Zum Inhalt springen

Positionen

Immer wieder veröffentlicht das Diakonische Werk Bayern grundsätzliche Texte - zu sozialpolitischen Themen ebenso wie zum Verhältnis von Kirche und Diakonie. Diese Positionen finden Sie an dieser Stelle gesammelt und können hier heruntergeladen werden.

Die Tradition von Familienpflege reicht bis zu den Anfängen der institutionalisierten Diakonie im 19. Jahrhundert.

Sie ist damit originäres Arbeitsfeld von Diakonie und Kirche, das sowohl angesichts steigender gesellschaftlicher Anforderungen, als auch individueller Belastungen der Familien, eine wichtige gesellschaftliche Funktion übernimmt. Diakonie und Kirche unterstützen Familien in ihren vielfältigen Aufgaben und in ihrem Prozess des Werdens und sich Veränderns. Familienpflege entspricht dem Auftrag von Diakonie und Kirche und vermittelt deren Werte.

 

Familienpflege ist eine professionelle Hilfe und ein wichtiges diakonisches Angebot. Sie arbeitet situationsbezogen, zielorientiert, selbstreflektierend und flexibel. Als aufsuchender, ambulant sozialpflegerischer, familienunterstützender Dienst ist Familienpflege auf das komplexe System Familie gerichtet. Es ist ein Angebot unabhängig von Staatsangehörigkeit, Konfession oder sozialem Status, dessen Wahrnehmung Familien nicht stigmatisiert.

 

Familienpflege bietet ihre Leistungen im Schnittstellenbereich zwischen Gesundheits-, Familien- und Jugendhilfe an und kann umgehend auf Notsituationen reagieren. Familienpflegedienste kooperiert eng zum Wohle der Familien, bedarfsorientiert mit anderen Angeboten in diesen Bereichen zusammen. Handlungsfelder der Familienpflege sind insbesondere die Haushaltshilfe der Krankenversicherung, sowie Jugendhilfe, alte Menschen, Menschen mit Behinderungen, chronisch psychischen Krankheiten und Personen in schwierigen Lebenssituationen. Veränderungen in der Gesellschaft haben dazu geführt, dass neue Bedarfslagen und Krisensituationen im System Familie entstehen.

 

Diese einzelnen Handlungsfelder stellen unterschiedliche Anforderungen sowohl an die Aufbau- und Ablauforganisation als auch an die Personalstruktur und –qualifikation der Familienpflege. In Einsätzen, bei denen die haushaltsführende Person nicht im Haus ist, braucht die Familienpflegerin eine hohe fachliche Kompetenz.

 

Die Familienpflege hat drei Grundaufgaben:

Familienpflege leistet professionelle, fachlich qualifizierte Haushaltshilfe:

  • die Fachkräfte arbeiten mit der in der jeweiligen Familie/Haushalt vorhandenen Ausstattung, mit der entsprechend notwendigen Sachkenntnis
  • die Familienpflegerin erfasst die individuellen Bedürfnisse der jeweiligen Haushaltsführungen (z. B. Kultur, Religion, gesundheitliche Beeinträchtigungen)
  • sie arbeitet selbständig und verantwortungsbewusst
  • im finanziellen Rahmen des jeweiligen Haushalts
  • mit breiter Detailkenntnis (z. B. im Bereich Ernährung, mit Maschinen und Geräten, etc.)

 

Familienpflege leistet Begleitung und Betreuung der Familienmitglieder insbesondere der Kinder:

  • in allen Alters- und Entwicklungsstufen gemäß des individuellen Bedarfs
  • unter Berücksichtigung des Einsatzgrundes (z. B. Mutter psychisch krank, plötzlicher Wegfall der Mutter durch Unfall,…) und anderer besonderer Umstände
  • die Familienpflegerin betreut die Personen in deren gewohntem Umfeld und vertrautem Milieu;
  • dadurch erhält sie den gewohnten Alltag der einzelnen Familien aufrecht.
  • Familienpflegerinnen sind in der aktuellen Notsituation Ansprechpartnerinnen und aktive Zuhörerinnen für die verschiedenen Familienmitglieder.

 

Familienpflege leistet Unterstützung, Versorgung und pflegerische Hilfestellungen:

Durch die Betreuung der Familienmitglieder über den Tagesablauf haben die eingesetzten Mitarbeiterinnen auch eine hohe Verantwortung für das gesundheitliche Wohl. Die Spanne reicht von Pflege/ Versorgung der Schwangeren, Wöchnerinnen, Säuglingen über die Versorgung in akuten Erkrankungsphasen (z. B. Grippe oder Kinderkrankheiten) bis zur Unterstützung und Versorgung bei schweren und chronischen Krankheiten (z. B. Krebs, MS) oder behinderten Personen. Veränderungen müssen wahrgenommen und notwendige Hilfesysteme eingebunden werden (ggf. Erste Hilfe bei Unfällen und akuten Notsituationen).

