, die Mittel im Bundeshaushalt 2017 von zunächst 44,7 auf 61,9 Millionen Euro, also um 17 Millionen, aufzustocken. „Mit dem Eigenanteil der Diakonie, der sich auf bis zu 35 Prozent beläuft, wären es dann möglich, einen Schlüssel von 1:250 zu erreichen.“ Dies wäre immerhin ein erster Schritt. Langfristig müssten die Mittel sogar mehr als verdoppelt werden – auf 112 Millionen alleine für die Migrationserstberatung.

Dass die Beratung erfolgreich sei, steht nach Ansicht der Diakonie außer Frage. Mähner: „Von den Beratenen selbst geben 88 Prozent an, dass sich ihre Lage durch die Beratung deutlich verbessert habe. Gleichzeitig ist der Anteil der Ratsuchenden, die zu Beginn der Beratung ALG-II-Leistungen bezogen haben, von knapp 50 Prozent auf etwas über 30 Prozent gesunken.“

Migrationserstberatung sei also eine Investition in die Zukunft, die sich durchaus rechnet, denn sie verhindert Folgekosten für die öffentlichen Haushalte. Mähner: „Die Zahl der Beratungsfälle in der MBE ist von 2014 auf 2015 um 40.000 Personen gestiegen – auf 205.000.“ Für das Jahr 2017 gehe das BAMF sogar von 240.000 Beratungsfällen aus. „Diese Zahl dürfte deutlich überschritten werden“, so Mähner.

Die Diakonie hält darum eine Aufstockung der Mittel für unausweichlich – eine Forderung, die laut Diakoniepräsident Bammessel völlig unabhängig davon sei, “ob eine Partei für die Zukunft eine stärkere Begrenzung der Zuwanderung fordert oder nicht: Denn den Ausbau der Beratung brauchen wir ja schon allein für die vielen Menschen, die bereits hier leben und anerkannt sind.“

 

 

 

Die Migrationserstberatung (MBE) der Diakonie bietet erwachsenen Migrantinnen und Migranten Information, Beratung und Orientierungshilfen an. Zu den Beratungsthemen gehören:

-       Erwerb der deutschen Sprache / Vermittlung an geeignete Sprachkurse

-       Beratung zu Bildung, Ausbildung, Arbeit

-       Informationen zur Anerkennung ausländischer Zeugnisse und Qualifikationen

-       Vermittlung an Kindertagesstätten

-       Unterstützung in Verwaltungsverfahren

-       Beratung bei der Wohnungssuche

-       Persönliche und familiäre Probleme

Das Beratungsangebot richtet sich an Migrantinnen und Migranten in den ersten drei Jahren des Aufenthalts bzw. nach der Anerkennung als Flüchtlinge sowie an bereits länger hier lebende Zugewanderte in besonders schwierigen Lebenssituationen. Die Migrationsdienste begleiten erwachsene Migrantinnen und Migranten „vor, während und nach“ dem Integrationskurs. Sie sollen Zugewanderte, die älter als 27 Jahre sind bei der sprachlichen, beruflichen und sozialen Integration unterstützen und einen Beitrag dazu leisten, dass die Zugewanderten sich neu orientieren und ihren Alltag selbständig bewältigen können.

Die Jugendmigrationsdienste evangelischer Träger bieten jungen Migrantinnen und Migranten im Alter von 12 - 27 Jahren Information, Beratung und Orientierungshilfen an. Sie unterstützen die jungen Zugewanderten mit einem professionellen Informations- und Beratungsangebot bei der schulischen, beruflichen und sozialen Integration. Gruppen und Bildungsangebote sowie eine intensive Vernetzung mit Schulen, Ausbildungsbetrieben, Integrationskursträgern und Einrichtungen der Jugendhilfe zählen zu den Aufgaben der JMD. 

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Erneut mehr Spenden für Brot für die Welt.

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Evangelisches Hilfswerk legt Jahresbilanz 2015 vor - 8.341.769 Euro Spenden aus Bayern

Nürnberg, 4. August 2016. 57,5 Millionen Euro hat das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt im Jahr 2015 eingenommen – etwa 1,7 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Besonders erfreulich: Ein vergleichsweise hoher Anteil daran, nämlich 8.341.769 Euro stammt aus Bayern. Das ist erneut der Spitzenplatz im Vergleich der evangelischen Landeskirchen. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies eine Steigerung um 300.000 Euro bzw. etwa 2,5 %.

