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Lebensgefährlich - der Weg in eine ungewisse Zukunft

Grenzen überwinden – die Welt gemeinsam gestalten

Gegenwärtig sind weltweit nach Schätzungen des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge rund 13 Millionen Menschen auf der Flucht. In Deutschland halten sich etwa 1,4 Millionen Flüchtlinge auf. Die überwiegende Mehrheit der Flüchtlinge sucht und findet Aufnahme in Ländern der Dritten Welt und kehrt nach Hause zurück, sobald es die Umstände erlauben. Nur ein kleiner Teil von Menschen in Not erreicht überhaupt Europa und Deutschland.

 

In Deutschland erleben Flüchtlinge:

  • langfristige Unterbringung in großen Sammellagern
  • Abschiebungshaft
  • Zwangsunterbringung
  • Begrenzung der Bewegungsfreiheit
  • Arbeitsverbot
  • Kürzung oder Streichung von Sozialhilfeleistungen.

Angst und Verzweiflung angesichts häufig aussichtsloser Perspektiven kennzeichnen die Situation der meisten Flüchtlinge in Deutschland. 

Sie erleben aber auch

  • großes zivilgesellschaftliches Engagement in der Flüchtlingshilfe
  • und die Unterstützung durch die Sozialarbeit von Diakonie und Kirche

  

Die Diakonie setzt sich dafür ein, dass sich die rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen für die hier lebenden Flüchtlinge verbessern. Die Hilfen der Diakonie gelten für alle Flüchtlingsgruppen und reichen von psychosozialer Beratung über Familienzusammenführung bis hin zu Hilfestellung im Kontakt mit Behörden. Darüber hinaus stehen den Flüchtlingen für eine qualifizierte Rechtsberatung Vertragsanwälte der Diakonie zur Verfügung.

Frühjahrssammlung 2016:
Flüchtlingshilfe - Aus Fremden werden Freunde

 

Die Zahl der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, hat seit 2015 deutlich zugenommen.
Asylsuchende und Flüchtlinge sind z.B. auf Grund ihrer Sprach- und damit Verständigungsprobleme auf Hilfe und Unterstützung angewiesen.

In den Beratungsstellen der bayerischen Diakonie erhalten sie umfassende Auskünfte über ihre Rechte und Pflichten und die asyl- und ausländerrechtlichen Verfahren.
Darüber hinaus beraten die Fachkräfte der Diakonie Bayern in allen sozialen Fragen: Sie unterstützen die Ratsuchenden bei der Entwicklung neuer Perspektiven und bei der Sicherung des Lebensunterhaltes. Unsere Aufmerksamkeit gilt insbesondere den Menschen, die sich im Exil in Krisensituationen befinden: sei es durch die Trennung von Angehörigen, einer Erkrankung oder Probleme der Existenzsicherung.

Wir begleiten die diesjährige Frühjahrssammlung mit redaktionellen Beiträgen zum Thema Flüchtlingshilfe: Welche Kernbereiche hat die Flüchtlingshilfe der Bayerischen Diakonie, was brauchen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, mit welchen Herausforderungen hat ein Ehrenamtskoordinator zu tun u.v.m.

Die Kernbereiche der diakonischen Flüchtlingshilfe

Die Diakonie unterstützt Flüchtlinge vor allem durch Information, Beratung und die Fürsprache bei Behörden. Dies geschieht in den Migrationsfachdiensten: 

•    Asylsozialberatung
•    Migrationsberatung
•    Jugendmigrationsdienste


Die Fachkräfte der Asylsozialberatung arbeiten in den Asylunterkünften. Die Migrationsberatungsstellen und die Jugendmigrationsdienste stehen den bleibeberechtigten Flüchtlingen offen. Die Arbeit der Beratungsstellen wird durch viele Ehrenamtliche der Diakonie und der Kirche unterstützt
Selbstverständlich stehen den Flüchtlingen auch alle anderen offenen Dienste der Diakonie wie  z.B. die Kirchliche Allgemeine Sozialarbeit (KASA), die verschiedenen Beratungsstellen etc. zur Verfügung.

 

Was leistet die Asylsozialberatung?

