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Keyvisual Jahresthema 2017/2018 Diakonie Bayern

Jahresthema 2017/2018 - Geschichten des Ankommens bei der bayerischen Diakonie

Hier kommst Du an. Jahresthema der Diakonie Bayern. Geschichte des Ankommens, Januar 2017

Der Bergsteiger Alexander Huber - Ankommen bei einem Beratungsdienst der bayerischen Diakonie

Mit der Geschichte des Bergsteigers Alexander Huber beginnen wir die Reihe der "Geschichten des Ankommens."

Der prominente Bergsteiger und Extremkletterer Alexander Huber erlitt eine Angststörung und überwand sie durch eine Therapie. Er unterstützt den Krisendienst Psychiatrie Oberbayern, bei dem Fachkräfte der Diakonie mitarbeiten, und spricht offen über seine Erfahrungen, um anderen Menschen, die eine Angststörung erleiden, zu helfen.

In seiner Geschichte spiegeln sich die Erfahrungen von Angstpatientinnen und -patienten wider, die durch die Hilfe der Diakonie psychisch stabilisiert werden. Die sozialpsychiatrischen Dienste der Diakonie helfen bayernweit Menschen mit Angststörungen, Wege aus ihren persönlichen Krisen zu finden.

Im Zeitraum des Jahresthemas "Hier kommst du an" erscheint monatlich eine neue „Geschichte des Ankommens“ in Form eines Kurztextes, jeweils aus einem anderen Arbeitsbereich der Diakonie.

Es sind fiktive Geschichten auf der Basis authentischer Fallbeschreibungen, die in Form von Kurztexten „auf den Punkt“ bringen, was Ankommen bei der Diakonie bedeutet. Zu jeder Geschichte gibt es Hintergrundinformationen, Zahlen, Daten und Fakten aus dem jeweiligen Arbeitsbereich sowie Bildmaterial. 

Ausgerechnet ich:

Angst vor der Welt, vor dem Leben.

Wie versteinert,

bis es nicht mehr ging,

bis ich um Hilfe rief.

Ausgerechnet ich

bin an die Hand genommen worden,

einfach so, so einfach

und begleitet auf dem Weg

aus der Krise.

Es gibt viele wie mich,

zehn Millionen in unserem Land,

nicht alle rufen,

das muss anders werden.

In dieser „Geschichte des Ankommens“ spiegeln sich die Erfahrungen von Angstpatient/-innen wider, die durch die Hilfe der Diakonie psychisch stabilisiert werden und in eine Therapie vermittelt werden können.

 

Angststörungen können jeden Menschen treffen. Vor einer persönlichen Krisensituation ist niemand gefeit  – selbst Menschen von großer physischer und psychischer Kraft kann es treffen: So erlitt der prominente Bergsteiger Alexander Huber Anfang 2000 eine Angststörung.

 

Alexander Huber suchte sich aktiv Hilfe, begann eine Therapie und schaffte es, seine Angststörung zu überwinden. Er unterstützt den Krisendienst Psychiatrie in Oberbayern, an dem die Diakonie mit Fachleuten aus der Sozialpsychiatrie, Psycholog/-innen und Sozialpädagog/-innen, beteiligt ist, und spricht offen über seine Erfahrungen, um anderen Menschen, die eine Angststörung erleiden, zu helfen.

 

 

So hilft die Diakonie

Die Sozialpsychiatrischen Dienste der Diakonie in Bayern bilden einen zentralen Baustein in der psychiatrischen Versorgung des Freistaats. Durch ihre flächendeckende Präsenz und ein niedrigschwelliges Setting können sie mit ihren sozialpsychiatrischen Leistungen insbesondere chronisch psychisch kranke Menschen erreichen – also Menschen, deren Teilhabe am Leben in der Gesellschaft auf Grund ihrer seelischen Gesundheit beeinträchtigt ist oder diese Beeinträchtigung zu erwarten ist.