Wir freuen uns, dass Spenderinnen und Spender Brot für die Welt auch 2015 ihr Vertrauen geschenkt haben“, kommentierte der Präsident der Diakonie Bayern, Michael Bammessel, das Ergebnis. „Ich danke herzlich allen, die dazu beigetragen haben.“ Im Zentrum der Arbeit von Brot für die Welt und seinen Partnerorganisationen standen die Überwindung von Hunger und Mangelernährung, die Förderung von Bildung und Gesundheit, der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und die Wahrung der Menschenrechte. Neu bewilligt wurden im vergangenen Jahr weit über 500 Projekte in ca. 80 Ländern. Die meisten Mittel flossen nach Afrika.

Neben Spenden und Kollekten erhielt Brot für die Welt 2015 Mittel des Kirchlichen Entwicklungsdienstes und Beiträge Dritter, vor allem aus dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Insgesamt standen dem Hilfswerk der evangelischen Kirchen und Freikirchen 255,4 Millionen Euro zur Verfügung. Die Gesamtausgaben für Projekte betrugen 238 Millionen Euro oder 94,3 Prozent der Mittel. Für Werbe- und Verwaltungsaufgaben wurden 5,7 Prozent eingesetzt. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) bewertet die Werbe- und Verwaltungsausgaben an den Gesamtausgaben als niedrig.

„Mit einem bundesweiten Jahresergebnis von über 55 Millionen Euro im Jahr 2012 ist ‚Brot für die Welt‘ gut aufgestellt, um sich weltweit für Gerechtigkeit zu engagieren“, sagte Michael Bammessel bei der Vorstellung der Zahlen heute in Nürnberg: „Wie wichtig dieses Engagement ist, wird uns in Europa immer klarer vor Augen geführt. Die Spur weltweiter Ungerechtigkeit führt etwa von den armen Ländern Afrikas über das Mittelmeer bis vor unsere Haustür – und sie ist von Tausenden von Toten gesäumt.“ Bammessel betonte: „Um der globale Armutswanderung wirksamer zu begegnen brauchen Hilfswerke wie Brot für die Welt noch erheblich mehr Spenden – und darüber hinaus müssen international tätige Unternehmen weitaus stärker auf gerechte Arbeitsbedingungen in den Niedriglohnländern hinwirken als bislang.

Brot für die Welt ist das weltweit tätige Hilfswerk der evangelischen Landes- und Freikirchen. Gegründet 1959, fördert das Werk heute in mehr als 90 Ländern Projekte zur Überwindung von Hunger, Armut und Ungerechtigkeit.

Den detaillierten Jahresbericht können Sie kostenlos anfordern bei deraed@diakonie-bayern.de, Tel. 0911 9354 223.

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„So ist das nicht unser Gesetz!“

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Diakonie Bayern fordert umfangreiche Nachbesserungen beim Bundesteilhabegesetz

Nürnberg, 24. Juli 2016 Mangelnde Teilhabemöglichkeiten – ungerecht – bürokratisch: Die Diakonie in Bayern hat einiges am geplanten Bundesteilhabegesetz zu kritisieren. Anlässlich des 150sten Jubiläums der Polsinger Heime (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen) würdigte Michael Bammessel, Präsident der Diakonie Bayern, die Hilfe für Menschen mit Behinderung. „Vor 150 Jahren war eine Einrichtung wie diese in Polsingen eine Pionierleistung.“ Die Behindertenhilfe habe sich seitdem kontinuierlich weiterentwickelt. Für den nächsten geplanten Schritt, das Bundesteilhabegesetz, fand Bammessel jedoch deutliche Worte. Es sei ein Gesetz angekündigt gewesen, das die Teilhabe von Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben wesentlich verbessern sollte: „Herausgekommen ist an vielen Stellen leider das Gegenteil.“ In dieser Form sei dies, so Bammessel, „nicht unser Gesetz.“

Die Kritik der Diakonie Bayern entzündet sich unter anderem an der Frage, wer überhaupt Leistungen nach dem geplanten Gesetz erhalten soll. Laut Entwurf soll von den Leistungen profitieren, wer in mindestens fünf von neun definierten Lebensbereichen Unterstützung benötigt. Bammessel: „Was aber, wenn jemand nicht in fünf, sondern nur in vier Bereichen in erheblichem Umfang Hilfe benötigt ? Bekommt dieser Mensch dann keine Hilfe?“ Bammessel äußerte außerdem die Befürchtung, dass ganze Gruppen von Menschen mit einer Behinderung gar keine Leistungen mehr aus dem neuen Gesetz erhielten. Dies gelte etwa für Menschen mit einer seelischen Erkrankung, die nur in einem oder zwei der definierten Lebensbereiche Hilfe benötigen: "Sollen ihnen künftig Hilfeleistungen entzogen werden, weil sie angeblich nicht mehr behindert genug sind?“.