 

Die Besonderheit der professionellen Hilfe von Familienpflege ist die Vernetzung dieser vielseitigen Bereiche im ganzheitlichen Sinn. Damit werden die Familien in Notsituationen im kompletten Alltagsleben begleitet. Situations- und einsatzabhängig arbeitet die Familienpflegerin unterstützend, vertretend oder anleitend. Das Arbeiten im Netzwerk der verschiedenen Dienste und das Einbinden von weitergehenden Hilfen (z. B. Schuldnerberatung, Erziehungsberatung, Schwangerschaftsberatung) gehört zum fachlichen Alltag. Dabei orientiert sich die tägliche Arbeitszeit der Familienpflegerin an den Bedürfnissen der Familie. Die Familienpflege arbeitet auf Grundlage von Qualitätsstandards, die bereits 2002 erarbeitet und fortlaufend weiterentwickelt wurden.

 

Diese professionellen Angebote der Familienpflege machen deutlich, dass die Arbeit der Familienpflegedienste eine nachhaltige Investition in die Gesellschaft ist und ihr letztlich Kosten spart. Familienpflege arbeitet vorrangig im Sinne der Familien und ist so auch ein Beitrag zur Sicherung des sozialen Friedens.

 

„Den Lebenswert der Gesellschaft von morgen werden die Menschen nicht in erster Linie am technischen Innovationsgrad oder an der Fülle materieller Güter messen. Entscheidend werden vielmehr – neben dem äußeren Frieden, der bewahrten Natur und einem gesunden Lebensumfeld – die sozialen Qualitätsmerkmale sein: Wie zum Beispiel die Möglichkeit für diskriminierungsfreie Teilhabe an Bildung, Sicherheit, Gesundheit und Wohlstand, die materielle Absicherung im Alter, die Unterstützungsangebote in krisenhaften Lebensphasen oder die Erfahrung menschlicher Nähe.“ (aus: Sozialcharta für Bayern).

 

Nürnberg, im Juli 2013

 

 

Alle hilfs- und pflegebedürftigen älteren Menschen unseres Landes gut zu versorgen, ist ohne professionell organisierte Pflege nicht machbar. Auch wenn es sehr viele Menschen gibt, um die sich Familien-Angehörige oder noch aktive ältere Menschen kümmern, und auch wenn wir alle im Alter natürlich in den unterschiedlichsten Beziehungen und Netzwerken leben werden.

 

Die Pflegebranche ist einer der wachsenden Arbeitsbranchen in der Bundesrepublik. Gleichzeitig ist sie eine mit den schwierigsten Rahmenbedingungen. Trotz der fünften Säule „Pflegeversicherung" im Sozialversicherungsbereich, fehlt schon heute die ausreichende finanzielle Ausstattung der Pflegekassen und das effektive Zusammenwirken von Pflege- und Krankenkassen.

 

Pflege braucht zwingend bessere Rahmenbedingungen, um ihrem Auftrag und ihren Aufgaben gerecht zu werden. Für die Menschen, die Pflege und Betreuung bedürfen. Und für die Mitarbeitenden.

 

Pflege ist Menschlichkeit - wir brauchen mehr davon.

1.) In verschiedenen Veröffentlichungen ist in den vergangenen Jahren über Missstände in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe im Raum von Kirche und Diakonie während der fünfziger und sechziger Jahre, berichtet worden. Auch die Diakonie in Bayern setzt sich seit längerem mit diesen Vorgängen auseinander, die wir weder verharmlosen noch schwarz-weiß malen wollen oder dürfen.

 

2.) Die damaligen gesellschaftspolitischen und sozialen Verhältnisse unterscheiden sich gravierend von der heutigen Situation in den Mitgliedseinrichtungen. Die heutige Ausstattung der diakonischen Erziehungshilfe mit ausgebildeten Fachkräften und deren umfassenden Begleitung durch Supervision und Fachdienste garantiert qualifizierte Arbeit nach heutigen pädagogischen Standards.

 

3.) Obwohl derartige Vorgänge sowohl durch damals gängige pädagogische Praxis als auch zum Teil durch einen entsprechenden rechtlichen Rahmen gedeckt und damit selbst staatlich abgesichert waren, müssen wir heute die Verhaltensweisen, die ihnen zugrunde liegen, als großes Unrecht bezeichnen, da sie den Grundsätzen eines christlichen Menschenverständnisses nicht entsprechen.