Die Asylsozialberatung unterstützt Asylsuchende und geduldete Ausländerinnen und  Ausländer in allen sozialen Belangen. Die Beratungsfachkräfte suchen die staatlichen und kommunalen Asylunterkünfte auf und beantworten die Fragen der Bewohnerinnen und Bewohner im Zusammenhang mit den asyl- und ausländerrechtlichen Verfahren, mit der materiellen Versorgung, mit dem Zugang zu Kindergarten, Schule, Ausbildung und Beruf. Sie kümmern sich insbesondere um die schutzbedürftigen Personen, wie z.B. die chronisch kranken und behinderten Personen, die alleinstehenden Mütter und schwangere Frauen sowie traumatisierte Flüchtlinge. Eine Unterstützung ist in vielen Fällen auch bei der Familienzusammenführung notwendig.
So wurde beispielsweise durch das Eingreifen der Asylsozialberatung des Diakonischen Werks Rosenheim ein Ehepaar, das nach der Ankunft in der Erstaufnahmestelle in Rosenheim getrent  wurde, nach fünf Monaten wieder vereint. Die schwangere Ehefrau hatte zwar  nach der Ankunft sofort einen Antrag auf Familienzusammenführung gestellt, der blieb allerdings monatelang unbeantwortet. In ihrer Not wandte sie sich, inzwischen hochschwanger, an die Asylsozialberatungsstelle der Diakonie, die sich umgehend mit den zuständigen Behörden in Verbindung setzte und so eine schnelle Umverteilung für den Ehemann von Dresden nach Rosenheim erwirken konnte.

In Bayern befinden sich 32 Asylsozialberatungsstellen in evangelischer Trägerschaft.

 

Welche Aufgaben haben die Migrationsberatungsstellen?

 

Sobald Flüchtlinge ein Bleiberecht erhalten haben, begleiten Migrationsberatungsstellen den Integrationsprozess durch Information, Rat und Orientierungshilfen.

Die Beratungsfachkräfte vermitteln Deutsch-Sprachkurse, beraten in sozialrechtlichen  Belangen, helfen bei der Anerkennung beruflicher Qualifikationen  bzw. Schulzeugnissen sowie bei der Wohnungs- und Arbeitssuche. Darüber hinaus sind die Migrationsberatungsstellen sehr gut mit anderen Fachdiensten und Anlaufstellen vernetzt und können so Hilfesuchende gezielt an andere Stellen weiter vermitteln.

Migrationsberatungsstellen der evangelischen Träger in Bayern: 28

 

Jugendmigrationsdienste

 

Die Jugendmigrationsdienste der evangelischen Träger in Bayern  unterstützen junge Menschen mit Migrationshintergrund im Alter von 12-27 Jahren mit sozialpädagogischen Hilfen bei der sozialen, sprachlichen, schulischen und beruflichen Integration. Dazu gehören die Förderung einer  eigenständigen Lebensführung und die Vermittlung von persönlichen und sozialen Handlungskompetenzen. Die Jugendmigrationsdienste helfen mit Rat und Tat bei individuellen Integrationsschwierigkeiten. Die Beratungsfachkräfte kooperieren dabei  mit den Schulen und Bildungsorganisationen, mit  der Migrationsberatung sowie mit den Einrichtungen der Jugendhilfe.

Die unbegleiteten unter 18-Jährigen, die hierher kommen, fallen unter das Jugendhilfegesetzt und sind deshalb zunächst unter der Obhut des jeweiligen zuständigen Jugendamts.

Jugendmigrationsdienste der evangelischer Träger in Bayern: ca. 20

 

 Ehrenamtliches Engagement in der Flüchtlichshilfe

 

Es gibt unzählige Projekte von Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe. Sie engagieren sich in Asylunterkünften durch die Betreuung von Kindern, durch die Vermittlung der deutschen Sprache, durch Kontakt- und Freizeitangebote sowie durch die Begleitung von Flüchtlingen zu Behörden und Ärzten. Stellvertretend sollen zwei Projekte im Folgenden kurz beleuchtet werden: das Café der Nationen, ein Kooperationsprojekt der Inneren Mission München mit der Hoffnungskirche in München-Freimann sowie das ehrenamtliche Dolmetschernetz der Diakonie Rosenheim.