Als weiteres Beispiel nannte Bammessel die Assistenz für Menschen mit einer Hör- oder Sprachbehinderung: „Ihnen steht eine Assistenz zu – aber nur zu besonderen Anlässen.“ Leider aber lasse der Entwurf völlig offen, was ein besonderer Anlass sei. „Gilt das für einen Gottesdienst? Für den Besuch einer Kneipe mit Freunden?“ Auch hier sehe die Diakonie erheblichen Nachbesserungsbedarf. Bammessel forderte insbesondere die bayerischen Bundestagsabgeordneten auf, sich für eine Überarbeitung des Entwurfes einzusetzen, der nach der Sommerpause im Bundestag beraten werden soll. Sein Appell: „Lassen Sie nicht zu, dass dieses Gesetz für viele Betroffenen zu einer Verschlimmbesserung ihrer Situation führt.“

Die Polsinger Heime der Diakonie Neuendettelsau, begehen mit einem Festakt am 24. Juli ihr 150-jähriges Jubiläum. Die Einrichtung für Menschen mit Behinderung ist damit eine der ältesten Einrichtungen der bayerischen Diakonie. Hier leben über 300 Menschen mit einer Behinderung in Wohngruppen und stationären Einrichtungen.

 


 

 

 

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“Jetzt fängt die Arbeit erst richtig an.“

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Diakonie Bayern: Integration von Flüchtlingen braucht rasche Investitionen in Begleitung und Beratung.

Nürnberg, 21.07.2016 Der Finanzbedarf für die Integration von Flüchtlingen wird auf absehbare Zeit unverändert hoch bleiben. Davon ist die Diakonie Bayern überzeugt und fordert die Staatsregierung auf, entsprechende Mittel im kommenden Haushalt einzuplanen. „Die Zahl der Anerkennungen nimmt zu“, so Michael Bammessel, Präsident der Diakonie Bayern – „umso mehr müssen wir in die Migrationsberatung investieren.“ Denn mit der Anerkennung endet der Beratungsbedarf ja nicht. „Im Gegenteil – jetzt fängt die Arbeit erst richtig an.“ Für die Integration der bleiberechtigten Flüchtlinge seien viele Unterstützungsmaßnahmen erforderlich und dazu gehörten neben der Sprachförderung  auch die individuellen Beratungshilfen.

In den bayerischen Unterkünften lebt eine stetig wachsende Zahl anerkannter Flüchtlinge. Damit steigt der Bedarf an Migrationsberatung, die anerkannten Flüchtlingen hilft, in der Gesellschaft Fuß zu fassen, enorm an. Bammessel: „Erst nach dem Abschluss des Asylverfahrens kann die Integration richtig beginnen, denn jetzt ist klar, dass es für die Geflüchteten auch eine langfristige Perspektive gibt.“ Aus diesem Grund müssten nun deutlich mehr Mittel in die Migrationsberatung investiert werden.

Augenblicklich gibt es bei der bayerischen Diakonie 31 Vollzeitstellen für die Migrationsberatung Erwachsener (MBE) sowie 18 Vollzeitstellen bei den Jugendmigrationsdiensten (JMD). Der Bedarf, so Bammessel, liege jedoch weitaus höher: „Uns liegen die Interessensbekundungen aller Verbände in Bayern vor. Demnach können wir von einem Bedarf von weit über 100 Vollzeitstellen für die MBE ausgehen, auf die Diakonie entfielen gegenwärtig insgesamt 70 Stellen – zusätzlich zu den bereits bestehenden 31 Stellen.“ Er gehe davon aus, dass der Bedarf bis Jahresende nochmals deutlich anwachsen würde. Bammessel: „Die Diakonie wird auch hier wieder einen finanziellen Eigenbeitrag leisten, wie bei allen Beratungsdiensten. Wie schon bei der Asylsozialberatung werden auch bei der Migrationsberatung die staatlichen Pauschalen die tatsächlichen Kosten nicht decken. Allerdings muss die Finanzierungslücke deutlich kleiner werden als bisher. Sonst ist der dringend nötige Ausbau unmöglich.“

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Inklusion oder Exklusion?

