Die Heimerziehung der 50er und 60er Jahre im Kontrast zur aktuellen Jugendhilfe
Der Runde Tisch Heimerziehung (rth) unter der Leitung von Frau Dr. Antje Vollmer, Bundestagsvizepräsidentin a.D. veröffentlichte Ende 2010 seinen Abschlussbericht und übergab diesen am 19.01.2011 an den Deutschen Bundestag. Damit wurde eine Diskussion zusammengefasst, die 2006 begann und das Leben von Kindern und Jugendlichen aber auch von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den größtenteils konfessionellen Heimen (80 %) der Kinder- und Jugendhilfe von 1949 – 1975 beschrieb. Der Bericht fordert für die Missstände der Heimerziehung der 50er und 60er Jahre zur Verantwortungs-übernahme der Gesellschaft und der öffentlichen und freien Träger auf (S. 31). Die Missstände der damaligen Zeit werden benannt: „Kindern und Jugendlichen wurde nicht nur keine förderliche Erzie-hung an lohnenden Lebensorten geboten, vielfach wurden sie alleingelassen, misshandelt, traumatisiert und ihrer Zukunftschancen beraubt.“
Es wird betont, dass es auch angemessene Heimerziehung gab, aber diese war nicht allgemeine Praxis. Vielfach wird darauf hingewiesen, dass auch die heutigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich mit dem Thema beschäftigen sollten, im Sinne der Reflexion einer häufig schlimmen Vergangenheit aber auch als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Einrichtungen, die in der öffentlichen Diskussion stehen und die daher nicht nur von Betroffenen (ehemaligen Heimkindern) angefragt werden. Die Information, die wichtig für die Bewertung der Zeit sind, erhalten Sie durch ein Mitglied des Runden Tisches, Herrn Dr. Kruttschnitt und Zeitzeugen. Eine der Forderungen der ehemaligen Heimkinder (Abschlussbericht, S. 32) ist die Forderung, „dass an die grundrechts- und menschenrechtsverletzende Heimerziehung in der Zeit von 1949 bis 1975 erinnert“ wird. Dies ist einer unserer Schritte.
Gleichzeitig trägt der Fachtag den Forderungen der ehemaligen Heimkinder Rechnung, dass Kinder und Jugendliche „Experten in eigener Sache“ (S. 40) sind und bei einer solchen Tagung auch gehört werden müssen. Auch das Anliegen der Einrichtungen von Ombudsstellen (S. 32) soll in der Tagung herausgearbeitet und unterstützt werden.