Im Münchener Stadtteil Freimann befindet sich in der Bayernkaserne eine große Aufnahmeeinrichtung für Asylsuchende. Das Projekt „Café der Nationen“ der Hoffnungskirche fördert die Begegnung von Gemeindemitgliedern und Asylsuchenden und möchte dadurch das gegenseitige Verständnis erhöhen .Ein erster wichtiger Schritt ist dabei auch die  Vermittlung von Basisinformationen über das Leben in Deutschland. Inzwischen engagieren sich ca. 80 Ehrenamtliche in diesem Projekt. Das Spektrum der Angebote ist groß und viielfältig: Deutschkurse, Musik- und Spielenachmittagen für Kinder, Radwerkstatt, Hilfe zur Selbsthilfe für junge Mütter, Ausflüge in den Zoo und Stadtbibliotheksbesichtigungen etc.

Im Dolmetschernetz der Diakonie Rosenheim arbeiten inzwischen 30 ehrenamtliche Frauen und Männer, die Muttersprachler/innen sind und die Kenntnisse ihrer Sprache Flüchtlingen bei Behördengängen , Fragen und insgesamt  und bei der Integration unterstützen von Menschen mit Migrationshintergrund einsetzen. Das Dolmetschernetzwerk besteht seit fünf Jahren und wird immer häufiger nachgefragt. Alle Dolmetscher/innen erhalten eine Ausbildung, d. h. einen Grundlagenkurs und Schulungen in interkultureller Kommunikation. Die Ehrenamtlichen werden regelmäßig weitergebildet und geben dann ihrerseits ihre Kenntnisse an andere Ehrenamtliche und in der Betreuung von Migrant/innen und Flüchtlingen weiter.

 

Weiterführende Links:

http://www.diakonie-bayern.de/die-diakonie-in-bayern-die-arbeitsfelder/diakonische-einrichtungen-in-bayern/beratungsstellen-und-einrichtungen.html

http://bayern.diakonie-katastrophenhilfe.de/

http://bayern.brot-fuer-die-welt.de/

http://www.diakonie-rosenheim.de/angebote/ehrenamt-volunteers/

http://www.freie-wohlfahrtspflege-bayern.de/menu-rechts/migrationsberatungsstellen-in-bayern/migrationsberatung-in-bayern/

www.welten-verbinden.de

http://www.jmd-portal.de/_template.php?1=1

http://diakonia-fluechtlinge.de

www.bamf.de

 

 

 

 

"Wir fordern eine bundesweite Verdopplung der Dienste, um eine gute Versorgung der jungen zugewanderten Menschen zu gewährleisten."

 

Burkhardt Wagner, Landesreferent Jugendmigrationsarbeit beim evangelischen Fachverband für sozial benachteiligte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, ejsa Bayern e.V.

 

Herr Wagner, Jugendmigrationsdienste kümmern sich um junge zugewanderte Menschen von 12 bis 27 Jahren mit vielfältigen Hilfsangeboten, um ihnen bestmögliche Teilhabe und gute Startbedingungen im neuen Land zu ermöglichen. Von wie vielen Jugendlichen sprechen wir derzeit, die in Bayern angekommen sind?

Nach Bayern kommen ganz unterschiedliche Gruppen: In Zuständigkeit der Jugendhilfe gibt es aktuell allein ca. 15.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus allen Regionen dieser Welt. Hinzu kommen ca. 160.000 geflüchtete Menschen, die in bayerischen Asylunterkünften leben. Von diesen sind ca. 70 Prozent unter 30 Jahren, also ca. 112.000. Die Zahl der begleiteten und unbegleiteten Jugendlichen im berufsschulpflichtigen Alter (16 bis 21 Jahre) betrug Ende September 2015 etwa 30 000. Weiterhin wanderten allein im Jahr 2014 (neuere Zahlen gibt es leider noch nicht) ca. 300.000 Menschen aus dem Aus- und Inland zu. Wir schätzen hier die Zahl der 12-27 Jährigen auf etwa ein Drittel, also 100.000 Menschen. Genaue Zahlen gibt es hier leider nicht. Alles in allem eine große Aufgabe, den überwiegend jungen zugewanderten Menschen hier in Bayern eine gute Zukunftsperspektive zu ermöglichen. Die Chancen, hier dauerhaft anzukommen, sind natürlich auch stark von den Aufenthaltsrechten und den Zugangsmöglichkeiten in Sprache, Ausbildung und Beruf abhängig. Hier hat sich in den letzten Jahren ja recht viel getan.   

 

Wieviel Jugendmigrationsdienste gibt es bayernweit?