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Finissage mit Podiumsdiskussion zur Ausstellung „Kunst trotz(t) Handicap“ am 14. Juli

Nürnberg, 12.07.2016 Mit einer ungewöhnlichen Finissage endet am kommenden Donnerstag, den 14. Juli, die vielbeachtete Ausstellung „Kunst trotz(t) Handicap“ in der Nürnberger Egidienkirche. Nach einer Führung durch die Ausstellung mit Werken von mehr als 80 Künstlerinnen und Künstlern aus ganz Deutschland diskutieren Experten unter dem Titel „Inklusion oder subtile Exklusion?“ über die Teilhabemöglichkeit von Menschen mit Behinderung.

 

 

 

Auf dem Podium: Bernd Zachow von den Nürnberger Nachrichten, Thomas Bannasch, Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe (München), Rudi Bodmeier, atelier Heilpädagogisches Centrum Augustinum (München), Klaus Mecherlein, Leiter des Heilpädagogischen Centrums Augustinum (München) sowie Ausstellungskurator Andreas Pitz. Moderiert wird die Veranstaltung von Michael Bammessel, Präsident der Diakonie in Bayern.

 

Die Wander-Ausstellung „Kunst trotz(t) Handicap“ der Diakonie Deutschland war seit dem 15. Juni 2016 in der Egidienkirche, im „eckstein“ – Haus der Kirche und im Diakonischen Werk Bayern in Nürnberg zu sehen. Sie verbindet Werke von Künstler/innen mit Handicap aus 20 Ateliers in Deutschland mit Werken von renommierten Künstler/innen, die sich mit dem Thema Behinderung und Inklusion auseinandersetzen. Die Finissage beginnt am 14. Juli um 18.00 Uhr.

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Fünf Jahre Bundesfreiwilligendienst bei der Diakonie

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Ein Erfolgsmodell feiert Geburtstag

Nürnberg, 29. 06. 2016 Mehr als 1.200 Plätze pro Jahr in sieben verschiedenen Arbeitsfeldern von Diakonie und Kirche – wer sich in Bayern freiwillig engagieren will, hat eine große Auswahl. Am häufigsten nachgefragt: Der neugeschaffene Bundesfreiwilligendienst (BFD) sowie das bewährte Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) in der ambulanten Arbeit, in der Kirchengemeinde und in der Behindertenhilfe. „Das Spektrum unserer Plätze ist groß und ermöglicht vielfältige soziale Erfahrungen“, so Michael Bammessel, Präsident der Diakonie Bayern. Sein Fazit nach fünf Jahren Bundesfreiwilligendienst: „Ein absolutes Erfolgsmodell – für alle Beteiligten.“

 

Eingeführt wurde der Dienst, nachdem durch die Aussetzung der Allgemeinen Wehrpflicht auch der Zivildienst entfallen war. Die neuen Angebote für junge Menschen („Bundesfreiwilligendienst“- BFD) und Menschen mit Ausbildung oder Berufserfahrung („Bundesfreiwilligendienst für Ältere“ – BFD 27+) ergänzen als zweite Säule seit 2011 das bereits seit 1964 angebotene „Freiwillige Soziale Jahr“ (FSJ) und das „Freiwillige Ökologische Jahr“ (FÖJ, seit 1993). Erst im Jahr 2016 hinzugekommen ist der „Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug (BFD-F)“.

 

„Die Diakonie bietet damit eine erstaunliche Bandbreite von Erfahrungsräumen“, so Bammessel heute in Nürnberg, „und damit auch immer mehr Menschen die Möglichkeit, sich freiwillig für einen bestimmten Zeitraum zu engagieren.“ Neben der ambulanten Arbeit, der Kirchengemeinde und der Behindertenhilfe würden die Freiwilligen in der Diakonie auch in der Gemeinwesenarbeit, der Kulturarbeit, in Einrichtungen für psychisch kranke Menschen sowie in Kinderkrippen mitarbeiten.

 

Dabei war die Einführung der neuen Dienste am 1. Juli 2011 zwar nicht holprig, aber doch mit Unsicherheiten verbunden. Würden die Einrichtungen den Wegfall des vertrauten „Zivis“ einfach so verkraften? Und würden sich genügend Interessenten für die Alternativen BFD und BFD 27+ finden lassen? Bammessel zufolge ist den Einrichtungen der Übergang vom Zivildienst auf die Freiwilligendienste, wie die Angebote zusammenfassend genannt werden, gelungen - wenn auch nicht alle entfallenen Zivildienststellen durch die neuen Dienste ersetzt werden konnten. „Dies wird aber durch den Charakter von BFD und FSJ als wirkliche Freiwilligendienste wieder wettgemacht.“ Sie seien eben kein Wehrersatzdienst mit einem verpflichtenden Charakter.

