Integration mit Augenmaß. Diakoniepräsident zur Integrationsdebatte.
Nürnberg, den 6.09.2010 „Aufgrund der demographischen Entwicklung ist Deutschland auf Einwanderung angewiesen. Die Integrationsdebatte sollte fair und zielgerichtet geführt werden. Statt Polemik und Provokation brauchen wir Differenzierung und Versachlichung“, fordert Diakoniepräsident Dr. Ludwig Markert.
„Politisches Ziel sollte es sein, die Integration so zu fördern, dass Defizite ausgeglichen werden und unsere ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger eine faire Chance haben, in unsere Gesellschaft wirklich aufgenommen zu werden. Doch das Gegenteil ist der Fall: Durch die Haushaltseinsparungen des Bundes werden gerade jene Förderprogramme heruntergefahren, welche die Integration unterstützen sollen.“ So werden beispielsweise die Zugänge von Müttern mit Kleinkindern zu Integrationskursen erschwert und Mittel für die Migrationsberatung für Erwachsene gekürzt.
Das bayerische Innenministerium hat heute eine Bevölkerungsvorausberechnung Migranten für das Jahr 2020 in Bayern veröffentlicht. Demnach wird der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund durch die demographische Entwicklung erheblich ansteigen. In diesem Zusammenhang erklärte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann, dass es „keinerlei Bedarf an weiterer Zuwanderung“ gebe.
Markert dagegen: „Zuwanderung wird es immer geben, allein schon durch Familienzusammenführungen und Heiratsmigrationen. Deutschland ist künftig auf Zuwanderung angewiesen, auch aufgrund der Überalterung unserer Bevölkerung und des wachsenden Bedarfs an Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt.“ Um die gegenwärtigen und zukunftigen Integrationsaufgaben bewältigen zu können, sei es erforderlich zu akzeptieren, dass Deutschland ein Einwanderungsland sei und auch in Zukunft sein werde.
„Das Bild der Integration in Deutschland sollte in seiner ganzen Differenziertheit in den Blick genommen werden,“ so der Diakoniepräsident. Insgesamt sei die Integration eines großen Anteils unserer ausländischen und eingebürgerten Bevölkerung gut gelungen. Viele Menschen mit Migrationshintergrund seien wichtige Leistungsträgerinnen und Leistungsträger in unserer Gesellschaft. Markert weiter: „Aufgabe der Politik ist es, die oft schwierigen Lebensumstände und eingeschränkten Chancen jener ausländischen Mitbürger und Mitbürgerinnen zu berücksichtigen, bei denen Integrationsdefizite bestehen. Wir brauchen eine intensive Förderung der Kinder und Jugendlichen von Migrantinnen und Migranten.“



