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Jahresthema 2017/2018 der Diakonie Bayern "Hier kommst Du an"

JAHRESTHEMA 2017/2018 - GESCHICHTEN DES ANKOMMENS BEI DER BAYERISCHEN DIAKONIE

Geschichte des Ankommens März 2017 - Jahresthema der Diakonie Bayern

Angekommen. Bei einer Familie, die Hilfe braucht.

In dieser „Geschichte des Ankommens“ spiegeln sich typische Fälle aus der Jugendhilfe wie dieses Fallbeispiel von der Stadtmission Nürnberg.

Markus P., 14 Jahre alt, geht in Nürnberg zur Schule. Seine Leistungen haben sich in den letzten Wochen deutlich verschlechtert. Er droht sitzen zu bleiben. Seine Eltern machen sich große Sorgen, können ihm aber nicht helfen beim Lernen. Für Nachhilfe oder Hausaufgabenbetreuung ist kein Geld da. Markus‘ Vater arbeitet bei der städtischen Müllabfuhr, seine Mutter jobbt als Reinigungskraft. Das Geld reicht kaum aus, um über die Runden zu kommen und die Miete zu bezahlen. Selbst fürs Essen bleibt oft zu wenig übrig.

 

Markus war früher ein durchschnittlicher Schüler. Statt zu lernen und seine Hausaufgaben zu machen, beschäftigt er sich in den letzten Wochen viel lieber mit seinem Smartphone. Doch auch Drohungen mit Handy-Entzug helfen nichts: Markus bleibt unkonzentriert, aggressiv, launisch und schwänzt den Unterricht.

 

Schließlich wenden sich die verzweifelten Eltern ans Jugendamt und bitten um Hilfe.

 

Das Jugendamt führt mit den Eltern und Markus ein erstes Gespräch. Es stellt sich heraus, dass Markus sich sehr unter Druck gesetzt fühlt. Er würde selbst gerne die Schule schaffen, empfindet sich jedoch als Versager und leidet unter der angespannten familiären Situation. Je mehr Drohungen seine Eltern aussprechen, desto mehr verweigert er sich und reagiert mit Aggression und Rückzug.

 

Die Mitarbeiterin vom Jugendamt bewilligt eine Erziehungsbeistandsschaft. Das Amt übernimmt hierfür die Kosten. Sie beauftragt den regionalen diakonischen Träger vor Ort, die Stadtmission Nürnberg, mit der Durchführung der Maßnahme. Der Erziehungsbeistand der Stadtmission, ein erfahrener Pädagoge, führt mit der Frau vom Jugendamt, den Eltern und Markus gemeinsam ein Erstgespräch. Alle Beteiligten besprechen die schwierige Situation und vereinbaren grobe Ziele für die nächsten Wochen.

 

Zunächst geht es darum, Markus psychisch wieder zu stabilisieren, ihm Selbstvertrauen zu geben und ihm zu vermitteln, dass er aus eigener Kraft in der Lage ist, seine Probleme zu bewältigen. Der Erziehungsbeistand besucht regelmäßig einmal pro Woche die Familie. Markus baut allmählich Vertrauen zu ihm auf und fragt ihn um Rat, wenn er wieder einmal nicht weiß, wie er mit der Situation zuhause umgehen soll. Der Erziehungsbeistand wirkt auf die Eltern ein, Geduld mit Markus zu haben und ihn nicht ständig zu kritisieren. Umgekehrt versucht er auf Markus einzuwirken, ihn zu motivieren, seine Probleme anzugehen und nicht davor zu flüchten.

 

Erste Erfolge stellen sich ein: Markus besucht wieder regelmäßig den Unterricht. Ein befreundeter Mitschüler hilft ihm bei den Hausaufgaben. Markus merkt, dass die Anstrengungen sich lohnen. Die Lehrkräfte loben ihn für seine neue Motivation, und seine Eltern hören auf, ihn zu bedrängen. Markus hat jetzt ein Ziel: Er will den Sechser in Mathe wegkriegen. In Deutsch ist er schon besser geworden. Markus weiß jetzt: Er wird es schaffen. Markus sagt zu seinem Erziehungsbeistand: „Danke, dass es dich gibt.“

Wieder ne Sechs.

Wieder nix zu Essen daheim.

Scheiß Leben. Sagt mein Dad.

Ich sag nix.

Aber ich weiß jetzt:

Die Sechs krieg ich weg.

Den Rest schaff ich auch.

Danke@Leute.

 

Die Erziehungsbeistandsschaften gehören zu den ambulanten Diensten der Jugendhilfe. Die Diakonie in Bayern bietet vielfältige flexible und ambulante Hilfen wie intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung, sozialpädagogische Familienhilfe, Erziehungsbeistandsschaften und soziale Trainingsmaßnahmen. Zu den Angeboten gehören auch die Begleitung junger Menschen oder von Familien mit Kindern in betreuten Wohnformen und die fachliche Betreuung von Pflegefamilien.

Unter dem Dach der bayerischen Diakonie befinden sich ca. 60 Träger der Kinder- und Jugendhilfe mit rund 2.300 Mitarbeitenden (Voll- und Teilzeitkräfte). Die Träger bieten mit ihren Einrichtungen und Diensten ein breit gefächertes Angebot von Hilfen zur Erziehung (nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetzbuch SGB VIII) mit ca. 800 eigenen Plätzen in Schulen oder zur beruflichen Qualifizierung, Ausbildung und Förderung.

Ihr Kontakt

  • Titel
    Öffentlichkeitsarbeit
    Vollständiger Name
    Dr. Leonie Krüger
    Firma
    Diakonisches Werk Bayern e.V.
    Adresse
    Postfach 120320
    Postleitzahl
    90332
    Stadt
    Nürnberg
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    E-Mail-Adresse
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