 

Fünf Jahre nach der Einführung zeigt sich darum: Die Dienste haben manches verändert, und sie funktionieren. „Die Struktur der Teilnehmenden hat sich verändert: War früher der Anteil der Männer – durch den Zivildienst als Wehrersatzdienst – deutlich höher, so hat in den vergangenen Jahren der Anteil der Frauen unter den Freiwilligen  zugenommen.“ Als erfreulich bewertet es Bammessel auch, dass die Freiwilligendienste für viele zunehmend der Einstieg in die soziale Arbeit ist. „In Bayern werden etwa zehn Prozent aller Bundesfreiwilligen über 27 Jahre von den Einrichtungen der Diakonie, in denen sie eingesetzt sind, übernommen – entweder in eine Ausbildung oder aber in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis“.

 

An der Attraktivität der Angebote hat Bammessel keinen Zweifel. „Wir haben erst vor kurzem begonnen, unsere Plätze für den Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug BFD-F zu bewerben. Bereits innerhalb weniger Tage haben wir schon zehn Prozent der Stellen besetzt.“ Der Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug war Teil des Asylverfahrens­beschleunigungsgesetzes. Durch ihn sollten die Möglichkeiten deutlich erweitert werden, sich im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes für Flüchtlinge zu engagieren.

 

Bammessel: „Die Freiwilligendienste verändern den Blick – auf andere, auf sich selbst, auf das Leben. Und viele Freiwillige sagen nachher: Diese Erfahrung hat mein Leben verändert.“   

 

Weitere Informationen rund um das Freiwillige Soziale Jahr und den Bundesfreiwilligendienst bei der Diakonie in Bayern finden Sie unter www.diakonie-bayern.de sowie unter www.miteinander-freude-leben.de

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Sozialwirtschaft auf der Suche nach den Sozialexperten von morgen.

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Jahresempfang der Diakonie Bayern:

Nürnberg, 27.06.2016 Der Fachkräftemangel in der Sozialwirtschaft und mögliche Gegenstrategien standen im Mittelpunkt des Jahresempfangs der Diakonie Bayern heute in Fürth. Acht namhafte Referenten und Referentinnen diskutierten mit etwa 150 geladenen Gästen unterschiedliche Lösungsansätze – von der Positionierung der Diakonie als Arbeitgebermarke in sozialen Netzwerken bis hin zu Erfahrungen mit Pflegemitarbeitenden aus dem Ausland.

 

Der Festredner der Veranstaltung, Professor Dr. Markus Schmitz, Vorsitzender der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit, betonte in seinem Vortrag die Rolle der Zuwanderer  für den deutschen Arbeitsmarkt: „Die Sozialwirtschaft ist eine der größten Wachstumsbranchen Bayerns und der demographische Wandel wird ihre Bedeutung weiter verstärken. Die Zuwanderung – gerade aus dem europäischen Ausland! – leistet schon heute einen wichtigen Beitrag, um Fachkräfte für diese Branche zu gewinnen. Gleichzeitig zeigen aber auch verschiedene Initiativen auf dem heimischen Arbeitsmarkt, wie etwa zur Altenpflege, dass es bei überlegter Anstrengung auch heute schon gelingen kann, aus dem einheimischen Potenzial zusätzliche Fachkräfte zu gewinnen.“ Die auf dem Fluchtwege nach Deutschland gekommenen Menschen würden zwar kurzfristig nicht dazu beitragen können, den Fachkräfteengpass in der Sozialwirtschaft zu überwinden. Volkswirtschaftlich wirkt die Zuwanderung von Flüchtlingen aber wie ein kleines Konjunkturprogramm, da es zunächst einmal zusätzliche Bedarfe nach Fachkräften auslöse. „Mittelfristig erscheint es aber durchaus realistisch, dass Menschen aus den Fluchtgebieten auch selbst in diese Branche wechseln. Dazu müssen wir diese Menschen aber beim Spracherwerb, der Kompetenzerfassung sowie der Qualifizierung und ganzheitlichen Betreuung unterstützen. Mit unserem Arbeitsmarktprogramm Flucht, das allein für dieses Jahr mit 85 Millionen Euro dotiert ist, setzen wir alles daran, Geflüchteten in Bayern individuelle Angebote zu unterbreiten und nachhaltig in den Arbeitsmarkt zu bringen. Dabei ist klar: Integration ist Marathon, kein Sprint. Dann können Geflüchtete auch in der Sozialbranche zu Fachkräften von übermorgen werden.“

