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Jahresthema 2017/2018 der Diakonie Bayern "Hier kommst Du an"

JAHRESTHEMA 2017/2018 - GESCHICHTEN DES ANKOMMENS BEI DER BAYERISCHEN DIAKONIE

Geschichte des Ankommens März 2017 - Jahresthema der Diakonie Bayern

Ankommen als Flüchtling bei der Diakonie

 

Der syrische Lehrer Rabih Ahmad Mohamad arbeitet seit Februar 2016 als „pädagogische Ergänzungskraft“ in einer Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Nördlingen, die vom Jugendhilfeverbund Südbayern/Schwaben der Rummelsberger Diakonie betreut wird. Der junge Mann teilt das Schicksal mit den Jungen, die er nun tagtäglich begleitet. Seine unermüdliche Art und sein Streben, hier anzukommen, machen ihn zu einem Vorbild für die jugendlichen Flüchtlinge. Sein Fall ist ein Beispiel für gelingende Integration und für das erfolgreiche Engagement der bayerischen Diakonie in der Flüchtlingshilfe.

Rabih Ahmad Mohamad (rechts) mit zwei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen aus Nördlingen, © Rummelsberger Diakonie
Rabih Ahmad Mohamad (rechts) mit zwei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen aus Nördlingen, © Rummelsberger Diakonie

20 Euro für eine Flasche Wasser.

In Syrien.

Aber am schlimmsten war:

Meine Seele hatte Durst.

Nach Lernen, nach Arbeit,

die nicht mehr möglich war.

Jetzt in Deutschland werde ich gebraucht.

Von denen, die gelitten haben wie ich.

Und von denen, die helfen.

 

In der Diakonie.

Nicht reden, einfach machen: Der Syrer Rabih Ahmad Mohamad arbeitet mit jungen Flüchtlingen in Nördlingen

„Ich muss arbeiten“, stellt der 27-Jährige ganz entschieden fest. Schon in den ersten Tagen seines Lebens in Deutschland, im Aufnahmelager im niedersächsischen Friedland, stellte er sich ehrenamtlich als Dolmetscher zur Verfügung. Denn anders als viele der Geflüchteten aus Syrien, Afghanistan und dem Irak spricht Rabih Ahmad Mohamad Englisch und Deutsch. Schon bevor er mit seiner Frau und der damals wenige Monate alten Tochter einreiste, absolvierte er über das deutsche Konsulat im Libanon einen Integrationskurs. Bestehend aus einem „Deutsch-Test für Zuwanderer“ und dem Test „Leben in Deutschland“. „Ich hatte 32 Punkte“, erzählt der junge Mann stolz, „von 33“.

Nach dem kurzen Aufenthalt in Niedersachsen ging es für den jungen Familienvater ins schwäbische Oettingen. „Da habe ich in der Brauerei gearbeitet“, erzählt er. Vor allem Flaschen musste er dort sortieren. Eine Arbeit, die so gar nichts mit seinem Beruf als Englischlehrer zu tun hatte. An der Universität von Aleppo hat Rabih Ahmad Mohamad Englisch studiert. Nur wenige Monate nachdem er sein Masterstudium begonnen hatte, brach der Krieg in Syrien aus. Er entschied sich mit seiner Familie zur Ausreise nach Deutschland und kam mit dem Flugzeug in seine neue Heimat.

Seit Februar 2016 lebt Rabih Ahmad Mohamad mit seiner Frau und der zweijährigen Tochter in Nördlingen in einer Mietwohnung. Die Kleine besucht die Kinderkrippe, seine Frau nimmt an einem Deutschkurs teil und lehrt nebenbei ehrenamtlich einigen Nördlingern Arabisch. „Die Menschen hier sind sehr freundlich. Wir haben gute Kontakte“, erzählt der junge Syrer. Sein Töchterchen spricht schon fast besser Deutsch als Arabisch.