Die Sozialpsychiatrischen Dienste der Diakonie bieten grundsätzlich keine Psychotherapie an. Sie arbeiten niedrigschwellig, helfen sowohl betroffenen Menschen als auch deren Angehörigen durch Beratung, auch in Krisensituationen, sie vermitteln weiter z. B. an Therapeut/-innen, sie bieten beispielsweise auch Überbrückung bis zum Beginn einer Therapie an, sie stabilisieren Betroffene und deren Angehörige, und auch das Clearing gehört zu ihren Kernaufgaben.

Ängste, Probleme und Krisen halten sich nicht an die üblichen Arbeitszeiten von 8.00 bis 17.00 Uhr. Das Team vom Krisendienst Mittelfranken, zu dem auch die Mitarbeitenden der Sozialpsychiatrischen Dienste gehören, arbeitet sozusagen als "Sonderschicht" für Menschen in seelischen Notlagen. Bis Mitternacht helfen die Mitarbeitenden bei massiven Ängsten, Panik- oder Unruhegefühlen, Familienauseinandersetzungen, großer Einsamkeit, Selbsttötungsgedanken und seelischen Erkrankungen. Selbstverständlich sind sie auch für Angehörige, Freunde und Bekannte zur Stelle und unter der Nummer 0911 / 42 48 55 – 0 zu erreichen.

In Oberbayern ist jüngst allen Sozialpsychiatrischen Diensten die Aufgabe des Kooperationspartners des Krisendienstes Psychiatrie zugewachsen, den der Bezirk Oberbayern seit 2016 aufbaut und finanziert. Die Sozialpsychiatrischen Dienste sind im Krisennetzwerk unter anderem für die mobilen Einsatzteams verantwortlich, die – bei Bedarf – die Betroffenen in schweren seelischen Notlagen am Ort der Krise aufsuchen können. Erreichbar ist der Krisendienst Psychiatrie unter der für Oberbayern einheitlichen Rufnummer 0180 655 3000 – täglich von 9.00 bis 24.00 Uhr.

 

Sozialpsychiatrie der Diakonie Bayern: Zahlen, Daten, Fakten  

33        Sozialpsychiatrische Dienste (incl. 2 Krisendiensten) mit 14 Außenstellen und 22 Orten für Außensprechstunden, die rund 18.500 Klient/innen, inklusive Angehörige, begleiten und betreuen

39        Tagesstätten für Menschen mit einer seelischen Behinderung mit 641 Plätzen

1.638   Plätze im Betreuten Wohnen für Menschen mit einer psychischen Erkrankung bzw. Behinderung

5          Übergangseinrichtungen zur Rehabilitation psychisch kranker Menschen mit 144 Plätzen

1          Rehabilitationseinrichtung für psychisch Kranke (ERPEKA) mit 60 Plätzen

1          Einrichtung der medizinischen Rehabilitation (§ 111 SGB V) mit 60 Plätzen

14        Wohnheime und 15 Außenstellen/Außenwohngruppen für Menschen mit einer psychischen Behinderung mit 739 Plätzen

8          Integrationsfachdienste (IFD) (in Kooperation)

11        Stellen mit Schwerpunkt der Begleitung Schwerbehinderter im Arbeitsleben

 

7          Gerontopsychiatrische Dienste bzw. Fachstellen

Alexander Huber, Protagonist der Geschichte des Ankommens, Januar 2017
Alexander Huber, Protagonist der Geschichte des Ankommens, Januar 2017
Bildnachweis: Copyright Manuel Ferrigato / Bezirk Oberbayern

Alexander Huber

Wir alle erleben Krisen – nicht nur im Sport

Der Angst begegnen und sie überwinden – das gehört zum Leben von Alexander Huber. Der Extremkletterer weiß, dass er auf die Angst am Berg nicht verzichten kann. Abseits der Felsen dagegen ist sie alles andere als willkommen. Dass davor Weglaufen keine Lösung ist, hat er am eigenen Leib erfahren. Und sich wieder herausgekämpft. Heute macht er anderen Mut und unterstützt den Krisendienst Psychiatrie als Fürsprecher.

ALEXANDER, WAS BEDEUTEN DIE BERGE FÜR SIE?

Da ich im Berchtesgadener Land aufgewachsen bin, sind die Berge für mich schon immer ein integraler Bestandteil meines Lebens gewesen. Vor allem die vertikale Welt der Felsen ist für mich ein Abenteuer, das mein Leben bereichert. Wenn man draußen unterwegs ist, sieht man das Leuchten in den Augen, und das sagt einfach, dass man glücklich ist.