 

Diakoniepräsident Michael Bammessel warb für einen realistischen Umgang mit dem Thema Zuwanderung: „Wir erleben häufig eine Diskussion der Extreme – Zuwanderung ist dann entweder der Königsweg für den Arbeitsmarkt oder aber eine Katastrophe. Beides ist falsch.“ Nicht für jeden Flüchtling werden sich die Hoffnungen erfüllen, in Deutschland rasch eine Arbeit und eine eigenes Auskommen zu finden. Viele aber werden ihre Chance sehen und sie nutzen. „Sie bringen Erfahrungen und Fähigkeiten mit, von denen Deutschland profitieren kann.“ Bammessel wies aber auch auf die Anstrengungen hin, die damit verbunden seien: „Die Integration der Flüchtlinge, die bei uns bleiben werden, ist eine der Zukunftsaufgaben für unsere Gesellschaft. Wenn wir sie meistern, wird es ein Gewinn für unser Land sein“

 

Angesichts sinkender Flüchtlingszahlen warnte Bammessel davor, die Integrationsaufgaben der kommenden Monate und Jahre zu unterschätzen. Damit die Menschen eine wirkliche Perspektive in Deutschland haben, bräuchten sie Begleitung und Unterstützung, etwa durch entsprechende Migrationsberatung. „Bayern hat in den vergangenen Monaten viel getan, um die Flüchtlinge aufzunehmen und zu versorgen. Nun muss unsere Anstrengung ihrer Zukunft gelten.“ 

 

 

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Rot und voller Lebensfreude

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Ausstellung „Kunst trotz(t) Handicap“ in Nürnberg

Nürnberg, den 8.6.2016 Die Ausstellung der Diakonie Deutschland „Kunst trotz(t) Handicap“ wird vom 15. Juni bis 14. Juli 2016 in Nürnberg gezeigt, an drei verschiedenen Orten: in St. Egidien, im „eckstein“ – Haus der Kirche und in der Geschäftsstelle des Diakonischen Werkes Bayern. Sie lädt dazu ein, eigene (Vor-)Urteile, Ansichten und Einstellungen zu überprüfen und die Vielfalt, Qualität und Besonderheit von Kunst kennen zu lernen, die von Menschen mit körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen geschaffen wurde.

 

„Kunst trotz(t) Handicap“ – der Titel ist Programm: Kunst lehnt sich auf gegen Behinderung, Einschränkung und Beeinträchtigung. Kunst von Menschen mit Behinderung ist Kunst, d. h. sie fordert den gleichen Stellenwert in der Gesellschaft ein wie die Kunst von nichtbehinderten Menschen. Sie hat zugleich ein spezifisch Eigenes und eine besondere Qualität, die von der Art der Beeinträchtigung der Künstler/innen bestimmt wird.

 

Das Titelbild des Katalogs von Aurel Arens „rot/petrol“ (2007) strahlt Kraft, Lebensfreude und Energie aus. Aurel Arens arbeitet im Atelier der Pflege- und Lebensgemeinschaft in Wuppertal. Aus dieser und weiteren 20 Ateliers in ganz Deutschland stellte Kurator Andreas Pitz die Ausstellung zusammen und ergänzte sie um Werke von Künstlerinnen und Künstlern, die nicht behindert sind, sich jedoch mit dem Thema beschäftigen. So entstand eine inklusive Ausstellung, die einen Beitrag zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention leisten möchte und auch zum kritischen Nachdenken über den Begriff der ‚Inklusion‘ anregt.

 

Die Ausstellung in Nürnberg wird ergänzt um Werke von regionalen Künstler/innen mit Behinderung, die in der Künstlergruppe Chroma Omada und in der WerkStadt Lebenshilfe Nürnberg gGmbH entstanden sind. Diese Bilder werden im „eckstein“ gezeigt.

 

Die Ausstellung wird am 15. Juni 2016 um 18.00 Uhr  mit einer Vernissage in St. Egidien eröffnet. Im Anschluss dazu führt Kurator Andreas Pitz durch die Ausstellung.