Insgesamt – trägerübergreifend – gibt es in Bayern ca. 55 Standorte mit 80 Vollzeitstellenanteilen. Allerdings haben 30 Landkreise und kreisfreie Städte keinen Jugendmigrationsdienst oder sind stark unterbesetzt.
Angesichts dieser Zahlen und der wichtigen Rolle, die die Jugendmigrationsdienste in der Integration vor Ort inne haben, ist es dringend notwendig, die Jugendmigrationsdienste auszubauen. Wir fordern eine bundesweite Verdopplung der Dienste, um eine gute Versorgung der jungen zugewanderten Menschen zu gewährleisten. Denn die fachlichen und personellen Kapazitätsgrenzen in Bayern sind im Grunde nicht nur erreicht – sie sind bereits überschritten.

 

Welche Aufgaben haben Jugendmigrationsdienste?

Die Jugendmigrationsdienste des Bundesprogramms „Jugend stärken“ sind für alle jungen Menschen mit Migrationshintergrund – und hier insbesondere für die benachteiligten und individuell beeinträchtigen jungen Menschen gemäß § 13 SGB VIII da. Seit Oktober 2015 sind die JMD auch für die jungen geflüchteten Menschen, insbesondere für die mit guter Bleibeperspektive, zuständig. Hierzu zählen Geflüchtete aus den Ländern Syrien, Iran, Irak und Eritrea. Für diese Zielgruppe(n) sind die JMD erste Ansprechpartner in der sprachlichen, schulischen und beruflichen Integration und in der Begleitung der Übergänge zwischen Schule und Beruf. Die Aufgaben sind breit gefächert: Neben der individuellen sozialpädagogischen Beratung und Begleitung von jungen Menschen mit Migrationshintergrund gehören auch vielfältige Gruppenangebote aus den Bereichen der Bildungs- und Elternarbeit, der Freizeitpädagogik oder auch der Förderung von Selbsthilfestrukturen dazu. Ein sehr wichtiger Teil der JMD ist die Netzwerk- und Sozialraumarbeit sowie die fachspezifische Vermittlung an andere Dienste und Einrichtungen.

Mit welchen Herausforderungen haben Sie gerade zu kämpfen?

Durch die wachsende Zahl und die schnelle Anerkennung von jungen Geflüchteten und die generell hohe Zuwanderung bei jedoch gleichbleibender Stellenausstattung der JMD steigt die Beratungsarbeit und damit ganz massiv der Druck auf die Fachkräfte vor Ort. Dadurch sinkt die pro Klient zur Verfügung stehende Zeit und der individuelle Integrationserfolg. Die Zahl der in den JMD begleiteten Jugendlichen (trägerübergreifend in ganz Bayern) hat sich seit dem Jahr 2012 von insgesamt 8.200 auf knapp 18.000 im letzten Jahr mehr als verdoppelt. Zudem gibt es einen steigenden Beratungs-, Abstimmungs- und Vernetzungsbedarf, d.h. z.B. in welchen Sprachkurs und/oder in welche Schule/Berufsschule kann der Jugendliche.

JMD-Mitarbeiter werden auch zunehmend als Experten in allen migrationsspezifischen Fragen von Ämtern und anderen Institutionen wahrgenommen. Das ist begrüßenswert, allerdings geht das natürlich auch von der Zeit ab, die für die individuelle Beratung der Jugendlichen gebraucht wird. Tagtäglich müssen hier die JMD abwägen, ob und wie sie ihre wenigen zur Verfügung stehenden Ressourcen so einsetzen, dass keiner zu kurz kommt. Dies ist angesichts der großen Integrationsbedarfe der jungen Menschen sehr schwierig. So fehlen nicht nur in den 30 kreisfreien Städten und Landkreisen, in denen es keinen oder nur sehr schlecht ausgestattete JMD gibt, Ressourcen, sondern auch in ganz Bayern. Lange Wartezeiten von bis zu vier Wochen – und dies bei jungen Menschen, die oft hoch motiviert sind – sind die Folge. Hinzu kommt, dass es in den ländlichen Räumen häufig nur schlechte Infrastrukturen und wenige Bildungs- und Freizeitangebote für junge Menschen gibt. Hier müssten dringend sinnvolle Hilfestrukturen geschaffen werden – was unter anderem auch bedeutet, die Jugendmigrationsdienste bedarfsgerecht auszubauen.

 

Integration ist mehr als nur ein Dach über dem Kopf und genug zu Essen. Was braucht es Ihrer Meinung nach für eine gelingende Integration?