 

4.) Auch wenn es sich dabei nicht um „systematisches“ Vorgehen handelt, das für alle Einrichtungen der evangelischen Jugendfürsorge angenommen werden muss, handelt es sich doch auch um Ausdruck einer pädagogischen Haltung, die leider auch in Einrichtungen der Diakonie zu finden war. Diese Vorfälle können auch nicht alleine durch einen Hinweis auf „damalige Verhältnisse“, Überlastung und Überforderung der Mitarbeitenden oder ein anderes Verständnis von Pädagogik relativiert werden.

 

5.) Für die Betroffenen bedeuten diese Erfahrungen eine Last, die ihr Leben zum Teil bis zum heutigen Tag schmerzvoll prägt.

 

6.) Die bayerische Diakonie weiß zwar, dass das Eingeständnis von Versagen und die Bitte um Verzeihung die Leiden, die jene Menschen erdulden mussten, nicht ungeschehen machen können. Aus der jahrzehntelangen Arbeit mit und im Sinne der Menschen wissen wir aber auch, dass das Zugeben eigener Schuld für beide Seiten eine Entlastung bedeuten kann. Es tut uns Leid, was den betroffenen Kindern und Jugendlichen angetan wurde, und wir sprechen ihnen unser Bedauern aus.

 

7.) Wir haben die Chance, nun den Prozess der Aufarbeitung der Fürsorgeerziehung aktiv anzugehen, weil sowohl diejenigen, die als Erzieher oder Mitarbeiter in diesem Feld tätig waren aber auch die Menschen, die Traumata davongetragen haben, noch miteinander ins Gespräch kommen können.

 

8.) Die Diakonie in Bayern wünscht sich diese aktive Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte  - im Interesse der Betroffenen und auch im eigenen Interesse. Neben der fachlichen Auseinandersetzung auf der Ebene des Verbandes – so mit einem Fachtag auf Ebene des Diakonischen Werkes der EKD - bieten wir den Leidtragenden jener Jahre unsere Unterstützung bei der Recherche ihrer eigenen und unserer Geschichte an, um gemeinsam mit den Trägern und den Einrichtungen eine Aufarbeitung der Vergangenheit zu ermöglichen.

 

Diese Erklärung wurde von den Geschäftsführenden der Diakonie Bayern am 21. Februar 2006 in Nürnberg angenommen und verabschiedet.

Ausgangslage

 

Die Wahrnehmung von Kriminalität wird in beträchtlichem Maße durch die Berichterstattung in den Massenmedien beeinflusst und gesteuert. Das Skandalisieren von Einzelfällen und das Suggerieren einer stetig anwachsenden Kriminalitätsbelastung verbunden mit der Überzeugung, die innere Sicherheit sei in ihren Grundfesten bedroht, führen zum lauten Ruf nach härteren und längeren Bestrafungen. Die kriminalpolitischen Maßnahmen der letzten Jahre sind geprägt von einer kontinuierlichen strafverschärfenden Gesetzgebung.

 

Ein Blick auf die tatsächliche Kriminalitätsbelastung in Deutschland zeigt, dass die Anzahl der begangenen Straftaten keinesfalls mit dem Anstieg des subjektiven Gefährdungsgefühls korrespondiert. Im Gegenteil, weist doch die letzte statistische Auswertung zum Ausmaß der Straffälligkeit in der Bevölkerung für das Jahr 2005 aus, dass die Verurteiltenkennziffern über alle Altersgruppen hinweg durchwegs niedriger als im Vorjahr waren. Die Anzahl von schweren Gewaltverbrechen und Sexualstraftaten ist seit Jahren rückläufig.

 

Diakonische Straffälligenhilfe stellt sich dem kriminalpolitischen Reflex nach Strafverschärfung entgegen und trägt durch eigene Angebote für straffällig gewordene Menschen zu einem Mehr an Sicherheit in unserer Gesellschaft bei. Die konsequente und intensive Arbeit mit den Tätern ist die effektivste Form des Opferschutzes. Kriminologische Untersuchungen belegen, dass repressive Haftbedingungen negative Entwicklungsverläufe fördern. Die hohen Rückfallquoten stellen die langfristige Wirksamkeit strafvollzuglicher Maßnahmen in Frage.