 

 

Die weiteren Öffnungszeiten der Ausstellung vom 15.6. bis 14.7.2016:

 

St. Egidien, Egidienplatz, Altstadt Nürnberg:

täglich von 9 Uhr bis 18 Uhr

 

„eckstein“ – Haus der Kirche, Burgstraße 1-3, 90403 Nürnberg:

Mo-Fr von 9 Uhr bis 20 Uhr

Sa von 9 Uhr bis 17 Uhr

 

Diakonisches Werk Bayern, Pirckheimerstraße 6, 90408 Nürnberg:

Mo-Fr 9-12 Uhr und Mo-Do 13.30 bis 16 Uhr

Besucherinnen und Besucher werden gebeten, sich an der Pforte zu melden.

 

Weitere Informationen zur Ausstellung und zum umfangreichen Rahmenprogramm finden Sie hier:

 

http://www.diakonie-bayern.de/kampagnen-messen-veranstaltungen/ausstellung-kunst-trotzt-handicap-vom-156-bis-1472016-in-nuernberg.html

 

sowie unter

 

www.kunst-trotzt-handicap.de

 

Weitere Informationen erhalten Sie außerdem im

 

Diakonischen Werk Bayern

Dr. Leonie Krüger

Referentin für Öffentlichkeitsarbeit

Pirckheimerstraße 6

90408 Nürnberg

Tel.: 0911 9354-207

E-Mail: krueger(at)diakonie-bayern(dot)de

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Anlaufstelle für immer mehr Menschen in Armut aus Osteuropa

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Große Herausforderung für die Bahnhofsmissionen in Bayern

Nürnberg, 8. Juni 2016 Sie haben keine Bleibe, kein Geld, kein Essen: viele Osteuropäer, die in der Hoffnung auf Arbeit und ein besseres Leben nach Bayern kommen, stranden in der Bahnhofsmission. So war die Arbeit in den kirchlichen Anlaufstellen im vergangenen Jahr mancherorts nicht nur geprägt von der Flüchtlingswelle. „Sehr zu schaffen machte manchen Bahnhofsmissionen die Not von Zuwandernden aus dem osteuropäischen Ausland“, so Hedwig Gappa-Langer und Michael Frank von der Arbeitsgemeinschaft der kirchlichen Bahnhofsmissionen in Bayern, denn „hier kommen die Mitarbeitenden in vielen Fällen spürbar an ihre Grenzen.“

Insgesamt fast 250 000 Mal nahmen Hilfesuchende 2015 die unbürokratische Unterstützung der 13 Bahnhofsmissionen in Bayern in Anspruch, teilen die katholi schen und evangelischen Einrichtungen in einer Presseinformation mit. Die 320 haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden erbrachten fast 470 000 Hilfeleistungen. Darunter waren neben der Ausgabe von Notproviant knapp 56 500 materielle Hilfen, darunter Ersatzkleidung. Das ist gegenüber dem Vorjahr noch einmal eine Steigerung um acht Prozent. Jeder dritte Gast ist laut Statistik von Armut betroffen.

Mittellosigkeit ist zwar nicht nur ein Problem der zugewanderten Gäste. Für Hedwig Gappa-Langer, zuständige Referentin beim Frauenfachverband IN VIA Bayern e.V., zeichnet sich hier eine bedenkliche Entwicklung ab: „Auffallend ist, dass immer mehr Männer und Frauen aus Südosteuropa kommen, die sich in einer existentiellen Notlage befinden.“ Sie sprechen kein Deutsch, haben keinen Job, keine Unterkunft und ihr Anspruch auf Hilfen ist unklar und wird in der Rechtsprechung unterschiedlich bewertet. Nicht wenige sind krank, psychisch belastet und leben inzwischen hier auf der Straße – manchmal sogar mit ihren Familien, bestätigen die Leitungen der Bahnhofsmissionen vor Ort. „Es hat sich eine neue Obdachlosigkeit entwickelt“, sagt Anita Dorsch von der Nürnberger Station, „die meisten tragen das, was sie haben, auf dem Leib.“ Das Frustrierende dabei: „Es gibt kaum Möglichkeiten zu helfen und wenig zu beraten.“ Einen vorübergehenden Schlafplatz vermitteln, auf eine Kleiderkammer verweisen oder bei der Rückreise ins Heimatland helfen – mehr geht meist nicht. 