Integration gelingt vor allem dann, wenn die folgenden vier Dimensionen gleichermaßen beim Integrationsprozess berücksichtigt werden:

  • Die strukturelle Dimension umfasst Bildung, Arbeitsmarkt und politische Partizipation.
  • Die kulturelle Dimension umfasst Sprache, Alltagsbewältigung und Orientierungssystem (Werte, Normen et.).
  • Die soziale Dimension umfasst Freundschafts- und Nachbarschaftskontakte, Vereinsmitgliedschaften etc.
  • Die emotional-identifikative Dimension meint die emotionale Verbundenheit mit Deutschland (als Heimat).

Geflüchtete junge Menschen brauchen in ihrer sozialen, schulischen, beruflichen und gesellschaftlichen Integration Perspektiven, die ein Ankommen dauerhaft ermöglichen. Denn Integration des Einzelnen beginnt erst dann, wenn seine Identität feststeht. Fehlt also z.B. diese letzte der o.g. Dimensionen, baut der junge Mensch keine Verbundenheit mit dem aufnehmenden Land. Oft wird ihm/ ihr auch diese Chance auf Teilhabe von der aufnehmenden Gesellschaft verwehrt. Schon allein der Name, ob jemand Achmed oder Peter heißt, entscheidet darüber, ob derjenige zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird oder nicht. So ist erfolgreiche Integration tatsächlich in Gefahr. Parallele Strukturen, der Rückzug auf traditionelle Werte und auf die Herkunftskultur und Resignation durch viele alltägliche Erfahrungen mit Alltagsrassismus und Mechanismen sind die Folge. Dies müssen wir unbedingt verhindern. Keiner darf verloren gehen.   

 

Was brauchen Sie für Ihre zukünftige Arbeit und welche konkreten Forderungen an die Politik ergeben Sich daraus?

Grundsätzlich brauchen wir in Bayern eine umfassende Auseinandersetzung und Debatte über gelingende Integrationskonzepte, die realistisch einbeziehen, dass auch und gerade Bayern seit Jahren eine Migrationsgesellschaft ist, aus denen eindeutig Teilhaberechte, aber auch Integrationspflichten der neu zugewanderten Menschen erwachsen. Der aktuelle Entwurf eines Bayerischen Integrationsgesetzes, der derzeit diskutiert wird, erfüllt diesen Anspruch jedoch nicht. Der Begriff der „Leitkultur“ oder die Orientierung an „Sitten und Gebräuchen“, an denen sich die Geflüchteten zu orientieren haben, ist nicht die Ebene der Auseinandersetzung über gelingende Integrationkonzepte.

Unter den Geflüchteten und Zugewanderten sind viele junge Menschen. Diese gilt es zu fördern. Aber auch die, die lange hierbleiben, aber eine geringe „Bleibeperspektive“ haben, benötigen genau so Unterstützung. Hier in „Verwertbare“ und „weniger Verwertbare“ zu unterscheiden, ist unchristlich und gegen jede Menschenwürde. Daher sind dringend Unterstützungs- und Hilfeangebote notwendig, die viel stärker den Fokus auf die Jugend egal welcher Stati legen. Zugangsweisen und Angebote müssen dabei jugendgerecht sein. Hier sind die Ansätze der migrationsbezogenen Jugend- und Jugendsozialarbeit richtungsweisend.  

Ein landesgefördertes JMD-Programm, dass sich an den Grundsätzen der (bundesgeförderten) Jugendmigrationsdienste (analog bundes- und landesgeförderter Migrationsberatung für Erwachsene) orientiert sowie eine Spezialisierung der landesgeförderten Asylsozialberatung mit dem Fokus auf junge Geflüchtete zwischen 12 und 27 Jahren, wären wichtige Ansätze einer innovativen, zielgruppengerechten und zukunftsgerichteten bayerischen Integrationspolitik.  

Weiterhin sind die landesgeförderten Maßnahmen und Programme der arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit und von Jugendsozialarbeit an Schulen wichtige Säulen der sozialen und beruflichen Integration neu zugewanderter junger Menschen. Diese gilt es bedarfsgerecht auszubauen.

 

Weiterführende Links:

http://www.ejsa-bayern.de/kategorie/migrationsbezogene-jugendsozialarbeit

http://www.jmd-portal.de

http://www.diakonie-bayern.de/die-diakonie-in-bayern-die-arbeitsfelder/diakonische-einrichtungen-in-bayern/beratungsstellen-und-einrichtungen.html

 

 

"Das ehrenamtliche Engagement ist uneingeschränkt hoch!"