 

 

Aufgabe

 

Diakonische Straffälligenhilfe setzt sich dafür ein, dass die verfassungsrechtlich verankerte Pflicht zur Wiedereingliederung straffällig gewordener Menschen in die Gesellschaft in  der Praxis Anwendung findet. Diakonische Straffälligenhilfe bietet deshalb Menschen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind und strafrechtlichen Eingriffen unterliegen, Unterstützung an. Diese umfasst alle Angebote, die geeignet sind, die individuellen Fähigkeiten Betroffener und deren Angehöriger zu erweitern und zu stärken sowie ihre Lebenssituation und ihre Lebensbedingungen nachhaltig zu verbessern. Sie möchte das Selbsthilfepotential straffällig gewordener Menschen auf Dauer so stärken, dass sich soziale und individuelle Faktoren, die Straffälligkeit begünstigen können, verändern. Sie soll helfen, den stigmatisierenden Status der Straffälligkeit zu überwinden und die soziale Ausgrenzung der davon betroffenen Menschen zu vermeiden.

 

 

Perspektiven und Forderungen

 

Diakonische Straffälligenhilfe ist getragen vom Versöhnungsgebot Gottes. Sie nimmt den Versöhnungsauftrag der Menschen untereinander ernst. Diakonische Straffälligenhilfe ermutigt zum Dialog zwischen straffällig gewordenen Menschen und ihren Geschädigten und Opfern. Die konkreten Aufgabenfelder umfassen u.a. Hilfen zur Konfliktschlichtung und Schadenswiedergutmachung (z.B. Täter-Opfer-Ausgleich), durchgehende Betreuung während des gesamten Strafverfahrens, offene Beratungsangebote für straffällig gewordene Menschen, soziale Arbeit mit Angehörigen, Haftvermeidungshilfen, gemeinnützige Arbeit statt Ersatzfreiheitsstrafe, ambulante und stationäre Wohnangebote für Haftentlassene, Hilfen zur Wiedereingliederung ins Arbeitsleben, Förderung ehrenamtlicher Mitarbeit.

 

Die Finanzierung ambulanter Maßnahmen der Straffälligenhilfe ist von großen Unsicherheiten geprägt. Sinkende landeskirchliche Mittel und ein drastischer Rückgang der freiwilligen kommunalen Zuschüsse stellen die Erfüllung von Kernaufgaben  der Straffälligenhilfe in Frage. Wesentliches Ziel muss es deshalb sein, eine kostendeckende Entgeltregelung für alle ambulanten Hilfen zu erhalten.

 

Die bayerische Justiz ist nach der Zuständigkeitsverlagerung für den Strafvollzug durch die Föderalismusreform auf die Bundesländer besonders gefordert, Maßnahmen zur Entwicklung eines verbindlichen Eingliederungsmanagements nach der Haftentlassung unter Einbeziehung aller beteiligten Akteure – insbesondere auch der freien Straffälligenhilfe – zu ergreifen und finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Die Reduzierung des Rückfallrisikos gelingt dann, wenn die Wiedereingliederung straffälliger Menschen in Familie, Arbeitsleben und Gesellschaft erfolgreich verläuft. Dazu bedarf es in der Regel unterstützender und begleitender Angebote und Hilfen, deren Finanzierung gesichert sein muss.

 

Der in immer kürzer werdenden Abständen anschwellende Ruf nach mehr Sicherheit der Bevölkerung vor Straftaten darf nicht zu einer fortlaufenden Verschärfung strafgesetzgeberischer und strafvollzuglicher Maßnahmen missbraucht werden. Die bayerischen Gefängnisse sind bereits sicher. Lockerungen des Vollzugs führen nachweislich nicht zu höheren Missbrauchs- und Entweichungszahlen, trotzdem wird auf diese integrationsfördernden Maßnahmen nahezu vollständig verzichtet. Und der geschlossene Vollzug wird zum Regelvollzug. Zur Sicherheit der Allgemeinheit tragen vor allem anderen umfassende und auf den Einzelfall abgestimmte konsequente Resozialisierungsmaßnahmen während und nach der Haft maßgeblich bei. Hier bedarf es noch beträchtlicher Anstrengungen und Veränderungen. Die diakonische Straffälligenhilfe wird auch zukünftig deutlich auf Notwendigkeiten hinweisen und sie einfordern und ihre Kompetenz und Erfahrung in den Prozess der Wiedereingliederung straffälliger Menschen einbringen.

Ihr Kontakt

  • Vollständiger Title
    Pressesprecher
    Vollständiger Name
    Daniel Wagner
    Vollständiger Company
    Diakonisches Werk Bayern e.V.
    Vollständiger Street
    Vollständiger Zip
    90332
    Vollständiger City
    Nürnberg
    Vollständiger Phone
    0911 9354-205
    Vollständiger Mobile
    0911 935434-205
    Vollständiger Fax
    0911 9354-215
    Vollständiger Email
    wagner@diakonie-bayern.de
    Vollständiger Description