WELCHE ROLLE SPIELT ANGST IN IHREM LEBEN ALS EXTREMSPORTLER?

Als Bergsteiger und Kletterer ist die Angst mein bester Freund, weil sie meine einzige effektive Lebensversicherung ist. Wenn ich engagiert bergsteige, bewege ich mich ständig im absturzgefährdeten, also potenziell tödlichen Gelände. Das Erleben von Angst sichert mir das Überleben, weil sie mich aufmerksam macht und mich zwingt, mich mit der Situation sorgfältig auseinanderzusetzen.

ANFANG 2000 HABEN SIE EINE ANGSTSTÖRUNG ERLITTEN. KÖNNEN SIE KURZ BESCHREIBEN, WIE DIESE BEGANN UND WAS DER AUSLÖSER WAR?

Nach meinem Studium habe ich mich dazu entschieden professionell bergzusteigen, was ganz entscheidend von den Erfolgen abhängt – von Vorträgen bis hin zu Expeditionen. Vor dem zunehmenden finanziellen Druck sowie dem Erfolgsdruck habe ich lange Zeit die Augen verschlossen und bin in die Berge geflohen. Als dann jedoch noch eine langwierige Verletzung hinzukam, war klar, dass es so nicht weiter gehen kann.

WIE HAT SICH IHRE ERKRANKUNG AUF IHREN ALLTAG AUSGEWIRKT?

Ich habe mich selbst so unter Druck gesetzt gefühlt, dass ich mich in keiner Situation mehr wohl gefühlt und vor jeder neuen Aufgabe Angst bekommen habe. Darüber hinaus habe ich eine regelrechte Sozialphobie entwickelt und mich immer mehr zurückgezogen.

WANN WUSSTEN SIE, DASS SIE HILFE BENÖTIGEN?

Es war zunächst ein schleichender Prozess, der sich über viele Jahre hingezogen hat. Letztlich wurde es jedoch so extrem, dass ich nicht mal mehr Lust auf Bergsteigen hatte, was bis dahin der zentrale Baustein in meinem Leben war. Die Berge haben mich regelrecht angewidert. Das hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen.

WAS HABEN SIE DANN UNTERNOMMEN?

Ich habe mit die beste Entscheidung in meinem Leben getroffen und mir aktiv Hilfe gesucht. In einer Therapie habe ich mich endlich mit mir und meinen Ängsten auseinandergesetzt. Mein Therapeut hat mir die Dinge aufgezeigt, die in der Vergangenheit falsch liefen.

SIE SPRECHEN SEHR OFFEN ÜBER DIESE ZEIT UND HABEN SOGAR EIN BUCH DARÜBER GESCHRIEBEN. WARUM?

Man lernt in so einer Situation viel über sich selbst und die menschliche Psyche, und natürlich wird man auch häufig von anderen darauf angesprochen. Nachdem ich meine psychische Stabilität wiedergefunden habe, konnte ich feststellen, dass es vielen Leuten geholfen hat, wenn ich mit ihnen ganz offen gesprochen habe.

WAS RATEN SIE MENSCHEN, DIE IN EINE VERGLEICHBARE SEELISCHE KRISE GERATEN?

Um es mit einer Metapher aus der Bergwelt zu sagen: Wenn man einen Berg besteigen will, bringt es nichts, immer nur um den Berg herumzulaufen. Irgendwann muss man den Berg angehen. Gleiches gilt auch für Krisen im Leben. Wenn man merkt, dass es einem nicht gut geht, sollte man selbst aktiv werden. Der Krisendienst Psychiatrie leistet hier schnelle und qualifizierte Hilfe – man muss dafür nur das Telefon in die Hand nehmen und die 0180 / 655 3000 wählen.

Quelle: http://www.krisendienst-psychiatrie.de/krisendienst/prominente-unterstuetzer

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Krisendienstes Psychiatrie in Oberbayern

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    Dr. Leonie Krüger
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    Diakonisches Werk Bayern e.V.
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