Die Arbeit in der Wohngruppe für junge Flüchtlinge ist Rabih Ahmad Mohamad sehr wichtig. Hier kann er für die zwölf Jungen da sein, die ebenso wie er ihre Heimat auf der Suche nach Schutz verlassen mussten. Der Jüngste ist acht Jahre alt, der Älteste wird in ein paar Monaten 18. „Ich möchte ein Vorbild sein“, sagt Rabih Ahmad Mohamad. Und für viele scheint er das auch zu sein. Diakon Thomas Grämmer, seit kurzem Regionalleiter im Jugendhilfeverbund Südbayern/Schwaben der Rummelsberger Diakonie, empfindet den jungen Syrer als echten Gewinn. „Rabih Ahmad Mohamad ist eine große Bereicherung.“

Aus dem Mitarbeiter-Team der Wohngruppe ist Rabih Ahmad Mohamad nicht mehr wegzudenken. „Die Kollegen waren von Anfang an sehr nett zu mir, haben mir immer geholfen, wenn ich Fragen hatte“, erzählt der 27-Jährige. Für ihn ist seine Arbeit auch deshalb so wichtig, weil er mit einem Teil seines Gehalts seine in Syrien zurückgebliebenen Eltern unterstützt. „Eine Flasche Wasser kostet in Syrien zurzeit umgerechnet etwa 20 Euro.“ Der Krieg sorgt dafür, dass Lebensmittel fast unbezahlbar geworden sind. Dazu kommt, dass Rabih Ahmad Mohamads Vater krank und daher auf Tabletten angewiesen ist. Nur alle paar Monate erhält er neue Medizin – wenn das Geld reicht, um in der Türkei wieder Tabletten kaufen zu können.

Rabih Ahmad Mohamad kennt das Gefühl, seine nahen Verwandten, seine Heimat, sein gewohntes Umfeld verlassen zu haben. So wie die Jugendlichen, mit denen er in der Wohngruppe arbeitet. Mit ihm haben sie einen Begleiter an ihrer Seite, der nachfühlen kann, wie es ihnen geht und der in derselben oder zumindest einer ähnlichen Kultur aufgewachsen ist. Auch die anderen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Wohngruppe sind natürlich für die Jugendlichen da, aber sie haben nicht am eigenen Leib Flucht und Heimatverlust erlebt.

Rabih Ahmad Mohamad gibt sich nicht mit seinem 40-Stunden-Job zufrieden. Nebenbei absolviert er einen Sprachkurs an der Universität Augsburg, der mit der Prüfung über das Sprachniveau C1 endet. Das ist eine der Voraussetzungen dafür, dass er sich seinen Traum verwirklichen kann: An einer deutschen Universität Lehramt oder Soziale Arbeit studieren.

Die Rummelsberger Diakonie bietet Zukunftsperspektiven für junge Flüchtlinge

Kinder und Jugendliche aus den Krisengebieten der Welt finden Schutz bei der Rummelsberger Diakonie. Sie haben schlimme Erfahrungen gemacht: Sie sind bedroht, verfolgt oder sogar verletzt und gefoltert worden. Die Rummelsberger Diakonie gibt jungen Flüchtlingen Sicherheit, Beratung und Unterstützung. Die Integration steht im Mittelpunkt der Arbeit. Die Diakonie hilft auch bei der Suche nach Eltern und Angehörigen.

Flüchtlingshilfe der Rummelsberger Diakonie in Zahlen

Unter dem Stichwort „Fremde beherbergen“ werden an drei Standorten in Rummelsberg insgesamt 92 erwachsene Personen betreut. Die meisten von ihnen stammen aus dem Irak sowie aus dem Iran und Äthiopien, weitere Herkunftsländer sind Somalia, Syrien, Gambia, Eritrea und Russland sowie Palästina.

Weitere 528 Jugendliche werden von 57 Standorten der Rummelsberger Diakonie aus betreut. Diese teilen sich in 34 vollstationäre und drei Clearingstellen sowie teilzeitbetreute Wohngruppen, ambulante Betreuung, Kitas und Ausbildung auf. Die meisten von ihnen stammen aus Afghanistan, Eritrea, Äthiopien, Irak und Syrien.

 

(Stand: Januar 2017)

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    Dr. Leonie Krüger
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