 

Das ist auch in Augsburg so, wo sich die Bahnhofsmission zu einer Art „Überlebensinsel“ für neu zugewanderte EU-Bürger entwickelt hat. „Unsere Anlaufstelle ist für sie so wichtig, weil sie von den anderen Hilfesuchenden toleriert werden, sich treffen und in Ruhe neue Kraft tanken können“, sagt Lisa Hagins vom Diakonischen Werk.  Fast jede(r) zweite Hilfesuchende hier hat mittlerweile Migrationshintergrund. Sogar Familien mit kleinen Kindern sind dabei, „sie wohnen im Auto, sehen aber trotzdem keinen Anreiz in ihre Heimat zurückzukehren“, so Dagmar Kunkel-Epple, Leiterin der Augsburger Einrichtung. Das gilt besonders auch für Angehörige ethnischer Minderheiten aus diesen Ländern.

War ihr früheres Leben schon von Armut und Ausgrenzung gekennzeichnet, sind die Perspektiven auch in Deutschland alles andere als rosig – nicht zuletzt, weil „sich keiner verantwortlich fühlt und hinschaut“, bedauert Susanne Mai vom Diakonischen Werk Regensburg und evangelische Leitung der Bahnhofsmission: „Wir haben es mit mittellosen Menschen zu tun, die nichts zurück zieht und die einfach nicht weiter wissen.“ Viele kommen mit völlig unrealistischen Vorstellungen oder werden mit falschen Versprechungen hergelockt und in prekären Arbeitsverhältnissen ausgebeutet, ergänzt Anton Stadler, Geschäftsführer von IN VIA Regensburg und katholischer Leiter der Einrichtung.

Hilfe wird dringend benötigt, die Möglichkeiten sind jedoch stark begrenzt. „Die Armutsmigration vornehmlich aus Osteuropa bedarf politischer Lösungen. Solange es diese nicht gibt, arbeiten wir mit Blick auf die betroffenen Menschen an improvisierten Notlösungen mit hohem persönlichen Aufwand ohne wirkliche Perspektiven“, sagt Michael Lindner-Jung, Chef der Würzburger Einrichtung. Etwas Entlastung bieten in verschiedenen Städten Projekte, die aus dem „Europäischen Hilfsfonds für die am stärksten von Armut betroffenen Personen“ (EHAP) gefördert werden. Grundsätzlich müsse aber der Gesetzgeber für rechtliche Klarheit sorgen, findet Lisa Hagins aus Augsburg: „Die unterschiedlichen Entscheidungen des Bundessozialgerichtes und der verschiedenen Landessozialgerichte sorgen für Unklarheiten und Unsicherheiten in der Beratung. Hier schuldet der Staat nicht nur den Betroffenen, sondern auch den Beratungsstellen mehr Klarheit. Denn Unklarheit führt zu Ausgrenzung.“

Zusammenfassend stellen Hedwig Gappa-Langer von IN VIA Bayern e.V. und ihr Kollege Michael Frank vom Diakonischen Werk Bayern fest, dass die wachsenden Armutsprobleme in Deutschland und Europa die Arbeit der Bahnhofsmissionen stark bestimmen.
Als niedrigschwellige Einrichtung am zentralen Ort Bahnhof sind die kirchlichen Dienste in der Regel erste und oft auch letzte Anlaufstelle für Hilfesuchende. Sie versuchen zu helfen, wo andere Einrichtungen die Menschen oft nicht mehr erreichen. Menschen in Not wenden sich in ihrer Perspektivlosigkeit vor allem auch an die Bahnhofsmissionen, dort wo für sie andere Angebote fehlen. „Auch wenn Bahnhofsmissionen es als ihre Aufgabe sehen in jeder Hinsicht und für alle humanitäre Hilfe zu leisten, ist dies nicht ganz spannungsfrei. Zum einen weil manche Einrichtungen aufgrund ihrer räumlichen und personellen Situation einen größeren Zulauf kaum bewältigen können. Zum anderen aber auch, weil weiterführende Hilfeangebote nicht vorhanden sind.“

 

Anderen, oft Älteren, Menschen mit Behinderung oder Familien mit Kindern, stehen die Mitarbeitenden mit Umsteigehilfen und Begleitangeboten im Zug zur Seite. Rund 38 000 einzelne Hilfen rund um das Bahnfahren haben die bayerischen Bahnhofsmissionen für Menschen unterwegs geleistet, ein weiteres „Kerngeschäft“ der Bahnhofsmissionen.

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