Werner Lang, Leiter des Referats Stadtmarketing, Wirtschaft und Arbeit der Stadt Passau über das bürgerliche Engagement in seiner Stadt.

 

Wie ist die Situation heute?  Kann man ungefähr sagen, wie viele Flüchtlinge täglich in Passau ankommen?

Die Situation in Passau ist im Vergleich zu den Monaten des letzten Quartals 2015 entspannt. Täglich kommen derzeit ca. 750 Personen in Passau an (Stand: Februar, vor Schließung der Balkanroute. Anm. der Red.).

 

Wie hat sich das ehrenamtliche Engagement der Passauer Bürger in den letzten Monaten entwickelt?

Das ehrenamtliche Engagement ist uneingeschränkt hoch, allerdings verlagert sich das Tätigkeitsfeld zunehmend weg von der Akuthilfe am Bahnhof oder in der Registrierungsstelle an der Danziger Straße hin zur Integrationsarbeit.

 

Kann der Bedarf an Helfern gedeckt werden oder werden noch mehr gebraucht?

Die privaten Netzwerke der Helfer sind mittlerweile sehr groß, sodass Fluktuationen bislang immer problemlos ausgeglichen werden konnten.

 

Wie sind Sie vernetzt? Sind Hilfsorganisationen vor Ort, die die ehrenamtliche  Arbeit der Bürger unterstützen/koordinieren?

Die beiden Gruppen „Passau verbindet“ und „Hilfe für Menschen am Bahnhof Passau“ pflegen enge und gut funktionierende Kontakte zu den öffentlichen Stellen wie Stadt Passau, BuPo oder BAMF und zu den kirchlichen Organisationen Diakonie und Caritas.

Eine Koordination der Arbeit der freiwilligen Helfer von außen durch Dritte war bislang nicht notwendig, eine Unterstützung dahingehend, dass notwendige Sachmittel, Infrastruktur und Ressourcen bereitgestellt wurden, ist dagegen schon passiert. Ebenso ein laufender Austausch von Informationen zum jeweils aktuellen Sachstand.

 

Was wird derzeit am nötigsten gebraucht?

Die jetzt anlaufende Integrationsarbeit erfordert viele helfende Hände, eine gute Abstimmung und ein koordiniertes, strukturiertes Vorgehen. Dies kann und wird nicht von heute auf morgen reibungslos laufen, insofern ist derzeit vor allem ein wenig Geduld und gegenseitiges Verständnis gefragt.

Helferkreise, Patenschaften, Betreuungsangebote, Sprachförderung sind Stichworte rund um das Thema Integration, um die sich die Stadt Passau und die vielen Mitstreiter hier in Passau jetzt kümmern müssen. Wir sind gut gerüstet, jetzt ist das Engagement eines jeden Einzelnen gefragt.

 

Wie ist Ihr Ausblick/Ihre Einschätzung  für die kommenden Monate?

Eine Prognose vor allem über die Entwicklung der Flüchtlingszahlen abzugeben, wäre Hellseherei!

Fest steht aber, dass mit der Integration der Menschen, die aus den Krisengebieten hierher nach Deutschland gekommen sind, die wirkliche Herausforderung erst noch bevorsteht.

 

An wen kann ich mich wenden, wenn ich vor Ort helfen möchte?

Die beiden oben genannten Gruppen sind in den sozialen Netzwerken präsent, Interessenten können sich dort über die Arbeit informieren und Kontakt aufnehmen.

 

Weiterführende Links:

https://www.facebook.com/passauverbindet

http://passau-verbindet.de/helfen.html

https://www.facebook.com/pages/%C3%96kumenischer-Unterst%C3%BCtzerkreis-Asyl-Passau/763505617102234?fref=ts

http://www.diakonie-passau.de/

Mit Flüchtlingen für Flüchtlinge

Ihr Kontakt

  • Titel
    Migration
    Vollständiger Name
    Helmut Stoll
    Firma
    Diakonisches Werk Bayern e.V.
    Adresse
    Postfach 120320
    Postleitzahl
    90332
    Stadt
    Nürnberg
    Telefonnummer
    0911 9354-370
    Mobiltelefonnummer
    0911 935434-370
    Faxnummer
    0911 9354-372
    E-Mail-Adresse
    stoll(at)diakonie-bayern(dot)de